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Morgen lebe ich wieder

iCchweiKssRnixx hat die Diskussion gestartet


Morgen fange ich an.

Ich räume mein Leben auf, dieses unglaubliche Chaos. Ich freue mich schon darauf. Ich muß mein Auto reparieren. Wenn ich mein Auto repariert habe, kann ich endlich wieder meine Freunde besuchen, die alle hunderte von Kilometern enfernt wohnen. Sie rufen mich zwar fast nie an, es sind aber die einzigen wirklichen Freunde, die ich noch habe.

Bevor ich mein Auto reparieren kann, muß ich aber zuerst meine Wohnung aufräumen. Mich von diesem unnütz herumliegenden Ballast befreien. Ebay. Seit Jahren will ich den Kram da endlich verkaufen, völlig egal, wenn nur ein paar Euro dabei herauskommen. Allerdings muß ich dafür erst meinen Schreibtisch aufräumen und endlich den Scanner anschliessen, den ich extra vor 3 Jahren zum scannen verschiedener Sachen - auch für ebay - gekauft habe. Genauso wie die kleine Digicam. Immer eins nach dem anderen. Vielleicht sollte ich zuerst mal Geschirr abwaschen und die Küche aufräumen. Wäsche waschen müsste ich auch. Kleider und Schuhe flicken, damit ich überhaupt halbwegs vernünftig angezogen wieder unter Menschen gehen kann. Neue sind zu teuer, dafür reicht das Geld nicht. Ich bräuchte einen Job, möglichst anspruchslos, mit höheren Anforderungen werde ich nicht klar kommen. Aber wie soll ich mich bloß mit meinem kaputten Lebenslauf bewerben, keine Ahnung, wie ich den erklären soll. Ausserdem ist mein Drucker kaputt, Bewerbungsfotos bräuchte ich auch, und dafür müsste ich vorher noch zum Friseur gehen. Ich weiss nicht mehr, in welche Richtung ich mein Leben noch bewegen soll. Ich weiß nicht, wohin ich zuerst fahren will, wenn ich mein Auto endlich repariert habe. Vielleicht doch zuerst ans Meer, wer weiß schon, ob ich nochmal die Gelegenheit dazu habe. Vielleicht bin ich bald wieder zu krank. Ich will mich eigentlich nicht nochmal operieren lassen, die erste Operation war schon schlimm genug. Bestimmt haben Sie nicht alles entfernt, ich bin mir sicher, das ich wieder einen Tumor habe. Vielleicht hat es diesesmal auch schon gestreut, es würde zu allem anderen passen. Kurz nach Mitternacht, am 1.1.2008 hatte ich diese verdammte Vorahnung für 2008, Krankheit und Tod. Knapp 3 Wochen danach wurde der Tumor entdeckt, 2 Monate später die Operation, die Komplikationen, die Reha, Hoffnung, ein kleines bisschen Lebensfunke, nur um nach der Rückkehr wieder in ein noch tieferes Loch zu fallen. Es gibt scheinbar in meinem Leben doch immer nur wieder die eine Richtung, abwärts, negativ. Manchmal überkommt es mich krampfhaft, die ganze Hoffnungslosigkeit, dann muß ich weinen, kurz, es geht immer schnell vorbei, es hört ja niemand, es ist keiner da. Die Schmerzen sind nicht so schlimm, sie sind immer wieder da, bringen sich in Erinnerung. Wenn nur dieses elende Chaos um mich herum nicht wäre. Wenn ich ein funktionierendes Bad hätte, mit einer Dusche oder besser einer Badewanne, und nicht nur dieses verdammte Waschbecken. Ich vermisse es, mich duschen zu können, manchmal ekele mich so unglaublich vor mir selbst. Wenn ich nur endlich wieder genug Geld zusammenbekäme, um mir die Kaution für eine Mietwohnung leisten zu können. Aber wie soll ich dann die Miete bezahlen, ohne Job- schlimm genug, das ich mit diesem Chaos und der Krankheit zum Hartz4 Empfänger geworden bin, ich bin nicht stolz darauf. Wie soll ich so bloß einem Vermieter gegenübertreten, ohne ihm gleich meine ganze Lebensgeschichte zu erzählen, und vor allem, ohne ihm von der Krankheit zu erzählen- das gleiche Problem wie bei einem potentiellen Arbeitgeber - warum sollte mich jemand einstellen, wenn die Gefahr droht, das ich von einem Tag auf den anderen krankheitsbedingt ausfalle. Ich würde mich unter der Vorraussetzung im Leben nicht einstellen. Ich wache morgens auf und versuche irgendwie in den Tag hineinzukommen. Internet habe ich erst seit ein paar Wochen wieder, ich hatte große Hoffnungen, damit endlich wieder etwas aus meiner Isolation herauszukommen, mich wieder zu etwas mehr motivieren zu können. Der feste Vorsatz, endlich den Ballast bei ebay loszuwerden- und ich kriege es einfach nicht auf die Reihe. Stattdessen habe ich bisher nur Geld ausgegeben, kein bisschen Chaos beseitigt. Ich weiss nicht, warum ich mich überhaupt unters Messer gelegt habe, vorher war ich schmerzfrei- nur dieser blöde Gedanke, das ich es später vielleicht bereuen könnte, es nicht wenigstens versucht zu haben. Aus der heutigen Sicht, 8 Monate später, bereue ich es zutiefst, mein Leben nicht vorher ein wenig geregelt zu haben. Nach der Operation war ich dazu nicht in der Lage, jetzt weiss ich nicht mehr, wo ich anfangen soll. Es wird nicht besser. Mein Leben ist wie ein schlechter Film, ein einsamer Horrortrip, mit sehr kurzen Lichtblicken, nur um danach wieder noch tiefer in der Scheisse zu sitzen. Ich kriege es einfach nicht in den Griff.

Antworten
ODptimisxmus


Ich weiss nix

:°_ Ein riesen Berg und kein Weg nach oben in Sicht. Das gibt es manchmal im Leben und es fühlt sich furchtbar an. Aber es gibt einen Weg - zur Not den, den Du selber bauen willst. Du hast ja schon erkannt, womit Du anfangen könntest.

Wie wäre es mit den ganz kleinen einfach Dingen. Du sprichst von Krankheit und Tumor. Gibt es da noch eine Nachsorge/Therapie? Wie wäre es mit einem Besuch bei einem Therapeuten? Hast Du Dir das mal durch den Kopf gehen lassen?

Versuche doch für heute einfach mal, das Geschirr zum Beispiel abzuwaschen und abzutrocknen. Das ist immer ein guter Anfang. Vielleicht kannst Du es mit musikalischer Begleitung machen? Radio oder so? Ich finde immer, mit Musik geht alles leichter.

Ich schicke Dir jetzt erst mal ein bisschen Kraft, damit Du den Abwasch bald erledigt hast. Das grössere kommt später. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

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i#chwe1issnLixx


Optimismus- schöner Name.

Mein Eröffnungstext ist ein wildes Durcheinander, so wirr und ohne Absätze.

Ein riesen Berg und kein Weg nach oben in Sicht. Das gibt es manchmal im Leben und es fühlt sich furchtbar an. Aber es gibt einen Weg - zur Not den, den Du selber bauen willst.

Kleine Schritte, mir fehlt bloß die entscheidende Freude zum anfangen, die kleinen Schritte tragen mich nicht weit. Die Gedanken ziehen mich immer wieder runter, die Angst vor der Zukunft- ausser dem angedeuteten umgeben mich noch andere Probleme, die ich noch nicht akut aber bald lösen muß- ich weiß genau, was kommt, kann es aber nicht verhindern, auch wenn das jetzt etwas sehr vage ist.

Meine eigene Krankheit hat mich zwar überrascht, aber nicht umgehauen (noch nicht) - ich hatte nur schon vor der Diagnose Probleme en masse. Ich habe zuviel negatives angesammelt, da fehlt das Gegengewicht. Das Problem mit der Krankheit ist auch, das ich schon bald nach der Operation keinen so kranken Eindruck mehr abgegeben habe- auch wenn es mir jetzt körperlich und psychisch nicht gut geht, ich wirke nach aussen nicht so krank und kann auch meinem Hausarzt kaum vermitteln, wie es mir geht- ich kann das nur schlecht beschreiben, nur soviel, ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich zu ihm gehe und sage, das es mir schlecht geht. Ich komme mir dabei so mitleidheischend vor. Die Schmerzen sind im Vergleich zur Anfangsphase nach der Operation minimal, aber immer da. Ich müsste jetzt zur Nachsorge, will aber nicht- wenn sich meine Ahnung bestätigen sollte, müsste ich mich dann erneut operieren lassen. Davor würde ich aber gern wenigstens noch etwas mehr leben, auf die eine oder andere Art einige positive Erinnerungen sammeln - wie sehr die nötig sein können, habe ich beim ersten Mal festgestellt, bloß fehlt mir die Kraft, um die Vorraussetzungen dafür zu schaffen, stattdessen sitze ich hier umgeben von meinen Trümmern. Ich denke schon so lange, das ich mich nur aufraffen muss, die Zeit vergeht, und ich schaffe es einfach nicht.

bKlue_ velvxet


denke doch mal daran, wie Du Dich in Deinem Zuhause fühlen würdest, wenn es aufgeräumt und ordentlich wäre! Such Dir einen Gegenstand, der Dir besonders gut gefällt und der etwas mit einem ordentlich aufgeräumten Zuhause zu tun hat. Stell Dir den Gegenstand so hin, dass Du ihn immer siehst. Dann mach Dir eine Liste mit allem, was Du nach und nach erledigen möchtest. Dein erster Schritt ist die Liste. Dann erledige, wonach Dir der Sinn steht. Jeden Tag nur einen Punkt. Das reicht. Streich den Punkt dick durch auf der Liste. Wenn Du keine Lust hast, schau den Gegenstand an und verknüpf wieder Deine Gedanken, wie schön und lebenswert es in einem aufgeräumten und ordentlichen Zuhause wäre.

Wie wäre es, wenn Du zum Duschen in ein öffentliches Bad gehst? Danach fühlst Du Dich sicher gleich besser. Und dann gehst Du zur Nachuntersuchung! Stell Dir mal vor, der Arzt sagt, alles ist in Ordnung! Du hast eine 50% Chance! Hab Mut!!

F;lockDe-80


Du bist schon viel zu weit gegangen um jetzt aufzugeben!

Was mich erschüttert: Wieso läßt man dich 2 Monate mit einem Tumor rumlaufen ehe man ihn operiert ??? Das geht doch eigentlich ruck zuck mit der OP.

Das sowas einen fertig macht ist doch klar.

Gehe unbedingt zur Vorsorge, da wird nichts sein und du bsit beruhigt. Auch kann ich mir nicht vorstellen das die Ärzte einen Teil vergessen haben :)z Nur Mut!

Oopti'mismuxs


Ich weiss nix

Weisst Du - ein Tumor hat immer einen tieferen Sinn. Er frisst sich in Dich hinein. Lass nicht zu, dass er Dich auffrisst - und lass nicht zu, dass es das Chaos tut.

Geh zur Nachsorge - Was war es denn für ein Tumor? Magst Du darüber was erzählen? Vielleicht fällt mir ja dazu was ein.

Hast Du ein Telefon? Vielleicht könntest Du ja als ersten Schritt jemanden aus Deinem Freundeskreis, der weiter weg wohnt mal anrufen. Möglicherweise kommt ja auch jemand mal zu Dir? Und wer weiss, vielleicht helfen sie ja ein bisschen bei der Chaosbeseitigung? Freunde sind auch für einen da, wenn man nicht himmelhochjauchzend ist.

Die Idee mit der Streichliste und dem Duschen woanders finde ich übrigens gut. Wo wohnst Du denn, dass es da keinerlei Duschmöglichkeit gibt?

i4chqweisxsnix


denke doch mal daran, wie Du Dich in Deinem Zuhause fühlen würdest, wenn es aufgeräumt und ordentlich wäre! Such Dir einen Gegenstand, der Dir besonders gut gefällt und der etwas mit einem ordentlich aufgeräumten Zuhause zu tun hat. Stell Dir den Gegenstand so hin, dass Du ihn immer siehst. Dann mach Dir eine Liste mit allem, was Du nach und nach erledigen möchtest. Dein erster Schritt ist die Liste. Dann erledige, wonach Dir der Sinn steht. Jeden Tag nur einen Punkt. Das reicht. Streich den Punkt dick durch auf der Liste. Wenn Du keine Lust hast, schau den Gegenstand an und verknüpf wieder Deine Gedanken, wie schön und lebenswert es in einem aufgeräumten und ordentlichen Zuhause wäre.

Das ordentlich aufgeräumte Zuhause ist meine Idealvorstellung, die ich nie erreicht habe. Ich wohne derzeit mietfrei ziemlich beengt in einem unsanierten Altbau, daher kein Bad - eigentlich war das vor der Erkrankung (vor der Diagnose) nur als absoluter Notbehelf gedacht, für einige Wochen. Mit öffentlichen Bädern sieht es an meinem Wohnort schlecht aus, es gibt nur noch ein Erlebnisbad mit elend teurem Eintritt, ausserdem fühle ich mich nicht fit genug, um so unter Leute zu gehen, dazu kommt noch die Narbe.

Ich wollte umziehen und hatte eine neue Arbeitsstelle, bin nur wegen einer vermeintlichen Bagatelle zum Arzt gegangen. Das ging alles Schlag auf Schlag. Wenn ich geahnt hätte, wie sich das alles weiterentwickelt, wie lang ich nach der OP brauche, bis es mir wieder annähernd "gut" geht... ich wusste es eben nicht, es waren meine ersten Operationen, die Ärzte sprachen von 6 Wochen Rekonvaleszenz, ich habe vorher die falschen Fragen gestellt, hatte keinen Internetanschluss und wollte mich in der Annahme, das es eh nichts bringen würde auch nicht zu weitgehend mit der anstehenden OP auseinandersetzen. War ein Fehler.

Was mich erschüttert: Wieso läßt man dich 2 Monate mit einem Tumor rumlaufen ehe man ihn operiert ??? Das geht doch eigentlich ruck zuck mit der OP.

Die Verzögerung zwischen Erstdiagnose und der eigentlichen OP- ich bin 2 mal operiert worden, das erste war ein kleinerer Eingriff, da es einen Verdacht auf eine Metastase gab.

Weisst Du - ein Tumor hat immer einen tieferen Sinn. Er frisst sich in Dich hinein. Lass nicht zu, dass er Dich auffrisst - und lass nicht zu, dass es das Chaos tut.

Mein Leben ist schon sehr lang vom Chaos bestimmt, nur Streß, wenig von Bestand. Die Krankheit hat mich zu einem ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Zur Art des Tumors- es ist relativ selten, ohne es beim Namen zu nennen, aber vom Durchschnittsalter der Erkrankten bin ich noch 30 Jahre entfernt. Die 5 Jahres-Prognose liegt bei 80%, also relativ gut.

Hast Du ein Telefon? Vielleicht könntest Du ja als ersten Schritt jemanden aus Deinem Freundeskreis, der weiter weg wohnt mal anrufen. Möglicherweise kommt ja auch jemand mal zu Dir? Und wer weiss, vielleicht helfen sie ja ein bisschen bei der Chaosbeseitigung? Freunde sind auch für einen da, wenn man nicht himmelhochjauchzend ist.

Mein Freundeskreis, so man es denn so nennen will, besteht aus einer handvoll Menschen, die alle selbst ihre Päckchen zu tragen haben. Wir haben über meine Erkrankung gesprochen, sie haben mich im Krankenhaus angerufen. Der Kontakt ist auch weil ich länger keinen Internetanschluß hatte etwas spärlich geworden. An meinem derzeitigen Wohnort steh ich alleine da. Ich schäme mich auch sehr für meine Erstarrung, wie soll ich das jemand vermitteln, Freund hin oder her- besucht hat mich von denen keiner, aber da liegen halt auch wirklich weite räumliche Entfernungen dazwischen, Zeit- und Geldprobleme, und ehrlichgesagt möchte ich auch an meinem derzeitigen Wohnort nicht besucht werden, die Wohnung taugt kaum dazu, mal abgesehen vom Chaos. Ich muss das selbst in den Griff bekommen.

OAptiFmisAmuxs


Ich weiss nix

Ich muss das selbst in den Griff bekommen.

Warum "musst" Du das? Geteilte "Arbeit" ist halbe Arbeit. Und deswegen bist Du noch lange kein/e Versager/in. Niemand muss etwas alleine tun, wenn es für eine Person zu gross ist. Hilfe anzufordern und anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist die Stärke zu sehen, dass etwas gehen muss, das ohne Unterstützung eben nicht gehen würde.

dazu kommt noch die Narbe

Ist sie denn so offensichtlich entstellend? Diese Narbe wird zu Dir gehören. Dass so etwas schwer ist zu akzeptieren kann ich gut verstehen, aber man kann auch Narben heutzutage so gut nachbehandeln, dass sie kaum mehr sichtbar sind und auch die Funktionalität des betreffenden Körperteils kaum mehr einschränken. Das erlebe ich gerade live an meinem eigenen Körper. Vieles ist möglich. Und auch Menschen mit Narben sind durchaus liebenswert. Wusstest Du, dass mancher Seemann früher eine Kampfnarbe mit einem eingelegten Haar an der direkten Heilung gehindert hat, um "besser" auszusehen? Kaum zu glauben, aber wahr. Ich habe mal einen Bericht dazu gelesen. Die heutige Gesellschaft hat sich aber so auf angebliche Makellosigkeit versteift, dass ein Abweichen von der vermeintlichen Norm schon fast als Schande angesehen wird. Aber weisst Du - wir alle haben irgendwo unsere Narben. Das sind Spuren des Lebens.

Das Chaos in Deinem Leben - hmmm. Ich versuche mir ein Bild zu machen, aber es gelingt mir nur schwer. Liegt da einfach viel herum, das nicht an seinen angestammten Platz zurückgefunden hat oder leidest Du an einer Art Messie-Syndrom? Hast Du noch Eltern oder Geschwister, die Dir vielleicht Unterstützung bieten könnten?

die kleinen Schritte tragen mich nicht weit

Doch das tun sie, wenn Du einen nach dem anderen machst. Und bei den kleinen Schritten wird auch nichts übergangen oder vergessen.

Kleine Schritte, mir fehlt bloß die entscheidende Freude zum anfangen

Da steckt wohl die Wurzel drin. Womit anfangen und wieso genau damit.... Prioritäten sind nicht ganz unwichtig im Leben, das ist schon richtig. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass Deine Priorität weniger beim "wo" und "was" sind, als vielmehr überhaupt irgendwo anzufangen. Liege ich da richtig?

Wenn ich durchgehangen habe, hat mir immer ein Spaziergang an der frischen Luft geholfen. Der kostet nichts und ist gut durchzuführen. Das hat mein Hirn gelüftet und ich konnte wieder klare Gedanken fassen. Und so habe ich Schritt für Schritt - teilweise auch mit Gänsefüsschen - meinen Weg begonnen. Und ich bin schon ein grosses Stück weiter und die Schritte sind auch viel sicherer geworden. Wenn ich das konnte, dann kannst auch Du das schaffen. Was könnte denn ein erster Schritt bei der Chaosbeseitigung sein? Es kann auch ein ganz kleiner sein.

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icchweisSsnix


Optimismus-

Danke für deine Antworten. *:) Meine Probleme liegen tiefer, mir ist das heute erst wieder richtig bewusst geworden, obwohl ich es eigentlich schon lange weiß, aber zeitweise nicht wahrhaben will.

Ich lebe ich seit langem ein bestimmtes Muster, das sich immer wiederholt- der Fall in Depressionen, auch schon unter viel besseren Vorraussetzungen. Manchmal habe ich es dennoch geschafft, mich irgendwie durchzuwurschteln, viel öfter bin ich aber daran gescheitert - ganz abgesehen von körperlichen Problemen. Das ist so ein Zyklus, ich habe in den letzten 15 Jahren einige Neuanfänge hinter mir, jedesmal dachte ich, diesmal schaffst du es- nur um dann doch wieder abzustürzen, aus dem einen oder anderen Anlass.

Dann geht mir die Fähigkeit zur Selbstreflexion auf einmal verloren, die Perspektive verzerrt sich, ich falle in ein Loch, Depression. Ich muß es jetzt und hier schaffen, da hilft mir erstmal auch kein weiterer Umzug, keine Flucht. Ich bemühe mich jetzt, habe angefangen- erstmal mit Geschirr abwaschen, aufräumen und Wäsche waschen. Heute kam überraschend ein Paket von alten Freunden, über das ich mich sehr gefreut habe. Es geht mir etwas besser...

O9pti?mismxus


Ich weiss nix

Ich weiss, dass da tiefere Probleme vorhanden sind. Aber betrachten wir es doch wie beim Sport - beginne mit etwas Leichtem und steigere langsam das Training. Berge versetzen kommt später dran ;-)

Das war doch schon mal ein sehr guter Anfang. Was meinst Du, wäre es gut, wenn Du ab heute einfach jeden Tag Dein Geschirr abwaschen könntest? Probier's einfach mal.

Siehst Du, Deine Freunde sind nicht weg! Ich wusste es, drum sind es ja Freunde. Nimm Kontakt mit ihnen auf. Zusammen geht vieles leichter.

:)*

iRch;weissn ix


Das war doch schon mal ein sehr guter Anfang. Was meinst Du, wäre es gut, wenn Du ab heute einfach jeden Tag Dein Geschirr abwaschen könntest? Probier's einfach mal.

Entschuldige, aber so ungewöhnlich ist mir die Vorstellung nicht - ich hatte früher mal ein geregeltes Leben. Arbeit, Beziehung, Gesundheit, "Normalität", Hoffnungen, Pläne und Wünsche für die Zukunft, ist mir alles nach und nach abhanden gekommen.

Siehst Du, Deine Freunde sind nicht weg! Ich wusste es, drum sind es ja Freunde. Nimm Kontakt mit ihnen auf. Zusammen geht vieles leichter.

Sie sind zwar nicht weg, aber so verstreut, in eigenen Problemen verstrickt. Ich kann da auch nicht von "einem" Freundeskreis sprechen, die meisten kennen mich aus früheren Lebensphasen, eben anderen Wohnorten- mir sind von jedem Wohnort der letzten 15 Jahre ein paar erhalten geblieben, wir telefonieren ab und zu, sehen uns viel zu selten, und eigentlich bin ich bei den meisten der gewesen, der den Kontakt aufrechterhalten hat. Viele Igeln sich in ihrer Kleinfamilie ein, das ist ja auch ok so- wenn mir vor langer Zeit meine damalige Beziehung nicht in die Brüche gegangen wäre, würde ich mich jetzt wahrscheinlich genauso verhalten.

Zusammen hört sich gut an, aber räumliche Entfernungen machen es nicht einfacher. Mir fehlt der Alltag, mal eben auf einen Kaffee vorbeikommen... ich bin zuviel allein und fühle mich derzeit auch zu minderwertig, um neue Kontakte zu suchen.

Olptirmismus


Ich weiss nix

Dein Selbstwertgefühl wird steigen, wenn Du Dir wieder Gutes gönnen kannst. Sei es stets sauberes Geschirr im Schrank zu haben oder auch was anderes.

Was genau war denn der Grund für Deinen Absturz? Welchen Beruf hast Du gelernt?

iWchweiyssnxix


Den einen Grund gibt es nicht, es war eine Abfolge von Fehlentscheidungen.

Die falsche Frau kennengelernt, verliebt, in die falsche Stadt gezogen, eine falsche - schlechte - Ausbildung gemacht. Statt rechtzeitigem Ausbildungswechsel stumpf bis zum Ende durchgehalten, entgegen besserem Wissen (Hauptsache abgeschlossene Ausbildung).

Dann für den falschen Arbeitgeber entschieden. Die Beziehung zerbrach, Sie liebte mich nicht mehr. Zwei Jahre frustrierende Arbeit an wechselnden Orten, kein Privatleben mehr, Depression, Arbeitslosigkeit, zweiter Bildungsweg. Studium 1 - abgebrochen wegen schwerer Erkrankung eines Elternteils. Überstürzter Fach- und Uniwechsel mit Umzug, um nach kurzer Zeit festzustellen, das mich der neue Studiengang inhaltlich überfordert. Beim 3. Versuch an einer FH ging mir das Geld aus, ich fand keinen Job und hatte da auch schon psychische Probleme. Abbruch (eigentlich Unterbrechung) des Studiums, um Geld zu verdienen. Ich hatte endlich eine Jobzusage, da kam die Tumordiagnose. Das ist die Kurzfassung für elf Jahre Leben, einiges fehlt. Ich verstehe es selbst nicht.

Irgendwie irre - ich schliesse mich davon aus, jemals wieder eine Beziehung zu haben. Wenn ich jemand liebe, der mich wiederum liebt- wenn es meinem Begriff von Liebe entspricht, wie kann ich es dann zulassen geschweige denn erwarten, das derjenige mich bei einem vielleicht krankheitsbedingten frühen Tod begleiten muß. Ich würde selbst daran leiden, wie sehr es den anderen belastet, mich leiden zu sehen...

OJptCim8ismrus


Ich weiss nix

Da kommt ja einiges zusammen. Lass mal überlegen.... :-/ Ich bin der festen Überzeugung, dass alles (auch das Schlechte) im Leben für irgendetwas gut ist.

Feststellung 1: Du bist intelligent, sonst könntest Du nicht auf eine Uni

Feststellung 2: Du verfolgst konsequent ein Ziel, sonst hättest Du die Ausbildung nicht zu Ende gebracht.

Feststellung 3: Du hast Verantwortungsbewusstsein, sonst hättest Du Dich nicht um Deinen Elternteil gekümmert.

Feststellung 4: Du bist flexibel, sonst hättest Du all diese Wechsel gar nicht machen können.

Wahrscheinlich liesse sich noch mehr Gutes finden. Wichtig ist jetzt mal Deine Fähigkeiten abzuklappern um zu einer realen Perspektive zu kommen. Was kannst Du gut? Was machst Du gerne? Wovon träumst Du?

Dass Du früh sterben wirst, ist noch nicht amtlich. Geh mal wieder zum Arzt und schau, welche Möglichkeiten es denn genau gibt und wie Dein momentaner Gesundheitszustand überhaupt ist - körperlich gesehen.

Dass die Psyche irgendwann streikt, ist für mich eigentlich eine logische Schlussfolgerung bei all den Belastungen. Würdest Du Dir erlauben, Deiner Psyche auch eine gute Therapie zu gönnen?

Und dass Du Dich in die "falsche" Frau verliebt hattest, ist zwar auch nicht schön, aber auch das kommt vor. Ich habe sogar die falsche Person geheiratet. War auch nicht leicht.

Was meinst Du dazu? Es gibt immer einen Weg.

idchwfeispsnix


Die letzten Wochen waren ziemlich daneben, ich wollte hier einige Male etwas schreiben, es fällt mir schwer.

Was kannst Du gut? Was machst Du gerne?

Was kann ich gut? Ich komme mir ziemlich unfähig vor. Ich kann eigentlich nichts richtig. Berufliche Perspektiven - Handlanger, angelernte Tätigkeiten. Mein ursprünglicher Beruf scheidet aus. Bewerbungen bei Zeitarbeitsfirmen ergaben null Echo, vermutlich wegen zu langer Berufslosigkeit - der zweite Bildungsweg als Sackgasse und Lücke im Lebenslauf, ausser dem Abitur hat er mir keine weiteren (belegten) Qualifikationen gebracht.

Ich würde gerne in einem festen Rahmen arbeiten, einer kleinen Firma, mit netten Kollegen, ohne übermässigen Streß und ohne jeden Tag ewig weit fahren zu müssen - auch als Handlanger, Geld ist kein Maßstab für mich, meine Ansprüche sind nur noch gering.

Wovon träumst Du?

Wieder ein funktionierendes Sozialleben zu haben. Die soziale Verwahrlosung, fehlender Alltag (die einfachen Fragen - wie entwickelt sich dein Leben, aktuell - was machst du, um wieder ins Leben zurückzukommen) von anderen - etwas Druck und Hilfe. Ich würde gerne mit jemand anders zusammen Reisen, mir noch etwas Europa ansehen.

Dass Du früh sterben wirst, ist noch nicht amtlich. Geh mal wieder zum Arzt und schau, welche Möglichkeiten es denn genau gibt und wie Dein momentaner Gesundheitszustand überhaupt ist - körperlich gesehen.

Die Frage wird in den nächsten Tagen beantwortet. Ich war gestern im Kernspin und habe kein gutes Gefühl dabei - muß jetzt die Ergebnisse abwarten.

Dass die Psyche irgendwann streikt, ist für mich eigentlich eine logische Schlussfolgerung bei all den Belastungen. Würdest Du Dir erlauben, Deiner Psyche auch eine gute Therapie zu gönnen?

Psychologen und Psychiater - bis jetzt habe ich noch die Möglichkeit, in gewissem Rahmen selbst über mein Leben (und sterben) zu bestimmen. Als ich Anfang des Jahres die Tumordiagnose bekam und zu dem Arzt sagte, das ich Zeit - ich sprach von 3 Wochen - bräuchte, um mein Leben wenigstens etwas zu regeln, war seine Antwort eine indirekte Drohung mit einer gerichtlichen Anordnung (ich könnte ja einen Hirntumor haben...). Wie schnell in Deutschland eine Betreuung (Entmündigung) angeordnet wird, habe ich im Bekanntenkreis (im nachhinein, ging sehr schnell) mitbekommen. Da reicht der Verdacht auf Tendenzen zur Selbstschädigung - sich nicht unmittelbar nach einer Diagnose behandeln zu lassen gehört offenbar dazu. Ich misstraue der absoluten Urteilsfähigkeit der Gutachter und mag mich nicht in die Gefahr einer solchen Untersuchung begeben.

Und dass Du Dich in die "falsche" Frau verliebt hattest, ist zwar auch nicht schön, aber auch das kommt vor. Ich habe sogar die falsche Person geheiratet. War auch nicht leicht.

Klar kommt das vor, andauernd. Die meisten kommen mit solchen Brüchen in ihrem Leben auch irgendwie klar und machen weiter, lernen jemand anders kennen, verlieben sich neu- das habe ich nicht geschafft, in der Beziehung bin ich damals (seitdem) hängengeblieben. Scheidungskind, harmoniesüchtiges Arschloch, unfähig mit dem Trennungsschmerz umzugehen. Die Trennung kam aus heiterem Himmel, wie ein Unfall, und ohne Erklärungen.

Ich habe danach ein paar Frauen kennengelernt, die an mir interessiert waren, aber sobald auch nur ansatzweise mehr als Freundschaft daraus wurde, zog ich mich zurück, bewusst. Warum? Komplexe, fehlende Ahnung von mehr Gefühlen bei mir, Zweifel, ob es eine gemeinsame Perspektive geben könne, unterschwellig auch Angst, sich wegen der (noch) fehlenden tieferen Gefühle ihnen gegenüber unfair zu verhalten. Es nicht wenigstens zu versuchen war ein grober Fehler. Seit 11 Jahren lebe ich ohne körperliche Nähe, geschweige denn Sex. Es fehlt mir, neben soviel anderem. Ich brauche Ewigkeiten, um Frauen soweit kennenzulernen, das ich mir eine Beziehung mit ihnen vorstellen kann - zu lang. Aus meiner derzeitigen Situation heraus brauche ich da eh nicht mehr dran zu denken.

Ende dieser oder Anfang nächster Woche müsste die Ergebnisse der Nachsorgeuntersuchungen vorliegen, ich rechne mit dem Schlimmsten, falls es anders kommt, kann ich wieder in eine mögliche Zukunft planen. Abwarten.

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