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Fluoxetin 40 mg bei Kontrollzwängen

a"nnay_23 hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich brauche euren Rat.

Und zwar habe ich mich jetzt nach langem Hin und Her dazu durchgerungen wegen meiner Kontrollzwänge doch mal zum Neurologen zu gehen. Die Kontrollzwänge habe ich schon ewig. Die letzten Jahre bin ich immer noch damit klar gekommen. Seit ca. einem halben Jahr ist es aber schlimmer geworden. Bis dahin habe ich meistens nur zu Hause kontrolliert. Also das übliche: Herd, Wasserhahn, Türe etc. Jetzt habe ich aber auch schon auf der Arbeit diese Kontrollzwänge und das belastet mich sehr. Dadurch bekomme ich meine Arbeit kaum noch geschafft. Wenn ich versuche "zwanghaft" nicht alles zu kontrollieren, wird's noch schlimmer. Mittlerweile komme ich abends erst nach meiner "Runde" ins Bett. Dann kontrolliere ich wirklich alles. Egal ob ich den Herd am Tag benutzt habe oder nicht. Ich habe da mittlerweile ein richtiges Schema. Wenn ich beim Kontrollieren unterbrochen werde, fange ich wieder von vorne an. Nun ja, ich war dann gestern beim Neurologen. Wollte den Termin eigentlich doch noch absagen, weil ich mir eingeredet habe, ich brauche doch keine Hilfe; das kriege ich schon irgendwie anders in den Griff. Nun gut, bin dann also doch hingegangen. Habe mein Problem geschildert und der Neurolge hat mich sehr gut beraten und mir auch erklärt, dass diese Kontrollzwänge sehr schwer zu behandeln seien. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich nur ungern Medikamente einnehmen möchte. Daraufhin sagte er mir dann, dass es keine andere Möglichkeit gebe. Das mit den Zwängen sei kein reines psychisches Problem. Er hat mir dann erklärt, wie dass mit dem Serotonin funktioniert und das es bei mir nicht richtig funktioniert etc. Da war ich dann schon ein bißchen beruhigt. Es scheint ja dann wirklich ein medizinisches Problem zu sein. Er sagte dann noch, dass man sich das Leben nicht selbst schwer machen muss, wenn es Mittel gibt, die einem bei diesem Problem helfen können. Daraufhin hat er mir dann Fluoxetin Beta 40 mg verschrieben. So dies zur Vorgeschichte.

Ich war jetzt heute in der Apotheke und habe mir das Fluoxetin geholt. So nun zu meinem eigentlichen Problem:

Ich weiß nicht, ob ich diese Tabletten wirklich nehmen soll. Ich weiß, dass ihr mir das auch nicht sagen könnt, doch ich hoffe, dass mir jemand von euch was zu diesem Thema sagen kann. Ich hatte mich bereits im Forum umgeschaut und da gibt es ja auch so einiges zu Fluoxetin. Und vieles wiederrum verunsichert mich total. Die einen sagen, sie haben Hammer-Nebenwirkungen davon bekommen, die anderen wiederrum haben nichts. Die einen nehmen zu, die anderen ab. Bei dem einem bringts gar nichts und andere sind total glücklich mit diesen Tabletten. Mein Neurologe hat mir versichert, dass man von den Tabletten nicht abhängig wird und dass man dann auch nicht die ganze Zeit mit einer rosa-roten Brille durch die Gegend läuft. Trotzdem bin ich total verunsichert, nachdem ich hier den ein oder anderen Beitrag gelesen habe. Auch kann ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden, die Tabletten über Monate nehmen zu müssen. Ich möchte weder Hammer-Nebenwirkungen haben, die mich wohlmöglich arbeitsunfähig machen, noch möchte ich, dass mir alles gleichgültig wird. Andererseits weiß ich nicht, was mir sonst helfen könnte. Mich belasten diese Zwänge sehr. Also der Neurologe hat mir folgende Dosierung verschrieben:

- immer morgens nehmen

- zunächst 1/4 Tabletten

- ab dem 4 Tag 1/2 Tablette

- ab dem 10 Tag 3/4 Tablette

- ab dem 14 Tag 1 Tablette

Wenn ich ja nicht so eine Angst vor den Nebenwirkungen hätte, dann würde ich morgen schon mit der Einnahme anfangen. Jetzt habe ich mir überlegt - wenn ich mich dafür entscheide - diesen Samstag damit anzufangen. Für den Fall, dass Nebenwirkungen auftreten sollten. Denn auf der Arbeit auszufallen kann ich mir nicht leisten.

Sorry, dass ich so einen langen Roman geschrieben habe. Ich hoffe, von dem ein oder anderen was zu hören. So, ich werde dann jetzt mal meine "Runde" machen :-/

Antworten
LPupo04x9


Hallo Anna,

also ich muss zugeben, ich bin einigermassen schockiert über Deinen "Fall" und die Vorgehensweise Deines Arztes.

Vorab, mir hat ein ähnliches Medikament (Paroxetin) bei einer akuten Angsstörung sehr geholfen, bin also alles andere als ein prinzipieller oder strikter Gegner von Psychopharmaka, allerdings habe ich auch die negative Seite (Nebenwirkungen, Absetzprobleme) kennengelernt und seitdem weiss ich, dass Vor- und Nachteile einer Einnahme in jedem Fall unbedingt individuell abzuwägen sind.

Das mit den Zwängen sei kein reines psychisches Problem. Er hat mir dann erklärt, wie dass mit dem Serotonin funktioniert und das es bei mir nicht richtig funktioniert etc. Da war ich dann schon ein bißchen beruhigt. Es scheint ja dann wirklich ein medizinisches Problem zu sein.

Er hat Dir also die Geschichte von der "Hirnstoffwechselstörung" erzählt, die in Anbetracht der steigenden Anzahl von psychischen Erkrankungen sich scheinbar epidemisch auszubreiten scheint….und - je nach Laune der Natur - beim einen Depressionen, beim anderen Angststörungen und beim nächsten halt Zwangsstörungen oder Psychosen auslöst.

Entschuldige meine Ironie, aber da macht es sich Dein Arzt wirklich zu einfach. Die Tatsache, dass durch die medikamentöse Veränderung des Hirnstoffwechsels eine positive Wirkung erzielt wird, bedeutet noch lange nicht, dass dieser (der Hirnstoffwechsel) vorher gestört war.

Eine Zwangsstörung ist und bleibt m.E. eine psychische Störung, keine körperliche- und sollte auch dementsprechend behandelt werden. Ob dies möglich oder einfach ist, wie lange es dauert usw. steht wieder auf einem anderen Blatt. Auch eine - temporär begrenzte - Einnahme von Medikamenten zu Unterstützung einer Therapie ist denkbar, aber ausschliesslich Antidepressiva - und gleich 40 mg….

Auch kann ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden, die Tabletten über Monate nehmen zu müssen.

Nach der Theorie Deines Arztes wirst Du sie lebenslang einnehmen müssen. Wie gesagt, das Medikament beeinflusst den Stoffwechsel - eine Heilung einer -angeblichen- "Störung" findet aber auf keinen Fall statt. Wo bitte sind also die Perstpektiven / Alternativen ?

Zu Dir persönlich:

Du machst auf mich einen klaren, kontrollierten Eindruck, Du hast Deine Krankheit erkannt, bist Dir darüber bewusst und bist bereit und gewillt, Dich behandeln zu lassen. Das sind schon mal die Grundvoraussetzungen, um etwas dagegen zu tun und sich dabei profesionell helfen zu lassen. (Für diese Einsicht alleine brauchte ich z.B. AD).

Die Entscheidung, eine Therapie mit AD zu unterstützen oder nicht, sollte auf jeden Fall davon abhängig gemacht werden, wie sehr und akut man unter seiner Krankheit/Störung leidet und wie die Perspektive aussieht - einerseits für eine Heiling ohne AD, andererseits aber auch für ein "Leben nach dem Medikament" .

Das wird ganz Deine Entscheidung bleiben.

Allse Gute & Viele Grüsse

Lupo

aCnna_~23


Hallo Lupo,

vielen Dank für deine Antwort.

Ehrlich gesagt, weiß ich noch immer nicht, ob ich es "wagen" soll oder nicht.

Es ist ja jetzt nicht so, dass es mir richtig schlecht geht wegen diesen Zwängen; sie beeinträchtigen mich halt "nur" sehr. Wie gesagt nicht nur privat sondern mittlerweile auch beruflich. Und meinen Beruf und die Zwänge kann ich überhaupt nicht miteinander vereinbaren. Manchmal schaffe ich es die Büros nur 1x zu kontrollieren und nur 3x nachzuschauen, ob die Türe auch wirklich abgeschlossen ist. Dann bin ich richtig stolz auf mich. An anderen Tagen wiederrum wiederhole ich meine Runde mehrfach und immer und immer wieder bevor ich das Büro verlasse. Das macht mich dann wahnsinnig und ich bin total nervös. Ich bin dann einfach nur froh aus dem Büro zu sein. Und bei meiner eigentlichen Arbeit kontrolliere ich wie eine Irre. Ob ich wirklich alles in den Briefumschlag gesteckt habe oder nicht etc.

Einerseits wäre ich ja sogar bereit Medikamente zu nehmen. Um allgemein etwas ruhiger zu werden fänd ich das nicht schlecht. In letzter Zeit haben sich die Ereignisse in meinem Leben überschlagen, so dass ich insgesamt unruhiger und nervöser geworden bin. Aber wie bereits erwähnt, habe ich gerade bei diesem Fluoxetin Angst vor den Nebenwirkungen.

Lupo, denkst du denn 40 mg wäre zu hochdosiert? Deine Aussage bzgl. der Dosierung klang so. Würde es Alternativen zu diesem Präparat geben, hätte mir der Neurologe bestimmt was anderes verschrieben.

Ich habe mir heute mal ein Buch über Zwänge gekauft. Ich werde es mir heute abend mal zu Gemüte führen.

Schöne Grüße

a]nnav_x23


Wer von euch hat seine Kontrollzwänge mit Fluoxetin behandelt? Es wäre sehr nett, wenn mir diejenigen ihre Erfahrungen berichten könnten. Vielen lieben Dank!

L6upo04x9


Es ist ja jetzt nicht so, dass es mir richtig schlecht geht wegen diesen Zwängen

Das wollte ich eigentlich hören...und das wäre für mich das wichtigste Kriterium für oder wider einer dauerhaften AD-Einnahme.

Das heisst nicht, dass ich Dein Problem für nicht behandlungswürdig erachte, aber meiner Ansicht nach sollten AD erst genommen werden, wenn andere Möglichkeiten entweder bereits ausgeschöpft sind oder wenn es dazu dienen soll, für andere Therapiemöglichleiten überhaupt zugängig zu werden.

Lupo, denkst du denn 40 mg wäre zu hochdosiert? Deine Aussage bzgl. der Dosierung klang so.

Es ist eine hohe Dosis (bei Depr. und Angsst. wird 20 mg vorgeschlagen), glaube aber, dass es bei Zwangsstörungen die empfohlene Dosis ist.

Viele Grüsse

Lupo

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