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Darf man den Psychologen anlügen?

M/orit)z2x7 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

der Titel ist gar nicht so provokant wie es scheint. Ich bin da echt am Rätseln

Zum Problem: meine Frau ist in Behandlung beim Psychologen, wegen Depression. jetzt leidet sie oder erzählt mir oft von ihrem Wunsch, eine echte gute Freundin zu haben, auch ein Ehepaar, aber eines wo sie mit der Frau eben sich auch mal so treffen kann. Ihre Freundinnen von früher sind irgendwie abhanden gekommen oder haben sich wegentwickelt. Sie hat das Gefühl, sie hat niemanden!

So, jetzt waren wir im September bei einer verheiraten Kollegin eingeladen, ein schöner, sehr unterhaltsamer Abend, bis nach 2 Uhr. Wenn ich sie erinnerte, die beiden zurück einzuladen, hieß es: demnächst. Nix geschah. Im November haben die uns wieder eingeladen. das ganze noch einmal. Sie hat die beiden nur einmal zurückeingeladen. Und immer waren es sehr nette Abende. Seit Februar (da waren wir bei ihnen) erinnere ich meine Frau vergeblich. Es heißt immer: bald.

Ich kenne noch 4 Fälle, wo Frauen oder Ehepaare ihr so entgegen gekommen sind, und sie hat einfach keine Lust, sich mit denen zu treffen.

So, jetzt erfahre ich von ihr, das sie ihr Problem mit ihrem Psychologen (vermutlich) länger besprochen hat. Ich bin mir fast total sicher, dass sie von ihrer Kontaktlosigkeit geklagt hat, aber dass sie überhaupt nicht erwähnt hat, wie oft sie die ausgestreckte Hand, d.h. das Angebot auf näheren Kontakt ausgeschlagen hat.

Jetzt meine Frage: kann die Behandlung des Psychologen überhaupt greifen, wenn dieser von falschen Voraussetzungen ausgeht?

oder ist wie (manchmal) bei der Traumdeutungsanalyse das geschilderte Problem/der geschilderte Traum eigentlich unwichtig und dient nur dazu, Zugang zur Seele zu verschaffen.

Würde mich freuen, wenn jemand da Hilfe weiß.

Antworten
M2ue/18x37


Hi Moritz,

wie wär es, wenn du die Initiative ergreifst.

Zu deiner Frage, wenn es ein "guter" Psychiologe ist, durchschaut er das Spiel.

Ansonsten kann ich aber deine Frau in dem Verhalten gegenüber Ihrem Therapeuten nicht verstehen.

Will Sie überhaupt das man Ihr hilft. ???

*:) Mue

Mgoritxz27


Mue1837

Danke für deine Antwort.

Zu deiner Frage:

Ansonsten kann ich aber deine Frau in dem Verhalten gegenüber Ihrem Therapeuten nicht verstehen.

Ich bin fest überzeugt, in dem Moment, wo sie es ihm erzählt, glaubt sie es auch.

Sie erzählt/klagt es mir auch. Wenn ich sie auf ihr Verhalten gegenüber den Einladungen hinweise, ist sie auch beruhigt, wenn ich das so sagen kann. Nach einiger Zeit sagt sie dann auch: ich werde die mal einladen oder anrufen". Dann sieht sie es ja schon ein.

Mir geht es nicht, ob ich in diesem Fall die Initiative ergreifen kann oder soll (manchmal sind es Frauen, die ich gar nicht kennen!), also mir geht es nicht um die Lösung ihres Kontaktproblemes.

Mir geht es darum, dass der Psychologe "falsche" Fakten erhält. Und ich denke, darauf muss er doch aufbauen. Ich hätte auch andere Beispiele als das Kontaktproblem bringen können.

Aber gerade bei meinem Beispiel (sonst erzählt sie mir nichts davon) hatte ich den Eindruck, er hätte ihr das Gefühl vermittelt, er würde sie verstehen. Irgendwie fühlte sie sich "bestätigt". Bestätigt in ihrer etwas falschen oder depressiven Sicht.

MZuel183x7


Hi moritz,

das ist eine der sog. golden Regeln der Kommunikation.

würde das der psychologe nicht machen, würde deine Frau höchstwarscheinlich die therapie abbrechen.

Nimm kontakt zu ihm auf, vieleicht machst du dir umsonst sorgen.

gruß mue

K7lBeUio


Moritz27

Mir geht es darum, dass der Psychologe "falsche" Fakten erhält. Und ich denke, darauf muss er doch aufbauen. Ich hätte auch andere Beispiele als das Kontaktproblem bringen können.

Ich denke, wenn Deine Frau nicht unbedingt eine potentielle Lügnerin ist, die auch einen Lügendetektor überlisten würde - und davon gehe ich mit Dir als Partner nicht aus, dann wird der Psychiachter merken, was nicht ganz authentisch in ihren Aussagen ist und was nicht. Er fragt ja nicht nur einmal und baut dann darauf auf, sondern wird sich sicher ein Bild machen und auf unterschiedlichste Arten nach derselben Sache fragen. Wenn er ein halbwegs guten Fachmann ist, dann wird sie ihn nicht so schnell aufs Glatteis führen. Ich denke, dass für ihn dieser Umgang eher normal ist, dass er es gewöhnt ist, dass die Patienten zuerst nur partiell die Wahrheit sagen.

MsoriGtxz27


Kleio

Der Gedanke war mir noch nicht gekommen:

Ich denke, dass für ihn dieser Umgang eher normal ist, dass er es gewöhnt ist, dass die Patienten zuerst nur partiell die Wahrheit sagen.

danke dafür *:)

lWola_xm


Ich denke schon, dass Sie den Psychologen überlisten kann. Meine Mutter macht das seit 16 Jahren so. Deshalb geht das auch schon solange. Jetzt kann man sich fragen, ob der Psychologe schlecht ist oder ob Deine Frau so überzeugend ist, dass sie IHRE Version gut verkaufen kann.

Viel wichtiger ist doch aber, warum will sich Deine Frau nicht mit Leuten treffen mit denen ihr Euch scheinbar gut versteht? Sind das Menschen die Du zuerst kanntest? Ist sie vielleicht nur Dir zuliebe mitgegangen? Wie hat sie sich an dem Abend verhalten. Hatte sie genauso viel Spaß wie Du? So etwas wird gerne mal übersehen, der eine hat Spaß und der Andere nur bedingt, das geht dann schnell unter.

Ich glaube, dass Deine Frau anderen Menschen gegenüber sehr misstrauisch ist. Ich würde mich mal mit ihr zusammen setzen und doch mal darum bitten, welche Sorgen sie in Bezug auf ihre Kontaktprobleme mit dem Psychologen bespricht. irgend etwas macht ihr scheinbar Angst im Umgang mit anderen Menschen. Schlechte Erfahrungen, Enttäuschungen und Vertrauensbruch in der Vergangenheit können Gründe dafür sein. Da können Menschen dann noch so nett sein, sie traut diesen Menschen einfach nicht.

Vielleicht sucht sie auch Freunde mit mehr Tiefgang, eine Art Seelenverwandtschaft die ihr fehlt.

Rede mit ihr, versuche es zumindest :)^

M,oriDtz2x7


lola_m

danke erstmal für deine Gedanken.

Sind das Menschen die Du zuerst kanntest? Ist sie vielleicht nur Dir zuliebe mitgegangen? Wie hat sie sich an dem Abend verhalten. Hatte sie genauso viel Spaß wie Du?

Es ist eine Kollegin von ihr, mir der sie gut und nett zusammenarbeitet. Ich bin eher ihr zuliebe mitgegangen. Aber trotzdem gerne. Sie hat sich eher besser gefühlt als ich. Also das ist es nicht.

Und sie ist während der Arbeit immer noch gerne mit ihr zusammen, unverständlich ich weiß.

Auch das von dir angesprochene Mißtrauen könnte ich glaube ich voll verneinen.

Eher (aber dies mehr bei den anderen Fällen, die ich nicht geschildert habe) eine gewisse Trägheit. Sie hat es zwar vor, aber dann unterbleibt es.

In diesem Fall hat sie mal gesagt, die hätten ja so viele andere Bekannte. Ich dagegen denke, das ist mir egal, wichtig ist, ob man sich ab und zu nett zusammensetzt und sich nett unterhält - egal, wie viele Bekannte die haben. Aber da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, inwieweit das eine Schutzbehauptung ist. Denn das gleiche "Ablehnen" kenne ich auch bei 2 Frauen, die sehr zurückgezogen leben.

Liebe Grüße *:)

l>olax_m


In diesem Fall hat sie mal gesagt, die hätten ja so viele andere Bekannte. Ich dagegen denke, das ist mir egal, wichtig ist, ob man sich ab und zu nett zusammensetzt und sich nett unterhält - egal, wie viele Bekannte die haben. Aber da bin ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, inwieweit das eine Schutzbehauptung ist. Denn das gleiche "Ablehnen" kenne ich auch bei 2 Frauen, die sehr zurückgezogen leben.

Mmmh, schwierig. Kann es denn sein, dass die eher zurückgezogenen Frauen ihr zu ähnlich sind, sie runter ziehen würden, wenn sie sich zu viel mit denen auseinander setzt, und die Anderen, eher kontaktfreudigen Leute für sie eher etwas unerreichbares sind, weil sie bei denen nicht "mithalten" kann?

Mvoriqtze2x7


Kann es denn sein, dass die eher zurückgezogenen Frauen ihr zu ähnlich sind, sie runter ziehen würden, wenn sie sich zu viel mit denen auseinander setzt, und die Anderen, eher kontaktfreudigen Leute für sie eher etwas unerreichbares sind, weil sie bei denen nicht "mithalten" kann?

Danke für den Gedanken, das erstere habe ich so noch nicht gesehen, das letzte ist gut möglich.

Aber mein ursprüngliches Problem ist ja:

Wenn ich dem Psychologen sage, ich habe keine Kontakte und leide darunter, ist für ihn das eine andere Behandlungsbasis als wenn ich sage: ich lehne die meisten "Angebote" aus verschiedenen Gründen ab.

Daher meine Frage: wie weit ist es wirklich wichtig für die Therapie, wieweit ich da "ehrlich" bin.

Wenn mich der Allgemeinmediziner fragt:"Trinken sie?" und ich sage "NIE", wird er mich (bei entsprechenden Symtomen) wohl anders behandeln als wenn ich sage: "eine Flasche Wein pro Tag".

l\olax_m


Hast Du eine Möglichkeit mal mit dem Psychologen zu reden? Hast Du die Adresse?

Ich würde es mal ohne ihr Wissen, in einem Gespräch mit dem Psychologen klären. Denn wenn sie ihm etwas auftischt was nicht der Wahrheit entspricht - hast Du Recht - kann auch der Psychologe nicht richtig therapieren. Aber um zu wissen ob der Psychologe sich täuschen lässt oder die Situation doch erkennt, wäre es wichtig, das mit ihm zu klären. Er wird Dir natürlich nichts über seine Behandlung zu Deiner Frau erzählen, aber Du kannst ihm Deine Eindrücke bzw. Bedenken schildern, und ihn ein bisschen zum nachdenken anregen.

Lass das Gespräch vertraulich laufen und erkläre ihm, dass Du dich an ihn wendest, da auch die Ehe darunter leidet bzw. auf Dauer darunter leiden wird.

Danach würde ich einfach mal abwarten... wobei auch solche Veränderungen etwas länger dauern können.

Natürlich musst Du, wie oben auch schon mal erwähnt, die Befürchtung haben, dass es ein Psychologe ist, der seinen Patienten eigentlich nur zuhört und wenig unternimmt. Die Patienten kommen immer wieder, weil sie jemanden haben der sie scheinbar versteht, ohne das etwas therapiert wird. Aber gehe mal nicht gleich davon aus.

Das ist jetzt natürlich ein Schritt den ich machen würde.

Denk einfach mal darüber nach, ob das eine Lösung für Dich wäre.

Ansonsten würde ich vielleicht auch einfach versuchen, mal mit Deiner Frau zu reden und ihr klar machen, dass es Dich doch schon mehr und mehr stört. Vielleicht ändert das ja schon was. Der Aufwand wäre nicht ganz so groß ;-D

Ich wünsche Dir alles Gute!!!

Und halte uns mal auf dem Laufenden, ok?

LG,

i(LLioxs


Wenn ich dem Psychologen sage, ich habe keine Kontakte und leide darunter, ist für ihn das eine andere Behandlungsbasis als wenn ich sage: ich lehne die meisten "Angebote" aus verschiedenen Gründen ab.

Klar.

Wegen der ersten Aussage gehe ich zum Psychologen, weil ich darunter leide.

Bei der zweiten ist es meine freie Entscheidung, ich leide nicht darunter, brauche also auch keinen Psychologen.

Insofern ist die erste Aussage aus Sicht Deiner Frau authentischer, denn so empfindet Sie es nun mal.

Der Therapeut wird immer versuchen aufzudecken was der Anteil des Klienten am Problem ist und was er / sie bei sich ändern kann. Denn darum gehts in einer Therapie.

Schwieriger wäre es übrigens wenn Deine Frau sagen würde "ich lehne die meisten "Angebote" aus verschiedenen Gründen ab" in Wirklichkeit / Insgeheim aber denkt / fühlt "ich habe keine Kontakte und leide darunter". Es gibt ja Menschen die gehen zur Therapie und haben eigentlich gar kein Problem. ;-)

Aber auch das kann ein Therapeut durchaus erkennen.

Wie ist das denn für Dich nicht so recht zu wissen was da nun bei dieser Therapie "rauskommt"?

MLori2tzx27


lola_m

danke für deine guten Gedanken.

Ich habe vor, mit ihm zu sprechen, das ist schon angedacht. Es ist nicht so, dass meine Frau nicht dagegen ist, sie ist sogar bereit, ihn von seiner Schweigepflicht zu entbinden, wenn sowas geht.

Was sie nur nicht weiß, ist, dass ich genau diesen Gedanken gerne mal besprechen würde (die Unkorrektheit ihrer Schilderungen). Aber auch das wäre kein Problem. Ich weiß ja, dass sie nur zu gerne "geheilt" werden würde.

Liebe Grüße

Mcoritzx27


iLLios

Der Therapeut wird immer versuchen aufzudecken was der Anteil des Klienten am Problem ist und was er / sie bei sich ändern kann.

Genau das ist mein Problem oder das Problem: kann er das, wenn die fakten einleutend sind?.

Vor 4 Wochen sagte sie mir: "Dr. XX hat gesagt, ich müßte erst die Beziehung (gelegentlicher Telefonkontakt) mit einer alten Freundin aus Schulzeiten abbrechen/auslaufen lassen, dann wäre ich offen für neue Kontakte"

Erst seitdem weiß ich, dass sie mit ihm darüber geredet hat.

Aber für mich ging daraus hervor, dass sie eben nicht gesagt hat, wie oft sie schon Einladungen nicht erwidert hat. Und ich bin dessen sicher.

Vor einer Woche fing sie bei mir wieder an: "Ich hätte so gerne jemanden, mit dem ich ab und zu mal Kaffee trinken kann":

M/orsitt|z2x7


einleutend=einleuchtend

sorry

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