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Missbrauch oder nicht?

Klafxri hat die Diskussion gestartet


Ich weiß eigentlich gar nicht was ich mir davon erhoffe das ich dies hier schreibe, aber nach über 10 Jahren habe ich das Gefühl ich muss es einfach mal loswerden. Ich habe bis jetzt noch niemandem davon erzählt und will das auch in Zukunft nicht. Ich denke nicht das irgendjemand in meinem Freundeskreis oder meiner Familie das von mir vermuten würde, und ich hab Angst das sie mich dann irgendwie anders behandeln oder sich sorgen machen oder sonst was.

Nun aber zum Thema:

Ich weiß einfach nicht ob es wirklich Missbrauch war oder nicht. Ich meine das war nicht so wie es sonst von allen geschildert wird das man in eine dunkle Ecke geschleift und mit Gewalt festgehalten wird, es war ganz anders. Irgendwie schleichend. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen aber es fing relativ harmlos an mit Streicheleinheiten und so, was ich anfangs auch noch irgendwie interessant fand. Aber irgendwann wurde das immer mehr und er wollte dann auch das ich ihn anfasse. Was ich daran rückblickend am merkwürdigsten finde ist die Tatsache das für mich nicht die sachen die er mit mir gemacht hat am schlimmsten waren, sondern die Art wie er mich behandelt hat wenn ich mich geweigert habe bestimmte Dinge zu tun. Wenn ich etwas nicht mehr machen wollte hat er mich nicht geschlagen oder mir gedroht, sondern mich einfach nicht mehr beachtet, also kompletter Liebesentzug sozusagen. Dazu sollte ich vielleicht sagen das ich damals erst 9 Jahre alt war und die betreffende Person ein enges Familienmitglied, dessen Liebe mir einfach damals sehr wichtig war. Ich hab einfach die Befürchtung das ich irgendwie nicht ganz normal bin: hätte ich den Missbrauch an sich nicht viel schlimmer finden müssen? An manches kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern (was viell. auch besser so ist) aber ich weiß noch ganz genau was das für ein Gefühl war wenn er mich dann behandelt hat als wäre ich Luft. Naja ,eigentlich selbst schuld. Ich meine ich hätte ja zu meinen Eltern gehen können und ich bin mir auch sicher das sie mir geglaubt hätten, aber ich tat es nicht. Warum weiß ich im nachhinein nicht.

Ui, doch n ganz schön langer Text geworden. Falls das ganze nicht zu verstehen oder total durcheinander ist tut es mir leid, is ja auch schon spät...

Jedenfalls

LG,

Kafri

Antworten
G\ras-LHalxm


Doch, das IST Missbrauch. Du war NEUN Jahre alt!!!

er hat deine - kindliche, normale - Liebe missbraucht für seine Bedürfnisse!

G)ras$-Halm


ach ja, wegen Schuld. Du bist ganz sicher nicht schuld!!!

Sehr viele Opfer schweigen, manchmal ein Leben lang.

Wie soll man das als Kind denn seinen Eltern sagen?? Sowas ist verdammt schwer!

und du sagst selber, dass dir seine Liebe vorher eigentlich wichtig war - vielleicht wolltest du ihn - unbewusst - auch schützen??

K\lexio


Kafri

Ich denke nicht das irgendjemand in meinem Freundeskreis oder meiner Familie das von mir vermuten würde, und ich hab Angst das sie mich dann irgendwie anders behandeln oder sich sorgen machen oder sonst was.

Wäre das nicht angebracht?

hätte ich den Missbrauch an sich nicht viel schlimmer finden müssen?

Du schreibst, er war Dir damals sehr wichtig. Schlimm war für Dich damals die Vorstellung, dass er Dir seine Liebe entzieht.

Naja ,eigentlich selbst schuld.

Nein. Du warst nicht "selbst schuld". Sicher nicht.

Ich weiß einfach nicht ob es wirklich Missbrauch war oder nicht.

Es war missbrauch. :°_

KRaf-ri


Erst mal vielen dank für eure Beiträge, ihr habt mir schon ein ganzes Stück weit geholfen. @:)

Ich hätte nicht gedacht das tatsächlich jemand antwortet.

Ich versteh mich nur irgendwie selbst nicht mehr, ich dacht immer ich wäre darüber hinweg und in letzter Zeit muss ich ständig wieder daran denken.

@Kleio:

"Ich denke nicht das irgendjemand in meinem Freundeskreis oder meiner Familie das von mir vermuten würde, und ich hab Angst das sie mich dann irgendwie anders behandeln oder sich sorgen machen oder sonst was.

Wäre das nicht angebracht?"

Ist schon richtig, ich würde wahrscheinlich auch nicht anders regieren wenn mir eine Freundin/Freund so was erzählen würde aber ich könnte es einfach nicht ertragen wenn sie dann irgendwie übervorsichtig mit mir umgehen würden, ich bin schließlich nicht aus Zucker.

Meine größte Angst ist einfach das sie mir nicht glauben oder es jemandem weitererzählen, ich kann einfach niemandem so richtig vertrauen in der Hinsicht.

Und meinen Eltern will ich’s nicht erzählen weil die mich dann (verständlicherweise) fragen würden wer es war. Irgendwie steck ich in ner Sackgasse..

K5leSixo


Kafri

Ich versteh mich nur irgendwie selbst nicht mehr, ich dacht immer ich wäre darüber hinweg und in letzter Zeit muss ich ständig wieder daran denken.

Wieso meinst Du, dass Du drüber weg gewesen seist? Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann hast Du mit niemandem darüber geredet. Demzufolge hast Du auch keine Therapie gemacht, oder?

Hast Du nicht immer daran gedacht? Seit wann denkst Du wieder daran?

Ist schon richtig, ich würde wahrscheinlich auch nicht anders regieren wenn mir eine Freundin/Freund so was erzählen würde aber ich könnte es einfach nicht ertragen wenn sie dann irgendwie übervorsichtig mit mir umgehen würden, ich bin schließlich nicht aus Zucker.

Was meinst Du damit, dass Du nicht aus Zucker bist? Findest Du nicht, dass es verständlich wäre, wenn man sich dann mehr mit Dir auseinandersetzen würde, wie es Dir geht, was Du denkst?

Meine größte Angst ist einfach das sie mir nicht glauben oder es jemandem weitererzählen, ich kann einfach niemandem so richtig vertrauen in der Hinsicht.

Wieso sollten sie Dir nicht glauben?

Was meinst Du damit? Hast Du keine einzige Freundin, der Du vertrauen kannst? Kannst Du Deinen Eltern nicht vertrauen?

Und meinen Eltern will ich’s nicht erzählen weil die mich dann (verständlicherweise) fragen würden wer es war. Irgendwie steck ich in ner Sackgasse..

Warum willst Du es denn nicht sagen, wer es war?

Ich weiß zwar nicht, wie lange die Verjährung ist, aber möglicherweise könnte man ihn noch anzeigen.

Lmena-SGophie


Hallo Kafri!

Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen, deine Zweifel, deine Gedanken. Es ist schwer zu begreifen, dass Missbrauch auf viele verschiedene Arten passieren kann - nicht unmittelbar mit physischer Gewalt und Schmerzen verbunden sein muss. Häufig sehr schleichend, die Grenzen, die zwischen "normaler" Zuneigung und Verbotenem verschwimmen. Dazu kommt, dass man als Kind die ganze Situation nicht erfassen kann, vor allem dann wenn der Missbrauch durch eine bekannte Person, jemanden den man liebt und vertraut, erfolgt.

Man verdrängt das Ganze und schweigt. Und dann Jahre später glaubt man, man hat das alles schon längst verarbeitet. "Es war ja nichts. Es ist doch gar nichts schlimmes passiert. Das ist schon so lange her, da bin ich schon längst darüber hinweg...". :-/ Leider ist es nicht so einfach.

ich kann einfach niemandem so richtig vertrauen in der Hinsicht.

Das versteh ich. Man hat einerseits Angst davor, dass der andere nicht mit so etwas umgehen kann - auf der anderen Seite aber auch Angst davor, dass derjenige es als "lächerlich" abtun könnte, kein Verständnis aufbringt. Trotzdem kann es sehr hilfreich sein sich jemanden anzuvertrauen! Es geht dabei auch gar nicht so sehr darum, einen Rat oder Hilfe zu bekommen - sondern vielmehr darum, sich selbst zu erleichtern, die Selbstzweifel zu verlieren. Sich klarzumachen, dass man als Opfer nie Schuld hat und sich dahingegehend auch ein wenig bestätigen zu lassen. Ein guter Freund wird dich danach auch nicht anders behandeln - aber er wird dich vielleicht einmal in den Arm nehmen und dir Trost geben, für dich da sein, wenn du ihn brauchst, wenn du vielleicht reden oder aber auch einfach nur schweigen möchtest.

Deine Ausgangsfrage möchte ich auch noch kurz beantworten: Ja, es war Missbrauch. Aber ich glaub das weißt du, auch wenn du es wahrscheinlich nicht wahrhaben willst. :°_

Kafri, ich wünsch dir alles, alles Liebe - und dass du vielleicht doch einen Menschen findest, dem du dich anvertrauen kannst, wenn du das möchtest! *ganz lieb drück*

Lena-Sophie

K^aCfri


@ kleio

Uii, wenn das mal nicht viele Fragen sind.

Ich versuch mal der Reihe nach zu antworten:

Nein, ich habe keine Therapie gemacht. Ich weiß nicht ob so was wirklich nötig wäre, es gibt schließlich Menschen denen es viel schlimmer geht als mir. Ich dachte deshalb ich wäre drüberweg weil er mir immer gesagt hat das so was ganz normal und natürlich wäre, und irgendwann hab ich das dann einfach geglaubt und so hingenommen. Erst später ist mir klargeworden, das es wohl doch nicht ganz so normal ist.

"Findest Du nicht, dass es verständlich wäre, wenn man sich dann mehr mit Dir auseinandersetzen würde, wie es Dir geht, was Du denkst?"

genau das ist das Problem, ich mag es nicht über meine Gefühle zu reden, viell weil ich dadurch auch irgendwie angreifbarer und verletzlicher werde. Außerdem halte ich mich selbst für relativ tough, ich will halt nicht das mich meine Freunde ansehen als könnte ich jeden Moment zusammenbrechen.

"Wieso sollten sie Dir nicht glauben?"

Schwer zu erklären: weil sie vermutlich so wie ich auch so ein Klischeebild

eines Missbrauchsopfers vor sich haben: ein kleines, verängstigtes graues Mäuschen das sich im Dunkeln nicht raustraut und ständig depressiv ist.

Ich entspreche dem nun mal nicht(zumindest heute nicht mehr, früher schon) : ich hab kein Problem im dunkeln draußen rumzulaufen (geht ja auch nicht anders weil ich manchmal bis 22Uhr arbeiten muss), ich bin eher ein fröhlicher, aufgeschlossener Typ. Und unaufällig bin ich auch nicht gerade (manchmal gefärbte Haare, Tattoos). Ich finde das passt einfach nicht in das Bild was die anderen von jemandem haben der missbraucht wurde. Deshalb könnte es für sie schwer sein das zu glauben.

Ich bin allerdings schon lange am überlegen ob ich nicht meinem besten Freund davon erzählen sollte. Ich will ihn aber nicht damit belasten, nicht das er im Endeffekt schlechter damit klar kommt als ich.

"Ich weiß zwar nicht, wie lange die Verjährung ist, aber möglicherweise könnte man ihn noch anzeigen?"

Eine Anzeige kommt nicht in frage eben weil es so lange her ist und ich keine Lust auf eine Schlammschlacht vor Gericht habe. Es stünde ja schließlich Aussage gegen Aussage.

Schönen Abend noch,

Kafri

Knafrxi


@ lena-sophie

vielen dank. du hast das ganze so treffend beschrieben, wie ich es wahrscheinlich nie könnte, denn genauso war es: die grenzen sind einfach verschommen. aber ich denke trotzdem das ich damals schon reif genug hätte sein sollen, um zu merken wann es nicht mehr ok war.

nochmal danke für dein Verständnis, es hat mir schon sehr geholfen mal darüber zu schreiben und mal "Ballast" abzuladen

*zurück drück*

Kafri

L^eTna-Sop-hixe


nichts zu danken, kafri, wirklich nicht! @:) leider kann einem niemand diese seelische last abnehmen - man kann nur versuchen, einen weg zu finden damit zu leben, die vergangenheit hinter sich zu lassen.

aber ich denke trotzdem das ich damals schon reif genug hätte sein sollen, um zu merken wann es nicht mehr ok war.

weißt du, kafri, du hast doch auch damals begriffen, das es nicht mehr ok war. dir war in deinem kindlichen denken sehr wohl bewusst, dass es etwas ist, das verboten ist. genau deshalb hast du auch nicht darüber gesprochen, das war ein "geheimnis", das man mit niemandem teilen darf. er hat dir vermutlich das gefühl gegeben, etwas "besonderes" zu sein - dir geschmeichelt und dabei deine zuneigung und dein vertrauen schamlos ausgenutzt.

nur was genau hättest du damals dagegen tun sollen? nichts, gar nichts. versuche dir klar zu machen, dass es niemals dein fehler war, das DU ganz sicher nichts falsch gemacht hast!

Ich hab mir auch dein erstes posting nochmals durchgelesen, und da ist mir ein satz von dir besonders nahe gegangen:

Ich hab einfach die Befürchtung das ich irgendwie nicht ganz normal bin: hätte ich den Missbrauch an sich nicht viel schlimmer finden müssen?

Ist es das was dir so zu schaffen macht? Dass du damals nicht gedacht hast "o gott was tut mir dieser mensch an"? dass du trotzdem seine nähe gesucht hast, bei ihm sein wolltest? ich kann dir nur soviel dazu sagen: du hast diesen menschen doch geliebt, du wolltest einfach liebe, zuneigung, so wie jedes kind sich das wünscht. die hast du ja auch bekommen, nur der preis dafür war hoch, viel zu hoch. :°_

los dich von dem gedanken, nicht normal zu sein! es gibt keine regeln dafür, wie man einen missbrauch empfinden, wie man damit umgehen und wann und wie lange man diesen verarbeiten sollte. du bist völlig normal!!! :)*

Ganz liebe Grüße, Lena-Sophie *:)

S]. w allixsii


Hallo Kafri

Ich hab das auch so ähnlich wie du erleben müssen. Ich bin nur männlich und der Täter war mein Vater. Ansonsten könnte ich das fast geschrieben haben - Deine Gedanken und Zweifel sind mir also sehr bekannt.

Eigentlich ist dem was die anderen schrieben gar nichts mehr hinzuzufügen. Mit Nachdruck will ich aber nochmal wiederholen dass du weder schuld bist, noch die Verantwortung gehabt hast es zu unterbinden.

aber ich denke trotzdem das ich damals schon reif genug hätte sein sollen, um zu merken wann es nicht mehr ok war.

Du hast die Lösung doch schon selbst geschrieben: Angst vor Liebesentzug, und das ist das schlimmste für Kinder. Eine Form der Erpressung, und du warst dabei das Opfer, du bist schuldlos. Die Schuld liegt bei ihm alleine. Mach dir das bewusst. Der Verstand lässt sich davon zwar recht schnell überzeugen, viel schneller als dass man es verinnerlichen kann, aber nutze ihn zumindest als Weg dahin.

Beim zuletzt von dir zitierten von Lena-Sophie kann ich mich ihrer Antwort nur anschließen: "los dich von dem gedanken, nicht normal zu sein!"

Mir gings/gehts genauso - und vielen anderen Missbrauchsopfern auch. Mit dieser Befürchtung bist du also nicht alleine. Wenn das in diesem Zusammenhang nicht so haaresträubend wäre würde ich fast sagen, es ist normal. Zumindest bei gewaltlosem Missbrauch wo der Zwang "mitzumachen" "nur" in psychologischer Manipulation besteht. Wenn du willst gehe ich darauf noch näher ein.

Hast du noch Kontakt zu ihm? Ich hatte noch lange nach dem Missbrauch unregelmäßigen Kontakt - zahlreiche Weihnachten und Geburtstage wo ich so tun musste also wäre alles in bester Ordnung - tu dir das nicht an! Ich wollte das so lange mit mir selbst ausmachen, dass es in einem richtig psychotischen Schub endete, in dem ich das mehreren Menschen einfach erzählen musste - Verwandte, Freunde und sogar flüchtigen Bekannten - ich konnte dann gar nicht mehr anders. Dazu kam ein völlig paranoider Zustand und jede Menge Verwirrtheit - mir glaubte dann auch kaum einer. Hätte ich das vorher jemand erzählt wäre das vermutlich alles nicht passiert. Ich will dir keine Angst machen, das muss dir so nicht passieren. Aber ohne Zweifel ist es eine starke Belastung das ganz alleine mit dir rumzutragen. Es jemand von Angesicht zu Angesicht zu erzählen bringt nochmal unvorstellbar mehr Erleichterung wie du sie bei diesem Faden verspürst. Aber auch das ist schon ein guter Schritt. Ich hab inzwischen schon in mehreren Missbrauch-Fäden mitgeschrieben, einen eigenen hab ich aber bis heute nicht geschafft zu eröffnen. Du bist also mutiger als ich. :)* Ich bin deshalb optimistisch dass du es schaffst das alles aufzuarbeiten. Viel Kraft dabei!

lg

Khleixo


Kafri

Nein, ich habe keine Therapie gemacht. Ich weiß nicht ob so was wirklich nötig wäre, es gibt schließlich Menschen denen es viel schlimmer geht als mir.

Es geht aber um Dich. :-)

Ich dachte deshalb ich wäre drüberweg weil er mir immer gesagt hat das so was ganz normal und natürlich wäre, und irgendwann hab ich das dann einfach geglaubt und so hingenommen. Erst später ist mir klargeworden, das es wohl doch nicht ganz so normal ist.

Wie alt warst Du, als er aufgehört hat Dich zu missbrauchen?

Du schreibst, dass Du in letzter Zeit immer wieder daran denken musst. Wie war es bisher? Wann hast Du daran gedacht und wann nicht? Seit wann denkst Du wieder daran?

Wie hättest Du drüber hinweg sein sollen, wenn Du es nicht aufgearbeitet hast?

genau das ist das Problem, ich mag es nicht über meine Gefühle zu reden, viell weil ich dadurch auch irgendwie angreifbarer und verletzlicher werde.

Wieso meinst Du verletzlich zu sein, wenn Du über Deine Gefühle redest? Würdest Du sagen, dass Du ein gesundes Selbstbewusstsein hast?

Außerdem halte ich mich selbst für relativ tough, ich will halt nicht das mich meine Freunde ansehen als könnte ich jeden Moment zusammenbrechen.

Du schreibst, Du bist tough. Warum sollten sie meinen, dass Du zusammenbrechen würdest, wenn Du ihnen etwas aus Deiner Vergangenheit erzählst?

Schwer zu erklären: weil sie vermutlich so wie ich auch so ein Klischeebild

eines Missbrauchsopfers vor sich haben: ein kleines, verängstigtes graues Mäuschen das sich im Dunkeln nicht raustraut und ständig depressiv ist.

Du warst 9 Jahre alt. :-/ Ist das nicht zu verständlich, wenn Du verängstigt gewesen warst? Du warst schutzbedürftig, hättest geschützt werden müssen. Statt dessen war es ganz anders. :-/

Ich entspreche dem nun mal nicht (zumindest heute nicht mehr, früher schon) :

Aber es geht doch um früher.

ich hab kein Problem im dunkeln draußen rumzulaufen (geht ja auch nicht anders weil ich manchmal bis 22Uhr arbeiten muss), ich bin eher ein fröhlicher, aufgeschlossener Typ. Und unaufällig bin ich auch nicht gerade (manchmal gefärbte Haare, Tattoos). Ich finde das passt einfach nicht in das Bild was die anderen von jemandem haben der missbraucht wurde. Deshalb könnte es für sie schwer sein das zu glauben.

Das kann natürlich sein, dass es jemand nicht glauben würde. Gibt es denn niemanden, von dem Du der Meinung bist, dass sie/er Dir glauben würde? Du selbst schreibst, dass Dich der Missbrauch beschäftigt.

Ich bin allerdings schon lange am überlegen ob ich nicht meinem besten Freund davon erzählen sollte. Ich will ihn aber nicht damit belasten, nicht das er im Endeffekt schlechter damit klar kommt als ich.

Ich denke, dass es jemanden, dem viel an Dir liegt, sicher bestürzen würde, was Dir als Kind passiert ist. Die Vorstellung, dass ein kleines Mädchen schutzlos einem Sexualtäter ausgeliefert war, ruft natürlich viele Emotionen hervor.

Warum willst Du es Deinen Eltern nicht sagen, wer es war?

Warum meinst Du, dass Deine Eltern nicht respektieren würden, dass Du nicht sagen willst, wer es war?

Warum soll er nicht bestraft werden oder es zumindest bei der Polizei aufliegen, dass ein Missbrauchsvorwurf gegen ihn vorliegt? Es könnte ja sein, dass Du nicht die einzige warst.

K;leixo


Kafri

aber ich denke trotzdem das ich damals schon reif genug hätte sein sollen, um zu merken wann es nicht mehr ok war.

Wieso glaubst Du, dass eine 9jährige so reif sein sollte, wie eine Erwachsene?

Wie war Dein Verhältnis zu Deinen Eltern damals?

K}leixo


S. wallisii

Ich wollte das so lange mit mir selbst ausmachen, dass es in einem richtig psychotischen Schub endete, in dem ich das mehreren Menschen einfach erzählen musste - Verwandte, Freunde und sogar flüchtigen Bekannten - ich konnte dann gar nicht mehr anders.

Oft ist es ja so, dass man sich schämt, wenn sich der Nebel der Verdrängung hebt. Das hat ja auch seinen Sinn, warum die Erinnerungen zu einem bestimmten Zeitpunkt "plötzlich" da sind. Es ist ein natürlicher Schutzmechanismus, dass viele Kinder mit Verdrängung reagieren. Sie könnten es selbst gar nicht verarbeiten und leider ist niemand da, dem sie es anvertrauen können. Wenn dann die Erinnerungen kommen, dann schämen sie sich, was ihnen passiert ist, dabei gibt es hier nur einen, der sich schämen sollte. >:( Es dauert allerdings, bis jemand genauso distanziert aus seiner Kindheit erzählt, dass er/sie missbraucht wurde. Es muss einmal gelernt werden zu differenzieren, dass man nicht mehr das Kind, das Opfer ist, sondern eine mittlerweile ältere Person, oft schon erwachsen. Die erwachsene Person ist kein Opfer mehr. Aus der Opferrolle herauszukommen fällt deswegen oft schwer, weil man sich mit dem damaligen Kind identifiziert und sich anfängt zu schämen, obwohl es nichts zu schämen gibt.

Hast du noch Kontakt zu ihm? Ich hatte noch lange nach dem Missbrauch unregelmäßigen Kontakt - zahlreiche Weihnachten und Geburtstage wo ich so tun musste also wäre alles in bester Ordnung - tu dir das nicht an!

Wie ging es Dir damit? Wie alt warst Du, als Du missbraucht wurdest?

OT: Könnte das nicht auch etwas mit Deinem "Männlichkeitsbild" zu tun haben? :-/

KFafrxi


@lena-sophie:

"Dass du damals nicht gedacht hast "o gott was tut mir dieser mensch an"? dass du trotzdem seine nähe gesucht hast, bei ihm sein wolltest?"

ja, das trifft es, genau das ist irgendwie das schlimmste und das was ich mir selbst nicht verzeihen kann. Die Initiative ging zwar von ihm aus, aber wenn er mich dann wieder tagelang auf "Liebesentzug" gesetzt hat war ICH diejenige, die zu ihm gekommen ist. Ich bin freiwillig immer wieder angekrochen und in sein Bett gestiegen. Und ich war nicht etwa erleichtert als der Missbrauch dann irgendwann aufgehört hat, sondern fast traurig, weil ich dann gar keine Zuneigung mehr von ihm bekommen habe. Warum bin ich diesem Typen hinterhergerannt? Das kann einfach nicht normal sein. Ich hab von meiner restlichen Familie doch auch genug Zuneigung bekommen, es war also nicht so das ich emotional vernachlässigt gewesen wäre. Das ist auch ein Grund weshalb ich ihn nicht anzeigen will, ich hab ihn ja sozusagen immer wieder angestiftet. Wäre ich ihm nicht nachgekrochen, hätte er viell viel eher von sich aus damit aufgehört.

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