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Wozu macht man eine Verhaltenstherapie und was hat man davon?

dNieg klFeine <Palmxe hat die Diskussion gestartet


Hallo,

ich würde gerne von euch wissen wozu ihr eine Verhaltenstherapie macht. Wenn ich mir überlege, dass ich dem Therapeuten von meinen Ängsten erzähle und er mir dann Tips gibt wie:

"gehen Sie mal in die Kneipe ein Bier trinken"

"suchen Sie sich Freunde"

"laden Sie Ihre Nachbarin zum Kaffee ein" usw.

und sagt, dass es verdammt schwer ist mit mir zu arbeiten weil von mir selber keine Ideen kommen was ich machen könnte um meine Ängste zu verlieren...

Toll... Ich will nicht wissen was ich machen soll sondern wie ich es anstellen soll, dass ich dabei keine Angst habe.

Er sagt, ich soll es selber ausprobieren. Ich bin wie ein kleines Kind, das immer fragt "wie soll ich das machen" anstatt, dass ich selber überlege.

Wäre ich selber darauf gekommen, wie ich es machen soll, dann bräuchte ich doch nicht zu ihm zu gehen, oder?

Wie soll ich in eine Kneipe oder ins Cafe gehen wenn mir schon schwindelig wird, wenn ich nur daran denke, mich dort hin zu setzen. Vielleicht raucht da noch einer und ich bekomme Panik, dass ich ersticken könnte.

Wofür gehe ich zur Therapie, wenn ich selber wissen muss was ich ändern soll?

Ich dachte, ich erzähle ihm meine Probleme bzw. Ängste und er hilft mir dabei Sie zu lösen. Aber nein, er meckert, dass von mir nichts kommt.

Ich weiß doch selber, dass ich z.B. Menschen ansprechen soll, nur traue mich das nicht. Und anstatt, dass er mir mal einen Tipp gibt wie ich es anstellen soll, sagt er, ich will keine Verantwortung tragen. Natürlich will ich das doch aber ich weiß nicht wie ich meine Angst besiegen soll.

Wenn ich z.B. sage, ich würde gerne in den Zoo gehen aber ich habe Angst weil ich dort auf einem geschlossenen Terrain bin und ihn dann frage was ich machen soll, dann kommt wieder so ein Spruch:

"Sie überlassen mir wieder die ganze Verantwortung" oder

"Sie sollen es selber ausprobieren wie Sie es schaffen"

Habe ich zu hohe Ansprüche?

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Hat euch die Therapie geholfen?

Antworten
S,ilb*eer


Habe ich zu hohe Ansprüche?

nein, finde ich nicht.

Ich finde es eher sehr seltsam, dass dein Therapeut sich hier als Opfer darstellt (du bist eine derart schwierige Patientin, mit dir kann man ja nicht arbeiten, etc.).

Man kann in der Verhaltenstherapie z.B. auch Übungen mti dem Therapeuten gemeinsam machen. Das könnte in deinem Fall so aussehen, dass dein Therapeut mit in den Zoo kommt (so als Beispiel).

Des weiteren schreibt man Protokolle. Da wird festgehalten, wovor du genau Angst hast. Was deine Befürchtungen sind ("ich könnte ersticken" etc.). Ob du Sicherheitsverhalten hast (jemand, der Angst vor dem Erröten hat, senkt vielleicht den Kopf, damit es weniger auffällt, oder lässt die Haare ins Gesicht hängen - meist lenkt man mit diesem Verhalten jedoch die Aufmerksamkeit eher auf sich als wenn man es nicht machen würde) und falls ja, welches. Wie hoch deine Angst ist auf einer Skala von 1 bis 10.

Dann gibt es verschiedene Varianten.

Man kann z.B. Expositionsübungen machen. Das ist eigentlich das, was dein Therapeut sagt: Es trotzdem machen. Nur natürlich nicht so, wie er es hier darstellt. Man könnte es schrittweise machen. Du hast Angst, in eine Kneipe zu gehen? Dann sieht der erste Schritt vielleicht so aus, dass du nur zur Tür einer Kneipe gehst und gar nicht erst reingehst. Dabei wird dann geschaut, wie hoch deine Angst in dem Moment ist. Beim nächsten Mal traust du dich vielleicht sogar schon kurz reinzugehen. Und so weiter - man steigert es also. Der Therapeut kann einen dabei unterstützen, z.B. eine Atemübung anleiten, wenn man total panisch ist.

Bei konkreten Befürchtungen -z.B. die Angst, etwas zu trinken, weil man etwas verschütten könnte und dann fänden einen alle Anwesenden total blöd und peinlich - kann der Therapeut auch mal umsetzen. Das heisst, man selber ist in der Beobachterposition und der Therapeut verschüttet, vor den Augen der anderen, angeblich unbeabsichtigt sein Getränk. Du beobachtest dabei ganz genau die anderen Leute. Reagieren sie so, wie du es befürchtest? Wie schätzt du die Situation von aussen ein? Etc.

Es gibt viele verschiedene Ansätze und mit "mach es halt einfach mal" ist es nicht getan.

Ich würde dir empfehlen, mal in dieses Buch reinzuschnuppern, auch wenn deine Angst vielleicht nicht unbedingt eine soziale Phobie sein sollte, so ist da drin doch das Prinzip einer Verhaltenstherapie beschrieben und die unterschiedlichen Vorgehensweisen.

Amazon

ich fand das sehr interessant. Leider kann ich dir nichts abtippen, weil ich das Buch damals auch nur von meiner Therapeutin ausgeliehen habe.

Wenn dein Therapeut nicht in der Lage ist, dir mehr Werkzeuge in die Hand zu geben, wäre es vielleicht auch sinnvoll, dir einen anderen zu suchen.

d[ie kDleine MPalmxe


Danke schön @:)

mit "mach es halt einfach mal" ist es nicht getan.

ja, ich nenne hier den Beispiel mit dem Zoo:

ich sage: "ich möchte gerne in den Zoo"

er: "dann machen Sie das"

ich: "aber ich traue mich nicht weil es ein geschlossenes Terrain ist und ich Angst habe, dass ich da nicht mehr rauskomme"

er: "dann gehen Sie hin und gucken ob Sie wirklich nicht rauskommen"

ich: "aber ich habe Angst davor rein zu gehen, was kann ich machen damit ich nicht so viel Angst davor habe?"

er: "warum überlegen Sie nicht selber was Sie dagegen tun können, Sie überlassen die ganze Verantwortung mir"

SLilbYer


Sehr hilfreich. :|N da brauchst du ihn ja gar nicht, wenn du sowieso selber überlegen sollst... :-

Sicherlich ist es so, dass du letztendlich das meiste selber machen musst - du musst dich konfrontieren etc. Aber Hilfsmittel sollte er dir da schon auf den Weg geben!

dFie xklegin*e Paxlme


wirklich :-D ich dachte schon, ich habe falsche Erwartungen. Habe oft ein schlechtes Gewissen, dass von mir nichts kommt :-(

h arbpyixe


hallo kleine palme,

also ich bin total baff was du da in bezug auf deinen therapeuten schreibst! :(v ich hab so ähnliche probleme wie du und habe bei meiner therapeutin ganz andere erfahrungen gemacht! sicher steckt viel überwindung darin, gewisse dinge zu tun - aber er sollte dir wirklich die mittel in die hand geben um auch eben diese situationen zu "meistern"!

klingt vielleicht ein wenig hart, aber ich würde an deiner stelle schleunigst den therapeuten wechseln!

kbaputte>r kexrl


die kleine Palme schrieb:

er:** "warum überlegen Sie nicht selber was Sie dagegen tun können, Sie überlassen die ganze Verantwortung mir"

Das ist typisch Therapeut. Eine typische Stamdardfloskel. Ich habe zu hauf ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du. Man kann besser hier bei Med1 lesen oder auf sonstigen wertvollen Webseiten als zum Therapeuten zu gehen. Anregegungen gibt´s auch zu genüge im Internet. Da brauch man nicht die blöden Provokationen verschiedener Therapeuten. Ich bin felsenfest davon überzeugt das so manche Therapeuten mehr Schaden anrichten als das sie helfen. Im Internet oder selbst bei Oliver Geissen habe ich bessere Anregungen gefunden als bei Therapeuten.

Swhee:p8x4


Das ist typisch Therapeut.

Typisch schlechter Therapeut. Ein guter Therapeut gäbe dir das "Handwerkszeug", damit du dir leichter tust. Wenn du das könntest (deine Beispiele) würdest du ja nicht hingehen zu ihm, oder?

dOie pklein:e Pxalme


Das ist typisch Therapeut.

Typisch schlechter Therapeut.

dann brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich nicht weiß was ich tun soll?

Wenn du das könntest (deine Beispiele) würdest du ja nicht hingehen zu ihm, oder?

so ist es. Aber ich hatte keine Erfahrungen mit anderen Therapeuten und wußte jetzt deswegen nicht ob ich zu hohe Ansprüche an ihn habe, ob das normal ist.

S<heep784


Ich finde nicht, dass du ein schlechtes Gewissen haben brauchst. Wie Silber ja schon schrieb, könnte er ja mit dir zusammen in den Zoo etc. gehen.

Ich weiß ja nicht, wie du ansonsten mit ihm klar kommst: aber solche platten Aussagen kann ich auch von meinen Bekannten bekommen - dazu brauch' ich keinen Therapeuten. Ich find's nicht normal. :|N

maasc[ha /p


Hallo kleine Palme,

du brauchst gar kein schlechtes Gewissen zu haben, ich denke auch, dass dein Therapeut leider kein guter Therapeut für dich ist, vll. hat er einfach gar keine ahnung davon, wie es dir geht (sowas gibt es leider auch). Und wenn dein Therapeut schon sooo toll ist, dann soll er dich eben an der Hand nehmen, und mit dir in den Zoo gehen (sowas macht man, wenn z.B. Leute auch Angst vorm Fliegen haben, dann fliegt der Therapeut mal nach Malle und zurück mit. Ist oft effektiv, aber ethisch doch fragwürdig, die Leute solchen Ängsten auszusetzen).

Mich würde aber auch interessieren, was du für Ängste hast, wie es dazu kam und warum du ausgerechnet bei einem Verhaltenstherapeut gelandet bist. Möglicherweise solltest du zu einem tiefenpsychologischen Therapeuten oder einem Psychoanalytiker. Die Psychoanalyse schaut, warum du diese Angst hast und wie es dazu gekommen ist und der Therapeut wird dir dann die Möglichkeit bieten, diese Erfahrungen zu bearbeiten. Nur so kann man von einem langfristigen Therapieerfolg ausgehen. Die Verhaltensanalyse ist eher auf die Symptombekämpfung gerichtet (also, geh dahin und schau, dass du doch nicht stirbst, irgendwann wirst du ja auch merken, dass du tatsächlich nicht daran stirbst, aber es könnte sein, dass du dann nach 1-2 Jahren Angst vor anderen Sachen bekommst, da die alten auslösenden Erfahrungen nicht verarbeitet wurden). So war es auf jeden Fall bei mir. Ich hatte nach der VErhaltenstherapie 3 Jahre Ruhe und dann noch größere Panik, die in den Grundzügen schon von Anfang an, also bei der ersten Therapie, da war und leider nicht verarbeitet wurde. Meine jetzige Therapeutin hat sowohl eine sowohl verhaltenstherapeutische als auch psychoanalytische Ausbildung und meinte, dass die Angstpatienten, die sie verhaltenstherapeutisch behandelt hatte, sich dann trotzdem nach einer Zeit bei ihr meldeten. Nach der psychoanalytischen Behandlung war dann alles in Ordnung, sprich nicht nur die Symptomen wurden beseitigt sondern auch die Ursachen wurden behandelt.

dpiek klAeiSne P`al(me


das habe ich mich auch gefragt. ???

Wie kann ich mir das bei anderen Therapeuten vorstellen? Wie sieht das ganze aus? Schildert man seine Ängste in bestimmten Situationen und dann bekommt man Tips?

dpie &klei#ne Pa_lme


Es fing mit Panikattacken nachts an. Ich bin nachts mehrmals aufgewacht und habe nur ganz schnell und flach geatmet und mein Herz hat sehr schnell geschlagen. Damals wußte ich noch nicht was das ist. Mein Hausarzt hat EKG und Lungenfunktionstest gemacht und alles war ok. Dann konnte ich nicht an der Kasse beim einkaufen warten, ich habe die Sachen liegen gelassen und bin schnell rausgerannt weil ich das Gefühl hatte, ich kippe gleich um. Irgendwann konnte ich in keinen Laden rein gehen weil ich dachte, ich kippe gleich um. Musste sofort raus. Habe es meinem Hausarzt damals erzählt und er hat mich zum Psychiater überwiesen, der hat mich dann zur Verhaltenstherapie überwiesen.

myascFha p


also, meine therapeutin ist wie gesagt eine psychoanalytikerin und arbeitet nach dem Konzept von Adler (da gibt es auch unterschiede zwischen den Konzepten, aber es geht ja erstmal um das Grundprinzip)

Ich habe eine kranke schwester, die mit meiner Mama im Ausland wohnt, und ich mache mir natürlich seit jahren sorgen, was wird passieren, wenn meine Mam irgendwann nicht mehr da ist. irgendwann war dieser Stress so groß, dass ich einfach nur stundenlang geheult habe, daher kam ich in die Therapie.

In der Therapie erzählt man im prinzip seine geschichte, oder das, was einem auf dem Herzen liegt, und bekommt die rückmeldung des therapeutin. Manchmal nehmen wir irgendwelche sachen wahr, die gar nicht da sind, aber diese wahrnehmung löst in uns gedanken aus und die gedanken lösen die emotionen.

Beispiel: ich habe vor 2 Wochen beim SternTV ein bericht über einen Fantommörder gesehen und habe mich so darein gesteigert, dass ich in meinen gedanken schon auf der flucht war und schon von meinem balkon auf den baum springen wollte, um zu flüchten. Die Panik habe ich dann mit sehr viel Ablenkung und Willenskraft unterdrückt und am nächsten Tag meiner Therapeutin erzählt. Sie hat mir sehr aufmerksam zugehört und mich auf diese Kette : wahrnehmung->gedanken-> emotionen (angst) hingewiesen. Sie hat mir auch erklärt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mörder mich in meiner Wohnung in dem Moment überfallen würde eigentlich gleich null ist (stimmt oder?) und hat mir beschrieben, was eigentlich an dem abend passiert ist: da saß eine junge frau, schaute fern und sah etwas, was sie emotional berührt hat, dann hat sie einige physikalische reaktionen bekommen (erhöhter puls, schwitzen, schnelle atmung), die gleichzeitig mit dem bericht im fernsehen aufgetreten waren. Mehr war da nicht.

Sicher fand ich das in dem moment komisch, aber ich muss sagen, dass ich dann, eine weile später das auch wirklich verstanden habe, und in der lage war, die ganze woche alleine zuhause zu bleiben, obwohl ich vor der stunde mir überlegt habe, mich bei jemandem von meinen freunden einzunisten, solange mein mann auf dienstreise war. klar, war der abend immer noch komisch, aber durch die erklärung meiner therapeutin konnte ich mit meinen gedanken und meiner angst umgehen.

das wichtigste bei einer angststörung ist, die situation, die die angst auslöst (bei mir alleine zuhause sein) möglichst nicht zu meiden. ansonsten entwickelt man diese angstatörung.

ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen. wenn du noch fragen hast, frag einfach. :)z

m`ascKha xp


Es fing mit Panikattacken nachts an. Ich bin nachts mehrmals aufgewacht und habe nur ganz schnell und flach geatmet und mein Herz hat sehr schnell geschlagen.

Der alte gute Freud hat sich sehr mit den Träumen beschäftigt und ging davon aus, dass unsere verschiedensten Erfahrungen im Traum verarbeitet werden oder zum Vorschein kommen. Möglicherweise kannst du dich nicht an den Inhalt diesen Traums erinnern, aber irgendwas hat er in dir ja ausgelöst.

In diesem Fall wird dir die Verhaltenstherapie nicht helfen, weil sie gar nicht so tiefgehend ist und weil die Stundenanzahl sehr begrenzt ist.

Dann konnte ich nicht an der Kasse beim einkaufen warten, ich habe die Sachen liegen gelassen und bin schnell rausgerannt weil ich das Gefühl hatte, ich kippe gleich um. Irgendwann konnte ich in keinen Laden rein gehen weil ich dachte, ich kippe gleich um. Musste sofort raus.

Das könnte dafür sprechen, dass deine unbewusste Angst (siehe oben, Traum) sich auf die weiteren Bereiche ausbreitet. Da ist irgendwas in dir unbewusst am "arbeiten", und die Angst ist nur ein Symptom. Da muss man die Gründe suchen und behandeln.

Hattest du zu der Zeit, als das ganze anfing, irgendwie Stress? Ist was passiert?

Habe es meinem Hausarzt damals erzählt und er hat mich zum Psychiater überwiesen, der hat mich dann zur Verhaltenstherapie überwiesen.

Na gott sei dank, denkt dein Hausarzt schon mal in die richtige richtung. Allerdings fühlen sich die Ärzte nur einer bestimmten psychotherapeutischen Schule (VT oder PA) verpflichtet und die meisten Mediziner wählen eben eher die VT, da kann man kaum was machen.

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