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Probleme mit Abnabelung von Eltern

Egver/ybonduysDSarlin4g hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

ich lese hier schon eine Weile mit und bin immer wieder beeindruckt, wie einem hier geholfen wird. Da ich mich schon länger mit einem Gedanken (eher mehreren, verworrenen) trage, möchte ich ihn mir einmal von der Seele schreiben, auch um mir klarer zu werden.

Schon seit längerem habe ich Probleme mit meinen Eltern, die mich einfach "erdrücken", aber so richtig erst, seitdem ich ausgezogen bin (das war vor 6 Jahren). Nun ist es so, dass mein Vater schon immer mindestens ein Wochenend-Trinker war und es über die Jahre zugenommen hat, d. h. mittlerweile trinkt er auch unter der Woche. Im Zuge dessen gab es natürlich viel Streit unter meinen Eltern (sehr laut und ausartend) und meine Oma, die im Erdgeschoss wohnte, hat auch kräftig mitgemischt, vor allem, wenn sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlte. Nichtsdestotrotz hat es mir (finanziell) nie an was gefehlt, d. h. mein Vater ist jeden Sonntag (vor dem "Frühschoppen") z. B. mit mir schwimmen gegangen oder hat sonstwas mit mir unternommen. Ich hatte auch keinen Druck, was die Schule angeht. Im Gegenteil, mein Zeugnis wurde entsprechend vergütet (für eine 1 gabs 1 DM, für 6 gabs 6 DM). Andererseits wurde mir auch nie was zugetraut, ich hatte z. B. die Empfehlung fürs Gymnasium, aber mein Vater sprach sich dagegen aus, das hätte ja noch nie jemand bei uns in der Familie geschafft, warum also ausgerechnet ich etc. Er musste deswegen sogar in der Schule "antanzen". Zu guter Letzt "durfte" ich wenigstens auf die Realschule, nachdem meine Mutter und meine Lehrer sich durchgesetzt hatten. Zum Ende der Realschulzeit hatte ich eine Lehrstelle als Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte in der Tasche, aber auch hier legten meine Lehrer ein Veto ein, weil sie meinten, damit wäre ich unterfordert und sie empfahlen meinen Eltern den Besuch einer weiterführenden Schule, was mir nach langem Hin und Her auch gestattet wurde. Danach habe eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und hatte auch bald einen festen Job und bin dann ausgezogen.

Soweit alles ok und normal. Seitdem ich ausgezogen bin, haben meine Eltern die Erwartungshaltung, dass ich jedes Wochenende Sonntags zum Mittagessen vorbeikomme. Und eigentlich mache ich das ja auch ganz gerne, einfach, um "nach dem Rechten" zu sehen und aufzupassen, dass sie sich nicht die Köpfe einschlagen. So plätscherte mein Leben dahin. Bis meine Firma Anfang 2007 beschloss, Arbeitsstellen abzubauen. Da ich eine der letzten war, die eingestellt wurden, habe ich mir natürlich Sorgen um meinen Arbeitsplatz gemacht und nach mehreren Gesprächen mit meinen Vorgesetzten war klar, dass man alles dafür tun würde, mich zu halten, da man mit meiner Arbeit sehr zufrieden sei. Im Sommer 2007 wurde mir dann erläutert, wie das genau ablaufen sollte: Ich sollte zusätzlich zu meinem bisherigen Team noch den Verkaufsleiter der Abteilung administrativ unterstützen (bin Sekretärin) und bei ihm offiziell "angehängt" werden. Dann beschloss meine Firma weiterhin, umzuziehen in eine rd. 700 km entfernte Großstadt, was für mich aber aufgrund meines Partners etc. nicht in Frage kam. Dies eröffnete ich meinen Eltern, die total dagegen waren: "So einen guten Job findest DU nie mehr. Sei doch nicht so blöd etc. Wer weiss, ob Du überhaupt nochmal einen Job findest, schließlich bist Du jetzt in einem Alter, in dem die Personaler davon ausgehen, dass Du eh bald Kinder bekommen wirst, da stellt Dich doch keiner ein." war das Fazit ihres Protests. Nun ja, in der Zwischenzeit war meine Vorgängerin beim Verkaufsleiter in den Vorruhestand gegangen und alles, was ich von Ihr bekommen hatte, war eine einstündige Übergabe. Ich kämpfte also mit meinem neuen Job und versuchte gleichzeitig, meinen alten Job, den ich ja "nebenbei" noch miterledigt habe, zufriedenstellend auszufüllen. Weiterhin war ich regelmässig bei meinen Eltern (da geht schon mal ein ganzer Sonntag drauf, muss ich dazusagen) und habe mich beworben. Immer noch waren sie der Meinung, mich würde keiner einstellen und dass ich den größten Fehler meines Lebens begehen würde. Da ich ja beim Verkaufsleiter nicht wirklich eingelernt worden war, habe ich dort natürlich für alles länger gebraucht und ja, es sind auch Fehler passiert (bin ja nicht allwissend). Da ich natürlich für alles länger gebraucht habe, waren Überstunden an der Tagesordnung. Irgendwann konnte ich mir dann von meinen neuen Chef bei Fragen meinerseits anhören, "mein Gott, warst Du schon immer so dumm?" etc. (Er hat mir leider zu Beginn unserer Zusammenarbeit das "Du" angeboten, was ich nicht passend fand, aber ich wusste auch nicht, wie ich mich höflich aus der Affäre ziehen sollte.) Nun ja, nachdem ich das alles eine Weile mitgemacht hatte, kamen Schlafstörungen, Magenschmerzen, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit etc. dazu. Irgendwann bin ich dann zusammengebrochen (Burnout, Depression). Mein Hausarzt hat mich krank geschrieben (ich war zwei Monate zu Hause). Das war im Dezember 2007. Natürlich habe ich als brave Tochter das alles meinen Eltern erzählt, die das alles gar nicht nachvollziehen konnten. Es wurde auch weiterhin erwartet, dass ich regelmässig nach Hause komme. Weihnachten war ich dann zu Hause und sie erzählten mir mal wieder von ihrem Streit mit meiner Tante, die schräg gegenüber wohnt. Als ich während der Schilderungen der Auseinandersetzungen mit meiner Tante plötzlich anfing zu weinen, weil mich das alles so fertig gemacht hat, konnten sie nicht verstehen was mit mir los ist. Sie waren nicht in der Lage mich zu trösten oder einfach mal in den Arm zu nehmen. Jedenfalls bin ich (nach Meinung meines Arztes zu früh) Ende Januar wieder arbeiten gegangen, weil sie Druck auf mich ausübten. Die Depression haben sie von Anfang erfolgreich verdrängt. Nachdem ich (stressbedingt?) schon länger mit Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck zu tun habe, kam letztes Jahr raus, dass ich mittlerweile zusätzlich noch einen Herzklappenfehler habe. Na gut, alles nicht so tragisch und nicht unmittelbar behandlungsbedürftig, aber mich hat es zum umdenken bewegt. Mir wurde klar, dass ich mit meinen 29 Jahren mein Leben nicht mehr nach meinen Eltern und ihren Wünschen ausrichten möchte. Dass das im Pflegefall evtl. wieder auf mich zukommt ist ein anderes Thema. Jedenfalls habe ich versucht, auf Abstand zu gehen und uns voneinander zu entwöhnen. Zumal ja auch von meinen Eltern immer noch erwartet wurde, dass ich mit der Firma umziehe, auch wenn diese Firma bzw. der Chef mich beinahe in den Selbstmord getrieben hat. Mir sind dann im Laufe der Zeit einige Ereignisse aus meiner Kindheit eingefallen, die mich mich fragen lassen, warum ich eigentlich meine, immer für meine Eltern da sein zu müssen. Z. B. hat, als ich in der Grundschule war, ein älterer Nachbar gerne an mir "rumgetätschelt". Als ich das meinen Eltern erzählt habe, meinten sie, ich sollte da einfach nicht mehr vorbeilaufen; sie könnte da nichts machen, schließlich ist das ein Nachbar. Als der ältere Bruder meiner besten Grundschulfreundin mich zu eindeutigeren Handlungen gezwungen hat, habe ich das schon gar nicht mehr erzählt, weil ich ohnehin nicht auf Unterstützung hoffen konnte. Oder auch, als ich meine Erstkommunion hatte, war mein Vater schon nach dem Mittagessen so betrunken, dass er kaum mehr allein auf dem Stuhl sitzen konnte. Meine Schulabschlüsse hat mein Vater auch im Vollrausch zu Hause verschlafen. Ich hätte ihn so gerne dabei gehabt, trotz allem. Oder als ich 13/14 war, hat mein Vater wegen Trunkenheit am Steuer seinen Führerschein verloren (als LKW-Fahrer ein wenig unklug). Als er sich deswegen umbringen wollte, weil er Angst hatte, seinen Job zu verlieren, habe ich ihm zugeredet, dass das schon alles wieder wird etc. Das sind nur die sog. Spitzen des Eisbergs, ich könnte fast endlos weitererzählen, aber nachdem das nun ohnehin ein Roman wurde, sollte ich lieber aufhören und Eure Geduld nicht weiter strapazieren.

Ich würde mich freuen, wenn sich jemand die Zeit nähme, meinen Roman zu lesen und vielleicht auch Anregungen hätte, wie ich den Umgang mit meinen Eltern dahingehend ändern kann, damit ich einfach auch einen gewissen ... emotionalen Abstand zwischen meine Eltern und mich bringen könnte.

LG

EverybodysDarling

Antworten
SRandrQaLu@isa


1DM bei einer 1 bei ner 6 gabs 6dm?

hmmm dann hätte ich alle arbeiten immer leer gelassen =)

PS: muss ich später mir noch mal durchlesen

dann richtige antwort =)

aGlthe:a


ohjeh das klingt ein wenig wie bei mir.

du hast denke ich ein massives problem - das scheuklappenprinzip deiner eltern und das "man sich nicht so anstellen solle".

ich bin in therapie deswegen (unter anderem) und bin übrigends 30. die probleme die ich zuhause hatte waren anderer natur aber das spielt hier keine rolle. ich möchte dir gerne den rat geben das du dich da mal mit jemand zusammen setzt zum reden und eine art familien aufstellung machst. das ist das was ich eben tue und es tut mir gut aber schafft mich auch.

du wirst deine eltern - leider - nicht ändern können - das ist eine lektion die ich eben auch versuche zu lernen aber du kannst dich ändern und etwas an dir tun. vorallem für deine depressionen und das du besser aus dem schema f in dem du hängst auszubrechen und DEINE bedürfnisse in den vordergrund stellst.

es ist schwierig wenn man zwar finanziell alles gehabt hat (das es einem nach ausen hin alles andere als schlecht gibt) aber man trotzdem vernachlässigt wurde und zwar emotional. was davon jetzt wie gravierender ist stelle ich mal dahin aber trotzdem ist das etwas an dem man arbeiten sollte und ja auch muss. ich wünsche dir das du die kraft zu dem weg der "erlösung" findest und dein leben bekommst so wie DU es möchtest.

althea

EXverybo;dysD'arl\ixng


Erstmal danke, dass Ihr Euch überhaupt die Mühe gemacht habt, mein wirres und irrsinnig langes Geschreibsel durchzulesen.

Ich versuche, den Kontakt mit meinen Eltern einzuschränken, einfach, weil es mir danach besch*** geht und ich jedes Mal auf der Heimfahrt dem Impuls widerstehen muss, gegen den nächsten Brückenpfeiler zu fahren. Ich fühle mich nach jedem Besuch so klein, hilf- und wertlos. Mein Partner (wir sind seit fast 12 Jahren zusammen) rät mir schon länger davon ab, so oft zu meinen Eltern zu gehen. Er hat es, denke ich, auch ein Stück weit satt, jedes Mal danach wieder die Aufbauarbeit leisten zu müssen. Da er und ich ja schon zu Zeiten zusammen waren, in denen ich noch zu Hause gewohnt habe, weiss er natürlich auch, was dort abgeht und er kann sich gut erinnern, was ich mir anhören durfte, als er und ich - länger als von meinen Eltern erwartet - zusammen waren (u. a. "Dorfmatratze"). Aber mein schlechtes Gewissen treibt mich jedes Mal wieder hin. Ich weiss nicht so recht, wie ich aus dem Muster ausbrechen kann... Was ist denn eine Familienaufstellung? Ich glaube nicht, dass meine Eltern sowas mitmachen würden.

a?ltWhe;a


habe im moment nicht viel zeit aber ich möchte dir den link erstmal "geben" [[http://de.wikipedia.org/wiki/Familienaufstellung]]

das hat also nichts mit deinen eltern zu tun das sie real anwesend sein müssen *:)

das du ein schlechtes gewissen hast glaube ich dir gerne - deine eltern tun ja auch alles dafür das du dich schleccht fühlst wenn du es wagst nicht zu kommen ... du bist ein einzellkind oder gibts da noch geschwister? *ich glaube ersteres*

sicherlich ist das schwierig für deinen lebensgefährten. was für eine beziehung hast du zu ihm?

gruss

E?veTrybodjyszDarlxing


Hallo Althea,

danke für den Link, hab mir den grad schon mal angeschaut. Das klingt ja sehr interessant. Muss mich mal schlau machen, wo es sowas hier in der Gegend gibt.

Ja, Du denkst richtig, bin ein Einzelkind, wenn auch nicht beabsichtigt. Meine Eltern wollten immer mehrere Kinder, aber nach mir gabs nur noch Fehlgeburten und später noch eine Eileiterschwangerschaft, wonach meine Eltern dann alle weiteren Versuche eingestellt haben, weil meine Mutter zu spät zum Arzt ist und beinahe durch innere Blutungen gestorben wäre.

Mein Lebensgefährte und ich haben eine ausgeglichene Beziehung. Klar, herrscht bei uns auch nicht immer eitel Sonnenschein (besonders dann nicht, wenns um meine Eltern geht), aber wir unterstützen uns gegenseitig in jeder Hinsicht und trotz unterschiedlicher Interessen harmoniert es gut, einfach, weil wir aufeinander eingehen und nicht dem anderen die eigene Meinung aufdrücken wollen oder sowas. Schließlich sind wir trotz Beziehung immer noch Individuen.

LG EverybodysDarling

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