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Bipolare Störung und verminderte Schuldfähigkeit

RIi&ta1x73 hat die Diskussion gestartet


Zuerst möchte ich eins vorausschicken: Dieser Faden soll keine Anleitung für Ausreden nach einer Straftat sein und soll Straftaten auch nicht verharmlosen.

Mein Lebensgefährte hat eine 20-jährige Alkoholkarriere hinter sich und ist seit 6 Jahren mehr oder weniger trocken. Er hat mindestens 5 stationäre Therapien hinter sich. Bei all diesen Therapien wurde nie entdeckt, dass er unter einer massiven bipolaren Störung leidet.

Es gab nur immer wieder Phasen, in denen er sich wochenlang im Bett verkrochen hat und Phasen, in denen er Bäume ausgerissen hat. In diesen Hochphasen hat er auch immer wieder Diebstahl und Betrug begangen. Sobald er sich der Straftat bewusst wurde, fiel er dann in eine tiefe Depression. Dann hat er auch immer wieder angefangen zu trinken. Mal nur einen Tag, mal 3-4 Wochen.

Da weder er, noch Außenstehende, noch Fachleute auf die Idee kamen, dass es sich um eine bipolare Störung handelt, hat er ein entsprechendes Vorstrafenregister.

Bei seinem letzten Rückfall hat er dann den Vogel abgeschossen.

Einzelheiten möchte ich hier jetzt nicht erzählen, nur soviel, es geht um Betrug und wenn er nach normalem Strafmaß abgeurteilt wird, muss er für 1-2 Jahre ins Gefängnis.

Seit 1 Monat ist er in der Psychiatrie, weil unser Psychiater endlich die bipolare Störung entdeckt hat. Nach Weihnachten soll er in eine Fachklinik nach Göttingen verlegt werden, weil selbst die hießige Universitätsklinik überfordert ist. Vorgesehen ist mindestens ein halbes Jahr.

Meine Frage ist nun, ob jemand hier Erfahrungen mit dieser Problematik hat und welche. Auch sonstige ernstgemeinte Beiträge sind selbstverständlich willkommen.

Antworten
cTlair Zde lunxe


Ach Rita,

ich selbst kenne mich da zu wenig aus. Kenne lediglich ein paar Fälle aus der Klinik mit bipolaren Störungen, allerdings brächten dich meine Beobachtungen diesbezüglich kaum weiter. Deswegen habe ich mal im Internet geschaut...

Vielleicht hilft Dir [[http://www.bsne.de das]] was? Ist ein Verein über Bipolare Störungen. Vielleicht kommst Du damit an brauchbare Informationen ran... :-

Die Seite hierzu von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_St%C3%B6rung Wikipedia]] wird Dir sicher nicht neu sein.

Hier ist ein [[http://www.bipolar-forum.de Forum über bipolare Störungen]]. Vielleicht kannst Du dort Menschen finden, welchen es ähnlich geht??

Hier: [[http://dgbs.de/weisbuch.php]] ??

Alles, alles Liebe euch beiden!!! :)*

RNiUta~17x3


Danke Clair

Es tut so gut, mit Menschen zu reden, die nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Wie in jedem Forum gibt es zwar eine Menge Fäden, in denen haarsträubender Unsinn steht, aber es gibt hier Menschen, z.B. Du und Grasi, die mir ohne es zu wissen unendlich viel gegeben haben.

Ich habe gelernt, dass ich nicht alleine Probleme habe, dass meine Probleme nicht den Mittelpunkt der Welt darstellen. Vor allem habe ich gelernt, meine Probleme zu relativieren, denn andere haben viel schlimmere und müssen auch irgendwie damit leben. Ich versinke nicht mehr in Selbstmitleid. :)^

Danke noch für die Web-Adressen. Werde mir das nachher bei einer Tasse Kaffee zu Gemüte führen und auch meinem LG ausdrucken.

Im Moment hat er seine Fassung wiedergefunden, aber heute Nacht hatte er für einen kurzen Augenblick Suizidgedanken. Da gerate ich jedes Mal in Panik, denn im letzten Frühjahr haben ihn die Polizei von Rheinland-Pfalz und Saarland eine ganze Nacht lang gesucht und er hätte es beinahe geschafft. Das will ich nicht noch mal durchmachen.

lcamaF8x0


schlägt das lithium bei deinem LG nicht an? oder ein antiepileptikum....

wünsch dir ganz viel kraft...wenigstens wisst ihr jetzt endlich die diagnose...

:°_

RMita>1#7x3


Wir hatten heute morgen ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin. Ich habe auch das Lithium angesprochen.

Sie sagte, sie seien noch dabei herauszufinden, ob es sich um eine endogene bipolare Störung handle oder um eine durch äußere Einflüsse entstandene. Lithium hilft wohl nur bei endogener BPS, ist mit Medis und Gesprächstherapie in den Griff zu bekommen, aber nicht heilbar. Eine erworbene BPS kann man ohne Lithium aber mit ADs und langfristiger intensiver Therapie sogar heilen. Genau deshalb soll mein LG ja nach Göttingen. Die Ärztin meinte, es mache im Moment keinen Sinn ihm Lithium zu geben, da es das Krankheitsbild verzerren würde. In Göttingen wird man dann nach einer Weile sehen, was die Ursachen sind und wenn ADs und Gesprächstherapie nicht anschlagen, kann man dann immer noch Lithium geben.

Ich bin zwar keine Fachfrau, aber die Erklärung scheint plausibel.

l7aema58x0


@ rita

das mit endogen und exogen ist wahrscheinlich wie bei einer depression...da gibts das auch...endogen ist nicht heilbar, weils ja im grunde von innen kommt und exogen ist eher heilbar...

kommt halt auch auf die exogenen faktoren an...wenn man zb. kokain, speed etc genommen hat, dann kann da auch ne reversible schädigung stattfinden, wodurch man auch jahrelang die medis nehmen muss.....

eure ärztin macht das schon richtig...besser als wenn man gleich denjenigen mit medis zuknallt und nur rumprobiert...bis man irgendwas gefunden hat...ne ursachenforschung ist da erstmal besser...

is halt schon heftig, wenn sowas nicht erkannt wird und man 20 jahre damit im grunde rummacht...

aber lieber später als nie...

GOras-H_alxm


wäre Lamotrigin nicht besser als Lithium? So von den Nebenwirkungen her?

RXitqa173


Dazu kann ich jetzt wirklich nichts sagen

Muss erst mal im Net schauen, wie das wirkt.

Zur Zeit bekommt er Travilor 75 mg morgens und abends Remergil 30 mg. Das soll auch als Basisdosierung bleiben, wird aber jetzt für ein paar Tage erst mal erhöht, bis er sich wieder ganz beruhigt hat und dann langsam zurück auf die Basisdosierung.

Habe eben mit meiner Schwiegermutter telefoniert und ihr gesagt, was passiert ist. Die Ärmste. Ich mache das ganze jetzt seit 2 Jahren mit, sie aber schon seit 23 Jahren. Sie musste kurz überlegen und meinte, dass so etwa im Alter von 19 J. die ersten Auffälligkeiten kamen. Als er dann wegen einer größeren Sache fast 3 Jahre im Gefängnis war, sei er dann völlig verändert und verstört zurückgekommen und der Albtraum nahm seinen Lauf. In Bayern ist Bier halt ein Grundnahrungsmittel und so fiel es anfangs garnicht weiter auf, dass mein LG ein ernsthaftes Problem mit dem Alkohol hatte.

GVras-\Halm


sei er dann völlig verändert und verstört zurückgekommen

das hattest du mir erzählt...also die Gründe.. :-|

zum Lamotrigin: Ich habe es selber auch gekriegt - allerdings natürlich nicht wegen bipolarer Störung - die habe ich nicht - sondern wegen extremen Stimmungsschwankungen. Die hatte ich damals, mehrfach täglich Wechsel innert Sekunden/Minuten von zutiefst depressiv bis hin zu hypomanisch (ne Stufe unter der Manie, also weniger extrem).

Ich habe dann Lamotrigin gekriegt und es hat mir sehr gut geholfen. :)^

RIita1x73


@Grasi

Genau so ist es bei meinem LG. Als besagte Post kam, ist er erst noch zum Amtsgericht und hat sich einen Beratungsschein geholt. Mit dem muss man weder Anwalt noch Gerichtskosten zahlen (geringes Einkommen). Er war schon eine Stunde wieder zuhause, als das ganze plötzlich umgeschlagen ist. Die Ärztin meinte auch, dass sich bei den meisten Patienten mit BPS die Stimmung im Laufe von Tagen oder gar Wochen von einem Extrem zum anderen ändert. Es sei schon außergewöhnlich, dass sich das bei meinem LG in wenigen Sekunden abspielt. Ich habe kurz überlegt und konnte bestätigen, dass es bei ihm meistens so abläuft. Werde die Ärztin morgen noch mal drauf ansprechen.

Nachher fahr ich nochmal in die Klinik und schaue nach ihm. Es zerreißt mir fast das Herz, ihn in so einem Zustand zu sehen. Aber da muss er jetzt durch und ich werde mit ihm da durch gehen.

Gyras-aHa,lxm


Das find ich so toll von dir. x:) (also den letzten Satz)

ansonsten - sagt dir Rapid Cycling was? (keine Ahnung, ob das jetzt richtig geschrieben ist)

R'ita 173


Grasi, Clair, Lama

Ich bin Euch unendlich dankbar, dass Ihr mir zuhört. x:) x:) x:)

R7i5ta1Q73


Mein Englisch ist auch nicht toll. Ist aber wohl richtig geschrieben, heißt schneller Zyklus, also schneller Wechsel oder sowas in der Art. :-/

Gpra4s-iHalxm


Genau.

Es gibt ja die BPS, wo es längere Phasen sind. Also z.B. im Frühling ne manische Phase, im Herbst ne depressive Phase, und dazwischen "normal"...also alles eher länger andauernd...

[[http://de.wikipedia.org/wiki/Bipolare_Störung#Rapid_Cycling]]

RCitTa173


War eben noch mal in der Klinik

Es geht ihm wieder besser :-D Ihm ist noch ein bisschen flau wegen der Nachwirkungen vom Alk. Er war wieder ganz entspannt. Da sein Zimmernachbar zu Hause ist, haben wir uns auf sein Bett gesetzt, ein bisschen gekuschelt und klassische Musik gehört. Natürlich kam prompt die Schwester rein, eine ganz junge. Sie hat einen knallroten Kopf bekommen und ist sofort wieder raus. ;-)

Apropos klassische Musik: Vorher haben wir Ossi Osborne gehört. Von einem Extrem ins andere. ;-D

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