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Heilende Texte

Rdi-1Elxa


Ohne Angst

Ein berühmter Zirkus war in die Stadt gekommen. Zur Premiere war das große Zelt bis auf den letzten Platz besetzt. Die Artisten zeigten phantastische Kunststücke, und die Darbietungen ihrer unglaublichen Körperbeherrschung nahmen den Zuschauern schier den Atem, bis die Clowns ihnen mit ihren Späßen wieder ein befreiendes Lachen ermöglichen.

Nach der Pause wurde der Höhepunkt des Abends angekündigt. Die Arena war mit einem meterhohen Gitter eingezäunt, und mit leichtem Nervenkitzel erwarteten die Zuschauer die Vorführung mit den acht bengalischen Königstigern. Eine Großkatze nach der anderen kam durch das Laufgitter in die Arena gelaufen, und nach einigem Hin und Her hatte der berühmte Dompteur seine Lieblinge auf die ihnen zugewiesenen Plätze beordert.

Die Darbietung nahm ihren gewohnten Verlauf: Die Tiger sprangen durch Reifen und liefen elegant über einen hohen, schmalen Steg. Sie sprangen einander sogar über den Rücken, statt sich gegenseitig anzufallen.

Langsam näherte sich der Dressurakt der eigentlichen Sensation: Die Tiger waren auf ihren Plätzen. Nur der größte Tiger saß auf einem Podest mitten in der Arena. Es wurde angekündigt, dass der Dompteur in wenigen Sekunden seinen Kopf in den Rachen des Tigers stecken werde. Die Orchestertrommeln wirbelten leise. Die Zuschauer hielten den Atem an. Der Dompteur hatte sich dem Tiger bis auf wenige Zentimeter genähert. Da ging das Licht aus.

Ein angstvoll verhaltener Schrei des Entsetzens entrang sich den Zuschauern und verhallte in der Dunkelheit. Atemlos war die Stille danach, und wie gelähmt verharrte das Publikum. Die Angst vor der drohenden Katastrophe war im ganzen Zelt spürbar.

Fünfundzwanzig Sekunden der Angst dehnten sich zu einer kleinen Ewigkeit. Endlich war das Notstromaggregat angesprungen, und die Scheinwerfer flammten wieder auf.

Ein kollektiver Seufzer der Erleichterung ging durch die Zuschauerreihen, als sie die Tiere und ihren Dompteur unverändert an ihren Plätzen sahen, und ihre ausgestandene Angst entlud sich in frenetischem Beifall.

Was viele Zuschauer nachher für einen geplanten Nervenkitzel hielten, war in Wahrheit ein durch ein Unglück verursachter Stromausfall im ganzen Stadtteil gewesen.

Am Ende der Premierenvorstellung drängten sich die Presseleute um den Tigerdompteur und verlangten ein Interview. Was er gefühlt habe, wollten sie wissen. Ob er Angst gehabt habe und ob er schon einmal eine so gefährliche Situation erlebt habe.

"Wissen Sie, ich bin durchaus nicht frei von Angst gewesen", erklärte der Dompteur. "Aber mit der Angst ist es wie mit den Tigern: Sie lauert im Dunkeln. Die Tiger beobachteten mich in der Dunkelheit, ich konnte sie nicht sehen. Mein Vorteil war jedoch, dass sie nicht wussten, dass ich sie nicht sehen konnte. Sie warteten darauf, dass ich einen Fehler machte. Doch die Angst schütze mich vor Fehlern. Also bewegte ich weiterhin die Peitsche und sprach beruhigend auf die Tiger ein. Und das machte ich die ganze Zeit, bis das Licht wieder anging.

Und während der ganzen Zeit wussten die Tiger nicht, dass ich sie nicht sehen konnte. Das war jedenfalls meine Methode, mit den Tigern fertig zu werde, die in der Dunkelheit auf mich lauerten."

Rai-ERlxa


Eine Frau kam zu Gandhi und bat ihn, sie möge ihren kleinen Sohn davon überzeugen, nicht so viel Zucker zu naschen. Sie glaubte, die Worte des grossen Mannes hätten mehr Gewicht als ihre eigenen. Gandhi antwortete, dass er sich drei Monate lang auf diese Aufgabe vorbereiten müsse.

Als die Frau drei Monate später mit ihrem Sohn erneut zu Gandhi kam, erklärte er dem Kind mit einfachen Worten, dass er besser nicht so viel Zucker essen sollte. Zucker sei nicht gut die Gesundheit. Er würde sicherlich stärker und grösser, wenn er öfter darauf verzichten würde. Der Junge war sofort einverstanden.

Die Frau zog Gandhi auf die Seite, um zu erfahren, warum er sich auf so eine einfache Erklärung drei Monate vorbereiten musste. Gandhi antwortete:” Um überzeugend zu sein, musst ich zunächst selbst drei Monate auf Zucker verzichten. Nur so konnte ich deinem Sohn das Vertrauen vermitteln, das Gleiche auch zu tun.”

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Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, Sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namen schreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten.

Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?”, hörte man flüstern..... "Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!” und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen”, waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.

Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam [sic] gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen, zu ihr: "Waren Sie Marks Mathe Lehrerin?” Sie nickte: "Ja”. Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen.” Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen”, sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen.” Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinander gefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben”, sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt.”

Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch”. Chucks Frau sagte: "Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zu kleben.” "Ich habe meine auch noch”, sagte Marilyn. "Sie ist in meinem Tagebuch.” Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir”, sagte Vicki und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt.”

Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind.

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Eine wahre Geschichte um die Jahrhundertwende

Ein kleines Mädchen stand weinend in der Nähe einer überfüllten Kirche, wo es abgewiesen worden war, weil der Raum überfüllt war.

"Jetzt kann ich nicht zur Sonntagschule", schluchzte sie dem Pastor zu, der vorbei ging. Als der Pastor ihr ärmliches und ungepflegtes Äußeres sah, ahnte er den Grund für ihren Kummer. Er nahm sie bei der Hand, ging mit ihr in die Kirche und besorgte ihr einen Platz bei den Sonntagschulkindern.

Einige Jahre später lag das Kind tot in einer der ärmlichen Miethaussiedlungen. Die Eltern baten den freundlichen Pastor sich um die Beerdigung zu kümmern. Bei ihr fand man eine abgetragene, völlig zerknautschte kleine Tasche, die irgendwie vom Müll zu stammen schien. In der Tasche waren 57 Cents und ein kleiner handgeschriebener Zettel, auf dem stand: "Das soll dazu sein, kleine Kirchen größer zu machen, damit mehr Kinder in die Sonntagschule gehen können."

Zwei Jahre hatte sie für diese Liebesgabe gespart. Als der Pastor unter Tränen den Zettel las, wusste er auf der Stelle, was er tun würde.

Mit dem Zettel und der zerknautschten Tasche in der Hand betrat er die Kanzel und erzählte die Geschichte von dem kleinen Mädchen. Er forderte seine Diakone heraus, sich auf die Socken zu machen und genügend Geld für ein größeres Gebäude zu sammeln.

Aber die Geschichte ist hier noch nicht zu Ende.

Eine Zeitung erfuhr von der Geschichte und veröffentlichte sie. Ein Grundstücksmakler las den Artikel und bot ein Grundstück für mehrere tausend Dollar an. Weil die Gemeinde das nicht bezahlen konnte, überließ er es ihr für 57 Cents.

Mitglieder der Gemeinde spendeten großzügig und es gingen Schecks aus nah und fern ein. Innerhalb von fünf Jahren war die Spende des kleinen Mädchens auf eine Viertelmillion angewachsen - für die damalige Zeit eine ungeheure Summe.

Heute steht in Philadelphia die Temple Baptist Church mit 3300 Plätzen, die Temple University wo Hunderte von Studenten ausgebildet werden. Dann ein Krankenhaus und eine großes Sonntagschulgebäude, indem Hunderte von Kindern und Jugendlichen Platz haben, damit nie wieder ein Kind aus der Gegend zur Sonntagschulzeit draußen bleiben muss.

In einem dieser Gebäude kann man das Bild des süßen kleinen Mädchens sehen, deren aufopferungsvoll ersparte 57 Cents auf so bemerkenswerte Weise Geschichte machte.

(Russell H. Conwell aus: Per Anhalter in den Himmel)

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Die Rechnung

In einer kleinen schwedischen Landkirche entdeckte man in einem alten Kirchenbuch kunstvoll verzierte Eintragungen aus dem Jahr 1795.

Die säuberlich notierten Aufzeichnungen zeugen von dem gesunden Humor des Künstlers und des Küsters, der sie mit dem gewichtigen Amtssiegel versah und ordnungsgemäß wie folgt registrierte:

1. Das zweite Gebot verändert sowie die zehn Gebote lackiert, 3 Kronen.

2. Pontius Pilatus verputzt, neues Pelzwerk auf seinen Kragen aufgetragen sowie ihn von allen Seiten poliert, 3 Kronen.

3. Der Himmel erweitert und verschiedene Sterne eingesetzt, das ewige Höllenfeuer verbessert und dem Teufel ein vernünftiges Gesicht aufgesetzt, 15 Kronen.

4. Die heilige Magdalena, die völlig verdorben war, erneuert, 12 Kronen.

5. Die klugen Jungfrauen gereinigt sowie sie da und dort angestrichen, 10 Kronen.

6. Den Weg zum Himmel deutlicher markiert, 1 Krone.

7. Die Frau des Potiphar lackiert, sowie ihr den Hals vom Schmutz gereinigt, 5 Kronen

8. Das rote Meer vom Fliegenschmutz gesäubert, 2 Kronen.

9. Das Ende der Welt weiter zurückgestellt, da es viel zu nahe war, 20 Kronen.

o:) :)D

R;i-Exla


Zwei Engel

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer wohlhabenden Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen.

Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte, warum, antwortete der ältere Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Haus eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut schliefen. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren Engel, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben. "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel. "Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, sodass er es nicht finden konnte. Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen. Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

RPi-Elxa


Ein mächtiger Samurai beschloss eines Tages, seine spirituelle Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf, einen buddhistischen Mönch zu suchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte. Als er ihn gefunden hatte, trat er gebieterisch vor ihn hin und forderte er: "Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!"

Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der mächtig über ihm stand, und musterte ihn von Kopf bis Fuß. "Dich lehren?" spottete er. "Du musst sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, außerdem ist dein Schwert ganz verrostet!" Der Samurai geriet in große Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn. Er zog sein Schwert, um dem lächerlichen aufgeblasenen Zwerg von Mönch, der da vor ihm saß, seinen unverschämten Kopf abzuschlagen. "Das", sagte der Mönch ruhig, "ist die Hölle!"

Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Er war verblüfft. Dann überkam ihn die Einsicht in die Wahrheit dieser Worte. Er bereute seinen Stolz und seine Neigung zu Hass und Gewalt und verspürte schließlich eine tiefe Zuneigung zu dem alten Mann. Dass dieser Mensch sein Leben riskiert hatte, um ihm, einem völlig Fremden, die tiefste Weisheit zu lehren, erfüllte sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen der Freude stiegen in seine Augen.

"Und das", sagte der Mönch, "ist der Himmel!"

Rrit-Ela


Oscar Wilde:

Der selbstsüchtige Riese / Teil 1

Wenn die Kinder am Nachmittag aus der Schule kamen, gingen sie für gewöhnlich in den Garten des Riesen, um dort zu spielen.

Es war ein großer, wunderschöner Garten mit weichem grünen Gras. Hier und da standen prächtige Blumen sternengleich auf der Wiese, außerdem zwölf Pfirsichbäume, die im Frühjahr zarte Blüten in rosa und perlweiß hervorbrachten und im Herbst reiche Frucht trugen. Die Vögel saßen in den Bäumen und sangen so lieblich, dass die Kinder im Spiel innehielten, um ihnen zuzuhören. "Wie glücklich sind wir doch hier!", riefen sie einander zu.

Eines Tages kam der Riese zurück. Er hatte seinen Freund besucht, den Menschenfresser von Cornwall, und er war sieben Jahre lang bei ihm geblieben. Nachdem die sieben Jahre vergangen waren, hatte der Riese all das gesagt, was zu sagen war; seine Gesprächsbereitschaft war nämlich begrenzt, und so entschied er sich dafür, in sein eigenes Schloss zurückzukehren. Als er dort ankam, sah er die Kinder in seinem Garten spielen.

"Was macht ihr hier?", schrie er mit äußerst mürrischer Stimme und die Kinder liefen verängstigt davon.

"Mein eigener Garten ist immer noch mein eigener Garten", sagte der Riese, "das muss jeder einsehen, und ich werde niemals jemandem außer mir selbst erlauben, darin zu spielen". Und so errichtete er eine hohe Mauer rings um den Garten und stellte ein Warnschild mit den folgenden Worten auf: Unbefugten ist der Zutritt bei Strafe verboten! - Er war wirklich ein sehr selbstsüchtiger Riese.

Die armen Kinder hatten von nun an keinen Ort mehr, wo sie spielen konnten. Sie versuchten auf der Straße zu spielen, aber diese war sehr staubig und voll mit spitzen Steinen, und das gefiel den Kindern nicht. Immer wieder schlenderten sie nach dem Unterricht um die hohe Mauer herum und sprachen von dem herrlichen Garten, der dahinter verborgen lag. "Wie glücklich waren wir doch dort", sagten sie zueinander.

Dann kam der Frühling und überall - landauf, landab - waren kleine Blüten zu sehen, und junge Vögel zwitscherten vergnügt. Nur im Garten des selbstsüchtigen Riesen war immer noch Winter. Die Vögel wollten dort nicht singen und die Bäume vergaßen zu blühen, weil keine Kinder mehr da waren.

Einmal streckte eine wunderschöne Blume ihren Kopf aus dem Gras heraus, aber als sie das Hinweisschild sah, hatte sie so großes Mitleid mit den Kindern, dass sie sich sofort wieder in den Boden zum Schlafen zurückzog. Die einzigen, denen der Garten noch gefiel, waren der Schnee und der Frost. "Der Frühling hat diesen Garten vergessen", riefen sie erfreut, "wir werden das ganze Jahr über hier bleiben". Der Schnee bedeckte das Gras mit seinem dicken weißen Mantel und der Frost ließ alle Bäume silbern erscheinen. Dann luden sie den Nordwind ein, ihnen Gesellschaft zu leisten - und er kam. Er war in warme Felle gehüllt, brüllte unaufhörlich durch den Garten und blies die Schornsteinbleche hinunter. "Welch ein herrlicher Platz", schwärmte er, "wir sollten den Hagel bitten, uns zu besuchen". Und der Hagel kam. Jeden Tag prasselte er drei Stunden lang auf das Dach des Schlosses, bis er fast alle Ziegel zerstört hatte, und danach sauste er, so schnell er konnte, quer durch den Garten. Er war ganz in grau gekleidet und sein Atem war so kalt wie Eis.

"Ich kann nicht verstehen, warum der Frühling in diesem Jahr so spät kommt", sagte der selbstsüchtige Riese, als er an dem Fenster saß und in seinen kalten weißen Garten blickte; "ich hoffe, dass sich das Wetter bald ändert".

Aber es kamen weder Frühling noch Sommer. Der Herbst beschenkte jeden Garten mit goldenen Früchten, nur den Garten des Riesen sparte er aus. "Er ist zu selbstsüchtig", sagte der Herbst. So war anhaltender Winter im Garten; und der Nordwind, der Hagel, der Frost und der Schnee tanzten im Wechsel zwischen den Bäumen herum.

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/ Teil 2

Eines Morgens lag der Riese wach in seinem Bett, als er eine wunderschöne Musik hörte. Sie klang so lieblich in seinen Ohren, dass er dachte, es könnten nur die Musiker des Königs sein, die vorbeizögen. In Wirklichkeit aber war es nur ein kleiner Hänfling, der draußen vor seinem Fenster sang; aber es war so lange her, seit er einen Vogel in seinem Garten hatte singen hören, dass er das Gefühl hatte, die schönste Musik der Welt zu vernehmen. In diesem Moment hörte der Hagel auf, über seinem Kopf herumzutanzen, der Nordwind stellte sein Gebrüll ein und ein köstlicher Duft strömte ihm durch das geöffnete Fenster entgegen. "Ich glaube, nun kommt der Frühling wohl doch noch", sagte der Riese, sprang aus dem Bett und guckte nach draußen.

Und was sah er da?

Es war der wundervollste Anblick, den man sich denken konnte. Die Kinder waren durch ein kleines Loch in der Mauer in den Garten gekrochen und saßen nun auf den Zweigen der Bäume - in jedem Baum, den er sehen konnte, ein kleines Kind. Und die Bäume waren so froh, die Kinder endlich wieder bei sich zu haben, dass sie sich mit Blüten schmückten und ihre Zweige gleich schützenden Händen über den Köpfen der Kinder auf und ab bewegten. Die Vögel flogen umher und zwitscherten vor Vergnügen und die Blumen schauten lachend aus dem frischen grünen Gras heraus. Es war ein anmutiges Bild, nur in einer Ecke des Gartens war noch immer Winter. Dort, in dem entferntesten Winkel, stand ein kleiner Junge. Er war so klein, dass er nicht an die Zweige des Baumes heranreichen konnte; immer wieder ging er um ihn herum und weinte bitterlich. Der arme Baum war immer noch über und über mit Eis und Schnee bedeckt und der Nordwind blies und heulte über ihn hinweg. "Klettere nur hinauf, kleiner Junge!", sagte der Baum freundlich, und beugte seine Zweige so tief herunter, wie er konnte, aber der Junge war einfach zu klein.

Als der Riese das sah, wurde es ihm ganz warm um das Herz. "Wie selbstsüchtig bin ich gewesen!", sprach er reumütig zu sich selbst, "jetzt verstehe ich, warum der Frühling nicht in meinen Garten kommen wollte. Ich werde den kleinen Jungen auf die Spitze des Baumes setzen und danach die Mauer niederreißen. Von nun an soll der Garten auf ewig der Spielplatz der Kinder sein". Er bedauerte aufrichtig, was er getan hatte.

Der Riese schlich nach unten, öffnete ganz leise die Haustür und trat in den Garten. Aber als die Kinder ihn sahen, hatten sie solche Angst, dass sie alle davonrannten - und augenblicklich wurde es wieder Winter im Garten. Nur der kleine Junge lief nicht fort; denn er hatte, da seine Augen ganz mit Tränen gefüllt waren, den Riesen nicht kommen sehen. Dieser näherte sich dem Jungen ganz vorsichtig von hinten, nahm ihn sanft in seine Hand und setzte ihn in den Baum. Unverzüglich erstrahlte der Baum in üppiger Blütenpracht und die Vögel kamen, setzten sich hinein und sangen; und der kleine Junge streckte seine Arme aus, schlang sie dem Riesen um den Hals und küsste ihn. Und als all die anderen Kinder sahen, dass der Riese nicht länger böse war, kamen sie eilig zurück - und mit ihnen kam der Frühling. "Von nun an, Kinder, ist dies euer Garten", sagte der Riese, nahm eine riesige Axt und riss die Mauer nieder. Und als die Menschen um die Mittagszeit zum Markt gingen, sahen sie den Riesen mit den Kindern im Garten spielen, dem schönsten Garten, den sie jemals gesehen hatten.

Sie spielten den ganzen Tag lang, und am Abend gingen sie auf den Riesen zu, um sich von ihm zu verabschieden.

"Aber wo ist denn euer kleiner Spielgefährte, der Junge, den ich auf den Baum gesetzt habe?", fragte der Riese. Den kleinen Jungen liebte er nämlich am meisten, weil dieser ihn geküsst hatte.

"Das wissen wir nicht", antworteten die Kinder, "er ist fortgegangen".

"Ihr müsst ihm sagen, dass er morgen unbedingt wiederkommen soll", sagte der Riese. Aber die Kinder entgegneten, dass sie nicht wüssten, wo er wohne, und dass sie ihn auch niemals zuvor gesehen hätten. Daraufhin wurde der Riese sehr traurig.

Jeden Nachmittag, wenn die Schule zu Ende war, kamen die Kinder und spielten mit dem Riesen. Aber den kleinen Jungen, den der Riese besonders liebte, sah man nie mehr. Der Riese war sehr freundlich zu all den Kindern, und dennoch blieb in ihm die Sehnsucht nach seinem ersten kleinen Freund; immer wieder sprach er von dem Jungen. "Wie gerne würde ich ihn wiedersehen", pflegte der Riese dann zu sagen.

Jahre vergingen und der Riese wurde ganz alt und schwach. Er konnte nicht mehr im Garten spielen, und so saß er in einem riesigen Lehnstuhl, sah den Kindern beim Spielen zu und erfreute sich an seinem Garten. "Ich habe zwar viele herrliche Blumen, aber die Kinder sind die schönsten von allen", sagte er zu sich selbst.

An einem Wintermorgen schaute er, während er sich anzog, aus dem Fenster. Jetzt hasste er den Winter nicht mehr, denn er wusste, dass dies nur die Zeit des schlafenden Frühlings und der sich ausruhenden Blumen war. Plötzlich rieb er sich verwundert die Augen - und schaute und schaute. Es war in der Tat ein wundervoller Anblick. In der entlegensten Ecke des Gartens war ein Baum über und über mit herrlichen weißen Blüten bedeckt. Seine Zweige waren vergoldet und silberne Früchte hingen von ihnen herab. Und unter dem Baum stand der kleine Junge, den der Riese so sehr in sein Herz geschlossen hatte.

Hocherfreut rannte der Riese nach unten und hinaus in den Garten. Er hastete über die Wiese und näherte sich dem Kind. Und als er ganz nah herangekommen war, wurde sein Gesicht rot vor Zorn, und er fragte: "Wer hat es gewagt, dich zu verletzen?" Auf den Handflächen des Kindes waren nämlich die Male von zwei Nägeln zu erkennen, und die Male von zwei Nägeln waren auch an seinen kleinen Füßen.

"Wer hat es gewagt, dich zu verletzen?", schrie der Riese noch einmal, "sag es mir, damit ich mein mächtiges Schwert ziehen und ihn erschlagen kann".

"Nein!", antwortete das Kind, "denn dies sind die Wunden der Liebe". "Wer bist du?", fragte der Riese; eine seltsame Ehrfurcht überkam ihn und er kniete vor dem kleinen Jungen nieder.

Daraufhin lächelte das Kind den Riesen an und sagte zu ihm. "Du hast mich einst in deinem Garten spielen lassen, heute sollst du mit mir in meinen Garten kommen - in das Paradies eingehen".

Und als die Kinder an diesem Nachmittag in den Garten gelaufen kamen, fanden sie den Riesen tot auf - er lag unter dem Baum und war über und über mit weißen Blüten bedeckt.

Rki-,EFlxa


Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger bestimmen. Er versammelte die Weisen des Landes und rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: "Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit ist eure Sache." Die Weisen sagten: "Das ist eine gute Aufgabe."

Der älteste Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, dass Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. - Er dachte sich: "Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen." Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: "Ich habe die Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger." - Der Vater antwortet: "Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten."

Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle entfernen zu dürfen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

Der Vater sagte: "Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle in unserem Schloss mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast den Raum mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen.":-)

FUee?linxe


Klein aber fein ;-) :)^

Wer denkt oder sagt:

" Ich kann nicht"

Der setzt sich selbst Grenzen.

Denke immer an die Hummel.

Die Hummel hat eine Flügelfläche von 0,7 Quardrat cm

bei einem Gewicht von 1,2 Gramm

Nach den bekannten Gesetzen der Flugtechnik, ist es

unmöglich bei diesem Verhältnis zu fliegen.

Die Hummel aber weiß dass nicht

SIE FLIEGT EINFACH

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Feeline

;-D :)^

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