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Ich liebe und hasse meinen Job... Hilfe!!!

NCurs;e22 hat die Diskussion gestartet


Hey,

wie manche schon an meinem Nick erkennen... bin ich Krankenschwester...

Ich mach meinen Job eigentlich echt gerne... aber manchmal... Gestern hab ich einen 20 Jährigen mit Krebs auf die Station bekommen... vor nem halben Jahr... die Leiche einer Patientin in den Keller gebracht die grade mal 24 war... als Azubi habe ich gesehen wie ein kleiner Junge starb... könnte noch viele Beispiele nennen... Ich hasse es... ich weiss nicht wie ich damit umgehen soll... bei alten Menschen... macht es mir nicht viel... die haben ihr Leben gelebt... aber so Junge Menschen oder sogar Kinder... die haben doch alles noch vor sich... mich zerfrisst es total... denke sofort daran sobald ich einen jüngeren Menschen auf Station habe... habe Angst das wir (Ärzte, Schwestern, alle Therapeuten) als Team es vielleicht nicht schaffen und ich hinterher wieder einen jungen Menschen in die Leichenhalle bringen muss... versteht das irgendwer?

Wie gesagt ich liebe meinen Job auch... ich gehe wirklich gerne arbeiten...

Antworten
w/asyseYrmaeEnnchen


Hallo Nurse22,

"versteht das irgendwer? " - ja.

Ich gehe jetzt streng auf die 50 zu, kann mich aber noch sehr gut erinnern wie das damals war. Ich war 24 - Diagnose... embryonales Hodenkarzinom. Habe dann das volle Programm durchlaufen also eine Murmel wech, Lymphdrüsen im Retroperitonealraum entfernt, 6 Wonate Chemo, Cisplatin usw.. Habe nicht viel vergessen können von der ganzen Sch....

Na ja, jedenfalls waren meine Befürchtungen seinerzeit u.a. das man für die Schwestern und Ärzte nur "das Karzinom aus Zimmer X" sein könnte. Ringsum sind reihweise andere Patienten gestorben, es war einfach eine Sch..... Zeit. Freunde haben einen gemieden weil sie nicht wussten wie man mit der Situation umgehen sollte. Arbeitskollegen sahen mich in der Stadt und einer schaute mich mit großen Augen an und meinte dann " ich denke Du bist tot ".

Was mich in der Zeit frustriert hat waren Menschen die einen , meist aus Hilflosigkeit, wie einen Aussätzigen behandelt haben. Und davon gab es viele gerade junge Menschen, denn der Tod passt nunmal nicht in das Weltbild unserer Gesellschaft. Am liebsten waren mir die Krankenschwestern die einen so akzeptiert haben wie man war - als Mensch mit einem Schicksal. Klar ist es nicht gerade toll wenn man sein Leben in jungen Jahren beenden muss aber es ist ein Schicksal oder ein dumm gelaufener Gendefekt oder der Wille Gottes oder was auch immer.

Sieh es pragmatisch so gut es geht. Es ist schrecklich aber nicht zu ändern und mit dem was Du tust machst Du genau das Richtige. Bitte denke immer daran das Menschen wie ich, Leute wie Dich brauchen - gerade in solchen Situationen. Wäre ich gestorben hätte ich DANKE !!! sagen wollen und dieser Dank hätte allen Menschen gegolten die mich trotz der Diagnose nicht abgeschrieben hatten.

Klar kann ich heute drüber lachen, manche besorgten Ärzte sagten seinerzeit durch Chemo usw. sei ich sozusagen um 20 Jahre Turbogealtert. Heute sage ich - könnt ihr vergessen, um genau zu sein ich bin 46 und habe soviel Unfug im Schädel ( das ist nicht nur meine eigene Einschätzung :)^ )das ich später wohl nochmal geboren werden muss um alles vollenden zu können.

Was hilft aber das ganze Geschreibsel nun Dir ? Ich hoffe ich kann Dir mit den paar Sätzen irgendwie Danke sagen das Du den Job machst. Das es für Dich mehr als nur ein "Job" ist beweist Deine Frage @:). Es tut gut zu wissen das es Menschen gibt die einen nicht gleich abschreiben nur weil man wahrscheinlich bald sterben wird. Dabei macht es keinen Unterschied ob der Mensch alt oder jung ist da die Gefühlswelt doch recht ähnlich ist.

Ich habe vor vielen Jahren in einer freikirchlichen Gruppe Alkoholiker begleitet und versucht die Ursachen mit ihnen gemeinsam zu ergründen. Ich freue mich wenn ich einen "Trockenen" heute noch sehe, es berührt mich das ich es nicht immer geschafft habe und es ist gut das ich da sein konnte.

Grüße vom Wassermaennchen :)D

Lqamphenboeinxe


Ich habe ganz großen Respekt vor Leuten, die derartige Berufe ausüben.

Ein Freund von mir war jetzt als Zivi in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Eigentlich wäre Therapeut der perfekte Job für diesen Menschen... Aber die Vorfälle dort haben ihm sehr zugesetzt und ich habe es wirklich als Frechheit empfunden, dass jeder Therapeut und jeder Sozialpädagoge verpflichtet ist, Supervisionen wahrzunehmen, aber ein einfacher Zivi, der die selben Fälle hautnah miterlebt, alleine damit fertig werden muss. Eigentlich sollte es sowas für "normale" Krankenschwestern doch auch geben... Aber gib deinen Beruf nicht so schnell auf, du hast meine Bewunderung und meine Dankbarkeit definitiv auf deiner Seite ... und sicherlich nicht nur von mir, sondern von vielen anderen Menschen.

:)z

NxursOe2x2


Danke, gerade dir Wassermaenchen... was du geschrieben hast, hat mich wirklich berührt... finde es toll wie du von deinen Schwestern sprichst... das ist ja genau das, was wir versuchen den Patienten zu geben!!! :)z

Das Gefühl nicht alleine zu sein... ein gewisses Maß an normalität, wenn die restliche Umwelt aus Angst o.ä. nicht dazu in der Lage ist... ich habe schon oft andere Schwester weinen sehn und habe selbst auch schon um Patienten geweint... mehr als einmal... Es ist manchmal schon verdammt hart... man kämpft ja mit ihnen... macht immer wieder Mut, begleitet sie durch Op´s und bei Therapien... und das ja über Monate... man sieht es deutlicher als die anderen Menschen... man sieht veränderungen ja viel stärker, wenn man jemanden seltener sieht... :-( Habe heute wieder einen 21jährigen bekommen...

Dafür haben wir als Team auch was schönes Erlebt... ein Patient der vor ein paar Monaten als "geheilt" die Klinik verließ schickte uns eine Postkarte aus dem Urlaub... :-) Es geht ihm super, hat er geschrieben...

Ich werde meinen Beruf natürlich nicht aufgeben, niemals... ich hänge mit meinem ganzen Herzen daran! *:)

Supervisionen kenne ich auch nur aus meiner Ausbildung... sind in der Psychiatrie üblich... finde auch das alle miteinbezogen werden sollten!!! Es ist wirklich unfassbar, das dein Freund nicht teilnehmen durft... >:(

Manche Ärzte und Schwestern halten sich für Götter... das musste ich während meiner Ausbildung auch immer wieder feststellen...

Nochmals DANKE an euch beide... @:)

wYass1ermaoennjchen


Hallo Nurse22,

"finde es toll wie du von deinen Schwestern sprichst" na ja kein Wunder, ich bin mit einer Krankenschwester verheiratet :-)

"Habe heute wieder einen 21jährigen bekommen... " ich kenne seine Diagnose nicht, wenn er durchhängt erzähl ihm meine Geschichte. Es gab Zeiten da wollte ich mir keine neuen Klamotten kaufen weil ich dachte ... brauch ich eh nicht mehr , und heute sehe ich die Welt kpl. anders. Jedes Blatt am Baum vor meinem Fenster ist wunderschön, jede Blume duftet so herrlich, jedes Lächeln ist so wunderschön.

Liebe Grüße vom Wassermaennchen

NFu=rsxe22


Dann weisst du ja wie fabelhaft wir sind! ;-)

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