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Darf man den Psychologen anlügen?

l`ol;a_?m


Hallo Moritz27,

ich bin es noch mal ;-D

Kann es sein, dass Deine Frau an der alten Schulfreundin so sehr hängt (obwohl die beiden sich schon scheinbar auseinander gelebt haben), dass sie nicht bereit ist, sich auf neue Freundschaften einzulassen? Vielleicht sucht sie einfach nach dieser Nähe, die sie mit der alten Schulfreundin verbunden hat und findet diese Nähe aber nicht. Oder sie kann diese Nähe einfach nicht zu anderen Menschen aufbauen? Es hört sich so an, als klammere sie sich an diese Freundschaft und will das mit biegen und brechen nicht beenden weil diese Freundschaft all das beinhaltete was sie gebraucht hat und Andere ihr das nicht geben können?

hVapax l(egomenon


Moritz, beim Psychologen sitzen ständig Menschen, deren Wahrnehmung der Realität nicht mit den Fakten zusammen passt. Ihr Job ist es, sie durch Fragen, Denkanstöße etc. pp. zu der Erkenntnis zu führen, dass das, was sie vermissen, vor ihrer Nase liegt und sie es sich nur nehmen oder erarbeiten müssen. Geh also getrost davon aus, dass der Therapeut sich nicht mit einem "niemand will mit mir zu tun haben" abspeisen lässt, sondern das so lange hinterfragt, bis deine Frau soweit ist ihre Denkmuster zu ändern.

Depressionen haben meines Wissens auch viel mit Handlungsunfähigkeit zu tun. Die eine Sache ist es, die ausgestreckte Hand gar nicht als solche zu registrieren, weil man so auf sein Selbstmitleid (oder anderes destruktives Gefühl) konzentriert ist, die andere, die Energie dazu aufzubringen sich selbst dafür zu engagieren, dass die Situation sich verändert. Man will doch am liebsten alles auf dem Silbertablett serviert bekommen, jeder, vielleicht braucht deine Frau einfach noch Zeit bis sie soweit ist sich ihr Glück zu erarbeiten. Nicht umsonst dauern Therapien meistens über Jahre, nicht Wochen. ;-) Hab Geduld.

Wenn du zweifelst, frage deine Frau, ob ihr vielleicht einmal eine Sitzung gemeinsam machen könntet. Als meine Mutter wegen Depressionen in Therapie war, hat mein Vater sie drei oder vier Mal begleitet, wurde von der Therapeutin mit einbezogen, auch mehr über Mutterns Problematik aufgeklärt, darauf hingewiesen, wo er ihr wie helfen kann und wo eben nicht.....Ich hatte den Eindruck, das hat beiden gut getan. Vielleicht macht das euer Therapeut auch.

Aber eben: gemeinsam mit deiner Frau, nicht hinter ihrem Rücken. Wegen deiner Frau nicht und weil du einem Psychologen, der ihr Vertrauen missbraucht, wahrscheinlich gar nichts mehr zutrauen würdest.

d"enaUben


mal ne kurze frage moritz

hat dir deine frau erzählt, was genau sie dem therapeuten erzählt?

vielleicht ist es so, wie du sagst (du vermutest das ja nur), vielleicht aber auch anders. kann man natürlich nicht so direkt sagen, aber wahrscheinlich sind schon auch andere theorien.

z.b.

du hast die einladung, den abend damals als schön und angenehm empfunden. auch wenn sie das selbe gesagt hat: hat sie das denn auch? sowas ist subjektiv.

sie hat kontaktschwierigkeiten, das schliesst auch das "kontakthalten" mit ein.

ich kenn das sehr gut, bzw. kann es nachvollziehen. ich fühle mich oft einsam, traurig, hätte gern freundinnen, aber wenn eine versucht, sich einzuladen, dann will ich das erst mal nicht und weiss nicht wieso. bei den zwei freundinnen, die ich hab, weiss ich den grund. beide sind fordernd und erdrückend, das halte ich kaum aus. es kann nur eine kleinigkeit sein, die deine frau stört.

gCwendo@lynn


@ Moritz

Ich vermute auch, dass hinter ihrer nicht gemachten "Zurückeinladung" Antriebslosigkeit steckt, das ist häufig so bei Depressionen meines Wissens nach. Das heißt nicht, dass sie nicht will, sondern dass sie nicht kann, weil ihr der Antrieb fehlt.

Was mich etwas wundert, ist der seltsame Satz des Therapeuten, sie solle erst den Kontakt zu ihrer alten Freundin abbrechen, damit sie für neue Kontakte offen ist :-o

finde ich sehr seltsam

hDapakx lje7gomexnon


Die alte Freundin abzulegen finde ich gar nicht so seltsam, da Moritz' Frau sich ihr ja nicht mehr nahe zu fühlen scheint sondern sie mehr mitschleift. Wenn sie als Anker gebraucht wird, quasi als Ausrede, keine neuen Bekanntschaften zu schließen, weil "da ist ja doch noch jemand" oder "früher war alles besser, ich kann die Vergangenheit nicht loslassen", ist das nicht so gesund. Könnte man schon wieder so deuten, dass in der Therapie durchaus über die Gründe gesprochen wurde, warum sie denn keine neuen Kontakte knüpfen kann. ;-)

Generell gehört eine Umstrukturierung des persönlichen Umfeldes doch dazu, ohne Veränderung keine Verbesserung, ist ja logisch. Wie seelischer Frühjahrsputz - schäbige alte Gardinen weg, gute neue Gardinen her.

a,rminniusx9


Es gibt Menschen, die sich in Kontakten zu anderen Menschen paradox verhalten. Die sich einerseits Kontakte wünschen, aber zugleich Angst vor diesen Kontakten haben. Die Nähe suchen, und wenn dann jemand ihnen diese Nähe geben möchten, vor der Nähe flüchten.

MhoritRzm2x7


@ all

Erst mal vielen herzlichen Dank für die Beiträge und Gedanken.

Vieles hat mir neue Sichtweise gezeigt oder zum Nachdenken angeregt.

Zum Beispiel dies:

beim Psychologen sitzen ständig Menschen, deren Wahrnehmung der Realität nicht mit den Fakten zusammen passt

In dieser Klarheit hatte ich es noch nicht gesehen.

Auch dieses :

Ich vermute auch, dass hinter ihrer nicht gemachten "Zurückeinladung" Antriebslosigkeit steckt, das ist häufig so bei Depressionen meines Wissens nach. Das heißt nicht, dass sie nicht will, sondern dass sie nicht kann, weil ihr der Antrieb fehlt.

Die Antriebslosigkeit habe ich schon festgestellt, aber einen so direkten Zusammenhang mit der Depression eigentlich nicht gesehen.

Ich glaube, das beantwortet auch einige Fragen, die hier an mich gestellt wurden: das Nichteinladen von Leuten, die sie wirklich mag und mit denen sie echt gut auskommt.

Es ist nicht nur der eine Fall, den ich geschildert habe, sondern ich kenne einige. Nur dieser schien mir besonders geeignet.

Noch zu der Frage, ob ich weiß, was sie mit ihrem Therapeuten bespricht bzw. woher ich genau weiß, was sie in Bezug auf ihre Kontaktprobleme erzählt hat.

Ich weiß fast gar nichts (scheint dazuzugehören).

Ich weiß nur, dass es sie ab und zu einfach dieses Gefühl ganz heftig überkommt: "ich habe niemanden". Ich kenne das seit einigen Jahren. Sie schildert mir dieses Gefühl dann sehr ausgiebig, alles was sie vermißt, was sie gerne hätte. Und in dieser Situation sieht sie echt nicht, dass sie durch ihr Nichteinladen ein Teil dazu beiträgt. Ich bin ja auch erst durch den geschilderten (in meinen Augen deutlichen) Fall darauf so richtig aufmerksam geworden. Da merkte ich Häufung dieser Fälle in den letzten Jahren.

Und als sie mir die Bemerkung des Psychologen sagte bezüglich ihrer alten (ex-)Freundin, da erführ ich nur, dass sie über diese Problem mit ihm geredet hatte. Und seine Bemerkung machte mir deutlich, dass sie eben ihre mangelnde Kontaktaufnahme nicht erzählt hat. Nicht um zu lügen, sie sah es in dem Moment einfach nicht.

Und daher kam meine Frage, wieweit ein Therapeut helfen kann, wenn er die Fakten falsch dargeboten bekommt.

Und aus der Vielzahl der Antworten habe ich in der Hinsicht gelernt.

Dafür noch einmal vielen Dank.

Liebe Grüße

hLapax zlhegomxenon


Die Antriebslosigkeit habe ich schon festgestellt, aber einen so direkten Zusammenhang mit der Depression eigentlich nicht gesehen.

Darf ich fragen, ob du dich einmal ganz allgemein mit dem Krankheitsbild "Depression" näher beschäftigt hast? Antriebslosigkeit ist ja ein ganz typisches Merkmal, genauso wie Unentschlossenheit ("soll ich zurückeinladen oder nicht?"). Auch wenn eine psychische Erkrankung bei jedem andere Ausprägungen hat, hilft es dir vielleicht ein paar Zusammenhänge besser zu verstehen.

S1yJd`n3ey


Es gibt Menschen, die sich in Kontakten zu anderen Menschen paradox verhalten. Die sich einerseits Kontakte wünschen, aber zugleich Angst vor diesen Kontakten haben. Die Nähe suchen, und wenn dann jemand ihnen diese Nähe geben möchten, vor der Nähe flüchten.

...davon kann ich ein Lied singen... :-/ Und durch dieses Verhalten, dessen Muster unglaublich schwer zu durchbrechen ist, geschieht zweierlei. Es wird zunehmend schwieriger Menschen zu ertagen, sprich: wenn man unter anderen ist will man entweder schnellstmöglich wieder nach Hause, oder man lässt keinen mehr zu sich, infolge dessen zieht man sich mehr und mehr zurück, mit anderen Worten: das Haus, oder die Wohnung wird erst zum sicheren Nest, später zur Festung gegen den Rest der Welt ... und irgendwann zum eigenen Gefängnis und ja, irgendwann "fühlt" man sich nicht nur alleine, sondern man ist es tatsächlich. Was ich hier so "flockig" schreibe ist eine sehr komplexe Angelegenheit und nicht zu verwechseln mit der Phobie, wenn Leute aus Angst nicht aus dem Haus gehen wollen.

Keateir80


Moritz, wenn der Psychologe nicht erkennt, daß sie ihm nicht die ganze Wahrheit erzählt, ist er seinen Job nicht wert (leider ist das allzuoft der Fall..schlimmschlimm, aber wahr).

Denn das ist doch genau seine Aufgabe: Herausfinden, was Sache ist. Du kannst ihm natürlich Hinweise geben. Aber frag dich selbst, ob das nicht ein Stück weit gleichzeitig Verrat an deiner Frau darstellt. Du nimmst ihr die Rückendeckung, die sie von dir als Partner braucht. Fürsorge hin oder her, deine Aufgabe ist, als Partner da zu sein, nicht als zweiter Therapeut. Du kannst feststellen und ansprechen. Das Recht sollte man der Kommunikation halber in jeder Beziehung haben. Aber hinter ihrem Rücken gegen sie handeln, das ist nicht gut..

Stell dir nur vor, was los ist, wenn das rauskommt. Deine Frau hat ihre (subjektiv absolut daseinsberechtigten) Gründe für ihr Tun und du kannst keine Dankbarkeit erwarten, wenn du ihr das Ruder aus der Hand nimmst.

Nimm mir das Sinnzitat nicht übel, aber schon vor 2500 Jahren hat Konfuzius festgestellt, daß man einen Menschen in dem Moment erkennen kann, wenn er anfängt zu sprechen und zu handeln. Echte Schwächen kann man nicht vollständig verbergen. Wenn man sich unsicher ist, drückt man indirekt einen Trigger. Egal wie die Person dann handelt, man kann viel über sie daraus lernen. Psychologen haben das studiert. Wenn sie das nicht wissen und anwenden können, sind sie schlechte Therapeuten. Vielleicht weiß der Psychologe deiner Frau schon wesentlich mehr, als sie selber denkt!

K@estrxa


@ Moritz

Vielleicht hab ich es jetzt überlesen, aber wie lange ist Deine Frau schon beim Therapeuten?

BUaFrba=r}a882


Ich kann Deine Frau verstehen.

Das ist eine schwierige Sache, wenn man depressiv ist, fällt es verdammt schwer auf Leute zuzugehen, auch wenn man sich Kontakt wünscht. Bei mir war es nur meist so, dass mir das halbswegs bewusst war, dass es vielleicht Leute gibt, die mit mir Kontakt haben möchten. Das hat nur nicht dagegen geholfen, dass ich mich unfähig gefühlt hab, mich bei denen zu melden.

Ich hätte das meiner Psychologin wohl immer so geschildert.

Red doch mal mit Deiner Frau darüber, warum es ihr so schwer fällt die Leute mal einzuladen, und sag ihr, dass Du da verständnis für hast.

MxorLitz2x7


Danke für alle Beiträge, machmal helfen mir auch kleine Denkanstöße.

Kater80

Du kannst feststellen und ansprechen. Das Recht sollte man der Kommunikation halber in jeder Beziehung haben. Aber hinter ihrem Rücken gegen sie handeln, das ist nicht gut..

Das habe ich nicht vor! Ich wollte hier eigentlich nur wissen (vorab), wieweit ein Therapeut auf die realen Fakten angewiesen ist. und habe gehört, dass er wohl damit umzugehen gewohnt ist, dass diese ihm nicht immer korrekt geschildert werden.

Und wenn ich mit ihm reden sollte, dann nicht hinter dem Rücken meiner Frau.

Kestra

Seit 2 Jahren, davor 3 Jahre bei einem anderen, davor 4 Jahre nichts, davor noch einige.

barbara

Ich hätte das meiner Psychologin wohl immer so geschildert.

Hier geht es um meine Angst, dass sie genau das nicht getan hat.

Red doch mal mit Deiner Frau darüber, warum es ihr so schwer fällt die Leute mal einzuladen, und sag ihr, dass Du da verständnis für hast.

Es fällt ihr nicht schwer, denke ich, das Problem ist eher, dass sie sagt: "du hast Recht, nächste Woche rufe ich die Bekannte/meine Cousine usw. an" Und dann kommt, wie hapax geschrieben hat, die Antriebslosigkeit, es wird verschoben und versickert.

K&eGstPra


Seit 2 Jahren, davor 3 Jahre bei einem anderen, davor 4 Jahre nichts, davor noch einige.

Hm :-/ Eine mögliche Erklärung wäre jetzt für mich gewesen, dass die Therapie erst kürzlich begonnen hat und der Therapeut Deine Frau erst kennen lernen muß. Ich weiß aber auch, dass es Therapeuten gibt, die eher eine Art "Kuschelkurs" fahren und niemals den Patienten fordern. Das gehört nämlich nach meiner Meinung und Erfahrung nach einer angemessenen Zeit dazu. Frage nicht, wie oft ich meine Thera auf den Mond gewünscht habe, weil sie mir unbequem wurde ;-) Eine Bekannte von mir (selbst Therapeutin) sagte mir damals, dass eine Therapie, in der der Patient immer nur mit gutem Gefühl rausgeht und nie mit Wut, auf Dauer nichts bringt

P$andcerinxe


Hallo Moritz,

als erstes, ich finde es toll, daß Du Dir so viele Gedanken um Deine Frau machst.

Ich stecke selbst in einer Depressiven Phase. Und glaube mir, ich mag im Moment niemanden einladen. Das stresst mich ungemein. Ich gehe auch ungerne weg. Aber das dann doch noch eher, denn ich weiß, ich komme dann wieder heim und hab meine Wände um mich.

Ich könnte mir vorstellen, daß Deine Frau ganz einfach einen Menschen braucht, der nicht nur Freund sondern auch ganz stark Vertrauensperson ist.

Ich habe durch einen Umzug eine enge Freundin verloren. Wir haben uns jeden Tag gesehen und zusammengesessen um zu reden - sie war meine Nachbarin - heute lebt sie ihr Leben, ich das meine. Die vertrauten Gespräche fehlen mir. Wir telefonieren, ab und an treffen wir uns auch, aber es ist nicht das selbe weißt Du.

Ich denke Du bist auf einem guten Weg Deiner Frau zu helfen! Das meiste was hier gesagt wurde, kann ich nur unterstreichen.

Sei Deiner Frau Stütze und Verständnis, führe Sie mit durch die Depri, dann habt ihr alle Chance.

Liebe Grüße und alles Gute für Dich und Deine Frau!:)*

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