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Wird mich eine Therapeutin in den Arm nehmen und trösten?

A0vxem hat die Diskussion gestartet


Ich hoffe, ihr findet meine Frage nicht seltsam, denn vielleicht bin ich ganz auf dem falschen Dampfer. Ich spiele mit dem Gedanken, eine Therapie zu machen, weil ich einige Probleme habe, die ich gerne ordnen möchte. Nun weiß ich, dass es mich sehr aufwühlen wird, über diese Dinge nachzudenken oder sogar zu sprechen. Ich fürchte, in Tränen auszubrechen und frage mich, wie Therapeuten in so einem Fall reagieren. Mir ist klar, dass es auf die Person ankommt, aber dennoch interessieren mich eure Erfahrungen. Ich würde mir nämlich wünschen, in so einem Moment in den Arm genommen zu werden. Habe mal oberflächlich mit einer Bekannten darüber geredet, die eine Therapie hinter sich hat und die meinte, ein professioneller Psychologe wird einen Patienten nie trösten, das sei nicht seine Aufgabe. Distanz und Fachlichkeit seien sein Metier, nicht Zuneigung und Menschlichkeit.

Das hat mich ehrlich gesagt ein bisschen erschreckt.

Ich weiß, dass eine Therapeutin keine Freundin sein kann, aber ohne etwas Zuwendung kann ich es mir nicht vorstellen, mich zu öffnen. Wie ist das bei euch, trösten euch eure Therapeuten?

Antworten
TzraumHale


Hallo Avem,

ich mache auch eine Therapie und mein Therapeut tröstet mich nicht in dem Sinne ,daß man jemanden in den Arm nimmt (zu körperlichen Kontakt kommt es in Therapien ja normalerweise nicht,außer dem Handschlag zur Begrüßung) Aber dennoch ist es nicht so,daß Fachlichkeit und Distanz seine aufgabe wären und nicht Zuneigung und Menschlichkeit. Im Gegenteil ohne Menschlichkeit und Zuneigung könnte man so einen Beruf doch gar nicht professionell ausüben,denn der Therapeut muß doch mitfühlen wie Du Dich fühlst,um Dich zu verstehen,auf Dich einzugehen und wenn er nicht menschlich wäre und Zuneigung hätte,dann könnte er den Beruf eig.gleich vergessen Mein Therapeut ist oft sehr gerührt und hat auch manchmal Tränen in den Augen,wenn ich ihm schlimmes erzähle von früher und ich sehe in seinen Augen Zuneigung zu mir und Freude wenn ich komme (er strahlt dann auch im Gesicht und lächelt ) oder es gibt auch Stunden,da sehe ich daß er wütend ist oder genervt von mir. Er hat mir selber gesagt,daß er nur mit Pat.arbeiten kann,die er auch mag,sonst könnte er den Beruf nicht machen und wählt sich seine Pat.daher auch aus, behandelt also Leute,wo er mitfühlen kann und ohne Mitgefühl und Zuneigung entsteht eig.auch keine Empathie und das ist ja gerade wichtig in der Therapie . Allerdings muß ein Therap.trotzdem eine gewisse Distanz aufbauen,es gibt ja auch keinen privaten Kontakt und er muß sich da irgendwie abgrenzen,doch Mitgefühl spüre ich da schon und so kann ich mich da auch öffnen . Verstehe Dich gut,wenn Du meinst,daß Du Dich sonst nicht öffnen könntest.Wie auch,denn sonst würdest Du Dich ja quasi ausliefern wie wir es ja so oft als Kinder tun mußten wo wir noch völlig hilflos und auf uns gestellt waren...Aber in den Arm nehmen,das machen Therap.nicht und er sagt auch nicht,daß er Mitleid hat oder so,doch ich sehe es an seinen Augen und man spürt es einfach,ob Zuneigung da ist oder nicht. Wünsche Dir ganz viel erfolg,daß du jmd.findest,der einfühlsam und mitfühlend ist. Bloße kühle Sachlichkeit wäre da alleine nicht ausreichend.

TTraum0ale


Muß aber noch dazu sagen,daß es nicht immer einfach ist einen guten Theapeuten zu finden. Und ich würde auch nur zu jemanden gehen,wo Du Dich gut aufgehoben und angenommen fühlst . Also lieber länger suchen als zu früh wo anfangen,wo keine Empathie da ist.

A{vem


Hallo Traumale,

danke für den kleinen "Bericht", wie du das bei deiner Therapie wahrnimmst. Das mit dem Mitgefühlt und der Empathie beruhigt mich schonmal. Gut zu wissen, dass nicht nur mir das wichtig ist und dass es Menschen gibt, die das in dieser Situation bereits kennenlernen durften.

Enttäuscht bin ich, was das Thema Körperkontakt angeht. Ich habe im Alltag große Probleme, Berührungen zuzulassen, aber wenn ich einmal vertraue, dann benötige ich sie wie die Luft zum atmen. Die Vorstellung, mein Leben vor einer Person auszubreiten, die mir nur starr gegenübersitzt, gefällt mir nicht.

Sind Berührungen wirklich so unüblich? Vielleicht deshalb, weil es die meisten Patienten gar nicht wollen? Eine Kuschelsession soll es natürlich nicht werden ;-D ;-) aber mal kurz die Hand halten oder ähnliches? :-/

Suilobxer


Berührungen: Ich habe schon von mehreren Personen gehört, dass sie auch mal vom Therapeuten umarmt werden. Für mich selber wäre das undenkbar; meine Therapeutin würde für mich dann irgendwie ihre Neutralität verlieren. Klar mag ich sie; aber sie ist trotzdem meine Therapeutin - und genau aus dem Grund kann ich ihr so vieles erzählen. Genauso wäre es ein Problem, würden wir jetzt zusammen ins Kino gehen - das bekäme dann so einen "freundschaftlichen" Touch.

Das ist vielleicht die Gefahr. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, dass es Patienten gibt, die sich - z.B. wegen früheren Erfahrungen - nicht trauen, zu sagen, dass sie nicht berührt/umarmt werden wollen. Oder die Beziehung wird zu intensiv - das ist auch für den Patienten nicht gut.

Oder aber: Vielleicht kann sich der Therapeut dann nicht mehr so gut abgrenzen. Letztendlich sind das ja auch nur Menschen und wenn das dann so persönlich wird, nimmt einen das Leid des Patienten vielleicht noch mehr mit.

Die Aussage deines Bekannten kann ich jedoch nicht vollständig bestätigen - Eine gewisse Distanz ja; würde man alles komplett an sich rankommen lassen, ginge man daran wohl kaputt. Zumindest gehe ich mal davon aus. Aber menschlich ist meine Therapeutin durchaus. :)z bei meiner früheren Therapeutin war das anders, ich hatte immer das Gefühl, dass sie total unbeteiligt ist. Sie war schon nett und sowas, aber sie hat sich sehr stark abgegrenzt. Ich hätte z.B. auch nie ausserhalb der Stunden mit ihr in Kontakt treten dürfen. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits hat mich das doch irgendwie gestört. Das Wissen, dass ich mich im Notfall bei meiner Therapeutin melden könnte (war nie nötig bisher), hilft mir sehr.

Tvraumaxle


Verstehe Dich schon . Ich war meinem Therapeuten auch schon seelisch so nahe,daß ich ihn mal gerne in den Arm genommen hätte .Doch soweit ich weiß macht da keiner eine Ausnahme. Denke es ist auch so,weil sonst der Wunsch eher aufkommt nach auch z.Bsp privatem kontakt (obw.so Wünsche ja auch so aufkommen können,doch dennoch ) Wenn es so bei Dir ist,daß der körperl.Kontakt Dir wichtig ist um Dich zu öffnen ist das ja blöd. Dieses starr Sich gegenüber sitzen,ja manchmal ist das ein bischen komisch .Doch ich spüre da im Gegenzug in meiner Therapie echt Empathie und Sorge und so und das ist mir daher daher pers.wertvoller und wichtiger als Körperkontakt. Finde es aber gut,daß Du Dir soviele Gedanken machst und so aufpasst,daß Du nichts tust,wo Du Dich vielleicht unwohl fühlst damit !

Ttraumfale


Ist bei mir übr.auch so wie bei Silber,daß ich mich da im Notfall melden kann und ich habs auch schon oft per Mail gemacht.Also ich darf da sogar Mails schreiben,wenn er z.Bsp im Urlaub ist oder am WE und es mir ganz ganz schlecht geht und manchmal war mir das ne große Hilfe. ich mache das aber auch nur,wenns mir wirklch "dreckig " geht ,doch dann wars hilfreich da ich da noch besser mich mitteilen konnte,wie ich mich in dem Moment fühle,was gerade hochkommt und so...

A^vem


Berührungen: Ich habe schon von mehreren Personen gehört, dass sie auch mal vom Therapeuten umarmt werden.

Gut, das lässt mich hoffen.

bei meiner früheren Therapeutin war das anders, ich hatte immer das Gefühl, dass sie total unbeteiligt ist. Sie war schon nett und sowas, aber sie hat sich sehr stark abgegrenzt. Ich hätte z.B. auch nie ausserhalb der Stunden mit ihr in Kontakt treten dürfen. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits hat mich das doch irgendwie gestört. Das Wissen, dass ich mich im Notfall bei meiner Therapeutin melden könnte (war nie nötig bisher), hilft mir sehr.

Bislang dachte ich, es sei gang und gäbe, dass man sich im Notfall bei seiner Therapeutin melden kann. Ich sehe, es gibt da also schon erhebliche Unterschiede. Ein Therapeut soll sich für seine Patienten natürlich nicht aufgeben, aber ich bräuchte auch das Gefühl, mich in dringenden Notfällen an ihn wenden zu können.

STePestdernfi^ndexrin


Hallo Avem,

ich verstehe dein Bedürfnis sehr gut. Auch mir fehlt die körperliche Zuwendung in einer Therapie, aber ich habe es auch schon erlebt bei einer Therapeutin, die mich in den Arm genommen hat und getröstet hat, aber das hat auf Dauer nicht gut funktioniert. Oft fehlt dann die Distanz, die für die Therapeutin wichtig ist. Es gibt nur sehr wenige Therapeuten, die so eng arbeiten können und trotzdem eine klare Beziehung mit dir aufbauen können.

Aber auch ich habe die Erfahrung, dass die Therapeuten emotional DA sind. Sie hören zu, sind ergriffen, von dem, was du erzählst, machen dir Mut, bestärken dich, reichen dir ein Taschentuch, wenn die Tränen fließen...

Vielleicht kannst du überlegen, ob du dir selbst diese Nähe geben kannst. Z.B. ein Kuscheltier mitnehmen, ein schnuffelkissen, dass du im Arm halten kannst, etwas das für dich stimmig ist.

Es wird kein Ersatz sein, aber mehr als gar nichts.

Liebe grüße Seesternfinderin

AqvXem


Finde es aber gut,daß Du Dir soviele Gedanken machst und so aufpasst,daß Du nichts tust,wo Du Dich vielleicht unwohl fühlst damit !

Ja, ich habe das Glück, die Sache relativ langsam angehen zu können. Es geht mir nicht so schlecht, dass ich in den nächsten paar Tagen einen Therapeuten bräuchte. Wenn ich mich darauf einlasse, dann will ich mir auch einigermaßen sicher sein. Ich kann es mir seelisch nicht leisten, wieder enttäuscht zu werden.

A-vxem


Hallo Seesternfinderin,

Auch mir fehlt die körperliche Zuwendung in einer Therapie, aber ich habe es auch schon erlebt bei einer Therapeutin, die mich in den Arm genommen hat und getröstet hat, aber das hat auf Dauer nicht gut funktioniert. Oft fehlt dann die Distanz, die für die Therapeutin wichtig ist. Es gibt nur sehr wenige Therapeuten, die so eng arbeiten können und trotzdem eine klare Beziehung mit dir aufbauen können.

Was heißt, es hat auf Dauer nicht funktioniert? Hat die Therapeutin irgendwann gesagt, dass es so nicht mehr geht oder hast du eine negative Veränderung festgestellt und abgebrochen?

Vielleicht kannst du überlegen, ob du dir selbst diese Nähe geben kannst. Z.B. ein Kuscheltier mitnehmen, ein schnuffelkissen, dass du im Arm halten kannst, etwas das für dich stimmig ist.

Es wird kein Ersatz sein, aber mehr als gar nichts.

Mhm, ich weiß nicht :-/ Aber danke trotzdem für die Anregung. Eine Überlegung ist es wert!

sIt:erne@box!28x8


Bislang dachte ich, es sei gang und gäbe, dass man sich im Notfall bei seiner Therapeutin melden kann.

Meine Therapeutin hat mir sowas nicht angeboten. Habe auch keine E-Mail-Adresse von ihr. Wenn sie in Urlaub ist, dann gibt es keinen Kontakt.

Es gibt auch keinen körperlichen Kontakt. Allerdings habe ich in einem Psychotherapie-Forum gelesen, dass manche schon in den Arm genommen werden oder dass einem die Hand gehalten wird wenn einer weint.

Weiß jetzt nicht ob ich den Link hier reinstellen kann :-/

AIvem


Meine Therapeutin hat mir sowas nicht angeboten. Habe auch keine E-Mail-Adresse von ihr. Wenn sie in Urlaub ist, dann gibt es keinen Kontakt.

:-o Oh je, das wäre nichts für mich, glaube ich.

Es gibt auch keinen körperlichen Kontakt. Allerdings habe ich in einem Psychotherapie-Forum gelesen, dass manche schon in den Arm genommen werden oder dass einem die Hand gehalten wird wenn einer weint.

:-D also scheint es das doch zu geben!

SreesterknfindeCrin


Hallo Avem,

Was heißt, es hat auf Dauer nicht funktioniert? Hat die Therapeutin irgendwann gesagt, dass es so nicht mehr geht oder hast du eine negative Veränderung festgestellt und abgebrochen?

sowohl als auch. Anfangs war es sehr gut. Mit der Zeit stellten wir aber beide fest, dass der objektive Blick schwand. Die Therapeutin war mir einfach zu nahe, sie konnte nicht mehr klar bei sich bleiben und mir eine objektive Beraterin sein.

Es war ein Versuch von ihrer Seite und sie beendete das mit den Umarmungen dann.

Nichts desto trotz würde ich bei deiner Suche einfach losgehen und fragen, wie die Therapeuten dazu stehen. Es gibt durchaus welche, die trotzdem den Abstand wahren können. Und du wirst eine Bandbreite an Sichtweisen bekommen zu diesem für dich so wichtigem Thema. Und vielleicht findest du jemanden, der sagt, er kann und macht das. Ich drück dir die Daumen!

Mit deinem Bedürfnis nach Umarmung und Trost bist du auf jeden Fall nicht allein

liebe Grüße Seesternfinderin

sechna8ttIergusxche


Eine interessante Diskussion! Ich glaube, Avem Du hast damit ein sehr gesellschaftliches Problem angesprochen. Von einem Therapeuten wird Professionalität erwartet. Körperkontakt spricht dagegen. Keiner weiß warum, aber es ist so. Der Therapeut selbst braucht auch diese Distanz. Du bist bei ihm, und da hat kein anderer zu sein. Aber danach kommt der nächste mit dem gleichen Anspruch. Und auch er hat das gleiche Recht. Bei allem ist der Therapeut aber auch ein Mensch, der zum einen Gefühle hat, zum anderen aber ebenfalls ein Recht auf sein eigenes Leben. Er darf sich nicht mit fremden Problemen belasten. Die soll er nur lösen helfen.

Woher kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung des Körperkontakts? Die wahrscheinlich häufigste Ursache sind Gedanken, die von tief in uns drin kommen, aber von außen abgelehnt werden. Ein Therapeut will einem Menschen helfen, ohne sich an ihn zu binden. Auf der anderen Seite entsteht aber zwangsläufig so eine Verbindung, wenn da endlich eine Person ist, die einen auch versteht und helfen kann. Es geht dabei um das Gefühl der Liebe. Wir können sie für alle Menschen (und natürlich auch andere Lebewesen) empfinden. Durch die gesellschaftliche Prägung wird sie aber oft mit sexuellen Kontakten gleichgesetzt. Unser Moralempfinden setzt da eine Trennwand. Wenn wir das nicht sauber unterscheiden können, dann versagen wir uns lieber das Gefühl der Liebe, um nicht auf die sexuelle Schiene zu geraten.

Die Kunst eines Therapeuten sehe ich darin, daß er sehr große menschliche Nähe zuläßt, ohne persönliche Nähe aufzubauen. Und auf der anderen Seite braucht er auch die treffsichere Sensibilität, um zu erkennen, ob die Berührung erwünscht ist, zu der er selbst sich gedrängt fühlen mag. Denn er ist nicht die Person, um die es geht. Deshalb kann ich Traumales Anregung nur unterstützen: Lieber länger suchen als sich blind fallenlassen. Du solltest Dich in der Therapie absolut wohlfühlen können.

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