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Krankhaftes Lügen

nmurhfürdixch hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen.

Ich bin 27 Jahre alt und seit meiner Kindheit lüge ich.

Ich erfinde Krankheiten, um Zuwendung und Mitleid zu erhalten, ich stelle mich in meinen Geschichten besser dar, als ich eigentlich bin. Spreche von Leistungen, die ich nie erbracht habe, erzähle, wie krank ich bin und erfinde Krankheiten, die Freunde von mir angeblich haben.

Warum mache ich das? Warum bin ich so besessen von der Aufmerksamkeit anderer?

Ich muss dazu sagen, dass ich nicht alle Menschen in meinem Umfeld belüge und bei Freunden, denen ich nicht meine Horrorgeschichten auftische, komme ich deshalb nicht schlechter an.

Ich habe Angst, dass ich irgendwann nicht mehr raus kann aus meinem Lügengespinnst und, so blöd das klingt, dass ich irgendwann (nach meinem Tod vielleicht?) dafür zur Rechenschaft gezogen werde.

Moralische Bedenken habe ich irgendwie nicht so richtig, ich weiß zwar, dass es falsch ist, was ich tu, aber das hält mich nicht vom Lügen ab.

Oft nehme ich mir vor damit aufzuhören, manchmal klappt es für eine gewisse Zeit, aber dann geht es wieder los.

Da ich das schon mein ganzes Leben lang mache, glaube ich, mittlerweile bin ich abgestumpft und das Lügen fällt mir sehr leicht.

Ich war bereits zwei Jahre lang bei einem Psychiater, habe ihm psychische Probleme vorgespielt, die ich nicht habe und ich denke, er hat mir geglaubt.

Was ich wirklich habe ist eine leichte Form einer sozialen Phobie, ich bin sehr unsicher in neuen Situationen und extrem schüchtern bei Menschen, von denen ich möchte, dass sie mich mögen (z.B. die Eltern oder Freunde eines neuen Partners).

Ich weiß, dass mir wohl nur ein guter Psychologe oder Psychiater helfen kann, aber ich musste das hier mal äußern - vielleicht der erste Schritt zur Besserung.

Bitte schreibt, wenn Euch was dazu einfällt.

Antworten
mBummxy85


vielleicht das münchhausen syntrom? (glaube das heisst so)

n4urfUürddicxh


Na, ich weiß nicht. Beim Münchhausen-Syndrom ist es doch auch so, dass zum Beispiel Mütter ihre Kinder vergiften, um so Aufmerksamkeit zu kriegen. Oder ist das dann das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom?

Außerdem denke ich nicht, dass ich ne wirkliche Krankheit habe, denn ich lüge ja bewusst.

Hm, hat sonst noch jemand was dazu zu sagen? Würd mich freuen, wenn ich hier ein paar Ideen oder Meinungen lesen könnte, zumal es nicht leicht war, das hier überhaupt zu schreiben, denn ich schäme mich schon dafür.

A4zrael-DAlkaSsar


münchhausen syndrom = krankheitvortäuschen um aufmerksamkeit zu bekommen (oft auch schädigende eingriffe in den eigenen körper). diese aufmerksamkeit ufgrund einer krankheit nennt man auch sekundärer krankheitsgewinn.

münchhausen-stellvertreter-syndrom = jemand macht seine kinder krank um aufmerksamkeit zu bekommen.

könnte eine sonderform des münchhausensyndroms sein, da du beides zwar vortäuscht aber eigentlich dich selber und andere nicht schädigst..

könnte auch sein das du unter zwanghaftem lügen leidest was dann wieder einen psychiater auf den plan rufen würde.

aber etwas positives hat es... dein gedächnis wird permanent geschult weill du dir immer merken must wem du was erzählt hast.

N1ala8U5


Es geht wahrscheinlich um reines Aufmerksamkeit gewinnen - aber du siehst ja selbst dass die Leute dich auch so mögen. Versuch länger darüber nachzudenken bevor du etwas sagst. Viele lügen weil ihnen im Moment keine interessante "Wahrheit" einfällt. Aber oft ist es besser nichts zu sagen, als zu lügen.

n`urfü?rdich


Naja, ich schädige keine anderen, aber mich selbst habe ich gelegentlich schonmal verletzt, so dass ich quasi "Beweise" vorweisen konnte. Nie was wirklich schlimmes, aber tatsächlich habe ich von manchen Aktionen heute noch Narben, die mich im Nachhinein sehr ärgern.

Dass mein Gedächtnis permanent geschult wird, ist ein eher schwacher Trost...

Dass es besser ist nichts zu sagen, als zu lügen, ist mir ja klar, aber es ist irgendwie so zwanghaft bei mir. Ich nehme mir so oft vor die Wahrheit zu sagen bzw. gar nichts und ich will das auch wirklich, aber es klappt nicht. Ich rutsche doch wieder in dieses Muster hinein. Ich bin nahezu süchtig nach den mitleidigen Blicken von anderen.

N6alax85


Ich kenn es selbst dass man manchmal übertreibt um interessanter zu wirken - und im nachhinein frag ich mich "warum sagstn sowas?"

Finde einen Weg interessant zu sein ohne krank zu sein. Mit Kranken hat man Mitleid, es macht sie abe rnicht mehr sympathisch - man will doch auch jemanden kennen der gutgelaunt ein netter Zeitgenosse ist.

Die Frage ist also: Warum willst du unbedingt interessant sein? Was ist schlimm daran nichts außergewöhnliches und mit verschiedenen krankheiten geplagt zu sein?

Ich rate dir mit einem Psychologen zu reden - ohne Lügen - wenigstens einen Menschen zu finden der dir Aufmerksamkeit schenkt auch wenn du "nur" die Wahrheit sagst.

nOurfüurdixch


Ich täusche ja nicht nur Krankheiten vor. Ich übertreibe eben auch in vielem, will kompetenter, klüger, besser, mutiger etc. wirken als ich eigentlich bin.

Viele Leute mögen mich, obwohl ich sie nicht belüge, ich weiß also, dass ich auch ohne gut ankomme.

Ich frag mich nur, wieso ich das tu. Es gibt ja eigentlich keinen plausiblen Grund, denn wie gesagt, ich werde ja auch ohne Lügen gemocht und das merke ich auch.

Und ich frage mich, wieso ich schon so früh angefangen hab damit. Schon im Kindergarten ging das los, dass ich meiner Erzieherin und Freunden Geschichten vorgelogen hab oder mir den Arm verbunden habe, weil ich angeblich verletzt bin.

SVad9'n'Mxad


@ nurfürdich

Wie reagierst du eigentlich darauf, wenn dich jemand darauf anspricht, wenn er dir eine deiner erfundenen Geschichten nicht glaubt oder sogar Indizien dafür hat, dass du gelogen hast? Das ist doch bestimmt schon mal vorgekommen, oder?

Ich frag deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich es nicht auch mit einem krankhaften Lügner zu tun habe.

Bei Interesse: [[http://www.med1.de/Forum/Beziehungen/414871/]] - ab Seite 2 geht es u. a. ums krankhafte Lügen.

Ich muss dazu sagen, dass ich nicht alle Menschen in meinem Umfeld belüge und bei Freunden, denen ich nicht meine Horrorgeschichten auftische, komme ich deshalb nicht schlechter an.

Was für Gruppen sind das denn, die du belügst? Auch eher Eltern/Freunde vom Partner, wo du quasi mehr Eindruck schinden willst? Und wieso fühlst du dich bei deinen anderen Freunden nicht dazu gezwungen zu lügen?

Also wenn du weisst, dass es falsch ist und erkennst, dass du Hilfe brauchst, bist du ja schonmal einen großen Schritt weiter wie diejenigen, die erst gar keine Hilfe in Anspruch nehmen möchten.

Ich denke auch, dass dir eine Therapie helfen könnte.

Und den Beweis, dass du auch ohne Lügen gemocht wirst, liefern dir doch schon deine Freunde, zu denen zu ehrlich bist :)z

Das mit dem etwa zu dick auftragen kenn ich auch, das mach ich aber eher selten, weil ich mir hinterher auch denk: Da hättest jetzt nicht so übertreiben müssen! Bei richtigen Lügen hätte ich zu sehr Angst, dass die Wahrheit ans Licht kommt und ich überall als weiblicher Pinocchio bekannt werde.

nnurfür[dich


Naja, also so richtig ertappt wurde ich noch nicht. Vor Jahren gab es mal ne Situation, in der mir nicht geglaubt wurde, aber es gab keine Beweise für meine Unehrlichkeit. So bin ich dann einfach strikt bei meiner Geschiche geblieben und die Sache verlief sich irgendwie.

Angst davor, dass meine Geschichten auffliegen, hab ich aber trotzdem. Obwohl ich mittlerweile recht skrupellos bin.

Ich weiß gar nicht, ob es spezielle Gruppen sind, die ich belüge. Hab darüber auch schon nachgedacht, worin sich die Menschen, die ich belüge von den anderen unterscheiden.

Also ganz enge Freunde belüge ich nicht oder nur sehr selten und eher mit "Kleinigkeiten", Arbeitskollegen beispielsweise belüge ich da schon eher. Eltern vom Partner oder auch seine Freunde und natürlich auch den Partner selbst (würde sonst auffallen) belüge ich auch.

Warum ich die einen belüge und die anderen nicht? Tja, wahrscheinlich hängt das wirklich damit zusammen, dass ich mehr Eindruck schinden möchte. Es geht mir übrigens nicht darum, gemocht zu werden, sondern tatsächlich eher um Mitleid oder auch Anerkennung. Eben dass andere sagen "Oh, die Arme" oder "Das hat sie ja super gemacht".

Ja, ich denke, ich sollte mir wirklich professionelle Hilfe holen. Allerdings ist mir das Thema sehr peinlich und ich bin mir nicht sicher, ob ich bei einem Psychologen oder Psychiater zu diesem Fehler stehen könnte.

S@a7d'in'Maxd


Kann ich verstehen. Als ich damals wegen SVV zum Psychologen gehen sollte, war mir das auch total unangenehm. Überhaupt war es mir vor anderen Leuten sehr, sehr unangenehm. Es war dann aber gar nicht mal sooo schlimm. Such dir einen Psychologen der dir sympathisch ist und dem du vertrauen kannst!

Mein erster war ein Rindvieh, da war ich dann auch nur einmal, der zweite echt nett, da fiel mir dann auch das erzählen nicht sonderlich schwer!

Vielleicht hilft es dir, alles erstmal vorab telefonisch zu schildern? Wenn man dabei keinem in die Augen sehen muss, fällt das erste Erzählen vielleicht leichter?!

So bin ich dann einfach strikt bei meiner Geschiche geblieben und die Sache verlief sich irgendwie.

Hm, blöde Frage, aber wie denkst du hättest du reagiert, wenn man Beweise gehabt hätte?

Ich selbst habe keine wirklich konkreten, ich denke, er könnte sich bei allen rausreden, aber ich weiss auch nicht, ob ich ihn so direkt damit konfrontieren soll/kann/darf :-/ Und ob das überhaupt was bringt... (und noch weiss ich ja gar nicht sicher, ob er lügt oder es am Ende halt doch zu ganz vielen, sehr seltsamen und teils unglauwürdigen "Zufällen" kam und ich ihm Unrecht tu...)

Er geht oft eben nicht auf meine Frage diesbezüglich ein. Und es waren auch viele seltsame Geschichten dabei, auf die es normal Mitleid (Verletzungen/Krankheit, Schicksalschläge) oder Anerkennung hagelt (Geld, Reisen, Erfahrungen, etc).

Sorry dass ich jetzt vom Thema abkomme, aber ich versuche gerade alles um sein Verhalten zu ergründen und du als selbst Betroffene kannst mir hier vielleicht mehr sagen.

n^ur~fürdxich


@ Sad´n´Mad:

Hab Dir in Deinem Faden geantwortet.

Der Vorschlag alles erstmal telefonisch zu besprechen ist sehr brauchbar. Ich denke, das würde mir bedeutend leichter fallen, wenn ich den Gesprächspartner erstmal nicht sehen kann und (was noch viel wichtiger ist) er mich auch nicht.

Ich finde, gerade Lügen ist so eine Sache. Jeder Mensch lügt schon mal, aber eben nicht so extrem wie ich. Und die meisten Menschen haben von kleinauf gelernt, dass Lügen sich nicht gehört, dass es schlecht und unmoralisch ist. Ich auch, aber ich sehe trotzdem irgendwie darüber hinweg.

Ich hasse es übrigens selbst, wenn ich merke, dass ich belogen werde. Ich bin dann sehr verletzt und enttäuscht. Dasselbe tu ich ja anderen auch an bzw. setze sie der Gefahr aus. Das will ich doch eigentlich gar nicht, ich will niemandem wehtun, aber ich nehme es in Kauf.

Manchmal denke ich, ich bin einfach irgendwie ein schlechter Mensch.

NTalan85


Du bist kein schlechter Mensch - du kennst dein Problem und willst es lösen. :)^

Scad'^n'Ma\d


Lügst du eigentlich nur wenn du dich unsicher fühlst?

Was mir auch noch einfällt, hast du dich schon mit anderen Betroffenen ausgetauscht, die das mit dem Lügen vielleicht irgendwie in den Griff bekommen haben?

Im Endeffekt schadest du dir damit halt in erster Linie selbst, zumindest, wenn es rauskommt.

Einen Menschen mit - sagen wir einfach mal Waschzwang - würdest du doch auch nicht als schlechten Menschen sehen. Klar ist es für die Belogenen irgendwo scheisse und als nicht Betroffener kann man das wohl auch nicht richtig nachvollziehen, was dich da reitet, aber du scheinst das nicht mit böser Absicht zu tun.

Wünsch dir jedenfalls viel Glück bei der Suche nach dem passenden Psychologen und alles Gute! :)*

So, und nu' guck ich mal in meinen Thread :)

nsurfürdxich


Ich hoffe, ich finde den Mut dazu!

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