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Unterschied Manisch-Depressive Störung vs. Borderline

f)cbstHefafxi hat die Diskussion gestartet


Hallo!

ich habe interessehalber hier in der Psychologie-Abteilung einige Beiträge durchgelesen und mir ist folgende Frage aufgekommen: was sind die Unterschiede zwischen einer manisch-depressiven Erkrankung (bipolare Störung heißt das glaube ich auch) und Borderline? Wie kann man die beiden auseinanderhalten?

Denn ich habe irgendwie gelesen, dass auch bei Borderline depressive Phasen auftauchen, wie vor/nach einer manischen Phase bei der bipolaren Störung.

Ich hoffe, da kennt sich jemand aus und kann mich diesbezüglich aufklären ;-D

Viele Grüße,

Antworten
S/ilbxer


Borderline ist eine Persönlichkeitsstörung, die bipolare Störung jedoch nicht.

Die bipolare Störung "beschränkt" sich quasi auf die Manien und Depressionen, wobei es da verschiedene Typen gibt (manche haben z.B. einmal pro Jahr eine manische Phase und einmal pro Jahr eine depressive Phase, es gibt aber auch sogenanntes Rapid Cycling, bei dem sich die Phasen viel schneller abwechseln). Manien äussern sich unterschiedlich; manche werden aggressiv, andere sind einfach masslos überdreht mitsamt Kontrollverlust (z.B. anderen Leuten Geld schenken, oder irgendwas kaufen, was man sich eigentlich gar nicht leisten könnte, usw.), wieder andere werden psychotisch. Da kam letztens im TV eine sehr gute Reportage zum Thema. Ein Betroffener landete z.B. während einer manischen Phase aufgrund seiner psychotischen Zustände im Gefängnis. :-|

Bei Borderline ist emotionale Instabilität ein Hauptsymptom (es heisst ja auch "emotional instabile Persönlichkeitstörung, Borderline-Typus); heisst, dass die Stimmung von einem Moment zum anderen sehr stark schwanken kann. Zu Manien kommt es da m.W. jedoch eher nicht. Des weiteren gibt es noch viele andere Borderline-typische Symptome (es gibt insgesamt 9 Kriterien, wovon 5 erfüllt sein müssen, um die Diagnose zu stellen) - z.B. wiederkehrende Selbstverletzungen und/oder Suizidalität, instabile Beziehungen zu anderen, Suchtverhalten, etc.

Angaben ohne Gewähr. ;-D

fkcbst2effi


Dankeschön für die Antwort, bin um einiges schlauer :)^

MÜSSEN eigentlich diese (extremen) Selbstverletzungen gegeben sein, um Borderline zu diagnostizieren oder fallen da auch Dinge wie z.B. Fasten, exzessiver Sport, absichtlich sich verletzen, Medikamentenmissbrauch usw. auch dazu? (da diese im Grunde ja auch Richtung Autoaggression gehen).

AfufGaWnzerL-inie&Verxsagt


Es gibt auch viele Borderliner, die sich anders verletzen, als sich zu schneiden. Und das was du beschrieben hast, nennt man selbstschädigendes Verhalten. Das kommt bei Borderlinern auch häufig vor.

Meine Mutter ist manisch depressiv und ich bin Borderliner. Die Unterschiede sind größtenteils gewaltig. Auch ich bin ab und zu völlig überkandidelt, aber das ist noch lange nicht mit einer Manie zu vergleichen.

BueFlaRo-E}lfe


extreme Selbstverletzungen sind ja diese Autoaggressionen

Einige Ritzen, andere verbrennen sich, wiederum andere treiben extrem viel Sport oder hungern oder haben Fressanfälle. Alles womit man sich selbst sehr schadet, ist Selbstverletzung.

Ich meine, man kann den Unterschied daran erkennen, dass bei Borderline die Stimmungen innerhalb Minuten hin und her schwanken können (aber wie AGLV sagte, nicht mit einer Manie zu vergleichen ist, wenn sie gut drauf sind) und bei der bipolaren Störung entweder die eine oder die andere Phase sehr lange anhält und sehr ausgeprägt ist (teils Monate).

Aber bin da auch nur Laie.

ANufGanzfePrLinieVFerxsagt


Naja, meine Mutter ist auch extrem launisch und wird schnell aggressiv...

Aber das Abwechseln einer Manie und einer Depression passiert nicht im Minutentakt.

Bei meiner Mutter kündigt sich so was immer vorher an. Und während ein Borderliner seine Laune noch ganz gut verbergen kann, ist das dem Manischen nicht möglich. Aber das will er auch gar nicht, er ist dann einfach (ich sag es jetzt mal so) bekloppt in der Birne, dass es ihm völlig egal ist, was andere denken. Als ich noch kleiner war, fiel es mir auf, wenn meine Mutter plötzlich total kindisch war. Da musste ich dann die Mutterrolle übernehmen und sie aus dem Vorgarten der Nachbarn oder von der Straße holen, weil sie dort saß, lachte, kreischte und schrie...

Svilboer


MÜSSEN eigentlich diese (extremen) Selbstverletzungen gegeben sein, um Borderline zu diagnostizieren oder fallen da auch Dinge wie z.B. Fasten, exzessiver Sport, absichtlich sich verletzen, Medikamentenmissbrauch usw. auch dazu?

Nein - weil ja von den 9 Kriterien nur 5 erfüllt sein müssen, kann z.B. die selbstschädigende Verhaltensweise überhaupt nicht vorhanden sein, obwohl jemand die Diagnose hat. Solange 5 andere Kriterien erfüllt sind...

ich war vor bald 2 Jahren auf einer DBT-Station, da hatte eigentlich jeder eine Form des selbstschädigenden Verhaltens - nicht alle haben sich selbst verletzt, es war teilweise parasuizidales Verhalten oder sonstige selbstschädigende Dinge. M.W. heisst das Kriterium auch "wiederkehrende Suizidalität und/ODER selbstschädigendes Verhalten" - ist jemand immer wieder suizidal, hat er das Kriterium also auch erfüllt.

Ich finde es an dieser Stelle noch wichtig hinzuzufügen, dass die Kriterien auf den ersten Blick ziemlich allgemein erscheinen (nicht alle) - z.B. Stimmungsschwankungen - wer ist denn ständig stabil? Suchtverhalten - wie viele Jugendliche betreiben am Wochenende Komasaufen? Und so weiter. Letztendlich ist es eine Frage der Ausprägung. Ich habe das Gefühl, dass immer noch von vielen Therapeuten die Diagnose viel zu vorschnell gestellt wird - das ist an sich kein riesiges Problem, man ist nicht eine Diagnose, sondern man hat sie - aber man könnte sich z.B. damit identifizieren oder sich von demotivierenden Berichten, die man teilweise immer noch zu hören kriegt, runterziehen lassen ("Borderline ist nicht heilbar. Die verbringen den Rest ihres Lebens grösstenteils in Kliniken." und solchen Mist - Unsinn!). Auch gibt es immer noch das Klischee "Borderliner als Partner - niemals, das funktioniert nicht!" Das lässt sich eben auch nicht pauschal sagen. Ich glaube, Andreas Knuf (der Autor von verschiedenen Büchern zum Thema) war es, der mal sagte, dass 85% (oder eine ähnliche Zahl) der Empfindens von Betroffenen genauso sind wie bei "Gesunden" und nur 15% quasi "krankhaft".

Soviel zum Thema Borderliner sind alles böse, beziehungsunfähige, für den Rest ihres Lebens unheilbar kranke, Menschen.

So, ich habe fertig. ]:D

f=cwbsteffxi


Hi, danke für Eure ausführlichen Erklärungen :)^

Mir würde eine Sache noch besonders interessieren: eine Freundin von mir (sie ist gerade mal 18) hatte enorme psychische Probleme (ihr geht´s aber schon besser) und hat von diversen Fachleuten verschiedene Diagnosen bekommen- unter anderem eine bipolare Störung bzw. Persönlichkeitsstörung. Die Fachleute sind sich diesbezüglich uneinig- denn der eine hat ohne Zögern bei ihr eine PS festgestellt; ihr Therapeut meinte aber, sie sei noch zu jung dafür und hat dann eher von einer depressiven Episode bzw bipolare Störung gesprochen. Ist es denn eigentlich grundsätzlich möglich, in dem Alter eine PS als Diagnose zu bekommen? Sie ist seit sie 16 ist auf sich allein gestellt und deshalb schon früh "erwachsen" geworden.

Euch allen einen guten Rutsch ;-D

Grüße,

Soilb7er


Ist es denn eigentlich grundsätzlich möglich, in dem Alter eine PS als Diagnose zu bekommen?

da sind sich die Fachleute auch nicht einig. Mir hat man immer gesagt, so ab 20+, aber vorher höchstens verdachtsweise...als ich mit 18 das erste Mal in eine Klinik kam, erfüllte ich die Borderline-Kriterien - diagnostiziert hat man es nicht, wegen dem Alter, aber im Bericht wurde der Verdacht erwähnt - jetzt, 4 Jahre später, hat sich das gegeben und ich habe die Diagnose nicht mehr. :)^

S{nakekbunnqy0q0n7


Hallo wenn ich mich hier dazu gesellen darf, ich habe eine bipolare störung mit schwer depressiven phasen war am anfang dazu noch Suizidal.

Seit 1 jahr ungefähr geht es mir besser, aber aobald die dunkle zeit kommt (Herbst/Winter) geht es wieder los. Meine stimmung schwangt so dermassen das ich mich immer versuchen muss unter kontrolle zu halten. Mein freund der arme mensch, bekommt meine launen zu spüren ich platze dann förmlich vor wut oder trauer oder was auch immer, mir geht das selbst so auf den keks aber man lernt damit zu leben.

SPp`innerxin


Hallo Snakebunny,

ich habe auch eine bipolare Störung, und wundere mich etwas über deine Beschreibung... wieso die Diagnose bipolar?

SEn!akebu9nnxy007


Spinnerin: ich wurde wegen schweren depressionen mit suizid gedanken eingeliefert und nach 6 wochen therapie kam dann das bipolare dazu mir selbst ist das nicht aufgefallen meinen ärzten und therapeuten ist es aufgefallen. Ich hatte Höhenflüge vom aller feinsten das ich selbst keine lust mehr hatte und nur noch geheult hab das es endlich aufhört und klatsch war die manie wieder weg . Ich bin seit her immer noch in behandlung und medikamentös eingestellt mit carbamazepin 400mg bis vor nem monat waren es 600

S\pi-nn7erin


Hmm schon ungewöhnlich. Ist denn sicher, dass das nicht an den Medikamenten gelegen hat? Oder hast du solche Höhenflüge öfter? Hast du da mal eine Zweitmeinung eingeholt?

vNasmpx28


Ich hab auch unter anderem die Emotional Instabile Persönlichkeitsstörung Typ Borderline diagnostiziert bekommen. Es gibt viele Unklarheiten und falsche Infos über diese Erkrankung. Zum einen werden alle Borderliner in die selbe Schublade gesteckt...das Problem an der ganzen Sache ist, das es gar nicht Borderline heißt, sondern nur ein Typ davon. Eigentlich heißt sie ja korrekt Emotionale Instabile Persönlichkeitsstörung. Es gibt zwei Arten, der Impulsive Typ und der Borderline Typ.

Der Borderline Typ ist im Vergleich zum Impulsiven Typ ruhiger und "harmloser". Damit meine ich, dass dieser Typ mehr seine Aggressionen gegen sich richtet oder seine Wut oft unterdrückt, runterschluckt usw. Weil einfach die Angst größer ist verlassen zu werden, als seine Wut freien Lauf zu lassen. Diese sind auch sehr depressiv. Natürlich kommt das auch bei dem anderen Typ vor. Aber beim Borderline Typ ist es ausgeprägter. Die unterscheiden sich schon sehr voneinander. Ich selbst würde mich auch nicht als schlimmen Borderliner ansehen, bin doch recht unkompliziert, wie man es eben mit psychischen Erkrankungen sein kann. Natürlich bin ich überhaupt nicht einfach, aber bin auch nicht so jemand, der andere schädigt mit meinem Verhalten.

Da gibt es ja genug böse Aussagen über "borderliner", das die anderen das Leben zu Hölle machen, manipulieren, eingesperrt gehören und ja manche sogar meinten, das die eine Gefahr für die Menschheit wären...Also ich hab mir schon so einiges anhören dürfen und finde das echt traurig. Ich finde diese Aussagen extrem übertrieben und natürlich sind alle psychisch Kranke Menschen nicht einfach, aber die sind ja nicht aus Spaß so...die wurden eben durch andere Menschen so gemacht. Die Leute die auf die psychisch Kranke Leute schimpfen sollten sich erst einmal an die eigene Nase fassen.

So um dann noch ein paar Missverständnisse zu klären. Der Unterschied wurde ja schon erklärt. Dann zum SVV. Es gibt Borderliner die sich gar nicht selbst verletzen, und es gibt viele Menschen die sich verletzen, die kein Borderline haben. SVV ist ein Symptom vieler Erkrankungen. Die kommt bei der PTBS, bei Depressionen, Angststörungen, Dissoziative Störungen vor und auch noch bei vielen anderen Erkrankungen. Daher kann man nicht sagen Borderline= SVV. Das stimmt einfach nicht.

Zu Selbst verletzendes Verhalten gehört nicht nur das schneiden mit scharfen Gegenständen (Ich mag das Wort ritzen nicht, es passt einfach nicht). Man kann sich in vieler Hinsicht körperlich selbstverletzen. Die Methoden werde ich jetzt hier nicht aufzählen.

Zu Selbstschädigendem Verhalten gehören Dinge, die einen schaden, bei denen keine äußerlichen Wunden entstehen müssen. Z.B. Drogen/Alkohol/Medikamenten Missbrauch, sich absichtlich in Trigger Situationen bringen, oder Dinge anschauen, lesen die einen nicht gut tun. Extrem Sport, hungern, sich übergeben. Oder auch sich in Gefahren bringt, wie eben ungeschützter Sex. Selbst das weg lassen von wichtigen Medikamenten, zählt zu selbstschädigendem Verhalten.

Und Stimmungsschwankungen können sich in Minutentakt ändern, aber können auch Stunden, oder gar Tage anhalten. Es gab bei mir Situationen da hat die in Minutentakt gewechselt, gab aber auch Situation da war ich tagelang in einer Depression und an meinen Zustand hat sich nichts geändert. Aber ja bei Borderlinern gibt es eben keine Mitte, entweder steigt die Stimmung sehr schnell nach oben, und kann dann aber wegen einer kleinen Sache, schon wieder ganz schnell Berg ab gehen. Man kann es nur schwer regulieren.

sqchnxecke/19x85


Was ich noch anmerken wollte: Soziale Probleme gehen mit Borderline oft Hand in Hand. Also ein gestörtes Verhältnis zu anderen Menschen. Bei starker Ausprägung wechselt das wirklich zwischen Hass und Verherrlichung. Zudem ist die Entstehung von Borderline meist eng mit frühkindlichen Erfahrungen verknüpft (irgendwo habe ich gelesen, dass die Prägung in die Richtung schon im Mutterleib anfängt). Ein Grund für dieses Hin- und Herschwanken ist, dass das Urvertrauen des Kindes in seine Umwelt / Eltern frühzeitig so schwer erschüttert wurde, dass sich gar kein richtiger "Anker" ausbilden konnte.

psychisch Kranke Menschen nicht einfach, aber die sind ja nicht aus Spaß so...die wurden eben durch andere Menschen so gemacht. Die Leute die auf die psychisch Kranke Leute schimpfen sollten sich erst einmal an die eigene Nase fassen.

:)^ :)z :)=


Zur Altersfrage: Weil es sich um eine Persönlichkeitsstörung handelt, kann eine seriöse Diagnose erst dann gestellt werden, wenn die Persönlichkeit fertig ausgereift ist. Wie schon angemerkt passiert das im Alter 20+.

In der Pubertät sind ja starke Stimmungsschwankungen meist nichts ungewöhnliches. Wenn sich dies allerdings ins Erwachsenenalter weiter fortsetzt, dann kann dahinter Borderline stehen. Sicher treten schon in Kindheit / Jugend Verhaltensweisen auf, die auf eine BPS hinweisen können. Nur bei vielen verwächst sich das eben wieder.


Ein weiteres Unterscheidungskriterium: vom medikamentösen Standpunkt werden Bipolare ganz anders eingestellt, als Borderliner. Während es für bipolare Störungen einen eigenen Katalog an Medis gibt (Neuroleptika, Lithium usw.) gibt es für die Persönlichkeitsstörung keine spezifischen Medikamente. Da wird dann meistens anhand der Symptome behandelt (z.B. Antidepressiva gegen depressive Zustände, angstlösende Medikamente gegen Ängste usw.).

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