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Wer kann ebenfalls Kaiserschnitt psychisch schlecht verarbeiten?

sqheZnnxy


wow, so viel feedback, ich freu mich :-) natürlich weniger über eure erfahrungen.. da sind ja wirrklich einige heftige dabei-daran merkt man es geht immer schlimmer :-(

ich erzähl erstma kurz meine geburtserfahrung:

früh war die fruchtblase gerissen, KH wollte mich dabehalten, einen halben tag wurde auf wehen gewartet ( akupunktur,globuli, bauchmassage, treppen hüpfen..). nachmittags dann eingeleitet, nach vier stunden passierte dann auch endlich was, erst gut aushaltbar, dann absolut schmerzhaft. fruchtblase wurde manuell zerstört, dabei "knallte" das baby an mein becken, herztöne im keller, notkaiserschnitt.im op wurde der kleinen blut aus dem schädel genommen, irgendein wert wurde ausgewertet, war wohl okay, notkaiserschnitt wieder abgesagt.wieder im kreißsaal verlangte ich nach einer PDA. als die wirkte war ich wie in trance, alles war mir egal. zwei stunden später entschlossen wir uns für einen kaiserschnitt, weil die geburt nicht weiterging. KS war dann mit pda, gott sei dank nicht mit vollnarkose.

Muttermund war vollkommen geöffnet, aber das köpfchen hätte sich noch ne viertel runde ins becken drehen müssen. daher drückte sie bei jeder wehe gegen mein kreuzbein. ich hatte das gefühl mein becken bricht. daher war der kaiserschnitt ansich eine erlösung für mich, nach 22 stunden geburt.

ich war danach körperlich recht fit, auch jetzt hab ich kaum probleme.

meine tochter war 24 stunden nicht bei mir, sondern lag in diesem wärmedingens auf einer anderen station. direkt nach dem zunähen wurde ich hingeschoben, durfte sie anlegen.

auf mein verlangen wurde ich geholt zum stillen, für mein gefühl aber viel zu selten(nur einmal in der nacht zum beispiel). das arme kind muss hunger gelitten haben.

was mir durch den kopf geht, ist die frage was mein kind gefühlt haben muss.erst die blöden wehen, dann aus der dunkelheit rausgerissen, es ist kalt, mama nicht da, hunger, ganz allein in dem wärmedingens. und erst nach 24 stunden zu mama. sie tut mir jetzt noch so leid. :-(

kennt ihr die dokus auf rtl zwei mittwochs? ich muss jetzt immer heulen wenn die die geburt schaffen und das baby auf die brust gelegt bekommen. ich kann die sendung schon gar nicht mehr anschauen.

stillen klapt auch jetzt noch nicht richtig, und ich hab das gefühl meine tochter hat wenig nähebedürfnis :-(

Leider war auch das KH nicht immer sehr kompetent und freundlich.

ich habe jetzt schon angst vor einer zweiten geburt :-(

sChe.nnxy


zwilling: ich weiss nicht ob ich sagen würde ich mach mir vorwürfe, aber es ist vom gefühl her auf jeden fall gleich mit deinem. den vergleich mit dem bergsteigen fand ich sehr passend und beschreibt das ganze sehr gut.

tut mir leid dass du noch starke körperliche schmerzen hattest, das macht das ganze wahrscheinlich noch sehr viel schlimmer.

ich habe mit noch niemanden über meine gedanken geredet, bin mir sicher das das keiner nachvollziehen kann. wahrscheinlich würden alle sagen dass man ja froh sein kann dass beide gesund sind und man nicht undankbar sein soll. na toll, das weiss man ja selber,aber hilft nicht weiter. :-(

ich denke mit einem geplanten KS kann man sich evtl etwas besser arrangieren, weil man mehr zeit hat vorher, sich damit auseinanderzusetzen. zu einen wunschkaiserschnitt sag ich jetzt mal nichts, schließe mich da den anderen an, absolut nicht nachvollziehbar, wenn er nicht medizinisch indiziert ist.

brummbiene: du hast mein tiefstes mitgefühl, auch wenn dir das nix hilft. :-(

hat irgendjemand schon maßnahmen ergriffen um das geburtserlebnis zu verarbeiten ud mag berichten?

Fbrau &Kop1fsaxlat


zu einen wunschkaiserschnitt sag ich jetzt mal nichts, schließe mich da den anderen an, absolut nicht nachvollziehbar, wenn er nicht medizinisch indiziert ist.

Diese Aussage und Haltung bitte ich doch nochmal zu überdenken.

Es ärgert und verletzt die Frauen hier doch augenscheinlich, wenn ihre Erfahrungen runtergespielt und nicht verstanden werden (im Sinne von "seid doch einfach froh über eure gesunden Kinder").

Ebenso beschränkt ist aber auch das Denken, wenn ihr aus euren Erfahrungen wieder die Wunschkaiserschnitt veruteilt. Über die Erfahrungen und Gedanken, die Frauen dazu veranlassen, verfügt eben ihr wieder nicht.

Mit einem "wie kann man nur" ist doch niemand geholfen.

V!errückst-na+ch-SxC


Oh Mann, wie gerne würde ich mitschreiben und meine Erlebnisse und Gedanken teilen (ich glaube, nur andere, die das auch erlebt haben, können den Schmerz, die Enttäuschung, die Wut und die Trauer verstehen), aber ich möchte nicht, dass mich jemand erkennt.

Ich hab alles auch noch nicht verdaut ((in dem Fall eine maßlose Untertreibung).). Und jetzt steht der 1. Geburtststag unmittelbar bevor und ich hab sooo Schiss vor dem Tag... Alle anderen Mamas, die ich kenne, freuen sich auf den ersten Geburtstag, aber für mich ist die Erinnerung einfach nur der blanke Horror. :°(

Ich kann euch so gut verstehen. :)_

hat irgendjemand schon maßnahmen ergriffen um das geburtserlebnis zu verarbeiten ud mag berichten?

Shenny, ich schick dir ne PN, weil ich es nicht öffentlich schreiben mag.

s~hzen-ny


Frau Kopfsalat: du hast recht.die aussage war meinen schlechten erfahrungen geschuldet.

Verrückt nach SC: danke für die PN. :-)

O]neOnxly


Nun finde ich endlich die Zeit, von meiner Geschichte zu schreiben.

Ich hatte mich zur Geburt darauf eingestellt, spontan zu entbinden. Dafür gab es mehrere Gründe – z.B. hat sich meine Tochter in der 33. SSW doch noch von selbst in die richtige Position gedreht und außerdem hat mein Gynäkologe ab ca. eine Woche vor dem Termin ständig davon gesprochen, dass es bald losgehen wird, dass es nur noch einen kleinen Anstoß braucht und er "Haus und Hof darauf verwettet", dass es bei mir eine spontane Geburt wird. Auch deshalb, weil meine Einstellung dazu so toll ist.

Dann verstrich der ET und es passierte NICHTS. Ich war dann jeden zweiten Tag in der Gyn Praxis, wo CTG gemacht wurde und mein Gynäkologe hat 3 (!!!) Eipollösungen gemacht, die schmerzhaft waren, jedoch wieder NICHTS brachten. 6 Tage nach ET wurde ich ins Krankenhaus überwiesen, um die Geburt einzuleiten. Und damit startete mein persönlicher Wahnsinn. Ich dachte in meiner Naivität, dass man mit der Einleitung beginnt und dann ca. 24 Stunden später sein Baby in Händen hält. Zu Beginn war sich das Krankenhaus unsicher, ob sie überhaupt einleiten sollen, denn normalerweise starten sie ja erst am 7. Tag nach ET. Das kam mir lächerlich vor, denn es war ja bereits der 6. Tag und das Kind wurde auf 4500g geschallt, was mir richtig Angst machte. Ich wollte nicht, dass sie noch größer und schwerer wird. Schlussendlich starteten sie mit der Einleitung. Ich bekam Gel und bekam dann auch Wehen, doch diese Wehen waren schlussendlich nicht Muttermund-wirksam. Es machte mich vollkommen fertig, dass die ganze Schinderei umsonst war. Ich hatte dann noch 3 weitere Tage mit je 2 Einleitungen. Eine Vormittags, eine Nachmittags. Ich war dann mit den Nerven vollkommen am Ende. Alle, die nach mir auf die Geburtenstation kamen, hatten noch vor mir ihr Baby im Arm, waren glücklich und durften nach Hause. Nur ich nicht. Ich wurde schon von allen bemitleidet – toll – ich wollte eigentlich nur endlich mein Baby im Arm haben. Am fünften Tag im Krankenhaus nahmen wir uns Urlaub. Wir mussten raus da und unsere Gedanken frei kriegen. Das tat gut und ich kam voller Mut wieder zurück und hoffte, dass man mir nun eine andere Methode als das Gel anbot. Der Oberarzt meinte dann am sechsten Tag, dass mein Befund für einen Wehentropf nicht passen würde und deshalb mit Gel weitergemacht wird. Meine Hebamme (obwohl Beleghebamme und vorher von mir ausgesucht und suuuper erfahren) war absolut keine Unterstützung. Sie wollte mir nicht ihre Meinung sagen, sie wollte das Baby nicht tasten, um mir zu sagen, ob es wirklich schon so schwer ist. Ich war einfach nur noch enttäuscht. Schlussendlich entschieden mein Freund und ich uns für einen Kaiserschnitt. Wir dachten einfach, dass es einen GRund geben muss, warum sich mein Körper so stark gegen alle mechanischen und medikamentösen Einleitungsversuche wehrte und es nicht losging.

So kam meine Tochter schließlich 11 Tage nach ET auf die Welt.

Auf mein Drängen und Bitten hin sagte mir schließlich die Ärztin, die den Kaiserschnitt durchgeführt hat, dass sich mein Baby in einer Scheitelbeineinstellung befand und zudem Sternengucker war. Somit wäre es nie von selbst losgegangen. Ich wusste also, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Dennoch kamen danach Fragen in mir auf, ob es nicht doch noch von selbst losgegangen wäre, ob ich nicht zu ungeduldig war. Ich bin einfach so maßlos von meiner Hebamme enttäuscht...

Ich fühle mich entstellt, die Narbe ist so hässlich, der Bauch hat sich immer noch nicht vollständig zurückgebildet. Trotzdem möchte ich nicht undankbar sein. Ich habe es überstanden und habe ein gesundes Kind.

Vverrü5c#kt-#nac;h-SxC


@OneOnly

Ich hatte mich zur Geburt darauf eingestellt, spontan zu entbinden.

Ja, das war auch mein "Fehler".

der Bauch hat sich immer noch nicht vollständig zurückgebildet.

Geht mir auch so.

Wie hast du denn den ersten Geburtstag von deinem Kind "überstanden"? Unserer steht unmittelbar bevor und ich hab echt Schiss davor.

Fühl dich mal ganz doll gedrückt. :)_

O&ne7Only


Danke :)_

Vterrfückt-na ch-SC


@shenny

Wie geht es dir denn? Hast du schon mal über meinen Tipp nachgedacht?

GvaraMjonay


Ich klinke mich jetzt hier mal ein, um die andere Seite zu schildern, denn ich kam/komme nicht damit klar, dass es doch kein Kaiserschnitt war. Ich weiß, das klingt bescheuert, deshalb zur Situation:

1. Kind, ET + 10 Tage, Sternengucker + weitere Probleme, nach Einleitung 20 Stunden Wehen und nichts mehr ging voran. Da stand dann die Entscheidung für einen Not-KS im Raum. Es hieß wortwörtlich, man gebe mir jetzt noch eine weitere Stunde, und wenn sich dann nichts tut, dann Not-KS. Es war wie ein Wettlauf gegen die Zeit irgendwie. Nach weiteren 2 Stunden kam dann die Saugglocke zum Einsatz, und mein Baby wurde gewaltsam herausgezogen, eine richtige Hau-Ruck-Aktion. Klar war ich im 1. Moment happy, dass es doch zu einer spontanen Geburt "gereicht" hat (wie lächerlich einem das heute vorkommt...). Doch einige Stunden später merkte ich, dass bei mir einiges kaputt gegangen ist: Riss 3. Grades und aufgrund Verletzungen von Nervenbahnen (durch das Herauszerren mit der Saugglocke) Lähmungen im kompletten Unterleib ich konnte 3 Wochen lang nicht ohne hilfe urinieren oder Stuhlgang haben,, war vor lauter Schmerzen und Problemen kaum in der Lage, mich um mein Kind zu kümmern. Die Bettnachbarin hatte einen KS, klar ging es ihr auch nicht besser. Aber während sie jeden Tag sich mehr erholte, blieben bei mir die Probleme, und im KH war man ratlos, was man jetzt wegen der Lähmungen machen soll. Ich war so unendlich traurig und habe es bereut, mich nicht für den KS entschieden zu haben.

Als ich mit meinem Baby aus dem KH entlassen wurde, war ich immer noch nicht gesund. Es hieß, ich müsste wahrscheinlich einfach damit leben. Meiner Bettnachbarin (mit dem KS) ging es bis auf die schmerzende Narbe schon wieder ziemlich gut.

ICh war so sehr mit mir selbst und diesen Problemen beschäftigt (bin nach Entlassung von Arzt zu Arzt gerannt), dass die Versorgung meines Babys etwas in den Hintergrund trat (mein Mann hat sich hauptsächlich um ihn gekümmert). Es hat mich so so traurig gemacht. Und immer die Frage: wäre mit einem KS alles anders gekommen?

Irgendwann nach 3-4 Wochen hat sich mein Zustand gebesssert und ich bin endlich mit meinem Baby angekommen, konnte damit anfangen, eine Bindung aufzubauen.

Diese Geburt und die Tage dacnach waren das Schlimmste, was ich in meinem Leben durchmachen musste, und sowas ist echt sehr traurig. Ich habe geweint, wenn ich Serien über Geburten angesehen habe.

Die Geburt des 2. Kindes hat mich dann wieder versöhnt mit dem Thema. Blitzgeburt in 1 Stunde. Keine Probleme danach.

Leider ist es so, dass meine Bindung zu Kind 2 stärker ist als zu Kind 1 :°( Ich schäme mich dafür! Und ich weiß, dass es an dieser furchtbaren Geburt und den Tagen danach liegt :°( Ich wünschte, ich könnte es ändern. Ich wünschte, ich hätte mich damals einfach für einen KS entschieden. Dann würde ich mich wahrscheinlich heute so fühlen wie ihr, aber es wäre insgesamt doch besser gewesen...

OPneOnflxy


Danke, dass wir auch mal die andere Seite lesen konnten...

Ich kann die Probleme, die du schilderst, gut nachvollziehen.

Wie schön, dass dich dein zweites Geburtserlebnis entschädigt hat. Vielleicht kommt dir die stärkere Bindung auch nur so vor, weil dein zweites Baby natürlich noch kleiner ist und dich mehr braucht.

V~er#rückt?-nach-xSC


@Garajonay

Auch ich danke dir für deinen Bericht. Ich hoffe auch auf ein zweites entschädigendes Geburtserlebnis.

Leider konnte auch ich mich wochenlang nicht um mein Kind kümmern und das lag nicht an der Narbe. Und leider ist die Bindung zwischen mir und dem Kind deutlich schlechter als zwischen Vater und Kind. :°(

Ich habe mich oft gefragt, ob mein Kind so ein fittes, gesundes, fröhliches, kräftiges Kind wäre, wenn es wie deins geboren worden wäre...

Jmohannxa84


Interessantes Thema. Mein Kaiserschnitt ist ziemlich genau 11 Jahre her und abgesehen von den körperlichen Schmerzen danach habe ich überhaupt keine Probleme damit. Bei mir ist auch nicht alles gelaufen wie geplant. Ich hatte schon den Termin für den Kaiserschnitt (mein Sohn hatte einen riesigen Kopf und mein Becken ist viel zu schmal für eine Spontangeburt, das wurde extra vermessen, außerdem hatte er die Nabelschnur um den Hals), habe aber vor dem Termin Wehen bekommen und so war der Kaiserschnitt mit Spinalanästhesie doch relativ hektisch. Während der OP selbst ist manches schiefgegangen, aber inzwischen habe ich das erfolgreich verdrängt. Ob ich irgendwie versagt habe, hab ich mich eigentlich nie gefragt und ich muss ganz ehrlich sagen, ich war froh, dass ich den Kaiserschnitt bekomme, weil ich wirklich Angst vor einer Spontangeburt hatte. Heute weiß ich, dass zumindest bei mir wochenlange Schmerzen damit verbunden sind, aber mir hat diese "Geplante" irgendwie Sicherheit gegeben. Auch wenns letztendlich nicht ganz geklappt hat. Sollte ich nochmal schwanger werden, wird es wieder ein Kaiserschnitt, das haben mir die Ärzte schon gesagt. Mein Becken ist so blöd geformt, dass da kein Kindskopf durchpasst.

Mein Sohn hat sich übrigens super entwickelt, er ist größer als er sein müsste und ich denke, eine engere Bindung kann man nicht haben. Ich wünsche euch, dass ihr eure Geburtserlebnisse gut verarbeiten könnt. @:)

Im übrigen habe ich großen Respekt vor allen Mamas, Spontangeburten und auch Kaiserschnitte sind kein Spaziergang und leider habe ich oft den Eindruck, es geht darum, wer mehr geleistet hat. Ich denke, wir leisten alle viel, die Erziehung ist wesentlich schwieriger als das auf die Welt bringen. ;-)

d'eviliHndi-sguise


Gut, daß es diesen Thread gibt. Und schade, daß ich ihn nicht gefunden habe, als er neu war. Da waren meine Probleme mit KS nämlich auch noch sehr akut.

Ich versuch mal zusammenzufassen:

Schwangerschaft alles prima, kein Hinweis auf Probleme, außer daß einmal das Kind möglicherweise nicht so richtig weitergewachsen ist, aber dann wird doch wieder Entwarnung gegeben.

2 Tage vor ET Kontrolle bei der FÄ: Alles super, Gewebe schon ganz locker, "jetzt müssen Sie nur noch Wehen bekommen und dann geht das ganz schnell und leicht". Fruchtwasser ist wenig, "aber ist nicht so wichtig so kurz vor der Geburt".

ET: Kontrolle im Krankenhaus (nur weil Wochenende ist). Wegen des Fruchtwassers wird doch noch ein US gemacht. Die Ärztin spricht kein Deutsch (und ich kein Hindi) und sagt nur schroff "geht nicht". Die Schwestern erklären mir, daß man gern einen Wehenbelastungstest machen würde. Ich müsse dann aber über Nacht bleiben, da es häufig in der Folge zur Geburt kommen würde. Da bin ich natürlich dafür!

Wehenbelastungstest: CTG zeigt beeindruckende Wehenberge. Alle wundern sich, wieso ich nicht vor Schmerzen schreie, die Ärztin sagt "tapfer", aber ich spüre keine Wehen. Nicht im Geringsten. Nun ja, ich übernachte im KH und mein Mann zieht mit ins Familienzimmer ein.

Bis hierher schien alles bestens zu sein.

Am nächsten Morgen kommt eine andere Ärztin (mit der ich mich sprachlich verständigen kann)und erklärt, der Belastungstest wäre nicht so gut gewesen und man müsse jetzt die Fruchtblase öffnen. Sie teilt mir das als Tatsache mit, ich frage aber nach, 1. was man sich davon erhofft, 2. in wieviel % der Fälle das Erhoffte eintritt und 3. was passiert, wenn das Erhoffte NICHT eintritt. Die Ärztin gibt sich bedeckt, aber eine Hebamme teilt hinter vorgehaltener Hand mit: Erfolgschance ca. 50%, sonst Kaiserschnitt. Daraufhin schickt man mich erst mal wieder ins Zimmer. Am Mittag wieder die Ärztin: Man werde hormonell einleiten.

Auch hier mußte ich dem Personal wieder alle Infos aus der Nase ziehen.

Was mir jedoch trotz allem Fragen NICHT gesagt wurde, war, wie gefährlich die Einleitung per Gel oder Tablette ist. Wenn ich das gewußt hätte, hätte ich niemals zugestimmt: In über 10% der Fälle kommt es zum Herztonabfall beim Kind und infolgedessen zum (Not-)Kaiserschnitt, außerdem besteht die Gefahr einer Uterusruptur. Das weiß ich erst seit meiner Vorbereitung auf meine zweite Geburt – seither bin ich der Meinung, daß die sogenannte "Einleitung" ein Verbrechen ist. Bei mir kam noch dazu, daß das nicht zugelassene Cytotec verwendet wurde, OHNE mich darüber aufzuklären, daß es zugelassene und erwiesenermaßen bessere Mittel gibt (obwohl auch die ähnliche Risiken aufweisen).

Zusammenfassung: 2 Wochen war ich im KH, zwei Wochen lang wurde ich morgens und abends mit Gel und Tabletten "behandelt". Ich war bald mit den Nerven fertig, auch lösten diese Hormongaben bei mir depressive Zustände aus, aber ich wollte unbedingt durchhalten. Ich bekam in dieser Zeit keine einzige Wehe und nur wenige Informationen, das Wenige mußte ich alles aus dem Personal rauspressen. Außerdem sagte jeder was anderes.

Nach zwei Wochen dann wieder so eine Routine-CTG-Kontrolle. Herztöne sehr schlecht, Notkaiserschnitt. Wäre das CTG zufällig eine halbe Stunde später gemacht worden, wäre es zu spät gewesen.

Ich bekam das, was viele (verständlicherweise!) vermissen: Das Kind direkt nach der Geburt ausgehändigt, nur locker in ein Tuch gewickelt. Ich empfand aber kein Glücksgefühl, weil ich unter Schock stand. Ich fühlte mich wie nach einem Autounfall. Dazu kam noch, daß gerade an diesem Tag mein Mann mal kurz nach Hause gegangen war und man ihn nicht erreichen konnte – so kam er erst dazu, als schon alles gelaufen war. Für ihn war es ein glückliches Erlebnis. Das war vielleicht das Schlimmste: Daß ich eine Katastrophe erlebt hatte und er ein freudiges Ereignis. Das hat unsere Beziehung lange Zeit sehr belastet. Er konnte einfach nicht verstehen, was mit mir los war.

Meinen Schock (ich wäre vor Zittern fast aus dem Bett gefallen) ignorierte das Personal komplett, überhaupt wurde ich plötzlich ignoriert, das Kind wurde mir auf die Brust gelegt und da lag es. Ich durfte mich nicht ausruhen, nicht schlafen. Denn es hatte doch mein allergrößter Wunsch zu sein, ständig in Körperkontakt mit meinem Baby zu sein, sonst wäre ich ja eine schlechte, gefühlskalte Mutter! Ich habe mir nur gewünscht, mal ein paar Stunden zu schlafen.

Folge dieses Erlebnisses war eine ausgewachsene Depression und wahrscheinlich auch Angststörung, die aber niemand mitkriegen durfte, ich hatte Angst, daß man mich einweisen und mir evtl. das Kind wegnehmen würde (das ich tadellos versorgt habe, aber um mich selbst habe ich mich nicht mehr gekümmert).

Etwas besser wurde es, nachdem ich mit einer speziell ausgebildeten Hebamme Gespräche geführt hatte (meine Nachsorgehebamme hatte nur Unverständnis und Verachtung für unfrohe Mütter). Noch einmal besser, als ich dann zu arbeiten anfing und das Leben wieder aus mehr bestand als aus dem Muttersein.

Wirklich, wirklich besser – ich würde sagen, wieder gut – geht es mir seit der Geburt unseres zweiten Kindes, die spontan und komplikationslos verlaufen ist. Ich weiß jetzt, daß ich NICHT unfähig bin, Wehen zu bekommen. Ich weiß außerdem, daß ich falsch und gefährlich behandelt und nicht aufgeklärt wurde, was nicht meine Schuld ist (habe wirklich hartnäckig Fragen gestellt, aber bin nun mal keine Hellseherin). UND, was wahrscheinlich das Wichtigste ist: Ich war dieses Mal in einem anderen Krankenhaus, dort waren alle sehr verständnisvoll und vor allem ehrlich und offen, so wurden auch Risiken offen benannt, mir wurden kompetente Entscheidungen zugetraut und diese wurden respektiert; und man interessierte sich nicht nur dafür, ein körperlich gesundes Kind rauszukriegen, sondern auch dafür, wie es mir dabei ging. In dem ersten KH fühlte ich mich wie ein Stück Dreck, in dem zweiten wie... wie ein Mensch eben.

Sorry, das war lang, aber die Sache hat halt lange gedauert...

MIo4yi


Das Einleitung mit Gel oder Tablette gefährlich ist, wusste ich z.B auch nicht. Gibt es dafür eigentlich Alternativen? Bei mir war ja der Termin überschritten um 11 Tage, ab Tag 9 wurde mit Gel eingeleitet.

Meiner Tochter ging es aber zum Glück unter der Geburt die ganze Zeit sehr gut. Mir nicht so, die Wehen waren überhaupt nicht mit denen bei meinem Sohn zu vergleichen, sondern irgendwie unkontrolliert und viel schmerzhafter.

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