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Meine beste Freundin ist depressiv, suche Ratschläge

R4ainSsunCongverter hat die Diskussion gestartet


Sie nimmt täglich Medikamente dagegen und hat regelmäßig Phasen, wo sie total emotionslos ist und mit leerem Blick an die Wand starrt. An anderen Tagen ist sie die Liebe in Person. :-)

Die Psychose hat sie durch ihre Kindheit, in welcher sie von ihrem Vater (Alkoholiker) geschlagen und gemobbt wurde. Wenn es ihr so schlecht geht, dann meide ich den Kontakt mit ihr, da sie mich dann total runterzieht, finde das aber auch irgendwie nicht okay von mir, da ich eigentlich für sie da sein müsste, denke ich.

Habt ihr eventuell Tipps für mich, wie ich ihr helfen kann oder mit ihr umgehen sollte, wenn es ihr schlecht geht? Vielen Dank! :)*

Antworten
RfainTSunC4onverxter


Es läuft auch was zwischen ihr und mir, hat aber nix mit richtiger Liebe zu tun, denke ich.

ZQwtaSck4q4


Hallo,

ich habe den Verdacht, dass Deine Freundin nicht so gut eingestellt ist wie sie sein könnte, denn diese leere-Blick-Phasen sollten ja eigentlich gar nicht mehr auftauchen. Vielleicht braucht Deine Freundin auch eine Therapie, um Belastendes aufzuarbeiten, aber ich denke, sie muß erst einmal in einen Zustand gebracht werden, in dem sie sich dieser Therapie stellen kann (Therapieplätze sind im übrigen rar.)

Ich habe gelernt, meinem Psychiater die Wirkungen und Nebenwirkungen meiner Antidepressiva so genau zu schildern, dass er mich bei Medikamentwechsel und Dosierung immer sehr gut beraten konnte (Das Problem der ADs ist, dass sie bei jedem Menschen anders wirken). Sprich mit Deiner Freundin und rate ihr zu engmaschigen Beratungsgesprächen mit ihrem Arzt/Psychiater. Entweder muß die Dosierung erhöht werden oder das gegenwärtige Mittel muß durch ein geeigneteres ersetzt oder ergänzt werden.

Skilkber


Da möchte ich mich Zwack44 anschliessen! :)z

wobei ich mich gerade frage -was hat sie nun, Depression oder Psychose? Oder beides?

finde das aber auch irgendwie nicht okay von mir, da ich eigentlich für sie da sein müsste, denke ich.

Jein. Für jemanden da sein bedeutet auch, dass man auf sich selber achtet. Es bringt deiner Freundin nichts, wenn es dir schlussendlich dann selber schlecht geht, weil du aus lauter Hilfsbereitschaft nicht auf dich selber hörst. Gerade wenn es jemandem sehr schlecht geht, gehört die Person sowieso in die Hände einer Fachperson. Das kann man als Laie einfach nicht selber schaffen - weder als Betroffener noch als Angehöriger.

Ich denke, dass du schon viel für sie tust, indem du einfach weiterhin da bist. Das ist nicht selbstverständlich, es gibt genug Menschen, die sich, wenn man psychisch krank ist, abwenden - nach dem Motto "mit sowas will ich nichts zu tun haben". Eine andere Möglichkeit wäre, sie zu fragen, ob sie selber konkrete Vorschläge hat. Vielleicht eine gemeinsame Unternehmung oder sowas in die Richtung. und wie gesagt - pass auf dich auf und zieh Grenzen, wenn es dir zuviel wird! Das ist wichtig.

RHain SunCoanvexrter


Vielen Dank ihr zwei! :)* Habt mir sehr geholfen. Dann bleibe ich von nun an auf Distanz, wenn sie so am Ende ist bzw. bin für sie da und nehme sie einfach mal in den Arm oder sowas.

Sie hat keine Psychose. Ich dachte nur, dass diese AD-Geschichte in die Kategorie Psychose gehört... Sie hat eine sehr schlimme Kindheit gehabt, wurde geschlagen, hat Drogen genommen und so weiter. Ich weiß nicht, wie sie sich ihren Problemen stellen soll bzw. ich bezweifle, dass sie es hinkriegen wird.

Sie meinte, dass die Krankheit einen Großteil ihrer Persönlichkeit ausmacht und sie nicht weiß, was nun charakterlich zu ihr oder zu der Krankheit gehört.

Ich werde dann auf Abstand bleiben, wenn es ihr so schlecht geht. Sie probiert schon verschiedene Medikamente aus. Allerdings säuft sie regelmäßig, was wahrscheinlich nicht im Sinne des Medikamenterfinders ist.

s/ucazme4dica


Du kannst ihr helfen, indem Du sie in ihren schlechten Phasen nicht bedrängst, etwas zu tun, was sie nicht mag/kann und nicht beleidigt bist, wenn sie ablehnt. Du kannst ihr auch anbieten, dass sie Dich anrufen kann oder Du sie besuchst, wenn sie möchte, ihr eben einfach das Gefühl geben, dass Du für sie da bist, ohne aber aufdringlich zu sein. Andererseits musst Du immer wieder sagen, dass Du sie gerne magst, egal, wie gut oder schlecht sie drauf ist. Wenn man depressiv ist, kommt sowas kaum an und es ist wichtig, dass man es wiederholt. Sie wird darauf zwar keine Regung zeigen (können), aber sie wird es zu schätzen wissen.

Mir geht es so, dass ich einfach gerne dabei sein möchte, ohne selbst die Initiative ergreifen, ohne aktiv sein zu können. Wenn man mich dann einfach ein wenig an die Hand nimmt, ohne von mir zu fordern und selbst wenn ich einen ganzen Abend nur schweigend dabei sitze, tut mir das gut. Und es tut unheimlich gut, wenn mir meine Freunde immer wieder das Gefühl geben und auch sagen, dass sie mich schätzen. Ich kann das nicht erwidern, aber sie wissen es.

REainSuEnConvxerter


Sucamedica, Tausend Dank für deine hilfreiche Erklärung!!! :)*

Du hast mir echt damit geholfen! Ich wusste nicht, wie die Zusammenhänge zwischen ihrem Denken und ihrer Emotionslosigkeit sind.

Meinst du, ich sollte ihr raten, sich wieder einen Therapieplatz zu besorgen?

Sie meint leider, dass es bei ihr nicht viel bringt, da sie sich erkundigt hat, wie das funktioniert und das Spiel schon durchschaut hat, sodass sie vermutlich ihre eigenen Spielregeln aufstellen würde. Sie sagt mir immer wieder, dass sie eigentlich nicht mehr leben will, was ich bei ihrem Hintergrund leider auch verstehen kann... %-| Natürlich will ich sie weder durch Suizid verlieren noch durch aufdringliche Hilfsversuche... :-(

s2ucam edicxa


Gerne geschehen.

Auf jeden Fall solltest Du sie ein wenig ermutigen, es nochmal mit einer Therapie zu versuchen. Ist sie denn irgendwo in Behandlung, nimmt sie Medikamente? Natürlich solltest Du sie dabei nicht bedrängen, aber Möglichkeiten aufzeigen, ihr dabei helfen, Therapeuten zu kontaktieren etc. und ihr auf jeden Fall signalisieren, dass Du sie, egal, was sie tut oder nicht tut, immer noch magst, denn das Gefühl ein Versager zu sein verstärkt sich noch, wenn man von Außen aufgefordert wird, Dinge zu tun, die man dann doch nicht schafft, man hat Angst, dass der Andere einen dann nicht mehr mag. Ein typisches Symptom der Depression ist auch, dass man keine Entscheidungen treffen kann, was man tun soll und die Antriebslosikeit lässt einen wie gelähmt in der momentanen Situation verharren. Da kannst Du ihr auf jeden Fall ein wenig helfen, indem Du sie immer mal wieder darauf ansprichst und ermunterst, Vorschläge machst, ihr zur Seite stehst und sie ein wenig an die Hand nimmst. Du wirst schon merken, wie weit Du dabei gehen kannst, dass sie sich nicht bedrängt fühlt, versuche dabei einfach, auf Dein Gefühl zu hören.

Ich war, als es mir ganz schlecht ging, meinen Psychiater sehr dankbar für die To-Do-Liste, die er mir geschrieben hatte und die ich dann nach und nach abarbeitete. Ohne seine Hilfe hätte ich das wohl nicht geschafft. Und momentan hat mir meine Therapeutin bei etwas, was ich tun muss, zu dem ich aber einfach keinen Antrieb finde, weil es mit vielen negativen Erinnerungen behaftet ist, eine kleine Vorgabe gemacht, die ich bis zum nächsten Termin erfüllen soll. Natürlich reißt sie mir nicht den Kopf ab, wenn ich es nicht ganz oder gar nicht schaffe, aber es hilft mir, dass sie für mich da ist.

Wirklich tun kannst Du für einen Depressiven im Prinzip nicht, das ist auch der Grund, warum so viele an einer Depression erkrankte Menschen alleine gelassen werden, ihre Freunde und Bekannte fühlen sich hilflos und ziehen sich dann zurück, das ist in vielen Fällen nicht mal böse gemeint. Manchen ist man aber auch schlichtweg lästig mit der gedrückten Stimmung, sie wollen ihren Spaß haben und sich damit nicht befassen. Aber es macht die Depression noch schlimmer, noch einsamer, noch hoffnungsloser. Dabei sind es eigentlich ganz kleine und einfache Dinge, manchmal nur winzige Gesten, mit denen Du einem Depressiven helfen kannst: Verständnis zeigen, nicht genervt sein, wenn der Erkrankte zum wiederholten Male über dieselbe Sache spricht oder gar klagt, ihn unterstützen, aber nicht bevormunden, ihn an die Hand nehmen, ohne zu fordern.

Sicher ist das nicht immer ganz einfach und kostet Kraft und viel Feingefühl. Aber Deine Freundin wird es Dir danken, auf ihre Weise. Sie gibt es vielleicht nicht mit einem Lächeln oder einer Umarmung zurück, sondern vielleicht verbal mit monotoner Stimme, weil sie es eben nicht anders kann, da sie eben keine Gefühle zeigen kann. Mir geht es so und ich habe mir angewöhnt, den Menschen um mich herum einfach zu erklären, was bei mir ein wenig anders ist, dass sie es mir nicht böse nehmen sollen und ich sage ihnen einfach ab und zu mal, dass ich es unheimlich hilfreich und nett finde, wie sie sich mir gegenüber verhalten. An einer Ladenkasse kann ich das natürlich nicht, aber statt des freundlichen Lächelns wünsche ich der Verkäuferin eben verbal einen schönen Tag und bedanke mich, das kam bisher immer sehr gut an und wurde verstanden.

Genau das ist auch ein ganz wichtiger Punkt: man muss miteinander reden, sich sagen, was man empfindet, wie man es meint, dann gibt es keine Missverständnisse und die Freundschaft bleibt erhalten.

Ich finde es klasse, dass Du Dir hier im Forum Hilfe suchst, um Deine Freundin zu unterstützen, dass Du sie nicht fallen lässt. Ich wünsche Euch, dass es ihr bald wieder besser geht und auch Du solltest auf Dich achten. Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du mir gerne jederzeit schreiben.

s.ucaxmedicxa


Zu den Suizidgedanken kann ich Dir sagen, dass ich sie auch jeden Tag habe und insofern Deine Freundin sehr gut verstehen kann. Morgens, wenn ich aufstehen muss, denke ich, ach wäre ich doch nie wieder aufgewacht, wenn ich über eine Straße gehe, wünsche ich mir, überfahren zu werden und wenn ich am Abend zu Bett gehe ist mein sehnlichster Wunsch, nie wieder aufzuwachen. Das ist solch eine starke Sehnsucht, dass es weh tut. Da ist es ganz wichtig, nicht ablehnend oder gar aggressiv zu reagieren, wenn sie eine suizidale Bemerkung macht. Wenn sie darüber reden möchte, dann rede mit ihr. Das ist nämlich etwas, was man sonst kaum tun kann: über seine Suizidgedanken und -phantasien sprechen. Man ist alleine damit und das verstärkt den Wunsch, sterben zu wollen, noch um ein großes Stück. Wenn Du ihr zu verstehen gibst, dass sie mit Dir ganz offen darüber reden kann, wird ihr das eine Erleichterung sein und das ist die beste Suizidprophylaxe, die Du ihr zukommen lassen kannst. Du kannst ihr dabei sagen, dass die Welt ohne sie sehr viel ärmer wäre und Du und andere Freunde sie vermissen würdet, wenn sie sich etwas antäte.

Falls die Suizidalität sich aber verschlimmern sollte, wenn Du das Gefühl hast, überfordert zu sein, dass sie sich wirklich etwas antun möchte, dann hole Dir auf jeden Fall professionelle Hilfe. Das kann der Sozialpsychiatrische Dienst in Deiner Stadt, ein Arzt, eine Klinik oder wenn es ganz eilig ist, auch die Polizei sein.

Und vielleicht hilft es Dir ja auch, mal einfach die Telephonseelsorge anzurufen. Die sind auch mit diesem Thema geschult und wissen, was zu tun ist und können Dir helfen, denn Du brauchst unter Umständen auch jemanden, der Dir zuhört.

RFainSuWn,Conxverter


sucamedia: Vielen, vielen Dank für die Ratschläge! Du bist scheinbar genauso dran, wie sie. Du bist ein netter Mensch!

Scheinbar mache ich dann bisher bei ihr alles richtig. Was mir ein wenig unbehagen bereitet, ist allerdings, dass ich mal geträumt habe, wie ich mit ihr nachts in einem Paddelboot auf's Meer rudere und wir beide von einer Welle gepackt werden und gemeinsam im Meer verschwinden. Im Endeffekt habe ich auch hin und wieder Todessehnsüchte... Ich habe ihr immer von meinen Träumen erzählt, was sie ganz gern hat, da sie oft darin vorkommt und sie dadurch merkt, wie gern ich sie mag. Komischerweise habe ich ab und zu das Bedürfnis, ihr das zu erzählen, aber ich mache es nicht, da es sie nur belasten oder verschrecken würde... Wie siehst du das?

sHulcamedLica


Wenn Du selbst mitunter Todessehnsucht hast, kannst Du Deine Freundin ja auch ein wenig verstehen. und Du hast ja schon selbst gemerkt, dass es ihr gut tut, von Deinen Träumen, in denen sie vorkommt, zu erzählen. Das ist doch schön.

Was den Traum mit der Welle betrifft, so denke ich, dass Du auch davon erzählen kannst, je nachdem, wie es sich eben ergibt. Aber so wie ich Dich einschätze, hast Du ein gutes Feingefühl und wirst den richtigen Zeitpunkt dafür finden, vielleicht nicht gerade, wenn es ihr ganz schlecht geht. Dass Du selbst mitunter Todesgedanken hast, kannst Du Deiner Freundin ruhig anvertrauen, dadurch wird sie sich erstens besser verstanden fühlen und zweitens vielleicht auch vertrauensvoller sein, wenn es darum geht, sich Dir anzuvertrauen, wenn ihre Suizidalität schlimmer wird, so dass Du professionelle Hilfe holen kannst.

RZainSunCHonveDrtexr


Mal eine Frage an dich, @sucamedica: Sie hat mir erzählt, dass sie ab und zu ritzt, damit ihr seelischer Schmerz vom physischen Schmerz überblendet wird. Hast du solche Phasen auch? Kann ich ihr da irgendwie helfen, damit sie nicht ritzt? Oder muss ich einfach bei ihr sein, damit sie nicht alleine ist?

s5ucamexdica


Ja, das mache ich auch. Wirklich abhalten kannst Du Deine Freundin nicht davon. Aber es hilft tatsächlich, wenn sie nicht immer alleine ist, denn in Anwesenheit von anderen Menschen greift man normalerweise nicht zur Klinge.

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