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Das Gefühl den Verstand zu verlieren?

r~ubys<_rap|soxdy hat die Diskussion gestartet


Na, dann will ich mal meine Geschichte erzählen. Es ist das erste Mal, dass ich im Internet schreibe und fühlt sich etwas komisch an. Ich dachte immer, das tun nur verzweifelte Leute. Doch merke ich langsam, dass es verdammt gut tun kann, etwas hier runter zu schreibe und es los zu werden.

Ich war gegen aussen meist die rauhe und freche Kleine, mit einem grossen Maul, für jeden Spass zu haben. Ich habe dies auch nie gespielt, sondern das war einfach ich.

Vor ca. 20 Monaten verreiste ich für längere Zeit ins Ausland, hatte das Gefühl, Luft zu brauchen, einfach mal raus hier.

Ich lebte mich so in eine andere, fremde Welt ein, dass ich jeglichen Bezug zu meinem "Zuhause" verlor, auch zu meinem damaligen Freund, welchen ich über alles liebte.

Wären meines Auslandaufenthalten starb mein bester Freund. Er gehörte zu mir wie ich zu ihm und es erscheint mir noch heute so unwirklich darüber zu sprechen, dass ich noch immer seine Telefon Nr. im Handy habe.

Ich konnte mit meinem toten Freund wie ein eigenes Abkommen, eine eigene kleine Welt schaffen, in welcher nur wir beide existieren. Somit musste ich es nie richtig realisieren und vor anderen kommunizieren.

Durch das wollte ich jeglichen Kontakt zur Schweiz meiden, habe absichtlich meinen Freund verlassen, da ich nichts mehr haben wollte hier.

Ich kam zurück und nichts mehr war wie zuvor. Ich kam wieder mit meinem Freund zusammen, nach langem Kampf, denn ich vermisste seine Liebe, unsere Liebe. Ich vermisste die wenige Normalität die ich noch hatte.

Sicher, es hielt nur noch wenige Wochen mit meinem Freund, denn ich hatte so viel Trauer in mir, von der nicht einmal ich selbst wusste. Ich fiel in eine Depression, mit Panikattacken und Selbszerstörerischen Anfällen. Zeitweise konnte ich nicht einmal mehr zur Arbeit, da ich einfach keinen Sinn mehr in etwas sah.

Ich muss nicht erzählen wie es mit Angstzuständen und Antidepressiva abläuft, viele hier kennen dies.

Doch was mir am meisten Angst macht, sind diese ewigen Gedanken. Am Morgen ist es am schlimmsten. Ich träume sehr viel. Viele Dinge aus meinem Leben, so real, das ich weinend aufwache und mich erst besinnen muss.

Doch dann geht es erst richtig los. Ich erwache und beginne zu denken. Ich denke im Kreis, ich denk seit 8 Monaten im Kreis, immer wieder und wieder. Und ich komme zu keinem Ende. Ich muss mir einen richtigen Tritt versetzen um mich diesem Bann zu entreissen, um aufzustehen und zu sagen, pack dein Leben an.

Doch habe ich manchmal wirklich das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Wahnsinnig zu werden durch diese Denkerei. Ich meine, ich hatte schon oft Liebeskummer, oder Wut, was auch immer. Doch seit Monaten denke ich an Dingen herum und verliere mich selbst darin.

Darum habe ich mich oft geschnitten. Ich schnitt mich in Arme und Beine, um den Kreis zu durchbrechen und etwas anderes als Wahnsinn zu fühlen. Das war jedesmal ein so gutes Gefühl, als würde die ganze Last von mir fallen.

Manchmal wünschte ich, ich hätte nur für kurze Zeit eine Art inneren Frieden, dass ich wieder an etwas glauben kann. Denn ich hasse dieses depressive Gerede von mir selbst und kann mich nicht hören. Doch wäre ich so froh, wenn es jemand gäbte, der mich verstehen könnte.

Denn wenn ich mit Freunden unterwegs bin, so fühl ich mich doch ganz allein auf der Welt, obwohl dies Personen sind, für welche ich durch die Hölle gehen würde und gegenseitig.

Und trotzdem habe ich das Gefühl, emotional auszubluten.

Naja, ich hoffe irgend wer liest dies und könnte mir eine Antwort geben. Oder einfach nur zeigen, dass ich nicht den Verstand verliere, sondern es auch andern so geht? Ist das normal?

Antworten
sEtyefx4n


Ich nehme...

mir einfach mal das Recht raus hier etwas zu schreiben. Und zu allererst möchte ich Dir sagen das ein Mensch nicht völlig den Verstand verliert. Mach dir keine Sorgen du wirst Ihn nicht verlieren.

Ich weiß nicht wirklich was ich dazu sagen soll, ich kann dir wirklich dazu nur sagen - das du deinen Verstand nicht verlieren wirst. Ich denke nach einem solch doch sehr hartem Schicksalsschlag ist das völlig 'Normal'.

Liebe grüße,

Stefan

Sscho4kOo


rubys_rapsody

Als ich Deinen Beitrag gelesen habe, konnte ich Dich so gut verstehen; ich konnte soo viele Parallelen zu mir erkennen.

Mein Vater ist letztes Jahr ganz plötzlich gestorben. Die erste Zeit habe ich "normal" getrauert, dann fiel ich in richtige Depressionen, wollte meine Freunde nicht mehr sehen, fühlte mich überall fehl am Platz und hab´ mich nur noch allein (außer arbeiten) in meiner Wohnung verkrochen. Irgendwann war der Druck so groß, dass ich mich selbst geschnitten habe, um ihn abzubauen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich noch lebe, sobald ich merkte, dass ich wieder ein bißchen Spaß am Leben hatte, kam sofort das schlechte Gewissen. Ich hatte das Gefühl, einfach kein recht mehr zum Glücklichsein zu haben. Dazu kam noch die Angst, wieder jemanden zu verlieren, der mir nahe steht. Das wurde so schlimm, dass ich keinen mehr wirklich an mich ranlassen konnte, am liebsten alle auf Abstand gehalten habe.

Ich weiß jetzt selber nicht, wieso ich das alles in der Vergangenheit schreibe - die Probleme sind keineswegs gelöst.

Ich gehe seit November zu einer wirklich guten Therapeutin, sie hilft mir sehr. Ohne sie säße ich jetzt nicht mehr hier. Aber ich merke immer wieder, es braucht Zeit, viel Zeit.

Ich möchte Dir das alles nur schreiben damit Du siehst, dass es anderen genauso geht. Man steckt sowas nicht einfach so weg und den Verstand verlierst Du auf keinen Fall!

Liebe Grüße

p?sychmodad


Hallöle,

ich kann das mit der ewigen Denkerei auch sehr gut nachvollziehen. Die Gedanken kreisen und kreisen und man kommt einfach nicht weiter. Ich habe das Gefühl, nicht vorwärtszukommen. Das mit der Schneiderei mache ich zwar nicht, aber kann mir durchaus vorstellen, dass es befreiend wirkt, da die Konzentration auf einmal auf den Schmerz geht. Fühlst du dich auch so, als würdest du in einem Loch sitzen und nicht herauskommen können? ich versuche mich langsam rauszugraben, doch dabei grab ich immer tiefer. Ich will diese ganzen Gefühle einfach logisch beseitigen. Aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass es nicht funktionieren kann, wenn man dem Wahnsinn auch noch einen Sinn zumisst. Da hilft nur eins - wie du schon sagst - ein Tritt. In diesem Fall eher ein schnelles Rausziehen aus dem Loch. Nicht langsam und stetig, sondern einfach nur hauruck. Das fatale an der ganzen Sache ist nämlich das, umso länger man sich mit sinnlosen Gedanken beschäftigt, umso mehr gewöhnt man sich dran und arrangiert sich damit. Man denkt dann immer mehr und mehr und verliert sich in diesem Scheiß. Oh ja, ich kenn das sehr gut. Natürlich ist man dann in dieser Situation gefangen und kann nicht entfliehen. Ich versuche dann immer, über das Nachdenken darüber, die Sache zu verbessern. Aber wie ich schon sagte, es wird immer schlimmer. Das weiß ich ja eigentlich auch und du sicher auch. Aber man will ja eigentlich nur, dass diese Situation endlich vorbei ist. Das sind also dann die verzweifelten, zu nichts führenden, alles nur noch schlimmer machenden Versuche, diesem beschissenen Wahnsinn zu entkommen. In einem Film gab es mal ein gutes Beispiel dafür: Da sagt der eine: Wenn du einen Frosch ins heiße Wasser setzt, springt er sofort wieder raus. Setzt man ihn aber ins kalte Wasser und erhitzt es ganz langsam, wird er im Wasser sitzen bleiben und wird "totgekocht". Die Parallele ist die, dass, wenn wir aus unserem Wahn einen Sprung dahin zurück machen könnten, wo es uns noch gut ging, würden wir sofort erkennen, dass dieses ganze Nachdenken so abstrus ist, dass es zu nichts führen kann. Wir haben aber schon solange im Wasser gesessen - uns also an die verrückte Situation angepasst - dass wir nicht mehr merken können, wie es eigentlich mit uns aussieht. Zumindest gilt das eben Gesagt für mich. Ich weiß nicht, ob du das ähnlich empfindest. Aber naja, als erstes würde ich dann doch mal zu Medikamenten greifen, damit das gröbste erstmal beseitigt wird.

Auf jeden Fall wünsch ich dir alles Gute

Adios

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