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Meine Mutter hat paranoide Schizophrenie

SQha,lydxa hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich weiß gar nicht so recht wo ich anfangen soll.. Gibt es einen Anfang? Versuche ich es mal:

Ich bin 30 Jahre alt, habe eine 6 jährige Tochter mit der ich allein lebe. Es ist so, dass ich eine Bürde zu tragen habe, wo ich mich Tag für Tag mehr frage ob und wie lange ich sie noch tragen kann. ???

Es geht um meine Mutter. Sie hat paranoide Schizophrenie. Die Symthome sind ziemlich stark ausgeprägt bei ihr. Sie hat Verfolgungswahn, denkt dass sie Kameras in den Augen hat - so das ihr "die Leute" ihre komplette Vergangenheit ständig vor Augen führen. Dabei geht es nicht nur um die schlimmen Einschnitte ihres Lebens - sondern auch um ganz alltäglich Dinge (z.B. sie sieht jemanden mit einem Brötchen auf der Straße und sagt: "Siehste - ich habe gestern auch ein Brötchen gegessen").

Sie zerstört sich selbst und ihre Wohnung, lebt mitlerweile auf einer absoluten Baustelle, weil sie alle Schränke etc. schon mehrfach kurz und klein geschlagen hat. Ist ziemlich verletzend zu mir und meiner Oma - seit Jahren schon.

Sie ist immer mal wieder in der Psych. Klinik - aber jedesmal wenn die Medis wirken, es ihr annehmlich besser geht, geht sie nach Hause - setzt die Medis ab und von da an kann man die Tage zählen dass es wieder los geht.

Sie fordert nur.. Du MUSST mir helfen - Dein Freund MUSS meine Wohnung renovieren - zu Weinachten WILL ICH dies und jenes geschenkt bekommen... Sie redet nur noch in einem Ton mit einem, als wäre man der letzte Depp. Dabei erzählt sie wirr - teils aus der Vergangenheit - teils aus der Gegenwart - immer ein bisschen mit einer Priese Vorwurf gestreut.

Ich habe ihr schon mehrfach versucht zu helfen - habe sie in den Kliniken oft besucht, ihr beigestanden.. Es nimmt einfach kein Ende - im Gegenteil - es wird immer schlimmer.

Das Problem ist, ich habe dadurch als Kind ziemlich oft ziemlich bizzare Situationen erlebt - insbesondere an Feiern (Weihnachten, Geburtstage etc.) wo auch noch zusätzlich Alk geflossen ist.

Bislang war es immer so, dass egal wie es ihr ging, sie sich aber zumindest soweit zusammenreißen konnte, dass meine Tochter nicht sowas erleben musste. Bis zu ihrem 6. Geb. im September. Meine Mutter war keine 5 Minuten da, hat rumgeschrien, meine Oma zum weinen gebracht und ist dann nach ca. 10 min. anwesenheit wieder gegangen. Danach war sie in der Klinik, meinte sie würde sich helfen lassen - hat sich aber diesesmal nach einer Woche selbst entlassen - mit den Worten sie wolle das nicht mehr.

Nun habe ich mit ihr vorhin telefoniert, sie meinte sie hätte vor ein paar Tagen Schlaftabletten genommen - mir wäre es doch eh scheißegal wie es ihr ginge - und schade dass sie aufgewacht wäre, denn dann hätte ICH mal gesehen wohin ICH sie treibe ??? #

Ganz ehrlich, ich kann auch nicht mehr. All die Jahre von Vorwürfen und dem ganzen Scheiß. Es tut mir leid, dass sie diese Krankheit hat - aber sie ist auch ein stückweit selbst schuld (massiver Drogen und Alkoholkonsum über Jahre).

Ich habe ein Kind, lebe allein und gehe Arbeiten - woher soll ich die Kraft noch nehmen frage ich mich? Wäre es wirklich so falsch den Kontakt zu kippen? Ich weiß, klingt grausam - auch für mich - aber weiß Gott, ich mache es mir bestimmt nicht leicht damit.

Über eure Meinung - oder ähnliche Erfahrungsberichte - oder Kommentare wäre ich sehr dankbar. Es gibt in meinem Umfeld (glücklicherweise) niemanden der dieses Schicksal teilt oder damit Erfahrungen sammeln konnte..

Danke

Shalyda

Antworten
ST. wcallixsii


Hallo

Es ist schwer aber ich glaube da muss man egoistisch sein und sich abgrenzen.

Meine Mutter ist in einem ähnlichen Zustand, ebenfalls wegen dem Absetzen der Medikamente und Einsicht von ihrer Seite wird vermutlich auch keine mehr kommen.

Vor ein paar Jahren dachte sie sie wäre geheilt (dachte ich übrigens auch) und hat die Medikamente die sie vorher jahrelang immer weiter reduziert hat endgültig komplett abgesetzt, der Ausbruch der Krankheit (ich vermute nur dass es Shizophrenie ist, ein Arzt durfte oder wollte sich da nie eindeutig äußern) kam dann schleichend und erst so ca 2 Jahre später. Anfangs eher in die verwirrte, dann immer mehr in die aggressive und verschwörungstheoretische Richtung.

Den Kontakt zu Bank, Vermieter und Sozialamt hat sie wegen vermeintlicher Betrügereien abbgebrochen und daraufhin ihre finanziellen Unterstützung und die Wohnung verloren, das Konto hat sie dann gekündigt. Sie ist dann bei meiner Schwester und mir untergekommen und ihre Ausraster sind immer schlimmer geworden, am Ende (hier gewohnt hat sie ca ein Jahr) habe ich sie gegen ihren Willen einweisen lassen. Die paar Wochen Klinik haben aber rein gar nichts gebracht, sie ist danach in irgendsoeinem betreuten Wohnen untergekommen wo sie wieder so abgegangen sein muss dass sie wieder rausgeflogen ist.

Vor ein paar Tagen stand sie vor meiner Tür - ich hab sie wieder weggeschickt. Sie ist jetzt obdachlos wenn sie ihren Stolz sich an frühere Freunde oder meinen Onkel zu wenden nicht überwunden hat, ... und das ist leider so gut wie unmöglich dass sie das tut.

In diesem Licht war es ziemlich herzlos sie wegzuschicken... aber dieses eine Jahr mit ihr zusammenzuleben, mit all ihren Ausrastern, paranoiden Gedanken und verrückten Aktionen, ... zuviel - ich finde nicht mal Worte das auszudrücken.

Ich schreibe dir das zum einen weil ich das alles noch gar nicht richtig verarbeitet habe und zum anderen hoffe ich dir damit ein wenig schlechtes Gewissen zu nehmen. Also so in der Art "da gibts welche die sich noch härter und egoistischer abgrenzen, setzen ihre Mutter gar der Obdachlosigkeit aus." ... Naja, ich hoffe mal du kommst nie in eine solche Lage und es reichen weniger harte Abgrenzungsmaßnahmen, aber wenn ich deinen Text lese glaube ich schon dass du nicht drum rumkommen wirst wenn du nicht deine ganze Kraft in die Krankheit deiner Mutter stecken willst. Sehr wahrscheinlich würde eine solche Aufopferung ja nicht mal etwas bewirken können.

Maßnahmen gegen das schlechte Gewissen dem man bei der Abgrenzung wohl oder übel begegnet habe ich leider auch noch keine, außer sich rational vorzusagen dass das der einzig logische Weg ist um sich selbst zu schützen, aber das hilft .. hm naja, nicht sehr. Meine Schwester denkt deswegen am Rande und eventuell darüber nach einen Therapeuten zu Rate zu ziehen, vielleicht werde ich das auch irgendwann mal tun, keine Ahnung.

Ich habe, als meine Mutter hier wohnte und ich überhaupt kein Ausweg mehr sehen konnte, hier einen Faden eröffnet, ich weiß zwar nicht ob der dir hilft (es geht hauptsächlich um das schlimme Zusammenleben, den langwierigen Weg der Einweisung und jede Menge Jammerrei ;-D) und als ich mir ihn letztens nochmal durchlas war ich ganz erschrocken wie harmlos das im Vergleich zur Realität alles klingt.

Naja, vielleicht wenigstens als Bestätigung dass du nicht allein damit bist unter einer solchen Krankheit deiner Mutter leiden zu müssen, wie auch immer, hier der Link: [[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/285553/1/]]

Sie redet nur noch in einem Ton mit einem, als wäre man der letzte Depp. Dabei erzählt sie wirr - teils aus der Vergangenheit - teils aus der Gegenwart - immer ein bisschen mit einer Priese Vorwurf gestreut.

+

denn dann hätte ICH mal gesehen wohin ICH sie treibe

hm ja - sowas kommt mir sehr bekannt vor. Ein wenig erleichternd war da die Aussage ihrer kurzzeitig bestellten Betreuerin dass es bei diesem Krankheitsbild sehr oft der Fall ist dass nahestehende Personen drangsaliert werden.

Es ist eine Krankheit, klar, dafür kann der Betreffende nichts aber das ändert leider nichts daran dass man als Nahestehender die Auswirkungen der Krankheit irgendwann selbst nicht mehr aushält. Wenn einen das alles sehr belastet und die Nichteinsicht auch keine Hoffnung auf Besserung verspricht dann ist die Abgrenzung leider der einzige Ausweg.

Ich wünsche dir dass dir das nicht soviel schlechtes Gewissen bereitet. Aus jetztiger Sicht kann ich bisher ansonsten nur sagen dass auch dieses Kraft erfordert aber bei weitem nicht soviel wie die Konfrontation mit den Ausrastern und Co.

Alles Gute und viel Kraft :)*

Svhalpyda


Es tut gut zu wissen nicht allein zu sein.

Hallo S. wallisii,

vielen Dank für Deine Antwort.

Deinem Beitrag entnehme ich, dass Du sehr genau weißt was es heißt mit einem solch kranken Menschen über Jahre hinweg immer und immer wieder zusammen zu sein / zu leben.

Du kannst Dir vorstellen, dass ich tausende "Anekdoten" erzählen könnte - Ausbrüche, Beleidigungen, Ausraster, Verschwörungstheorien u.v.m. Aufgeschrieben kann es nur harmloser klingen als es in wirklichkeit ist - denn keiner, der das nicht selbst erlebt hat, kann die Emotionen nachvollziehen die von einem besitz ergreifen wenn man dem hilflos gegenüber steht.

Mir geht es immer so, dass ich ihr in die Augen schaue und immer denken muss "Man, Du bist doch meine Mutter - dann sei es doch mal"! Sicher, sie kann nichts dafür - nur das macht es leider so gar nicht besser.

Ich fange an sie zu verachten für das was sie hat und für das was sie tut - gleichzeitig bringt es mich um den Schlaf sowas zu fühlen, denn wie herzlos muss man sein.. Du weißt wovon ich spreche. Wenn man sein eigenes Spiegelbild nicht mehr erträgt, weil man sich manchmal auch fragt ob man nicht zu schwach ist, dadurch die Krankheit fördert.. Eine schlechte Tochter ist.

Ja, ich glaube auch dass die Angehörigen solch erkrankter Menschen selbst an den Rande des Wahnsinns kommen können - ich kann mir vorstellen dass ich auch mal zu einem Therapheuten sollte, irgendwann - um das erlebte aufzuarbeiten. Oft kommt mir all das vor, wie ein Film indem ich die Hauptrolle habe, aber mir hat jemand vergessen mir den Text zu geben..

Zumal - wenn man diesen Wahnsinn vor Augen hat - konträr dazu aber ein solch "normales" Leben führt .. Mir ist es immer völlig unverständlich was da aus ihrem Mund kommt - ich KANN es nicht nachvollziehen. Das kann doch nicht ihr ernst sein, denke ich oft.

Das schlechte Gewissen - frisst mich auch auf - niemand aus meinem Umfeld (außer meiner Oma) kann das verstehen.. jeder sieht nur was sie "mal wieder gemacht hat" - und alle sagen "Ich hätte schon längst den Kontakt abgebrochen" Dabei außerachtlassend dass es nunmal nicht immer nur "Schwarz & Weiß" im Leben gibt.

Manchmal frage ich mich, wo ich noch die Kraft hernehmen soll.. es hört einfach nicht auf. Aber ich weiß auch nicht, ob ich die Kraft habe den Kontakt abzubrechen...

Übrigens - wenn meine Mutter so weiter macht wird sie auch bald keine Wohnung mehr haben. Sie dreht regelmäßig völlig durch in der Wohnung, Drangiert die Nachbarn dort aufs übelste - schreibt denen irgendwelche "Botschaften" usw. (kanns gar nicht so erklären dass es Sinn ergäbe). Sie schneidet alle Kabel durch, weil sie glaubt die dienen zu Ihrer Überwachung (das letzte war das Außenkabel am Haus welches vom Fernseh oder so war, glaube ich).

Ich bewundere, dass Du es überstanden hast Deine Mutter 1 Jahr bei Dir aufzunehmen. Ich glaube, wäre dass - gerade innerhalb der letzten 10 Jahre so gewesen, dass ich noch mit ihr hätte wohnen müssen - dann wäre ich heute wohl auch in einer Klinik, ohne Witz.

Nochmal Danke für Deine Antwort, es hilft mir wirklich gerade ungemein...

S=halyxda


Schade

Hallo,

hatte gehofft hier mehr Resonanz zu finden.. :-/

Naja, was kann man schon erwarten..

Ich danke S.wassili noch mal ganz herzlich @:)

Bsiancxata


Du könntest auch jetzt schon zum Therapeuten gehen, nicht nur, um das Erlebte zu verarbeiten, sondern auch um aktuell einen Umgang mit den eigenen Schuldgefühlen zu finden.

jemand der sozusagen Dich erstmal aktiv in der aktuellen Lebensphase unterstützt.

Ich glaube, daß es gut und wichtig und vor allem auch richtig ist, Dich und Deine eignene Familie ( also deine Tochter) zu schützen, auch wenn das einen Kontaktabbruch bedeutet.

Ich wünsche Dir sehr vie Kraft und Liebe

Bianca

Sq. wa"lli|sii


Hi Shalyda

sei nicht entäuscht @:) es ist ein unangenehmes Thema und häufig ist es auch nicht. V.a. wird man wohl auch keine konkreten Ratschläge geben können wie man mit dem schlechten Gewissen klar kommen soll.

Ich wollte dir übrigens auf den zweiten Beitrag demnächst noch antworten, aber da muss ich dich um ein wenig Geduld bitten - zur Zeit bin ich voller Weigerungen mich mit tiefschürfenderen Themen auseinander zu setzen. Andererseits wäre ich recht froh wenn dir es nichts ausmacht diese Geduld mit mir aufzubringen, weil ich denke dass der Austausch darüber schon gut tun könnte. So nach dem geteiltem-Leid-Motto... ändert zwar nicht wirklich was aber immerhin. :-)

also denn *:)

bis demnächst

SYhalOyda


Dankeschön

Hallo,

@ Biancata - vielen Dank erst mal für Deine Antwort. Ja Du hast recht, vermutlich wäre es nicht verkehrt selbst einmal einen Therapeuten aufzusuchen. Es ist halt so, dass ich im Moment selbst hin & her schwanke zwischen "Ich möchte mich gern austauschen" & "Ich möchte am liebsten nicht drüber sprechen".

Aber Du hast recht, mein Kind und mich zu schützen, dass ist es wodrauf mein Augenmerk liegt. Egal was es auch bedeutet.

@ S.wallissi - :-) - Natürlich bekommst Du die nötige Geduld. Ich weiß selbst wie es ist. Es gibt Tage, an denen tut es gut zu sprechen - und eben jene, an denen lässt man es lieber. Ich freu mich aber trotzdem irgendwie jemanden gefunden zu haben, der nachvollziehen kann was man erlebt hat. Auch wenn es mir gleichzeitig unendlich leid tut.

Ich schaue einfach öfter mal wieder hier rein, und freue mich weiterhin über jeden Kommentar.

LG

Shalyda

S5il3verfklamxe


Hm, also mir gehts so ähnlich, nur mit dem Unterschied, daß es sich nicht um meine Mutter, sondern um meinen (Ex?-) Freund handelt.

Auch hier ist er selbst "schuld"- durch Drogen usw. kam es zur paranoiden Psychose.

Allerdings verhält er sich wesentlich "friedlicher" als eure Mütter, wenn er wieder mal einen psychotischen Schub hat. Er ist dann halt nicht "da", taucht nur ab und an mal auf und hört auch wirklich zu, was man sagt.

Das, was ich empfinde, ist hauptsächlich Mitleid. Zumal die Umwelt ständig mitbekommt, wie er "drauf" ist und sich größtenteils darüber amüsiert.

Mit den Medis das gleiche Spiel: Er nimmt sie eine zeitlang und alles ist gut. Dann setzt er sie plötzlich ab und ich merke, wie er sich wieder langsam verliert.

Auch ich kann nun nicht mehr. Und ich will nicht mehr.

Aber ein schlechtes Gewissen bleibt...

Sd. wmallixsii


Natürlich bekommst Du die nötige Geduld. Ich weiß selbst wie es ist.

Da bin ich froh @:) ... bis bald und eine möglichst schöne Zeit *:) ... dir auch Silverflame :-)

SMiPlver,flxame


Danke @:)

SZhalxyda


Danke - wünsche ich euch auch @:)

SDh2alxyda


Es geht weiter...

.. habe soeben den Anruf meiner Oma bekommen - meine Mutter ist wohl gestern Zwangseingewiesen worden und befindet sich jetzt in der geschlossenen Psychartrie. Wenn es nicht schon das dritte mal wäre, würde ich vielleicht ein wenig aufatmen, da ich weiß dass sie da "gut aufgehoben" ist - aber leider weiß ich, dass es so gar nichts ändert auf lange Sicht..

Ich bekam gestern einen Anruf:

Sie: Hi - alles klar?

Ich: Ja, und bei Dir?

Sie: Pass auf - Du kommst am WE zu mir und nimmst meine Anlage und die Kassetten mit zu Dir!

Ich: Ich bin am WE gar nicht da - wieso soll ich die Sachen holen, ich will sie nicht.

Sie: Das kann ich Dir jetzt nicht sagen - du kannst ja wohl Deiner Mutter mal helfen, oder?!

Ich: Du immer mit Deinem Theater - ich habe keinen Platz dafür, ich kann die Anlage höchstens in den Keller stellen - die Kassetten wirste ja wohl selbst horten können...!

Sie: (schreit) Du kommst am WE und holst die Anlage und die Kassetten, sonst werden die geklaut!

Ich: Du willst was von mir, da wäre ein anderer Ton wohl angemessen, meinste nicht?

Sie: (schreit noch lauter) Du kannst mich mal!

Ich: (lege auf)

Naja - und dann kam vorhin der Anruf meiner Oma.. Ich bin so abestumpft, dass könnnt ihr euch gar nicht vorstellen. Hatte grad mal mit dem Gedanken gespielt in der Klinik anzurufen - aber ich werde es nicht tun, nicht heute.. ich habe schlicht keine Lust dazu... ob es nun verständlich ist oder nicht - so empfinde ich das jetzt gerade.

Danke fürs *zulesen*

Ach - und frohes Neues Jahr

Shalyda

Sg. bwalBlxisii


Hallo

Dir auch erstmal ein Frohes Neues! ... trotz allem :)*

Hm, das Telefongespräch hört sich ja sehr typisch an :-| so rein nüchtern betrachtet würde ich sagen es wäre sinnvoll ihr diesen Gefallen deshalb nicht zu tun, damit sie nachher sieht dass sie sich in ihrer Paranoia einfach irrt. Aber andererseits wird das wahrscheinlich nichts bringen - im zurechtbiegen von Tatsachen sind sie ja Meister. Außerdem solltest du das jetzt nicht mehr als deine Aufgabe betrachten, also ihr zu helfen meine ich - man muss doch nur immer wieder feststellen dass jeder Versuch den Wahn irgendwie zu relativieren einfach verpufft und trotzdem jede Menge Kraft kostet...

Also ich würde nichts mehr machen - nicht mal anrufen. Wenn es wie bei meiner Mutter ist wird sie ihren Ausraster im Laufe der Zeit in Gedanken eh immer weiter runterspielen oder gar vergessen und sich wieder melden als wäre nichts gewesen. Und auch dann würde ich weiterhin zur Abgrenzung raten. Aber das ist natürlich auch nicht leicht, und ich verstehe wenn du das nicht übers Herz bringst - ich würde aber defintiv dazu raten.

Die Kraft und Überwindung die das kostet mag im ersten Moment groß erscheinen, aber es ist nur ein Bruchteil der Kraft wie die Konfrontation mit den Paranoias kostet. Ich denke das kann ich inzwischen mit Sicherheit sagen.

Zur Zeit geht's mir sehr gut und es fühlt sich wirklich an als hätte es die lange Zeit (ihr unfreiwilliger Auszug hier, also die (erste :-|) Einweisung, ist jetzt bald ein Jahr her) einfach gebraucht um den Schrecken des Zusammenlebens mit ihr abklingen zu lassen. Hört sich vielleicht übertrieben krass an aber ich denke es ist wirklich so. Selbst ihr Besuch Ende letzten Jahres, gelegentliche Gedanken an sie oder immer selteneres Aufflackern von schlechten Gewissens sind von der Belastung her nicht im mindesten damit zu vergleichen wie es vorher war.

.. habe soeben den Anruf meiner Oma bekommen - meine Mutter ist wohl gestern Zwangseingewiesen worden und befindet sich jetzt in der geschlossenen Psychartrie. Wenn es nicht schon das dritte mal wäre, würde ich vielleicht ein wenig aufatmen, da ich weiß dass sie da "gut aufgehoben" ist - aber leider weiß ich, dass es so gar nichts ändert auf lange Sicht..

da sind wir wieder in derselben Situation - meine Mutter wurde auch letztens wieder eingewiesen. Nachdem ich sie hier abgewiesen habe Ende letztens Jahres, hat sie sich (sehr zu meiner Überraschung) tatsächlich an die Obdachlosenhilfe gewandt und ist dort untergekommen - dort wars dann wieder so schlimm (aggressiv) dass sie eingewiesen wurde. Einerseits bin ich froh weil das wohl der einzig richtige Ort ist in dem Zustand (nicht unbedingt für sie denn es bringt ja nichts aber zumindest für ihr Umfeld) andererseits hab ich keine Hoffnung dass sie zur Vernunft kommt - sie wird wieder Normalität vorspielen (oder vllt ist sie das aufgrund der Medikamentation ja auch) und entlassen werden und dann gehts wieder los. Eigentlich ein unglaublich beschissenes System dass solche Menschen erst versuchen müssen sich oder anderen etwas anzutun damit dieser Teufelskreislauf aufhört.

Naja, das hört sich jetzt vielleicht ziemlich scheiße an aber im Moment bin ich einfach froh dass dadurch keine Möglichkeit besteht dass sie hier auftaucht.

Langsam verschwindet mein Hass wieder den ich wohl als Selbstschutz gegen Ende des Zusammenlebens aufgebaut habe, er weicht einer kalten Gleichgültigkeit die ich schon von früher bezüglich meines Vaters kenne (ist allerdings eine völlig andere Geschichte) und die vermuten lässt dass ich einiges verdränge. Z.B. einem erneuten Besuch von ihr würde diese Gleichgültigkeit (noch?) nicht standhalten.

Das schlechte Gewissen verliert übrigens auch immer mehr an Macht - vielleicht ist hier die Augen zu verschließen wirklich der einzig sinnvolle Weg. Ich hab zwar das Gefühl mit zunehmender Verdrängung stirbt dabei etwas in mir aber vielleicht ist das ein geringer Preis im Vergleich... Jedenfalls geht's mir derzeit gut wie schon lange nicht mehr deshalb werde ich auf diesem Weg bleiben.

Noch ein paar Sätze zu deinem Beitrag auf den ich seit Ewigkeiten antworten wollte |-o

wenn meine Mutter so weiter macht wird sie auch bald keine Wohnung mehr haben. Sie dreht regelmäßig völlig durch in der Wohnung, Drangiert die Nachbarn dort aufs übelste - schreibt denen irgendwelche "Botschaften" usw. (kanns gar nicht so erklären dass es Sinn ergäbe). Sie schneidet alle Kabel durch, weil sie glaubt die dienen zu Ihrer Überwachung

Kommt mir bekannt vor - mein Telefonkabel musste auch mal dran glauben. Hab als Internetsüchtler natürlich voll die Krise bekommen und es nicht erst gecheckt weil sie das Kabel wieder geschickt in die Buchse gesteckt hat. Nachdem sie dann meinte ich solle ja nicht ihr das anlasten und spazieren ging hab ich die Buchse aufgeschraubt und Bingo - hat dann alles felsenfest geleugnet und ich glaube fast sie war wohl so im Wahn dass sie es nicht mal selbst mehr wusste. :-|

Ich kann für deine, wie für meine Mutter, nur hoffen dass sie bis zur Stabilisierung oder notfalls für immer in Kliniken oder entsprechenden Heimen unterkommen und sich irgendwie damit arragieren können.

ich glaube auch dass die Angehörigen solch erkrankter Menschen selbst an den Rande des Wahnsinns kommen können

ja das glaube ich auch, als sie hier wohnte hatte ich gegen Ende sogar das sehr dringende Gefühl dass es so ist. Du schreibst von Verachtung - bei mir war es zum Schluss gar Hass - aber ich denke das ist der Selbstschutz der einen davor bewahrt selbst durchzudrehen. Allerdings ist dann da kein Platz mehr für Mitleid und dafür muss man sich glaube ich regelrecht entscheiden. Das Mitgefühl boykottiert den Selbstschutz und das schlechte Gewissen überrennt einen dann. Vielleicht tötet man damit wirklich etwas in sich ab, aber tut man es nicht ist auch keinem geholfen, der Wahn wird dadurch nicht im mindesten gemildert und man schmeißt seine Kraft in ein bodenloses Fass.

Manchmal frage ich mich, wo ich noch die Kraft hernehmen soll.. es hört einfach nicht auf. Aber ich weiß auch nicht, ob ich die Kraft habe den Kontakt abzubrechen...

Wie gesagt, die Überwindung scheint groß und das ist sie auch, aber es wird danach besser. Ich denke du wirst instinktiv wissen und spüren dass du, solange sie in diesem Zustand ist, ausgesaugt wirst und das solltest du nicht zulassen. Denk an dein Kind - aber auch du selbst solltest dir diese Abgrenzung, so schwer und herzlos es auch ist, wert sein.

Ich wünsche dir viel Kraft und Alles Gute :)*

S>h&alyxda


Danke

Ich weiß, wie schwer es ist, immer wieder mit diesen Dingen konfrontiert zu werden - deswegen danke ich Dir sehr für Deine Worte..

Ich war heute in der Klinik.. im Moment fühle ich mich auch irgendwie außerstande wiederzugeben was ich dort vorfand. Sie wirkte einerseits fast normal - und dann schlug sie sich immer wieder mit einem "pssst" vor den Kopf (sie hätte da was im Kopf sagte sie dazu).. Naja - wenn es nicht so wäre wie es ist, würde das schon fast meinen Humor treffen.. wie recht sie doch damit hat!

Ich habe mich dazu entschieden, dass dies mein einziger Besuch bleibt. Ich warte ab, wie sie die Therapie mitmacht, ob sie sie abbricht usw. Ich fühle mich nicht mehr in der Varantwortung. Habe auch kein so schlechtes Gewissen deshalb, auch wenn es für jene, die nicht in einer solchen Situation sind, hart klingen mag.

Ich fühle mich im Moment einfach nur desolat - leer. Habe heute viel Sport gemacht nachdem ich da war - irgendwie tat mir das gut.

Du hast recht, das Beste wäre einfach den Kontakt komplett zu kippen. Ich weiß inzwischen, dass ich das auch schaffen würde. Leider würde sie dann umso mehr meine liebe Oma drangieren, die diese Stärke nicht besitzt.. Meine Oma sitzt nur und heult.. das macht mich umso mehr wütend und bringt von ihr weg.

Ich versuche jetzt, die nächsten Tage meine Alltag zu leben. Ab morgen ist mein Urlaub vorbei - die Arbeit wird da sein, und übernächste Woche Freitag fahre ich für eine Woche zum Snowboarden, dass wird mir gut tun, den Kopf frei zu bekommen und abstand zu gewinnen.

Trotz allem - ich freue mich darauf und das völlig zu recht, wie ich finde.

Gut - meine nervliche Belastbarkeit ist wieder mal so gut wie auf dem Nullpunkt - gerade nach heute.. aber das wird wieder - das kenne ich ja schon :-/

Liebe liebe Grüße,

würde mich freuen wenn wir irgendwie in "Kontakt" blieben - das schreiben hier tut mir gut.. und auch zu wissen dass es jemanden gibt, der mich versteht.

Shalyda

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shalydia

es tut mir so leid für dich :°_ :°_

ich habe mit meiner mutter ähnliche probleme...nur soche sachen wie kameras in den augen usw hat sié nicht. aber von grund auf kann ich sagen - ich weiß was du empfindest.... :°(

das tut mir leid und ist schlimm. ich habe für mich selber noch keine lösung gefunden - meine mutter ist auch nicht und war noch nie in behandlung. macht es nicht besser. ich wünsche dir alle kraft dieser welt!!! irgendwann kommen für mädels wie uns auch mal gute zeiten - seí dir da sicher!

:)* :)* :)*

glg

tina

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