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Juleys Chaosfaden

Syunfvlowexr_73


Man könnte es zynisch fast so formulieren: Wenn es sonst keinen akuten Anlass für Krankenhaus gibt (Endo, Abszesse,...), dann wird halt eine Woche Psychiatrie "gebucht". Die verlangen und erwarten nichts; der Aufenthalt ist mit keinerlei Verpflichtungen verbunden.

Wie Frau Erdmännchen auch schrieb: Es gibt Leute, die kämpfen quasi Tag und Nacht für einen Platz in einer guten Klinik mit DBT, Trauma, Abteilung für Persönlichkeitsstörungen. Ich kenne Leute, die fahren täglich bis zu 2 Stunden eine Strecke für eine Behandlung in einer solchen Tagesklinik. DAS ist Motivation. DAS ist Erkenntnis, dass man so nicht weitermachen kann.

Aber wir drehen uns im Kreis. Irgendwann wird nur die Krankenkasse diesen Auszeiten nicht mehr zustimmen. Da wird dann klar gesagt: Entweder 1-2 Nächte zur Krisenintervention oder raus. Oder langer Aufenthalt. Wobei es mich langsam nicht mehr wundern würde, wenn diese ständigen 1-Wochen-Aufenthalte die Chance auf Kostenübernahme für eine gute Fachklinik minimieren. Und dann, wenn der Wille da ist, so schnell gar nix mehr geht.

Ist schon erschreckend, wie sehr sich jemand im "System" gemütlich einrichtet. Betreuer, Frauennotruf, jederzeitiger unverbindlicher Psychiatrieaufenthalt,...

J.u.ldey


Mein Betreuer hat den Klinikaufenthalt vorgeschlagen... War nicht wirklich meine Idee und anfangs war ich auch voll dagegen.

smchnepcke1x985


Mensch, Juley!

Ich kenne dich ja schon eine Weile und lese schon lange immer wieder mit.

Du sagst: "Ihr müsst es ja nicht lesen!". Aber mal ehrlich: Wenn neben dir ein Mensch sitzt und sich Stück für Stück das Bein mit dem Taschenmesser abschneidet, guckst du dann auch einfach weg und denkst dir: "Ich muss ja nicht hinsehen!".

Was mich an diesem Faden am meisten schockiert hat, ist, als du davon gesprochen hast, dass du eigentlich keine Ziele mehr hast. Und ich persönlich denke, dass man ohne Ziele nicht leben kann.

Du hast es dir gemütlich in dem Sozialnetz eingerichtet und ich glaube ganz ehrlich, dass dir das überhaupt nicht guttut / weiterhilft. Kennst du "Hospitalismus"? So ähnlich erlebe ich deine Entwicklung, und das allerschlimmste ist: Das Sozialsystem lässt es zu, dass du weiter in deiner Krankheit verharrst, noch kränker, noch unselbstständiger wirst und noch weiter weg von einem normalen Leben agieren kannst.

Du hattest doch einen verantwortungsvollen Beruf? Das habe ich bis jetzt nicht hinbekommen, ich arbeite aber innerhalb der nächsten zwei Monate darauf hin. Niemand verlangt von dir, dass du von einem Tag auf den anderen alles alleine machst, aber du darfst dich einfach nicht zu sehr von den Hilfsangeboten einlullen lassen - glaub mir, das tut dir nicht gut!

Im Land, wo ich herkomme, gibt es gar keine dauerhafte EU-Rente. Die wird immer nur für 1-3 Jahre bewilligt und ist grade soviel, dass man ein Taschengeld hat. Dort gibt es auch kaum Kriseninterventions-Angebote, eben aus dem Grund, dass Patienten so zu Drehtür-Patienten werden können. Da wird man in der Psychiatrie nur aufgenommen, wenn man sprichwörtlich schon den Strick um den Hals hat. Ich habe mich übrigens dort auch sehr, sehr wohlgefühlt und ganz lange "Heimweh" nach der Psychiatrie gehabt. Aber das ist nun mal nicht das reale Leben, das ist ein Kokon.

Ich sehe einfach ganz wenig Kampfgeist bei dir, wenig Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt, wenig Druckpunkte, wo du aktiv werden musst.

Wann fühlt man sich wohl, ist stolz auf sich selber? Wann spürt man einen Sinn im eigenen Leben? Wenn man schwierige Dinge alleine bewältigt hat, wenn man Dinge schafft, die man sich nicht einmal selber zugetraut hat oder von denen man lange nur träumen konnte. Ich habe gestern nochmal ein bisschen nachgelesen und schon 2010 sprachst du von einem Ehrenamt...

Du trittst auf der Stelle und durch deinen rundum-Betreuungsservice wirst du nicht stärker, sondern immer abhängiger von anderen Leuten. Dein Blick auf das normale Leben trübt sich immer mehr ein, weil du halt nicht im normalen Leben unterwegs bist.

Mein Credo durch die Krankheit war / ist immer: Wenn man normal sein möchte, dann muss man sich an Normalen orientieren. Ich meine, viel tiefer als der richterliche Beschluss und die gesetzlich Betreuung kann man innerhalb einer psychischen Erkrankung nicht fallen.

Und damit komme ich wieder zum Anfang: Jeder Mensch braucht Ziele, gerade in schwierigen Situationen, denn sie geben uns Kraft und Durchhaltewillen. Sie motivieren uns, aus dem bequemen Zustand herauszutreten, uns beängstigenden Situationen zu stellen und über uns selber hinauszuwachsen.

(Dabei meine ich mit Zielen nicht unbedingt riesige Schritte, aber kleine Herausforderungen, immer und immer wieder. Ich habe z.B. in der Zeit, als ich nicht aus dem Haus kam viel gebastelt, Wohnung renoviert / gestrichen, mein Englisch auf Vordermann gebracht, mir ein Haustier angeschafft usw.). Ich bin wirklich selber eine sehr faule Socke, aber ohne irgendwelche Ziele könnte ich nicht leben. Und vor allem: Die Ziele dürfen nicht nur im Kopf verweilen, man muss auch den Sprung zur Aktion finden.

Fakt ist auch: Die meisten menschlichen Probleme sind schrecklich banal. Und weil sie so banal sind, kann man sich in der Regel durch sinnvolle Tätigkeiten prima ablenken. Beispiel Endo: Mein Partner hatte Krebs und sehr starke Schmerzen über Jahre. Er hat aber nie gejammert, dafür hunderte Bücher verschlungen und x Musikalben gehört, hat mit mir gekuschelt, wir haben gemeinsam gekocht, gelacht oder sind auf ein Bier gegangen. Außerdem hat ihm seine Familie einen Kindheitstraum erfüllt und ihm eine tolle E-Gitarre zu Weihnachten geschenkt. Wäre er nur im Bett gelegen und hätte über seine Schmerzen und seine Diagnosen nachgedacht, dann wäre er heute nicht mehr hier.

EAhemal#iger kNutzer (#3~257x31)


Schöner Beitrag :)^ Aber leider kommt dieser wie die auf den anderen zich Seiten nicht an sondern versandet irgendwo im Nirvana. Ja jetzt war es eben die Endo, aktuell wieder die Psyche, in 3 Wochen ist es halt wieder das Essen 😴

Es wundert mich das sie überhaupt noch einer Ernst nimmt. Das ganze ist dich mittlerweile nur noch eine Kommodie, fragt sich nur wer hier über wen lacht ...

JOulqey


Danke schnecke @:)

Ich werde darüber nachdenken. Und ich habe jetzt wieder Ziele, wirklich!

Ich habe gestern nochmal ein bisschen nachgelesen und schon 2010 sprachst du von einem Ehrenamt...

2010 hab ich auch ehrenamtlich gearbeitet. Bis 2011.

s?chn;ecDke19x85


Danke schnecke @:)

Ich werde darüber nachdenken. Und ich habe jetzt wieder Ziele, wirklich!

Das freut mich, ehrlich! *tränchen aus dem Auge wisch*

Was für Ziele hast du denn? Auch, wenn es nur klitzekleine Zielchen sind? Solche, die du ganz alleine schaffst?

2010 hab ich auch ehrenamtlich gearbeitet. Bis 2011.

Na siehst du, geht doch! Was hast du da gemacht? Und warum bist du jetzt gerade nicht beschäftigt? :)*

JIulexy


Was für Ziele hast du denn? Auch, wenn es nur klitzekleine Zielchen sind? Solche, die du ganz alleine schaffst?

Ehrenamt. Definitiv. Sinnvolle Aufgaben.

Na siehst du, geht doch! Was hast du da gemacht? Und warum bist du jetzt gerade nicht beschäftigt?

Bauernhof wo Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen konnten. War superschön. Leider ist der Hof sehr weit weg, da war ich länger unterwegs als ich gearbeitet habe. Hat zu viel Zeit & Geld gekostet die Anfahrt.

s7chne.cke1998w5


Aber: Zeit hast du ja. Das einzige, was im Leben wirklich dir gehört, ist deine Zeit. Und du kannst sie so verschenken, wie du es willst.

Warte nicht auf die "perfekte Chance", versuch' alles Mögliche. Morgen. Nicht irgendwann.

Ehrenamt klingt ja schon gut, aber was sonst noch? Du bist genauso alt wie ich, also müssen da noch ein paar mehr Ziele kommen!

Ich träume z.B. davon, irgendwann einen kleinen Garten / Grundstück zu haben und dort viele Lebensmittel anzubauen. Ein Hund wäre auch ein Ziel (das ist allerdings noch weiter weg). Unmittelbar bevor stehen die Ziele Arbeit / Geld (davor habe ich massiv die Hosen voll, aber wat mut, dat mut!), unsere Wohnsituation zu verbessern, in naher Zukunft mal eine längere Reise nach Südostasien / Indien zu machen.

Andere Ziele: Im Krankheitsfall meine Eltern mitzubetreuen, einmal mit meinen Eltern eine Reise zu machen, meinen Schatz zu heiraten, vielleicht noch eine zusätzliche, 1-2 jährige Ausbildung für bessere Jobaussichten.

Szunf}lowerx_73


@ schnecke:

:)z :)^ :)=

J;u]lio-Sonynex_


Du wolltest doch jetzt auch wieder ehrenamtlich tätig werden. Klappt das denn?

Du schreibst, dass du nur eine Woche stationär sein möchtest, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer Woche an dir richtig "gearbeitet" werden kann. Du hast so viele Baustellen, die dich belasten. Da wäre ein oder mehrere Monate sinnvoll und erstrebenswert. Ja ich weiß, du warst schon länger stationär, aber es hat nicht geholfen. Dann war es vielleicht die falsche Klinik. Gebe dich nicht auf! Arbeite an dir. Auch wir anderen haben unsere steinigen Wege, sonst wären wir nicht in einem med Forum gelandet. Aber du musst es wollen und mit "ich habe keine Lust auch x und y" wird es nicht vorwärts gehen können.

s@chnec|kue19x85


PS: Und gerade schreibe ich an meiner Bachelor-Arbeit. Vor vier Jahren habe ich meinem Schatz den totalen Vogel gezeigt, als der meinte, dass ich sicher wieder studieren werde. Und ja, es wechseln sich Momente der Verzweiflung mit Momenten der Euphorie. Aber das finde ich normal.

JZul8ey


Ja reisen würde ich auch gerne mal wieder. Muss nicht weit sein, die Ostsee würde mir schon reichen. Aber Amerika wäre auch mal wieder gut.

Ansonsten bin ich eigentlich zufrieden. Wohnsituation passt, Freundeskreis passt, alles gut :)^

Ja es gibt demnächst hier so eine Ehrenamts-Messe auf die ich evtl gehen werde. Auf die Dame die mir was vermitteln wollte hab ich nur noch wenig Lust, weil sie ständig Termine ausmacht, die sie aber nicht einhält.

Jbulexy


Und schnecke: Respekt! :)^ :)=

s5chnecUkeL19x85


@ Juley

Neee, mir musst du keinen Respekt zollen, wirklich nicht ;-D Ich bin ziemlich lahm und faul. Und ich tue mich (was wahrscheinlich am BL liegt) sehr schwer mit Veränderungen. :=o

Man muss nicht teuer reisen... hast du keine Bekannte, die du besuchen könntest? Couchsurfing wäre auch eine Möglichkeit! Pensionen und Privatvermieter sind oft auch deutlich günstiger, als Hotels und Hostels.

Wäre das nicht ein tolles Ziel, um darauf hinzusparen? Vielleicht sich als Weihnachts- / Geburtstagsgeschenk Geld für die Reisekasse wünschen?

Ja es gibt demnächst hier so eine Ehrenamts-Messe auf die ich evtl gehen werde.

*hust* errätst du, welches Wort mich an dem Post stört?


Du könntest z.B. eine Fremdsprache lernen. Oder einen kleinen Job nebenbei machen (Nachhilfe oder Haushaltshilfe, ein paar Stunden die Woche) und so für deine Reise sparen?

E$hemali@ger lNutzer2 (#I32573x1)


aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in einer Woche an dir richtig "gearbeitet" werden kann

Soll ja auch nicht. Ziel ist ja eine Wellness- und Erhoungswoche, sozusagen All inclusive Urlaub ]:D

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