» »

Befürchte falsche diagnose durch psychiater

s&ch?merze;nsm)anxn hat die Diskussion gestartet


Sehr verehrte Damen und Herren,

vor kurzem war ich bei meinem Psychiater, um den organischen Befund meiner vermuteten Depression zu klären und eventuell ein Antidepressivum verschrieben zu bekommen. Tatsächlich wurde aber ein psychotischer Schub diagnostiziert und eine Verabreichung von Risperdal, ein Neuroleptikum, vorgeschlagen. Ich habe auf einem Antidepressivum bestanden, doch mein Psychiater war der Meinung, daß ich dadurch erst recht in die Psychose hineingeraten würde. Darauf habe ich gefragt, wie er zu seiner Diagnose käme, aber er war wohl nicht bereit es mir im einzelnen darzulegen ("aufgrund der geschilderten Symptome und ihres Auftretens"). Meines Erachtens nach habe ich die typischen Symptome einer Depression, aber kein einziges spezifisches Psychose. Insofern ich mich erinnern kann, habe ich die folgenden geschildert:

Antriebslosigkeit - Irrationale Ängste - begründete und unbegründete Schuldgefühle - Schlafstörungen im Sinne von Schlafmangel (4 Stunden Schlaf, vereinzelt kein Schlaf) - Nervosität - Brechreiz v.a. am Morgen - Todessehnsüchte - Quälende Gedanken - Konzentrationsstörungen - Affektive Reaktionen auf das Wetter - Ständiger Wunsch nach Zuwendung und einem Gesprächspartner (d.h. es allein nicht aushalten zu können) - Probleme mit der Kontaktaufnahme.

Über den Eindruck den ich hinterlassen habe: Ich war nervös, spreche schnell, undeutlich und leise und starre dauernd ins Leere anstatt auf mein Gegenüber.

Ich habe auch davon berichtet, daß ich in Anfechtung über Weihnachten war, kaum schlafen konnte wegen der quälenden Gedanken daran, etwas an meinem Leben ändern zu müssen, aber nicht zu können. Außerdem habe ich erwähnt, daß Alkohol auf mich nicht wie auf die meisten Menschen wirkt, d.h. ich fühle mich wenn ich trinke nicht lustiger sondern gleich schlecht und bloß betäubt. Ich habe keine Erfahrungen mit Drogen und das habe ich auch deutlich gemacht. Auch Alkohol trinke ich nicht regelmäßig. Ich wurde nach Halluzinationen gefragt und habe verneint. Nicht gefragt wurde ich nach Wahnvorstellungen, die ich aber im übrigen nicht habe. Ich habe betont, daß ich mich nicht für schizophren halte und mein Psychiater hat mir in diesem Punkt zugestimmt. Mir ist im übrigen negativ aufgefallen, daß keine Untersuchung des Blutbildes oder der Schilddrüse vorgeschlagen wurde.

Meine große Sorge ist, daß ich hier falsch behandelt würde. Ich will, wenn nicht unbedingt nötig, kein Neuroleptikum nehmen, denn ich fürchte die Nebenwirkungen. Mein Psychiater hat vorgebracht daß die Wirkung von Risperdal dieselbe wie die eines Antidepressivums wäre ("nur der Name ist anders"). Ich habe mich trotzdem gegen die Therapie geweigert und spiele nun mit dem Gedanken, den Arzt zu wechseln. Was würden Sie an meiner Stelle tun?

Mit freundlichen Grüßen,

Schmerzensmann

Antworten
S!ydnxey


Hallo! Also, ich würde an Ihrer Stelle, gerade wenn Sie verunsichert sind, schlicht und ergreifend einen anderen Arzt aufsuchen, das kostet Sie lediglich die Praxisgebühr, wenn innerhalb des Quartals der Arzt gewechselt wird. Mehr nicht! Und - auf "eine einzige" Diagnoseerstellung würde ich mich, gerade in solch "sensiblen Bereichen" sowieso nicht verlassen.

Gruß Sydney

C\yndexrel


ich

möchte mich sidney anschließen..ich würde auch zu einem anderen arzt gehen..so was lässt man nicht nur von einem arzt entscheiden. viel glück und viel kraft :)^ :)*

sac1hwi[ndelinxa


Bin genau der selben Meinung. Ihre Unsicherheit bezüglich der Diagnose und der Medikation sollte ausgeräumt werden und zwar durch eine zweite unabhängige Meinung.

Alles Gute!

Leu"po1049


Hallo Schmerzensmann,

vielleicht ist es tatsächlich gar nicht so wichtig, welche Art Medikament verordnet wird (auch Antidepressiva haben Nebenwirkungen), aber wurde auch über eine geeignete Psychotherapie gesprochen ? Dafür ist eine richtige Diagnose nämlich viel wichtiger und das würde ich dann auch noch mal überprüfen lassen.

Viele Grüsse

Lupo

NnaTch7tw$esen


Meiner Laienmeinung nach hört sich das nicht wirklich psychotisch an und ein Neuroleptikum bringt dir da nicht mehr als Beruhigung/Sedation (wobei ich halt deine Vorgeschichte usw. auch nicht kenne) ... vielleicht dachte der Psychiater, du schaust nicht "ins Leere" sondern eine Halluzination an :-

Stimme den Vorrednern zu ... laß dir eine zweite Meinung von einem anderen Arzt machen! Aber ich würd dem zweiten erst mal nichts von dieser Diagnose erzählen ...

*:)

s$chm:erzWeDnsVmann


vielen Dank für eure Reaktionen

Ich bin im übrigen seit 5 Sitzungen in Psychotherapie die mir allerdings noch nicht viel weiter geholfen hat, wenn ich davon absehe, daß ich in bezug auf meine Person einiges klarer sehe. Ich werde meinem Therapeuten die Diagnose unterbreiten und ihn nach einem Psychiater fragen (ich habe schon selbst recherchiert aber keinen Termin bekommen können).

Es wurde hier auch die Frage nach meiner Vorgeschichte gestellt die ich kurz skizzieren kann, so wie ich es in etwa auch dem Psychiater getan habe: Die depressive Grundstimmung ist etwas das zu jeder Zeit meines Lebens vorhanden war und mit der Zeit stärker wurde. Als 4 und 5jähriges Kind habe ich es schon empfunden als ständige Lustlosigkeit und ich hatte eine ausgesprochene Neigung zum Weinen. Im Kindergarten und in der Grundschule fiel dann auf, daß ich stark zurückgezogen bin und überängstlich. Mit 10 Jahren habe ich das erste Mal an Selbstmord gedacht und danach immer wieder bis gegenwärtig in Situationen, die schwierig oder belastend waren. Mit 15 Jahren fiel einem Lehrer meine Nervosität auf, die schon mit ungefähr 13 oder 14 Jahren begonnen hatte. Mit 17 Jahren hatte ich einen 6monatigen depressiven Schub, den ich zwar überwunden habe, es blieb aber eine ablehnende, pessimistische Lebenshaltung, die ich bis heute habe. Mit meiner Bekehrung mit 19 Jahren glaubte ich, daß ich nicht mehr depressiv würde. Aber ein Jahr später, als ich in persönliche Schwierigkeiten geraten war, waren all die Gefühle wieder da.

Man kann sicherlich behaupten, daß meine Depressionen auch zu einem gewissen Teil reaktiv sind, da ich mich gerade in einer vielschichtigen Problemlage befinde. Dazu gehören häusliche Probleme, Liebeskummer, Einsamkeit, Zweifel an der Studien- und Berufswahl, Zweifel das Studium bestehen zu können und ich bin gestreßt. Obwohl ich objektiv gesehen zufrieden sein könnte, bleibt dieses depressive Gefühl. Ich habe gewisse Hoffnung für mein Leben und sehe auch Wege, die ich noch gehen kann. Aber gerade diese Diagnose drückt mich sehr nieder und hat auch meine Symptome verstärkt. Zu all meinen Problemen kommt jetzt auch noch die Sorge, daß ich mir eingestehen müßte, schwer psychisch krank zu sein und wohl möglich noch schizophren zu werden.

Shydnexy


@Schmerzensmann

Aus zahlreichen Gesprächen mit vielen Menschen, aber auch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es viele, um nicht zu sagen unzählige Traumatisierungen im Kindesalter gibt, die wir ein ganzes Leben mit uns herumschleppen, wenn sie nicht erkannt und behandelt werden. Es müssen nicht immer die groben Mißbräuche sein, von denen überall gesprochen wird, nein, oft genug reichen, aus heutiger Sicht "Kleinigkeiten" aus, um unser gesamtes Leben negativ zu beeinträchtigen.

Nun, nach 5 Stunden Therapie lässt sich noch gar nichts sagen, denn stell Dir doch einfach mal vor, was Du ggfs. seit frühester Kindheit mit Dir herumschleppst und frage Dich, wie viele Jahre seitdem vergangen sind? Nein, da kann man doch noch keine "Erfolge" erwarten, geschweige denn sagen "das hat nicht viel geholfen". Weißt, mir fällt immer wieder auf, dass viele Menschen an eine Therapie Erwartungshaltungen haben wie an eine Kopfschmerztablette. Und deshalb frage ich mich immer wieder: Was wissen die Menschen eigentlich über sich, ihre Psyche und die Zusammenhänge?

Versuche Dir mal vorzustellen, dass Dein heutiger Zustand die Folge all dessen ist, was Du seit Deiner frühesten Kindheit mit Dir herumträgst, vielleicht gewinnst Du dadurch ein Verständnis für Dich selbst und begreifst, dass es Dir aufgrund dessen gar nicht besser gehen kann, aber sieh auch die Chance, die sich Dir jetzt bietet. Gib also Dir und der Therapie eine Chance und vertraue darauf, dass Du Dir damit ein Stück näher kommen wirst, aber wundere Dich nicht, dass es Dir, wenn Du Dich darauf einlässt, erst einmal wesentlich schlechter gehen wird. Denn in der Arbeit mit einem fähigen Therapeuten wird viel Verdrängtes und Unangenehmes an die Oberfläche katapultieren, manchmal mehr und heftiger, als einem lieb und man glaubt ertragen zu können. Aber glaub mir, man kann, sogar ohne Medikamente !!!

Gruß Sydney

s[chw2indxelina


Abwarten und Tee trinken

:)D

Laß die Sache mal ganz langsam angehen. Selbst wenn die sagen sollten, daß du schwer psychisch krank bist, ist das kein Weltuntergang. Ganz im Gegenteil, dann kann man gezielt anfangen, zu therapieren.

Aber so weit ist es ja noch lange nicht und ob es dazu kommt, wissen wir auch nicht. Also, bleib ruhig und kooperiere weiter. Spekulieren hilft da nicht, obwohl, ich weiß, man macht sich da so seine Gedanken. Das ist auch vollkommen in Ordnung, man darf sich nur nicht in etwas reinsteigern.

Ich denke, alles braucht seine Zeit und die solltest du dir auch lassen.

Wie kommst du darauf, schizophren zu werden? So schnell geht das nicht.

Hast du schon einen Termin gemacht bei einem anderen Psychiater?

Ich würde auch nichts von der vorher gestellten Diagnose sagen, der soll dir einfach mal ganz neutral gegenüberstehen. Und dann kann man weitersehen, was der sagt.

Kopf hoch und am Ball bleiben, viele Grüße

sachGmerEzenszmanxn


Tatsächlich hat mir die Psychotherapie geholfen

Mir sind einige Dinge über mich in der Therapie klar geworden. Dazu gehört beispielsweise, daß ich ein geringes Selbstwertgefühl habe, daß ich zu hohe Ansprüche an mich stelle, daß ich anderen Menschen immer böse Unterstellungen mache, daß ich es schwer zu akzeptieren finde, wenn ich gemocht werde, daß ich Gefühle nicht ausdrücken kann und auch die Reaktionen meiner Mitmenschen falsch verstehe, daß ich den Zwang habe, mich selbst zu bestrafen, daß ich mir geradezu paranoide Gedanken mache, daß ich mich ständig selbst anklage und mit meiner Schuld nicht zurechtkomme, daß ich mich nicht entspannen kann und es kaum Dinge gibt, die mir noch Freude bereiten.

Ich weiß, daß all das keine positiven Vorzeichen sind, um glücklich oder bloß zufrieden zu werden. Die Psychotherapie hat auch zutage gefördert, woran dies liegen könnte. Zum einen liegt es wohl an meinem Elternhaus. Es ist ein schwerer Vorwurf meinerseits, aber ich fühle mich in gewisser Hinsicht durch meine vernachlässigt. Das bedeutet weniger, daß sich meine Eltern zu wenig mit mir beschäftigt hätten, als daß sie mir keine wirkliche Erziehung vermittelt haben. Meine Eltern haben mich praktisch nie bestraft und mir zu viel erlaubt, vor allen Dingen nach ihrer Scheidung (damals war ich 10), hatte ich praktisch die Freiheit, alles zu tun, was ich wollte. Die Scheidung war ohnehin ein traumatisches Erlebnis, daß mich zum erstenmal an Selbstmord denken ließ. Ich habe es dann relativ gut verkraftet, es blieb jedoch ein gestörtes Vertrauen zu beiden Elternteilen. Leider hatte ich zu jener Zeit sonst niemaden, dem ich mich hätte anvertrauen können. (Meine Eltern reagierten sehr heftig darauf, wenn ich über den anderen Elternteil reden wollte.)

Ein zweiter wichtiger Faktor ist, daß ich ständig Außenseiter war, einfach aus dem Grund, daß ich in gewisser Hinsicht anders war und es auch bis heute bin. Mir sind durch meine Kindheit hinweg bis in die Pubertät deswegen verschiedene Attribute zugeschrieben worden, die durchaus verletzen können. Davon ist "nicht normal zu sein" noch das schwächste. Weitere Beispiele sind behindert, geisteskrank, homosexuell, Frühgeburt, drogenabhängig, Satanist. Nichts davon trifft zu, bis auf behindert und geisteskrank zu einem gewissen Maße. Später habe ich meine Isolation angenommen und versucht die Rolle des Außenseiters um so glaubwürdiger zu spielen.

Im nachhinein schockiert mich zu sehen, wie ich mich entwickelt habe. Am schlimmsten ist für mich die Tatsache, daß ich bis vor kurzem nicht gesehen habe, daß ich krank sein könnte oder zumindest hilfsbedürftig. Ich hatte einen Kult daraus gemacht, anders zu sein und praktizierte dies geradezu mit Lust. Mir ist auch bewußt geworden, daß die Diagnose einer Psychose schon deswegen naheliegt, weil ich schon mit einer Art verkehrten Persönlichkeit auf die Welt gekommen bin, die sich zwangsläufig zu dem entwickeln mußte, was ich heute bin. Ich deute viele von diesen Charakter-Abnormitäten oder eher Anpassungsschwierigekeiten als Symptome der Psychose, die bis dato noch nicht diagnostiziert war.

Auch mißfällt mir sehr, zu sehen, daß meine Eltern nie auf die Signale gehört haben, die angedeutet haben, daß ich professionelle Hilfe bräuchte. Dazu gehören Aussagen von Lehrern und eigene Selbstmordankündigungen. Die Reaktion meiner Mutter darauf, daß ich mich zur Therapie entschlossen habe, kann ich auch nicht verstehen. Sie ist wohl der Meinung, ich würde mir meine Krankheit nur einbilden, würde krank spielen wollen und tatsächlich bloß faul sein. Es verletzt mich schon, auf soviel Unverständnis zu stoßen. Ansonsten habe ich nur mit Seelsorgern und im Internet darüber gesprochen. Ich hätte vielleicht einen Freund, dem ich mich noch damit anvertrauen könnte.

Mein Selbstwertgefühl ist gerade auf dem absoluten Tiefpunkt. Ich fühle mich vollkommen wertlos, seit dem mir die Diagnose gestellt worden ist und fühle den Zwang, mich selbst beseitigen zu müssen. Ich habe schon immer die Neigung gehabt, derart faschistoid gegenüber mir selbst zu denken.

In meinen beiden Selbsthilfegruppen war man darüber verwundert, wie klar ich meine Persönlichkeit und ihre Entwicklung sehe und wie offen ich dabei auch mit Selbstkritik umgehe. Ich weiß, daß dies das Ergebnis der langwierigen und oft auch unergiebigen Grübelei ist. Und auch das ist ein Symptom der Depression.

sUchwin_delixna


Hallo Schmerzensmann

Also, ich wundere mich ehrlich gesagt auch, genau so wie die Leute aus der Gruppe.

In deinem ersten Beitrag dachte ich schon: Mensch, der drückt sich verdammt klar aus und beschreibt sich präzise und ohne Umschweife. Das kann nicht jeder. Auf den ersten Blick hätte ich dich niemals als "anders" als alle anderen bezeichnet. Im Gegenteil: Du scheinst ein sehr realitätsnaher Mensch zu sein. Deswegen nochmal: Schizophrenie hat nichts mehr mit Realität zu tun. Wenn du schizophren bist oder wirst, fresse ich einen Besen mit Stiel ;-)

Ist doch schön, daß du nun doch schon ein kleines Stück näher an dein Problem gekommen bist. Mach bloß weiter in der Gruppe, auch wenn es nicht immer erfreulich ist, was man über sich selber oder sein Umfeld erkennen muß. Aber nur so kommst du weiter.

Ja, die Eltern! Als Scheidungskind ist man natürlich immer arm dran. Daran denken die oft nicht. So was muß man eigentlich sehr behutsam und mit Fingerspitzengefühl handhaben. Aber das scheint ja bei euch nicht so gewesen zu sein.

Manchmal wollen Mütter oder Väter einfach nicht sehen, daß mit ihren Kindern irgendwas nicht in Ordnung ist. Sie können noch so viele Hinweise bekommen, die Augen werden fest verschlossen und somit ist ihre Welt scheinbar in bester Ordnung.

Vielleicht schaffst du es, diese Dinge in der Gruppe oder auch mit deinen Eltern in Gesprächen aufzuarbeiten. Würde mich sehr für dich freuen.

Wieso willst du dich selbst bestrafen? Das hilft niemandem, und dir schon mal gar nicht. Bestraft zu werden, heißt gleichzeitig, etwas falsch gemacht zu haben. Du machst nichts falsch, sondern nur richtig, und dafür solltest du dich belohnen.

Alles Liebe und bis bald!

s:chmerz&ensmanxn


ich habe inzwischen mit meinem therapeuten darüber geredet

Mir ist klar geworden, daß ich vieles schwärzer gesehen habe, als es wohl war. Mein Therapeut sagte, daß ein psychotischer Schub in meinem jungen Alter nicht unbedingt bedeuten muß, daß man schizophren wird. Und selbst wenn ich schizophren werde, male ich mir meinen weiteren Lebenslauf zu pessimistisch aus. Ich habe ihr erzählt, daß ich im Internet viele Leute getroffen habe, denen die Psychotherapie/Psychiatrie wenig geholfen hat. Sie hatte mich aber darauf hingewiesen, daß Leute, die keine Hilfe brauchen, also die mit Therapieerfolg, wohl kaum Hilfe im Internet suchen. Insofern habe ich wohl viel zu pessimistische Erwartungen, zumal das Bild, daß ich mir dadurch gemacht habe, nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit ist.

Durch die Diagose habe ich wieder Selbstmordgedanken. Ich will einfach mir und meinen Angehöigen nicht die Schande antun, psychisch krank zu sein. Mein Psychotherapeut hat mich darauf hingewiesen, ob es auch eine Schande sei, wenn ich meiner Familie eine körperliche Krankheit gestehen müßte. Ich verneinte und hatte begriffen.

Aber ich will eigentlich gar nicht Selbstmord begehen. Um meine Gedanken zu verabeiten habe ich ein Buch gelesen, daß Selbstmordgefährdeten Impulse geben soll, damit sie innehalten und isch besinnen. Und ich habe einen Abschiedsbrief geschrieben, den ich nie verwenden werde, in dem ich meine Tat argumentativ erkläre.

Mein Therapeut hat mich darin bestärkt, eine zweite Meinung einzuholen. Er konnte zwar meine Abneigung gegen Neuroleptika nicht nachvollziehen, war aber auch verwundert, daß der Hormonstatus nicht überprüft worden ist, oder nicht noch irgendeine andere Untersuchung vorgenommen worden ist. Ich habe schon einenT ermin bei einem anderen Psychiater. Ich lasse es auf mich zukommen.

s(chwi;ndelinxa


Glückwunsch

Sieh mal, du bist noch gar nicht lange in diesem Forum, aber dein letzter Beitrag hört sich schon viel besser an als der erste.

Außerdem nimmst du die Sache jetzt auch selber in die Hand: Therapie, ein Termin bei einem anderen Psychiater. Geht doch gut voran!

Eine Krankheit zu gestehen, egal ob pychischer oder physicher Natur, finde ich keine Schande. Im Gegenteil. Es zeigt für meine Begriffe Stärke. Klar, werden die erst mal große Augen machen, vielleicht auch weil sie gar keine Ahnung haben, was das überhaupt ist. Klär sie auf. So was kann jeden erwischen. Leider ziehen viele Menschen noch immer Parallelen zum Irrsinn, wenn sie von psychischen Erkrankungen hören. Aber glaube mir, dann müßte mindestens die Hälfte der Bevölkerung einen Stammplatz in der Klapsmühle haben. Physische Erkrankungen dagegen, werden ohne mit der Wimper zu zucken, anerkannt.

Also, ich glaube, du bist auf dem richtigen Weg und wünsche dir viel Glück, daß es bergauf geht!

Gruß Ina

LXupko04x9


@ schmerzensmann

Ich will einfach mir und meinen Angehörigen nicht die Schande antun, psychisch krank zu sein.

Das ist ein wichtiges Thema, mit dem jeder Betroffene irgendwie einen Umgang finden muss. Sie betonen ja "MIR und meinen Angehörigen", das bedeutet, dass man es in erster Linie für sich selbst erkennen und akzeptieren muss, dass es eben keine Schande ist, psychisch krank zu sein, bevor man diese Einstellung von seinem Umfeld erwarten kann. Hat man das für sich selbst klar (und davon sehe ich Sie - abgesehen von der "noch unklaren", genauen Diagnose - nicht so weit entfernt), fallen die Reaktionen des Umfelds nach meiner Erfahrung viel verständnisvoller und positiver aus, als man das erwartet. Auf einmal kennt jeder einen ähnlichen Fall, war vielleicht sogar selbst schon betroffen. Man muss nicht mit einem Schild rumlaufen, aber ein offener, ernsthafter Umgang mit der eigenen, psychischen Krankheit zollt sogar den meisten Respekt ab, da es eben für viele Leute ein Tabuthema darstellt, obwohl eine beträchtliche Anzahl von Menschen einmal im Leben selbst von einer seelischen Störung betroffen ist.

Aber, wie gesagt, zu allererst geht es um die eigene Klarheit, dann kann man immer noch entscheiden, wie offen man nach aussen hin damit umgeht.

Übrigens, für nur 5 Therapiestunden haben sie meiner Ansicht nach schon viele Erkenntnisse und Erklärungen gewonnen. Das hört sich eigentlich schon mal nach einer guten Basis an.

Ales Gute & Viele Grüsse

Lupo

s0cohmenrzensvmann


ich habe mir schon darüber gedanken gemacht, wie ich es sage

Darüber, wie meine Mutter es aufgenommen hat, habe ich schon geschrieben. Ich sehe es jetzt etwas deutlicher. Sie denkt, ich habe keine anderen als die üblichen Probleme mit dem Erwachsenwerden und halte es für eine Krankheit. Sie meint, es war ein Fehler zum Psychiater zu gehen, da ich nun als psychisch krank abgestempelt bin und es sich in meinem Lebenslauf sicherlich nicht gut machen würde. Sie hat es sogar einmal so ausgedrückt: Willst du lieber in die Psychiatrie oder in den Beruf?

Aber sie akzeptiert meinen Entschluß, Therapie in Anspruch zu nehmen und wir streiten uns nicht mehr darüber.

In meiner Selbsthilfegruppe hab ich zwar schon erwähnt, daß ich eine Diagnose bekommen habe, an der ich schwer trage. Aber ich habe mich nicht getraut, auf die Einzelheiten einzugehen. Ich denke nicht, daß noch irgendeiner in meiner Gruppe psychotisch ist.

Hilfe habe ich auch bei der Telefonseelsorge gesucht und im Internet, d.h. in Chaträumen. Ich will eigentlich nicht mehr im Chat darüber reden, denn meine Erfahrungen sind eher schlecht: Man versteht sich z.B. nicht richtig, man wird nicht ernst genommen und verspottet, Leute stellen aufdringliche Fragen... Am schlimmsten ist es aber zu sehen, daß es Leute gibt, die noch viel größere Probleme haben als ich und denen selbst die Therapie nicht helfen konnte. In meiner Situation belastet mich das viel zu sehr, als daß ich es mir anhören könnte. Nur eine handvoll Leute hat wirklich guten Rat gegeben und offen und ernsthaft von deren Erfahrungen in der Therapie erzählt.

Ich erwähnte oben schon, daß ich einen Freund habe, mit dem ich es thematisieren könnte und wahrscheinlich auch werde. Diese Person hat einmal in der Psychiatrie gearbeitet, kennt sich also mit dem Themenkreis aus. Sie hat sich in den letzten Wochen viel Zeit für mich genommen und großes Verständnis für meine Probleme gezeigt (nicht nur die psychischen). Wir haben uns im übrigen schon viel über belastende Erfahrungen aus unserer Vergangheit erzählt, d.h. da ist eine große gemeinsame Vertrauensbasis. Sie war die erste Person mit der ich über meinen Entschluß zur Therapie reden konnte. Wir hatten eines abends sehr offen miteinander gesprochen und ich sagte dann als letztes: "Ich verkrafte das Leben nicht mehr, ich gehe in Psychotherapie." Sie gab mir dann die Adresse einer Psychotherapeutischen Beratungsstelle. Ich fühlte mich in der Situation, als ob sie der Fels war, an dem ich mich festhalten konnte. Durch ihre ganze Art hatte sie mir den Eindruck vermittelt, daß sie mir helfen will, mich in meiner Situation nicht alleine lassen will. Sie hat sich auch meine Erfahrungen und Befürchtungen bezüglich der Therapie angehört.

Ich habe ihr gesagt, daß ich mich so sehe: Ich bin endogen depressiv und habe eine Neurose, die mir die Kontaktaufnahme erschwert, wahrscheinlich eine schizoide Neurose. Sie beharrte darauf, daß sie der Meinung ist, daß ich keine Therapie bräuchte. Aber ich sagte: Ich leide schließlich.

Wir hatten diese Diskussion gewissermaßen schon einmal geführt. Ich war ein Jahr lang mit ihr und anderen in einem Internat und unter war uns auch jemand, der sehr offenkundige Integrationsschwierigkeiten hatte, die sich auch geradezu aggressiv zeigten. Ich persönlich hatte das langezeit nicht bemerkt und sie sprachen an einem Abend darüber, daß sie meinten, er bräuchte Psychotherapie und erzählten davon, daß er anscheinend während seiner Schulzeit immer Außenseiter war. Darauf antwortete ich: "Was zieht ihr hier für Schlüsse? Ich war zu meiner Schulzeit auch immer der Außenseiter." Eben sie antwortete: "Man könnte vielleicht meinen, daß du nicht normal bist, weil du keinen Kontakt mit deinen Mitmenschen suchst, aber das ist unproblematisch. Demgenüber bist du ein gestandener Mann - du reagierst wie ein normaler Mensch."

Wenn ich tatsächlich schwere psychische Probleme habe, ist der einzige wesentliche Unterschied zwischen ihm und mir, daß ich gelernt habe, es zu verstecken. Ich denke, so wie sie werden die meisten Menschen reagieren denen ich es eröffnen würde (d.h. mit Verwunderung). (Ich werde es nur wenigen Leuten erzählen, die mich gut kennen.) Ich meine, daß viele meiner Mitstudenten mich sympathisch finden und sie würden mich wahrscheinlich so charakterisieren: ausgeglichen und ruhig, ernsthaft und besonnen, fromm, fähig und intelligent, gesprächig, bescheiden und zurückhaltend, freundlich. Ferner, die mich näher kennen, als verständnisvoll, kritisch denkend, fleißig, phantasievoll, lustig, erwachsen und reif, ehrlich und doch in irgendeiner Weise offen. Daß ich hinter dieser Fassade leide, haben wohl die wenigsten Menschen vermutet.

Jedoch gab und gibt es Situationen in denen andere wohl

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH