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Heilende Texte

spuiko


Die Insel der Gefühle

Vor langer Zeit existierte einmal eine wunderschöne, kleine Insel. Auf dieser Insel waren alle Gefühle der Menschen zu Hause: Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück und das Wissen und all die vielen anderen Gefühle. Natürlich lebte auch die Liebe dort.

Eines Tages wurde den Gefühlen jedoch überraschend mitgeteilt, dass die Insel sinken würde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die Insel zu verlassen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten, denn sie hing sehr an ihrer Insel.

Bevor die Insel sank, bat die Liebe die anderen um Hilfe.

Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte ihn die Liebe: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"

"Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr für dich."

Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. "Stolz, bitte, kannst du mich mitnehmen?"

"Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen", antwortete der Stolz, "hier ist alles perfekt und du könntest mein schönes Schiff beschädigen."

Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit: "Traurigkeit, bitte nimm du mich mit."

"Oh Liebe", sagte die Traurigkeit, "ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss."

Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal hörte, dass die Liebe sie rief.

Plötzlich aber rief eine Stimme: "Komm Liebe, ich nehme dich mit."

Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie ganz und gar vergaß, ihren Retter nach seinem Namen zu fragen.

Später fragte die Liebe das Wissen: "Wissen, kannst du mir vielleicht sagen, wer es war, der mir geholfen hat?"

"Ja sicher", antwortete das Wissen, "das war die Zeit."

"Die Zeit?" fragte die Liebe erstaunt, "Warum hat mir die Zeit denn geholfen?"

Und das Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist."

R@i-Elxa


Ein Professor stand vor seiner Philosophieklasse und hatte einige

Gegenstände vor sich.

Als der Unterricht begann nahm er wortlos einen sehr großen Blumentopf und

begann diesen mit Golfbällen zu füllen. Er fragte die Studenten, ob der Topf

nun voll sei. Sie bejahten es.

Dann nahm der Professor ein Behältnis mit Kieselsteinen und schüttete diese

in den Topf. Er bewegte den Topf sachte und die Kieselsteine rollten in die

Leerräume zwischen den Golfbällen. Dann fragte er die Studenten wiederum, ob

der Topf nun voll sei. Sie stimmten zu.

Der Professor nahm als nächstes eine Dose mit Sand und schüttete diesen in

den Topf. Natürlich füllte der Sand den kleinsten verbliebenen Freiraum. Er

fragte wiederum, ob der Topf nun voll sei. Die Studenten antworteten

einstimmig "ja".

Der Professor holte zwei Dosen Bier unter dem Tisch hervor und schüttete den

ganzen Inhalt in den Topf und füllte somit den letzten Raum zwischen den

Sandkörnern aus. Die Studenten lachten.

"Nun", sagte der Professor, als das Lachen langsam nachließ, "Ich möchte,

dass Sie diesen Topf als die Repräsentation Ihres Lebens ansehen. Die

Golfbälle sind die wichtigen Dinge in Ihrem Leben: Ihre Familie, Ihre

Kinder, Ihre Gesundheit, Ihre Freunde, die bevorzugten, ja

leidenschaftlichen Aspekte Ihres Lebens, welche, falls in Ihrem Leben alles

verloren ginge und nur noch diese verbleiben würden, Ihr Leben trotzdem noch

erfüllend wäre. Die Kieselsteine symbolisieren die anderen Dinge im Leben

wie Ihre Arbeit, ihr Haus, Ihr Auto. Der Sand ist alles andere, die

Kleinigkeiten. Falls Sie den Sand zuerst in den Topf geben", fuhr der

Professor fort, "hat es weder Platz für die Kieselsteine noch für die

Golfbälle. Dasselbe gilt für Ihr Leben. Wenn Sie all Ihre Zeit und Energie

in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für die wichtigen

Dinge. Achten Sie auf die Dinge, welche Ihr Glück gefährden. Spielen Sie mit

den Kindern. Nehmen Sie sich Zeit für eine medizinische Untersuchung. Führen

Sie Ihren Partner zum Essen aus. Es wird immer noch Zeit bleiben um das Haus

zu reinigen oder Pflichten zu erledigen. Achten Sie zuerst auf die

Golfbälle, die Dinge, die wirklich wichtig sind. Setzen Sie Ihre

Prioritäten. Der Rest ist nur Sand."

Einer der Studenten erhob die Hand und wollte wissen, was denn das Bier

repräsentieren soll. Der Professor schmunzelte: "Ich bin froh, dass Sie das

fragen. Es ist dafür da, Ihnen zu zeigen, dass, egal wie schwierig Ihr Leben

auch sein mag, es immer noch Platz hat für ein oder zwei Bierchen."

R+i-ZElxa


Therapie

Als Angela im Krankenhaus la, weil ihr der Blinddarm entfernt werden musste, wurde zwei Tage später eine junge Patientin zu ihr ins Zimmer gelegt, der bei einem schweren Verkehrsunfall beide Beine gebrochen worden waren.

Melanie war überzeugt davon, dass sie nie wieder würde laufen können.

Melanie war unglücklich, unwillig und launisch. Kaum ein freundliches Wort war von ihr zu hören. Sie weinte oder schlief den ganzen Tag. Nur morgens, wenn die Post kam, schien sie ihrer Umwelt etwas freundlicher gesonnen zu sein. Meistens bekam sie Bücher und CDs, Spiele und Stofftiere und andere Geschenke, die ein junges Mädchen im Alter von zwölf Jahren aufheitern können. Doch Melanie war und blieb unglücklich.

Eines Tages erhielt sie ein größeres Päckchen von ihrer Tante, die weit entfernt wohnte. Als Melanie das Paket geöffnet hatte, fand sie ein wunderschönes Paar roter Schuhe mit kleinen Absätzen. Die Krankenschwester murmelte etwas von "Leuten, die überhaupt kein Feingefühl hätten" und räumte die Verpackungen weg. Doch Melanie schien sie nicht gehört zu haben. Sie steckte die Hände in die Schuhe und ging mit ihnen auf der Bettdecke spazieren.

An diesem Tage änderte sie ihr Verhalten. Sie nahm die Anweisungen der Krankenschwestern bereitwillig an, und bald schon konnte die Therapie intensiviert werden.

Eines Tages sah Angela ihre ehemalige Zimmernachbarin, wie sie lachend mit einer Freundin in die Eisdiele ging; an den Füßen trug sie rote Schuhe mit kleinen Absätzen.

Ryi-Exla


Füreinander bestimmt

Der Philosoph Moses Mendelssohn wurde nicht nur von den jüdischen Gemeinden hoch verehrt. Sein Vorbild und seine aufgeklärte Toleranz verewigte Lessing in seinem Schauspiel "Nathan der Weise". Zu den Verehrerinnen Mendelssohns zählte auch die Tochter des Kaufmanns A. Guggenheim aus Hamburg, der ihn gerne als seinen Schwiegersohn gesehen hätte. Darum lud er Mendelssohn zu einem Besuch nach Hamburg ein.

Guggenheim hieß ihn herzlich willkommen und stellte ihn nach einiger Zeit seiner Tochter vor. Dann ließ er die beiden allein.

Am nächsten Tag besuchte Mendelssohn den Kaufmann in seinem Büro. Die beiden waren etwas bedrückt, und keiner schien die richtigen Worte finden zu können. Mendelssohn räusperte sich und sprach von der anmutigen Tochter, die ihm sehr gefalle.

Guggenheim war sichtlich unwohl zumute. "Soll ich Ihnen ehrlich sagen..."

"Ja natürlich, ich bitte Sie", unterbrach ihn Mendelssohn.

"Da Sie ja ein Philosoph sind, ein wohldenkender und weiser Mann", fuhr Guggenheim zögernd fort, "und Sie das Leben kennen, werden Sie es meinem Kinde nicht übelnehmen, dass sie, wie sie mir gesagt hat, erschrocken sei, als sie Sie gesehen hat, weil Sie..."

"Weil ich einen Buckel habe!" fiel ihm Mendelssohn ins Wort. Guggenheim nickte stumm.

"Ich habe nicht erwarten können, dass dies nicht passieren würde. Und ich habe das Entsetzen Ihrer Tochter wohl bemerkt, auch wenn sie sich sehr mühte, es mich nicht merken zu lassen, um meine Gefühle nicht zu verletzen. Doch da ich Ihre Tochter lieb gewonnen habe, möchte ich sie zum Abschied gerne noch einmal besuchen dürfen."

Guggenheim gab seine Einwilligung, und Mendelssohn fand das Mädchen bei einer Näharbeit am Fenster sitzend. Mendelssohn nahm einen Stuhl, setzte sich zu der Tochter und unterhielt sich freundlich mit ihr. Doch das Mädchen sah kein einziges Mal von ihrer Näharbeit auf.

Sie hatten ganz allgemein von Glück, Ehe und Familie gesprochen, als das Mädchen fragte:" Glauben Sie etwa auch, dass die Ehen im Himmel geschlossen werden?"

"Ganz bestimmt glaube ich das", antwortete der Philosoph. "Und ich weiß es aus eigener Gewissheit. Ihnen ist doch die Sage aus dem Talmud bekannt, die davon berichtet, dass bei der Geburt eines Kindes im Himmel festgelegt wird: Der und der bekommt die und die! Nun wurde auch mir meine zukünftige Frau zugewiesen und dabei hieß es, dass sie einen Buckel haben wird. 'Lieber Gott´, schrie ich da auf, 'das kann dein Wille doch nicht sein, ein so schönes Geschöpf durch einen Buckel zu verunstalten. Lieber Gott, dann gib besser mir den Buckel und lasse das Mädchen schön und anmutig sein.´"

Kaum hatte Mendelssohn das gesagt, als ihm das Mädchen zärtlich lächelnd um den Hals fiel.

YgamZiyras


Lesezeichen setz... :)D @:)

sauSi'kxo


so kann man ne frau auch beeindrucken! klasse! ;-D

RHi-_Ela


Hallo Yamiras, auch für dich ein Blümchen @:)

Und noch eine schöne Geschichte:

Rustem war ein berühmter Held und Feldherr in den Diensten des Herrschers von Persien. Er wurde von allen im Heere "Der rechte Arm des Herrschers" genannt, denn sein Mut und seine Klugheit machten ihn beliebt bei allen Soldaten, die jedoch sein rasches Aufbrausen und seinen Jähzorn in gleichem Maße fürchteten.

Einst missfiel ihm eine Entscheidung des Herrschers so sehr, dass er sie als direkte Beleidigung seiner Person ansah und annehmen musste, dass er in Ungnade gefallen sei. Um das drohende Schicksal abzuwenden, sammelte er seine ihm ergebenen Offiziere um sich und versicherte sich ihrer Unterstützung, denn in seiner Verbitterung plante er nichts anderes, als einen Aufstand anzuzetteln.

Als dem Herrscher dieses Vorhaben hinterbracht wurde, sprach dieser zu sich selbst: "Wenn dieser Ehrgeizling, den meine Soldaten als Helden verehren, die Fackel der Empörung anzündet, so weiß ich nicht, welches Bollwerk ich dagegen setzten soll. Aber ich will meine Wesire befragen und hören, was sie mir raten können."

Der Rat der Wesire empfahl dem Herrscher einstimmig, den mächtigen Verräter Rustem sofort in Ketten zu legen, um den Aufstand im Keime zu ersticken.

Nachdenklich bestätigte der Herrscher seinen Ministern, dass er ihrem Rat unverzüglich folgen wolle. Statt aber die Eiltruppe seiner Leibwache aus zu schicken, um Rustem in einem günstigen Augenblick zu überwältigen und ihn in eisernen Ketten abzuführen, sandte er eine Botschaft an Rustem und bat ihn zu sich.

Übel gelaunt und mühsam beherrscht fand sich der Feldherr bei seinem Herrscher ein. Doch nicht schlecht war sein Erstaunen, als ihn der Herrscher statt mit Vorwürfen und Anklagen mit Wohltaten, Geschenken und neuen Ehren wegen seiner Verdienste überhäufte und ihn seiner Gnade und Liebe versicherte.

Überwältigt von so viel Großmut sank der stolze Mann auf die Knie, schwor seinem Vorhaben ab und gelobte seinem Herrscher aufs neue ewige und unverbrüchliche Treue.

Doch auch die Wesire waren höchst überrascht vom Verhalten des Königs, da er ursprünglich doch ihrem Rat folgen wollte.

"Seht, meine Herren Minister", sprach der Herrscher zu ihnen, "ich habe euren Rat befolgt, mir jedoch eine kleine Abwandlung gestattet. Ich habe Rustem mit der stärksten Kette gefesselt. Für Hände und Füße braucht man viele Ketten, und sie sind grausam und eines tapferen Mannes unwürdig. Für das Herz braucht man nur eine. Und bei edlen Menschen hält sie ewig."

R3i-Exla


Für suiko gibt es einen Stern. :)*

Tschüss bis morgen *:)

Yyam)iraXs


...und für ** Ri-Ela Gibt´s ein @:) und nen :)*

Ich hätte mir nicht träumen lassen, daß wir hier so viele wunderschöne

Geschichten zusammenbekommen und freu mich auf mehr. DANKE :)*

R-i)-Exla


Ich freue mich auf weitere Geschichten von euch :)* @:)

sKonnenbl#umex65


Toller Faden :)^

mxaus0t0"75


vielen dank für eure geschichten @:)

Rii-oEla


Erfahrungen

Im verhältnismäßig jungen Alter von vieunddreißig Jahren war ein Mann vor kurzem zum Direktor der Bank ernannt worden. Nie hatte er von einer solchen Karriere zu träumen gewagt, schon gar nicht, in seinem Alter bereits Direktor zu sein. Eines Tages hatte er Gelegenheit, mit dem Präsidenten des Aufsichtsrates zu sprechen, der ihn für diese Aufgabe als Direktor empfohlen hatte.

"Es ist eine große Verantwortung, die mir übertragen wurde, und ich werde mich ihr mit ganzer Kraft widmen", sagte der junge Direktor. "Doch ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir aus dem reichen Schatz Ihrer Erfahrungen einige Ratschläge erteilen würden."

Der alte Mann schaute den Direktor nachdenklich an und sagte dann nur zwei Worte: "Richtige Entscheidungen!"

Der junge Mann hatte sich schon ein bisschen mehr erhofft, darum sagte er:"Das ist sehr hilfreich, und ich weiß Ihren Rat zu würdigen. Aber könnten Sie mir nicht etwas differenziertere Hinweise geben? Denn ich brauche Ihre Hilfe, um richtige Entscheidungen treffen zu können."

Doch der Präsident schien kein Mann vieler Worte zu sein. Er sagte nur: "Erfahrung."

"Nun, das ist ein Grund, warum ich Sie frage", erwiderte der junge Direktor. "Ich vermute, dass ich noch nicht genügend Erfahrungen habe. Wie kann ich diese erlangen?"

Der alte Mann lächelte und erwiderte knapp: "Falsche Entscheidungen!"

Y.amir@as


Die Steinpalme

Es war die Zeit, die zum Erzählen verführt, ja, die Lust auf Märchen wurde so zwingend, daß alle den weisen Raman baten, doch eine seiner wunderbaren Geschichten zu erzählen.

Der kluge alte Mann lächelte.Er überlegte einen Augenblick und rief dann:"Wir treffen uns an der Steinpalme, wenn die Feuer angezündet werden."

"Steinpalme? Was bedeutet das?" riefen sie hinter ihm her.

"Sucht sie!" Er sagte dies schon im Fortgehen."Sucht sie! Der Baum ist nicht zu verfehlen."

Noch ehe die Nacht plötzlich einfiel, hatten sie den Baum gefunden.

Neben den vielen Palmen am Strand, die in ihrer schlanken Schönheit wie winkende Frauen zu sein schienen, stand diese eine etwas abseits, doch so, das ihre starken, dunkelgrünen Blattfächer die neben ihr stehenden Bäume leicht berührten.

Es war eine eigenartig geformte Palme!

Sie wirkte gedrungen, mit einem mächtigen Stamm und starken Fächern, die in ihren Bewegungen sichtbare Mäßigung zeigten und nichts von der Heiterkeit hatten, die alle anderen Palmen so weiblich machte.

Das merkwürdigste aber war die Krone der Palme! Der Baum neigte sich mit seinen Blattfächern zur Mitte hin.

"Seht nur genau hin", sagte der alte Erzähler, der sich in ihre Mitte gesetzt hatte,"achtet auf das nächste Wehen des Windes."

Und sie konnten es sehen!

Als der Wind die Fächer der Bäume etwas auseinanderwehte, da sahen sie es: Im Herzen der Palme, dort, wo sonst die neuen, hellgrünen Triebe aus der Mitte des Stammes nach oben drängten, lag ein mächtiger, rötlicher Stein, ein Stein,wie unzählige am Strand herumlagen.

Raman lies keine Zeit zum Fragen. Mit einer weiten Armbewegung zeigte er, daß sich alle im Kreis setzen sollten. Ein Feuer wurde in der Mitte angezündet, und die Nacht kam schnell und fiel über alles wie ein dunkles Tuch.

"Ihr wollt wissen, wie der große Stein dort oben hinaufgekommen ist?" begann er seine Erzählung.

"Nun, dies geschah vor vielen, vielen Jahren, als diese mächtige Palme noch ein winziger Bäumling war. Hier waren damals noch keine Häuser und es gab auch noch keinen Brunnen. Nur einige Palmen standen am Strand. Ihnen und dem kleinen Palmbaum genügte das, was sie aus dem Sandboden an Nahrung und vom Himmel an Feuchtigkeit bekamen.

Die kleine Palme liebte das Meer und die Musik des Wassers. Sie liebte den leisen Wind an den Spätnachmittagen und die plötzlich hereinbrechende, oft kalte Nacht mit ihrer schattenlosen Dunkelheit. Und sie liebte den Mond in den kalten Nächten, dessen Licht harte Umrisse malt und auf dem Meer lange Streifen zieht, die eine Ahnung von Unendlichkeit gebend.

Bis zu dem Tag, an dem der Mann kam!

Er kam durch die Wüste. Er war tagelang umhergeirrt, hatte sein Hab und Gut verloren und war vor Durst und Hitze fast um den Verstand gekommen. Seine Hände brannten wund vom vergeblichen Graben nach Wasser und alles an ihm und in ihm war grenzenloser Schmerz. So stand er vor dem Wasser, vor dem endlosen, weiten, salzigen Wasser.

Der Mann warf seinen ausgedörrten Körper in das Wasser hinein, aber in seinem Mund mit den aufgerissenen Lippen und der pelzigen Zunge brannte der Durst, den das Salzwasser nicht stillen konnte. Da packte ihn eine rasende Wut."Ich habe Anspruch auf Wasser!" schrie er. "Ich will leben, weil ich einen Anspruch darauf habe!"

Er griff nach einem großen Stein. Sein Zorn gab ihm Kräfte, die sein ausgedörrter Körper kaum noch hergeben konnte, und er schrie, schrie über die Grenzenlosigkeit des Wassers, schrie gegen die Unauslöschbarkeit der Sonne, schrie gegen die Wüste und hinauf zu den unerreichbaren Kronen der Palmen. Drohend hatte er den Stein erhoben. Seine Arme zitterten, und es schien, als wolle alle Kraft ihn endgültig verlassen. Da sah er neben den großen Palmen, zwischen Geröll und Sand, den Palmenschößling stehen, in hellem Grün und voller Hoffnung auf jeden neuen Tag.

"Warum lebst du?" schrie der Mann."Warum findest du Nahrung und Wasser und ich verdurste hier? Warum bist du jung und schön? Warum hast du alles und ich habe nichts? Du sollst nicht leben!"

Mit aller noch vorhandenen Kraft presste er den Stein mitten in das Kronenherz des jungen Baumes. Es knirschte und brach. Es war, als vervielfachte sich das Knirschen und Brechen bis in die Unendlichkeit der Wüste und des Meeres. Und dann kam eine entsetzliche Stille!

Der Mann brach neben der kleinen Palme zusammen. Zwei Tage später fanden ihn Kameltreiber - man erzählt, daß er gerettet wurde.

Von den Treibern hatte sich keiner um den kleinen , zerschnetterten Palmbaum gekümmert. Er war unter der Last des Steines fast begraben, sein Tod schien unausweichlich. Seine grünen Fächerblätter waren abgebrochen und in der heißen Glut der Sonne verdorrten sie schnell. Sein weiches Palmenherz war gequetscht, und der große Stein lastete so schwer auf dem zierlichen Stamm, das er bei jedem Windhauch abzubrechen drohte.

Doch der Mann hatte die kleine Palme nicht töten können. Er konnte sie verletzen, aber nicht töten.

Als sich in dem jungen Baum das entsetzliche Geräusch der brechenden Zweige, das zerfasern der jungen Triebe und der brennende Schmerz zusammenballten, als alles eine ungeheure, wolkenähnliche Masse von Schmerz und immer wieder Schmerz war, da regte sich gleichzeitig, daneben, ohne Verbindung zum Schmerz und allen zerstörenden Geräuschen, die erste kleine Welle von Kraft.Und diese Welle vergrößerte sich, fiel in die Wellenbewegung des Schmerzes, wuchs, machte die Pausen zwischen Schmerz und Wieder-Schmerz länger und länger, bis die Kraft größer wurde als der Schmerz.

Der Baum versuchte, den Stein abzuschütteln. Er bat den Wind, ihm zu helfen. Aber es gab keine Hilfe. Der Stein blieb in der Krone, in dem Herzen der kleinenPalme und rührte sich nicht.

"Gib es auf", sagte sich die kleine Palme, "es ist zu schwer. Es ist dein Schicksal, so früh zu sterben. Füge dich! Lass dich selber los. Der Stein ist zu schwer."

Aber da war eine andere Stimme, die sagte:" Nein, nichts ist zu schwer. Du mußt es nur versuchen, du mußt es tun."

"Wie soll ich es denn tun?" fragte die Palme,"der Wind kann mir nicht helfen. Ich stehe allein mit all meiner Schwachheit. Ich kann den Stein nicht abwerfen."

"Du mußt ihn nicht abwerfen", sagte wieder die andere Stimme. "Du mußt die Last des Steines annehmen. Dann wirst du erleben, wie deine Kräfte wachsen."

Und der junge Baum nahm in all seiner Not seine Last an und verschwendete keine Kraft mehr in dem Bemühen, den Stein abzuschütteln. Er nahm ihn in die Mitte seiner Krone. Er klammerte sich mit langen, kräftiger werdenden Wurzeln in den Boden, denn er brauchte mit seiner doppelten Last einen doppelten Halt.

Dann kam der Tag, an dem sich die Wurzeln der Palme so tief gesenkt hatten, daß sie auf eine Wasserader stießen. Befreit schoß eine Quelle nach oben, und sie hat diesen Platz hier zu einem Ort der Freude und des Wohlstands gemacht.

Nun, als der Baum festen Halt im Boden hatte und dort dauernde Nahrung fand, begann er, nach oben zu wachsen. Er legte breite, kräftige Fächerzweige um den Stein herum. Man konnte manchesmal meinen, daß er den Stein beschütze.

Sein Stamm gewann mehr und mehr an Umfang, und mochten auch alle anderen Palmen am Strand höher und lieblicher sein, der Palmbaum, den die Leute bald die Steinpalme nannten, war unbestritten der mächtigste Baum. Seine Last hatte ihn aufgefordert, und er hatte den Kampf gegen den Kleinmut aufgenommen. Er hat diesen Kampf gewonnen. Er hat eine Quelle freigelegt, die seither den Durst vieler löscht, und, was sicher das wichtigste ist, der Baum hat seine Last angenommen und hoch hinausgetragen.

Sie liegt auch heute noch auf seinem Herzen, aber sie ist in seinem Dasein an eine Stelle gerückt, die sie tragbar macht. Nur die äussere Last erscheint uns untragbar. Ist sie angenommen, wird sie Teil von uns selbst."

Raman, der Erzähler, legte beide Hände an den Stamm der großen Palme. Das Feuer war fast niedergebrannt. Die Zuhörer verließen einer nach dem anderen den Platz. Nur einer blieb noch. Er war spät gekommen und hatte ein wenig abseits gesessen.

Er setzte sich nun zu Raman, und beide saßen lange ohne Worte.

"Ich bin der Mann, der den Stein in die Palme gedrückt hat", sagte der Mann. "Ich hatte es vergessen, doch deine Erzählung weckte alles wieder auf. Was soll ich tun? Ich fühle Schuld."

"Dann trage die Schuld, wie der Baum den Stein", sagte Raman. "Nimm die Schuld an, versuche, soviel du vermagst, davon in Liebe zu verwandeln. Vergiss dabei nicht, das Liebe etwas ist, was man tun muß. Es nützt nichts, sie nur zu erkennen und um ihre Notwendigkeit zu wissen. Liebe ist Leben und wächst allein aus dem Tun."

Die Männer saßen noch lange unter der Palme, und es

war ein leichter Wind, der das Feuer wieder zum Brennen brachte. :)*

CyhapnPce007


Puh, komm gar nicht mehr mit Lesen hinterher! ;-D

Neues Lesezeichen setz! :)z :)^ :)D

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