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Burn out Syndrom

lLola_xm


Hallo Johanna_P ,

ich gehöre zu den betroffenen Burnout-Menschen. Vielleicht hilft Dir meine Geschichte ja, das Thema besser einzustufen bzw. den Prozess besser zu verstehen.

Ich erzähle einfach mal, wie es bei mir war bzw. was passiert, wenn alle Symptome übergangen werden.

Vorab: Ich war damals einem großen beruflichen Druck ausgesetzt, wobei ich mir den größten Druck selbst gemacht habe und zwar dem, den Druck auf der Arbeit stand zu halten und Allem gerecht zu werden.

Die Syptome waren zuerst schleichend. Müdigkeit, Abgeschlagenheit, extrem reizbar bzw. launisch, frustriert, Schlafstörungen, bis hin zur Unlust irgendetwas am Wochenende zu unternehmen (außer schlafen) und ich wurde ständig krank (auf der Arbeit habe ich immer funktioniert, nur nach der Arbeit habe ich mich dies bezüglich gehen lassen). Zudem kam hinzu, dass ich Gefühle wie Liebe, Hilfsbereitschaft, Interesse, Freude oder Zuneigung gegenüber Freunden, Familie und dem Partner nicht mehr zeigen konnte bzw. es nicht mehr empfinden konnte aus Kraftlosigkeit. All das kam nach und nach innerhalb eines Jahres und jedes Symptom was hinzu kam, blieb auch.

Irgendwann nach ca. 1 Jahr kam dann relativ schnell der Supergau. Schlagartig von Heute auf Morgen war ich nicht mehr ich Selbst. Beim Aufstehen am Morgen war ich extrem antriebslos bzw. habe mich richtig krank gefühlt. Mein Kopf war leer, das Einzige was mich noch "ausgefüllt" hat bzw. das Einzige was ich überhaupt noch gespürt habe war Frust, Verzweiflung und Hilflosigkeit.

Ich konnte mich auf der Arbeit nicht mehr konzentrieren. Routinearbeiten waren für mich nicht mehr zu bewältigen. Ich bekam Angstzustände weil ich die Kontrolle über mich verlor, weil ich nicht mehr funktioniert habe. Und so sehr ich mich anstrengte, meine Arbeit zu erledigen, umso hilfloser wurde ich, weil ich einfach nicht mehr geradeaus Denken konnte. Wenn dann daraufhin Fehler passierten, war ich am Boden zerstört und konnte nicht mal meine Tränen zurück halten.

Immer öfter passierte es mir dann, dass ich morgens aufgewacht bin und nicht einmal sagen konnte, welcher Wochentag gerade war geschweige dem, was ich am Vortag eigentlich gemacht hatte. Das Ganze wurde von Tag zu Tag schlimmer. Ich zog mich mehr und mehr in mich zurück (was überhaupt nicht meine Art war) und es ging soweit, dass ich (ich hätte es davor nie für möglich gehalten) ernsthaft Suizidgedanken bekam. Das Leben hatte für mich keinen Sinn mehr gemacht, da ich scheinbar nicht mal mehr funktionieren konnte. Ich wusste nicht mehr, wofür es sich zu leben lohnte, denn all die schönen Dinge im Leben, für die es sich zu Leben lohnt, konnte ich nicht mehr empfinden bzw. spüren.

Erst da hat es dann bei mir "Klick" gemacht und ich habe begriffen, dass ich eine Erkrankung habe (Depression) und Hilfe brauchte. Ich habe Tabletten bekommen (ca. 8 Monate habe ich die genommen) und habe von meiner damaligen Chefin spontan 3 Wochen Urlaub bekommen (ich war in diesem Zustand ohnehin nicht wirklich zu gebrauchen).

Zudem hat mein Psychiater sich Zeit genommen mir klar zu machen, dass ich meine Prioritäten im Leben neu setzen muss. Die "Scheißegal-Wirkung" dieser Tabletten hat mir dabei geholfen zu lernen, dass es gewisse Dinge gibt, die man nicht so nahe an sich heran lassen darf. Und ich habe dadurch erkannt, dass auch nichts Schlimmes passieren muss, wenn man weniger Verbissen durchs Leben geht, sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt und vor allem sich selbst nicht mehr so unter Druck setzt. Und wenn man die äußeren Umstände nicht verändern kann, so kann man doch immer etwas am eigenen Leben verändern. Ich zumindest habe meine Konsequenzen gezogen. Ich will noch ein bisschen Leben, und die Erfahrung, die ich gemacht habe als ich am liebsten nur noch sterben wollte, hat mich dem Leben doch wieder ein Stück näher gebracht.

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