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Unkonzentriert, hektisch, aggressiv, kein richtiges Zeitgefühl

SPch5oko{line7x9 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich muss einfach mal fragen, ich weiß nicht, wie lange ich sonst noch mit meinem Freund zusammen sein kann... :°(

mein Freund ist absolut unkonzentriert.

Er kann deshalb kein Auto fahren, nicht mit wichtigen Personen telefonieren (er behauptete immer, er sei schwerhörig, aber der HNO-Arzt hat letzte Woche gesagt, das Gehör ist vollkommen intakt!).

Er ist nicht in der Lage, sich 2, 3 Dinge, die er beispielsweise im Haushalt erledigen soll, oder die er aus einem Raum mit in einen Anderen bringen soll, zu merken. Dann wird er ganz hektisch, so als ob man ihn verprügeln würde, wenn er es nicht schafft. Dadurch vergisst er natürlich alles.

Als er mal ne Zeit allein einkaufen ging, hab ich ihn vom Auto aus beobachtet. Er geht ganz angespannt, wirkt fast panisch, rennt quer durch den Laden, wirkt gehetzt, ist aber trotzdem nicht schnell, weil er unsicher ist...er wirkt wie ein aufgescheuchtes Reh irgendwie.

Wenn er mal Dinge vergisst (Müll rausbringen z.B.) oder "falsch" macht (Salz in den Kühli stellen oder Saft statt Milch aus dem Keller zu holen), dann sagt er "man hat mich abgelenkt".

Das ist sein Standartspruch. Andere - also ich - haben ihn abgelenkt, dabei war gar nix.

Er ist auch kaum in der Lage, Dinge wegzuschmeißen oder anderweitig zu entsorgen.

Ich würde ihn schon als Messie bezeichnen! Er sammelt alles, was mit Computer zu tun hat. Gönn ich ihm auch, aber wir haben den Platz einfach nicht.

Wenn ich ihm vorschlage, mit ihm aufzuräumen und wirklich zumindest mal offensichtlichen Müll zu entfernen oder Kopien (er hat im Copy-Center gejobbt und seine Zeichnungen teilweise mehrfach kopiert - wozu weiß kein Mensch). Er hat Bücher über PCs und so, das ist so veraltet, das braucht kein Mensch mehr, aber er kann sich nicht trennen.

Er hat auch noch seine Bundi-Uniform. Die ist so klein, da wird er nie, nie wieder reinpassen, weil er schätzungweise mal locker 60-70 Kg mehr wiegt als damals und auch vom Körperbau ja viel breiter geworden ist. Die darf nicht weg. Auch kaputte Teile, bloß nicht, die kann er ja noch drunter tragen oder fürs Malern (alle 6 Jahre).

Ich hab ihm geschworen, dass ich nichts wegschmeiße, ohne ihn zu fragen. Da misstraut er mir immer noch, obwohl ich es schon Monate so mache, dass ich ihn wirklich immer frage, selbst wenn es um Socken mit Löchern geht!

Er ist ständig aggressiv. Er schlägt mich nicht, aber wird laut, gereizt, ballt die Hände zu Fäusten und haut sich während des Redens auf die Oberschenkel, sein Gesicht ist verzerrt.

Sobald man ihn auf Fehler anspricht oder ihn kritisiert, geht er in die Luft.

Ich kann bald echt nicht mehr! Es kann doch nicht sein, dass ich mit ihm nicht drüber reden kann, damit wir Lösungen finden.

Es geht dabei auch nicht um Banalitäten wie die nicht runtergeklappte Klobrille.

Und es ist auch egal, wie ich anfange. Ob ich sanft bin, zickig, Mutterhaft, sauer, gelangweilt...ich hab alles versucht. Die Ich-Form sowieso, nichts nützt was, er fühlt sich angegriffen und macht dicht.

In den Momenten möchte ich einfach nur weg von ihm! Ich fühl mich so machtlos in diesen Momenten und habe auch große Angst vor ihm, denn meine Kindheit war auch nicht gerade rosig und das steckt noch in mir drin.

Sage ich ihm das, erpress ich ihn damit ja nur...was soll ich dazu noch sagen?

Schlimm ist auch sein Zeitgefühl.

Damals fuhr er mit dem Bus zur Arbeit. Die Haltestelle war direkt vor unserer Tür und wenn die Haustür ins Schloss fiel, wurde ich wach und guckte auf die Uhr. Er wartete mitunter 3-4 Minuten und abends erzählte er, der Bus hatte 10 Min. Verspätung!

Dadurch achtete ich immer genauer drauf. Aber er glaubte mir nicht, meinte, ich hätte wohl noch halb geschlafen und so. Aber das habe ich nicht. Er konnte einfach nicht glauben, dass er nur 2, 3 Minuten da gestanden hat!

Warten ist eh der Horror für ihn. Da wird er nervös.

Er schläft sehr, sehr oft ein. Im Wartezimmer, vorm PC mitten aufm Tag, sogar auf Arbeit!!!

Er geht spät zu Bett, nach Mitternacht, obwohl er um halb 7 hoch muss.

Sagt dann, er schlafe eh nicht gut. Alles tut weh. Würde er früher zu Bett gehen, würde er ab 4 wach liegen, was ich absolut nicht bestätigen kann!

In seiner Freizeit sitzt er nur vorm PC. Er macht nichts Anderes. Hat keine Freunde - was ein Wunder, so aggressiv und negativ, wie er immer drauf ist. Er lacht irgendwie auch nie und wenn, dann klingt es hysterisch und nie herzhaft. Er kann sich auch über nichts Anderes als PC-Kram unterhalten!

Seit 3 Wochen arbeitet er jetzt vollzeit. Kriegt ein verdammt freches Gehalt dafür. Aber naja, besser als ein-Euro-Job.

Im Haushalt muss er praktisch nur den Müll rausbringen, weil ich behindert bin und es für mich echt schwierig ist!

Alle 2-3 Wochen muss er helfen, die Betten zu beziehen und eigentlich müsste er einmal im Monat das Treppenhaus machen, weil ich das nicht kann. Das macht er nicht, muss ich jetzt meine kleine Schwester dafür bezahlen, weil er zu faul ist.

Wenn er denn mal frei hat, muss er natürlich eigentlich auch Dinge machen, die er sonst nicht schafft, weil er erst 18:30 Zuhause ist.

Da dreht er durch, wenn ich ihn so was sage.

Donnerstag hat er frei. Er übernachtet auf Donnerstag im Schlaflabor. Ich wollte ihn dann vom Krankenhaus abholen und mit ihm zu real fahren - allein kann ich nicht. Da ist was im Angebot, worauf ich schon lange warte. Ich kann meinen Satz nicht mal zu Ende führen, da tickt er schon aus, weil er an seinem freien Tag was machen soll. Ja wann denn sonst ??? Wenn es zu voll ist, kann ich nicht in den Laden, denn wenn zu viele Menschen um mich rum sind, verlier ich das Gleichgewicht. Also mal eben Freitagabends is nicht. Und abends nach der Arbeit will er ja auch sowieso nicht. Er ist schon genervt, weil wir einmal die Woche zu Aldi müssen.

Ich mein, es ist doch nicht normal, dass er meint, ich würde seinen ganzen Tag vollpacken, weil ich einmal kurz (ich kann eh nicht lange laufen, ne Stunde ist schon lang und ich hab ja auch gar keine Lust mich da ewig aufzuhalten - aber da ich ja nie dahin komme, weil er nicht will, fällt natürlich doch so einiges an, was man braucht, trotzdem darf es nicht länger als ne gute halbe Stunde dauern, weil ich dann schlapp mache) mit ihm irgendwo hin will.

Was ist das nur, was er hat? ADHS oder so??

Ich würde ihn zur Zeit am liebsten verlassen, weil mich das alles so fertig macht und ich keine Kraft mehr habe...

Antworten
b7j5el/ka


hallo,

also ich würde an deiner stelle zu einem psychologen gehen und ihm den fall so schildern wie du es hier geschrieben hast. weil das klingt schon wirklich komisch. vielleicht hat er ein schlechtes erlebnis gehabt muss gar nicht in der gegenwart passiert sein sondern schon in seiner kindheit und jetzt kommt es wieder bei ihm hoch aber nachdem ich kein psychologe bin und es kein leichter fall ist wie es mir scheint, geh bitte zum seelenklemptner

huausmaxnn


erschreckend

las sich Deine Geschichte, als würde ich selbst in meine Vergangenheit schauen.

Vorweg: mein Rat kann keinen Arztbesuch ersetzen und ist als Empfehlung zu sehen.

Das was er da mit sich durch den Tag schleppt, wurde bei mir als "generalisierte Angststörung" mit Verstimmung und Sozialphobie bezeichnet. Ich sehe mich mit Erschrecken über ihn und mich da genau wieder.

Verlustängste wird er auch haben: Bemerkbar duch das Behalten vieler Sachen, die aber eigentlich Erinnerungen sind. Er quält sich selbst, weil er weiß, das was er da aufhebt, erinnert ihn an seine bessere Zeit, vielleicht auch eure. Daher verkrümelt er sich in den PC, nter anderem. Weil er sieht, das es schlechter wird. Auch durch sein Verhalten, nicht gegenüber Dir. Sein Verhalten hat er gegenüber sich selbst. Er bestraft sich unbewußt durch Verzicht auf Freude und Verlangen, Lachen und Glücklichsein. Ein evtl vorhandener Serotoninmissstand lässt ihn so verhalten. Patienten können in der Regel wenig dagegen machen. Trennt sich der Partner, bricht das mühsam aufrechterhaltene Selbsterhalten zusammen und es kommt zum Kollaps. Bei mir hat es damals den Weg freigemacht, wirklich zu begreifen, das ich richtig krank bin und mir das Vertrauen in Helfer gegeben. Denn er wird auch wohl niemandem vertrauen. Somit findet er niemanden, der ihn für Stunden da raus bringt. Womit er sich unbewußt wiederum selbst bestraft. Erinnerungen an bessere Zeiten mit mehr Gefühlen bleiben als einziger trost, meist gefunden in gedankenversunkenen Stunden vor dem PC.

Bei mir war und ist teilweise der PC das Hauptproblem. Er wird zum Mittelpunkt, weil er befriedigt. Beim Sitzen davor erfährt derjenige Glücksbotenstoffe, er wird ruhig und ausgelichener, solange die Dosis stimmt/Stunden. Einkaufen bringt ihn zurück in die Realität und die Droge /Serotoninhaushalt bricht ein. Zu kompliziert, selbst Ärzte reden nie wirklich drüber.

Also, er entwickelt eine Abhängigkeit vom PC, weil der ihm das Gefühl gibt, etwas zu bestimmen, und durchzusetzen, sei es ein gewinnendes Spiel, eine abgesandte Mail, eine Stunde chatten. Er hat Erfolg. denn er wird verlernt haben, das in der Realität zu bekommen. Nicht wirklich süchtig, nur unbewußt bekommt er Botenstoffe, die sonst gestört nicht ausreichend ankommen.

Ich habe nie jemanden geschlagen und das wird er wohl auch nicht. Das Agressionsverhalten richtet sich gegen sich selbst, denn man erahnt, wer was falsch macht, nur man begreift ohne den Arzt nie das warum. so zerstören Selbstzweifel und das ständige Fragen nach dem warum, warum hab ich mich geändert und kann nichts dagegen tun, warum geht es mir schlechter als früher, warum kann ich nicht vertrauen, warum weiß ich, das ich den gegenüber verletze aber kann mich nie davor dagegen wehren. Tut ihm hinterher vieles leid und bleibst du letztendlich genau deswegen noch bei ihm? Willkommen in meiner Welt.

Ein Thema: Sex, hast du nicht angesprochen, musst da auch gar nicht, weil du entweder eh total unzufrieden bist, oder dich abgefunden hast, vereinzelt wenigstens Zärtlichkeiten zu bekommen oder oder.... kann nur von mir damals ausgehen.

Also: Müll rausbringen und anderes, besonders Haushalt belohnen ihn nicht. Es macht ihn fertig, weil er sich einem Gegner gegenüber sieht, dem er nicht entkommt, seinen Botenstoffen. Die sagen ihm, das es ihm überhaupt nichts bringt, das zu tun. Sobald er rausgerissen wird, macht ihn das nur fertig.

Schwierig ist der Leidensweg rückkehr. zu einem anderen Bewußtsein. Du wirst es nicht schaffen, nicht alleine. Er wird es nicht schaffen, weil er nicht einsieht, Hilfe zu brauchen. Weil er "abhängig" ist von seinen paar Glückshormonen vorm PC.

Denke in Ruhe über jeglichen Schritte nach, was ist mit Dir, danach? Trenn Dich nicht voreilig. Mach dich schlau, aber versinke nicht darin. Rede Du mit Deinem Arzt über DEINE Sorgen, über deine Zukunft, über Deine Ängste. Hausarzt reicht. Er kann entscheiden, und Dir helfen, die richtigen Schritte zu gehen, für Dich. denn ihn kannst Du bisher nicht zwingen. Seine Welt funktioniert. Wenn Du dann stark genug bist, teile ihm Deine Entscheidung mit. Das Du ihm helfen kannst, mit Ärzten, Familie und Beratungsstellen/Soziales. Oder Du Deine Zukunft ohne ihn gehst. denn solange du Dir unsicher bist, ist er sicher.

Folgerichtig wäre das eben erwähnte, richtig für Ihn wäre eine Überweisung zum Neurologen, eine stationäre Therapie, um den Kreislauf zu durchbrechen und eine anschließende ambulante Versorgung. Freunde, Familie als den Helfer anzusehen, zu akzeptieren und den PC nur noch als Mittel zu sehen, um wie jetzt dies zu schreiben.

Viel Glück.

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