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Mit sich selber auseinandersetzen

S7hnadee hat die Diskussion gestartet


Man hat mir vorgeworfen, ich würde ständig nur davonrennen, und mich nicht mit mir selber auseinandersetzen. Und mir nahegelegt, dass man Alleinsein oder eine empfundene Einsamkeit auch "konstruktiv" für sich selber nutzen könne. Nun grüble ich die ganze Zeit darüber nach, wie denn ein "mit-sich-selber-auseinandersetzen" denn nun tatsächlich aussieht? Was heißt das denn konkret? Was muss ich denn tatsächlich tun, um mich WIRKLICH einmal mit mir selber auseinderzusetzen und mich nicht abzulenken bzw. davonzurennen? Ich hoffe, die Frage klingt nicht blöd aber ich habe wirklich keinen blassen Schimmer. Wenn ich mich nämlich nicht ablenke oder davonrenne, verliere ich mich bloß in Endlos-Grübeleien, die bin ich sowas von leid...was tut Ihr um Euch mit Euch selber auseinanderzusetzen oder ein Alleinsein oder eine Einsamkeit einmal "konstruktiv" zu nutzen?

Vielen Dank!

Sandra

Antworten
SNimon}eBunnxy


Hallo,

Tagebuch schreiben ist in meinen Augen eine Form des "mit-sich-selber-auseinandersetzens". Einfach mal drauflosschreiben. Mir hilft das ungemein. Danach fühlt man sich einfach viel "freier" würde ich behaupten. :)z

LG,

LYewxian


Shadee

Aus deinem Posting ist nicht so richtig klar, warum dir da was vorgeworfen/nahegelegt wurde und zu welchem Zweck du das willst... andere Leute, die sowas ueber dich sagen, haben nicht unbedingt immer recht.

"Mit sich selber auseinandersetzen" und "Alleinesein konstruktiv nutzen" sind fuer mich zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich tue eine ganze Reihe von mehr oder weniger konstruktiven Sachen alleine, die nicht unbedingt unter die Ueberschrift "mich mit mir selber auseinandersetzen" fallen wuerden.

Was "mit mir selber auseinandersetzen" betrifft, gibt es natuerlich zunaechst die Moeglichkeit, ueber sich selbst nachzudenken, und das hat die von dir bereits genannte Gefahr des sich in Endlos-Gruebeleien Verzettelns. Es passiert nicht automatisch und man kann ein bisschen was dagegen tun, wenn man versucht, regelmaessig ein bisschen Abstand zu sich selber zu gewinnen und zu ueberpruefen, ob es in Hinblick auf ein Ziel (ich weiss nicht, welches deines ist) konstruktiv ist, wie man gerade denkt. Meiner Meinung nach ist Denken nicht schlecht, aber man muesste es schon richtig machen (z.B. Wiederholungen, Verzettelungen, negative Gedanken "ausmanoevrieren"), und das ist nicht einfach.

Wie bereits gesagt, aufschreiben hilft. Manchmal hilft es auch, zu systematisieren. Ich kann das jetzt nicht einfach so erklaeren; aber es geht in die Richtung, klar zu beschliessen, was man erreichen will, dann Schritte auszudenken, wie man dahinkommt usw. Gibt sicher Ratgeber-Buecher, die bei sowas helfen.

Neben Verzettelung hat "Denken" aber auch andere Probleme; es neigt dazu, die emotionalen Aspekte zu uebergehen. Kreative Taetigkeiten wie Zeichnen, Musik, kreatives Schreiben etc. gehen schon eher in diese Richtung.

Auch frische Luft (wandern) kann helfen, die Gedanken und Gefuehle auf konstruktive Art in Wallung zu bringen.

Weiterhin gibt es eine ganze Batterie von Techniken, wie z.B. Meditation, psychotherapeutische Techniken der Selbsterfahrung etc., die man nutzen kann. Meistens ist es jedoch sinnvoll, sich dafuer Anleitung zu holen, z.B. in Therapie, Meditationskursen etc.

Es gibt auch eine Reihe guter Buecher (von denen ich viel zu wenige kenne; "Gestalttherapie Praxis" von Perls, Goodman, Hefferline ist einer meiner Favoriten).

Soweit mal als Ueberblick; und alles davon abhaengig, was deine Themen/Probleme sind und was du erreichen willst.

S;hafdexe


@ Simone + Lewian

Vielen Dank! Tagebuch führe ich seit Anfang dieses Jahres bereits täglich. Ich weiß nicht, ob ich es immer richtig mache, manchmal beschreibt es eher meine gefühlvolle Seite, manchmal ist es eher sachlicher gehalten, aber es hilft mir doch schon ungemein, mich an Situationen besser zu erinnern bzw. diese besser reflektieren zu können. Auch eine Meditation betreibe ich seit einiger Zeit wieder, eine 30-minütige Selbstliebe-Meditation auf CD morgens direkt nach dem Aufwachen (seitdem bin ich auch innerlich etwas ruhiger geworden). Das Problem sind die Grübeleien, ich leide unter Zwängen und Zwangsgedanken, die durch Medikamente stark eingedämpft werden aber eben nicht ganz verschwunden sind. Und je mehr Leerlauf bzw. Kapazität ich für mich selber habe, desto häufiger melden sich diese manchmal zu Wort. Deshalb versuche ich, soviel wie möglich meiner Zeit zu verplanen und dieses ziemlich ritualisiert. D. h. an drei Abenden die Woche treffe ich Freundinnen, zweimal gehe ich in die Sauna, Samstags meistens in die Disco und wenn nicht in die Disco habe ich oft Freundinnen gefragt, ob ich bei denen übernachten dürfe. Das ist inzwischen aber allen zu anstrengend geworden und sie sind sich einig, dass sie mir damit auch nicht weiterhelfen und sie meinen geschlossen, ich müsse lernen, NICHT mehr davonzurennen, sondern gezielt Zeit mit mir selber in meiner Wohnung zu verbringen und mich mit den Dingen, vor denen ich davonrenne auseinanderzusetzen. Das versuche ich jetzt, weiß aber nicht wie. Ich weiß auch genau, nur weil ich diese Medikamente nehme, habe ich keine Ängste, Depressionen oder Panikattacken, also künstlich irgendwie. In drei Wochen geht meine Ausbildung los, dann werde ich zum Glück wieder weniger Kapazität haben. Zur Zeit arbeite ich nur halbtags (ich war lange Zeit psychisch und physisch zu krank um Vollzeit zu arbeiten, jetzt wo ich wieder gesundet bin und mich erholt habe, ist halt in meinen Augen zu viel Kapazität da, zu viel Kapazität für Grübeleien). Klar kann ich mich ablenken mit Büchern und Serien und Internet, aber das ist ja dann auch wieder nur ein davonrennen, oder? Klingt das jetzt alles sehr verworren?

L'eSwixan


Shadee

Schwierige Geschichte; ich kann mir vorstellen, dass die Medikamente zu einem gewissen Grad auch verhindern, dass du dich dir selber stellst, weil sie deine Wahrnehmung irgendwie beeinflussen ("kuenstlichirgendwie", wie du schon sagst), aber andererseits, wenn sie verschrieben sind, sind sie sicherlich auch sinnvoll und ich kann dir nicht empfehlen, sie abzusetzen... (ich kann das ueberhaupt nicht beurteilen, ob das sinnvoll waere).

Die Schwierigkeit mit der Meinung deiner Freundinnen ist, dass sie dir ziemlich sicher auch nicht sagen koennen, wie du es "richtig" machst. Ich kann schon nachvollziehen, warum sie glauben, dass das richtig fuer dich waere, aber es gibt da leider keine Patentrezepte.

Hast du eigentlich schon mal Psychotherapie gemacht, also jetzt abgesehen von den Medikamenten?

Ich koennte mir vorstellen, dass ein guter Therapeut dich auf eine gute Bahn setzen koennte, was deine Arbeit an dir selber betrifft, aber ich kann dir leider nicht sagen, wie du den findest. Es hat etwas damit zu tun, dass du bewussteren Zugriff auf deine Gedanken bekommen muesstest, also die Faehigkeit, ein bisschen steuern zu koennen, wo sie hingehen, und verhindern zu koennen, dass du in "Denkfallen" geraetst. Das laesst sich aber leider kaum ueber das Internet vermitteln. Das Problem mit Medikamenten ist, dass sie sowas zwar ertraeglicher machen, aber nicht die persoenliche Entwicklung foerdern koennen. Auch bei Meditation ginge es mir nicht nur um Selbstliebe, sondern vor allem irgendwie um gefuehlsmaessige Erforschung deiner selbst und deiner Moeglichkeiten.

Ich weiß nicht, ob ich es immer richtig mache,

Du machst es fuer dich, und ob es richtig ist, entscheidest du. Niemand anders. (Das ist eine der Sachen, die ich meine mit "bewusster Zugriff auf deine Gedanken" - zu wissen, dass du verantwortlich bist und niemandem Rechenschaft schuldig darueber, was du denkst und fuer dich tust; dass du selber entscheiden kannst, was fuer dich gut und richtig ist.)

S|yzdnexy


Hallo Sandra @:), schön Dich mal wieder zu sehen ... @:)

S_ha^dee


@ Lewian

Ich hatte mal ein paar Jahre in Berlin gewohnt und auf Drängen meines damaligen Freundes auch anderthalb Jahre lang eine Therapie gemacht (die ich abbrach, als die Beziehung zu meinem Freund zerbrach und ich deswegen zurück in meine Heimat zog). Es war Psychoanalyse, die Therapeutin war sehr gut. Sie hat damals eine zwanhafte Persönlichkeitsstörung bei mir diagnostiziert und immer versucht, mich dazu zu bewegen, Medikamente einzunehmen, aber erfolglos. Die Medikamente nahm ich erst ein, als ich hier an meinem Wohnort zurück und aus der Therapie schon raus war, zu einem Zeitpunkt, als ich wirklich das Gefühl bekam durchzudrehen. Ich habe an die Wirkung von Medikamenten vorher null geglaubt, wurde aber eines besseren belehrt. Sie schaffen schon eine enorme Erleichterung, auch zum Teil eine Durchbrechung der Zwangs-Gedanken-Spiralen, aber eben nur zum Teil. Und ich mache das eigentlich immer nur, wenn ich gerade ZU viel Zeit habe, was momentan noch so ist. Ich erhoffe mir eben, durch die Ausbildung, die in drei Wochen losgeht, wieder mehr abgelenkt zu sein. Okay, ich weiß auch jetzt schon, dass ich mich da dann wieder zwanghaft draufstürzen werde, aber das ist mir lieber als sich zwanghaft auf Kappes zu konzentrieren. Der Punkt ist nur, meine Freunde meinen, ich müsse mich mit den Zwängen an sich auseinandersetzen und die Ursache beheben, anstatt mich nur davon wieder einmal abzulenken. Ich möchte aber nicht erneut in eine Therapie. Ich habe ja auch schon einiges für mich erkannt. Manchmal sind mir die Zusammenhänge sogar sehr klar, wenn auch leider nicht immer. Ich bin ja schon dabei, zwanhaftes Verhalten bzw. Rituale so weit es mir irgend möglich ist, einzugrenzen. Ganz ist mir das leider nicht möglich, weil es Sicherheit und Halt verschafft. Aber woher kann ich denn ansonsten Sicherheit und Halt gewinnen? Ich wünschte, ich könnte das irgendwie tatsächlich von innen heraus...kann da sonst noch etwas weiterhelfen außer Tagebuschreiben und Meditation (was ich übrigens beides schon als hilfreich empfinde). Die Meditation nennt sich zwar Selbstliebe-Mediation, sie beruhigt aber irgendwie innerlich und nimmt viele irrationale Ängste...)

LG

Sandra

Seydnxey


Shadee

Ist nur ein so ein Gefühl, aber was Deine Freundinnen meinen könnten ist, dass Du diesen "ritualisierten Aktionismus" eben nur betreibst, um Dich von Dir selbst abzulenken, der aber möglicherweise kaum oder gar nichts mehr mit Spontaneität und Freude, bzw. mit Freiwilligkeit und Spaß an der Sache zu tun haben könnte. Bitte nicht zu verwechseln mit dem Umstand den Leute betreiben, die versuchen einem Tag oder einem Abend Struktur zu verleihen.
Was Deine Freundinnen meinen könnten und womit sie sicher nicht unrecht hätten, falls dem so wäre ist, Dich selbst in Deiner Wohnung zu ertragen, die Stille und die Ruhe auszuhalten, wenn Du nicht abgelenkt bist.
Reine Spekulation: Es ist vielleicht schon "Wegrennen", wenn Du zuhause anfängst "Programm" zu machen, damit Du über die Runden kommst, beschäftigt bist, eben weil die unbeschwerte Komponente fehlt ... nämlich die Lust zu spüren, an dem was Du tust, weil die Dinge, die unternommen werden nicht mehr frei und unbelastet sind. Heißt, es geht um die Motivation, die hinter diesem Tun steckt, kurz: WARUM mache ich dies oder jenes.
Bestes Beispiel ist das TV. Wenn die Glotze nur läuft, damit da Ton ist und sich Bilder bewegen, oder man sich Sendungen anschaut, die einen eigentlich wenig oder gar nicht interessieren hat das nichts mehr mit Lust an Unterhaltung zu tun, sondern erfüllt oftmals nur den Zweck nicht mit sich selbst in Berührung zu kommen. Im Gegensatz zu einer Sendung, die man sich gezielt aussucht und dann genußvoll anschaut.
Meditation heißt übrigens "nichts zu tun", weder jemandem zuhören, oder sich auf etwas bestimmtes zu konzentrieren, noch zu denken, sondern einfach nur zu sitzen, die Gedanken kommen, aber auch wieder gehen zu lassen.

S.hadxee


@ Sydney

So rein berieseln von irgend etwas lasse ich mich eigentlich überhaupt nicht, weil mir das viel zu langweilig ist. Bei mir läuft die Glotze selten einfach so. Ich tue die Dinge eher sehr bewusst, zu bewusst vielleicht. Schaue mir auch Serien eher auf DVD als im TV an und das mache ich dann ja auch wirklich gerne, genauso wie lesen. Mit Ton ist es eher genau umgekehrt bei mir, ein zuviel davon kann ich garnicht gut ab. Genieße oft eher die Ruhe. Ich finde übrigens nich, dass Meditation in absoluter Stille erfolgen muss. Wenn ich es beispielsweise mal auf die Kette kriege, mal längere Zeit am Stück zu lesen oder wenn ich beispielsweise sticke oder meine Pflanzen gieße, derer ich viele habe, empfinde ich das auch als meditativen Prozess. Bei der Selbstliebemeditation bin ich zusätzlich auf meinem Crosstrainer und bewege mich langsam im Rhythmus, ich kann den Körper dann besser spüren und empfinde das als sehr entspannend, ein idealer Start in den Tag irgendwie. Ich weiß halt nur nicht, ob es gut oder schlecht ist, quasi am Stück Programm zu machen, sprich, sich zu beschäftigen und von den eigenen Problemen abzulenken oder ob man sich lieber weniger beschäftigen, dafür aber noch mehr in die Stille kommen sich tatsächlich "mit-sich-selber-beschäftigen" sollte anstatt mit Büchern, Serien, Freunde treffen, Freizeitaktivitäten etc. Handelt es sich dabei lediglich um eine Flucht? Bei mir wie gesagt nicht zu verwechseln mit Dauerberieselung, alles was ich dann mache, mache ich auch sehr bewusst. Aber sind denn dann nicht praktisch die meisten Leute ständig auf der Flucht?

S|ydnxey


Shadee

Ich weiß halt nur nicht, ob es gut oder schlecht ist, quasi am Stück Programm zu machen, sprich, sich zu beschäftigen und von den eigenen Problemen abzulenken ...

...ich denke, es geht nicht um gut oder schlecht, sondern darum, ob Dir das, was Du tust tatsächlich auch Spaß macht, denn man kann Dinge auch sehr bewußt tun, ohne wirklich Spaß daran zu haben ...

... oder ob man sich lieber weniger beschäftigen, dafür aber noch mehr in die Stille kommen sich tatsächlich "mit-sich-selber-beschäftigen" sollte ...

...wie gesagt, ich denke, das mit der Stille ist nicht so der Punkt, obwohl das sicher sehr, sehr vielen Menschen gut täte, mal zu schauen, wie sie mit sich zurecht kämen, wenn kein Impuls von außen kommt und sie nur auf sich selbst reduziert wären.
Aber vielleicht wäre es für Dich auch sehr hilfreich solche Bewertungen wie "gut oder schlecht" einfach etwas zu vernachlässigen, denn so ein Bewertungssystem verkrampft zusätzlich. Hältst Du es denn gut alleine in Deiner Wohnung aus? Und wie gut bist Du darin, Dinge, die Du Dir als Programm vorgenommen hast Du verwerfen, weil Dir nach was anderem ist, oder arbeitest Du dann "stur" das Programm ab?

Aber sind denn dann nicht praktisch die meisten Leute ständig auf der Flucht?

Shadee, ich denke schon, denn stell mal bei all denen den Motor ab, die fast zwanghaft ständig am Rennen, Machen und Tun sind. Ich vermute, die leben nur aus dem Grund noch recht gut mit sich und ihrem Programm, weil sie noch nicht durch irgendwelche Ausnahmezustände, bzw. mit ihren "Schatten" in Berührung kamen. Ausnahmen bestätigen die Regel... :)^

SBhadexe


@ Sydney

Eigentlich halte ich es inzwischen sehr gut in meiner eigenen Wohnung aus, vor einem halben Jahr war das noch anders. Zum Teil liegt es wohl auch an den Medikamenten, aber ich habe es mir hier inzwischen auch schon recht gemütlich gemacht. Ich glaube, genau da liegt auch meine eigentliche Angst. Ich habe Angst davor, mich wieder zu sehr selber zu isolieren Im Grunde genommen kann ich mich nämlich sehr gut mit mir selber beschäftigen mit lesen, Serien auf DVD schauen, meditieren, aufräumen, Blumen gießen etc. und ich denke aber, ich habe das in der Vergangenheit jedenfalls bemerkt, dass ich skurriler werde, je mehr Zeit ich allein verbringe. In Berlin dachte ich, es läge daran, dass ich dort wenig soziale Kontakte hatte. Aber das war ein Trugschluss. Hier hätte ich die Möglichkeit, mehr soziale Kontakte wahrzunehmen und vernachlässige diese aber. Ich mache oft unverbindliche Sachen wie allein in die Sauna oder die Disco gehen, wo man dann Leute trifft. Aber was Verabredungen betrifft, sind es in der Regel diese drei festen in der Woche, von denen eine meine Schwester und die anderen beiden Freundinnen sind. Aber ich bin sehr unspontan. Sprich, mache wirklich sehr ungern spontane Sachen mit Leuten, gehe nicht gern auf Parties, habe äußerst ungern selber Besuch etc. Manchmal fühle ich mich schon sehr einsam, aber wenn ich dann Wahl habe, mich einsam zu fühlen oder Besuch zu haben, den ich dann nur begrenzte Zeit ertrage und dann kann man ja auch nicht sagen "OK Einsamkeitsgefühle weg, kannste wieder gehen?", ziehe ich wieder das Alleinsein vor. Und aus eben dieser Angst, zuviel allein zu sein, zu sonderlich zu werden, zwinge ich mir Sachen auf, wie beispielsweise das ritualisierte Besuchen meiner Freundinnen, die Sauna, die Disco (macht aber auch Spaß), um nicht das Gefühl zu haben, mit mir selber völlig gaga und kollone im Kopf zu werden...klingt das nun alles sehr widersprüchlich?

S?ydn%ey


Shadee

...klingt das nun alles sehr widersprüchlich?

Nein, das tut es ganz und gar nicht...
Aber ich weiß, wie schwierig es ist dahinter zu steigen, weswegen man sich so und nicht anders verhält.

L|ewixan


Shadee

Die wichtigste Frage ist doch (wie Sydney schon etwas anders schrieb), ob du mit deiner Lebensweise zufrieden bist.

Ich glaube, dir fehlt Besinnung auf dich selber nur insoweit, dass keine eigene Entscheidung fuer dich gefaellt hast, wieviel Alleinsein du willst. Du sagst dir einerseits: "Meine Freundinnen finden, ich sollte mich mehr auf mich selber besinnen", und fragst dich, ob das stimmt. Andererseits hast du Angst "sonderlich zu werden und zu viel alleine zu sein", anscheinend wiederum nicht, weil dir das grundsaetzlich nicht gefallen wuerde oder nicht gut taete, sondern weil du irgendsoein Programm in deinem Kopf hast, das besagt "ich darf nicht so viel alleine sein, und sonderlich werden ist schlecht". Es klingt auch so, als wenn dir das irgendwie eingeredet wurde und nicht urspruenglich aus dir selber kommt. Meine Mutter zum Beispiel war immer sehr besorgt, dass ich zu eigenbroetlerisch bin, zu wenig rausgehe etc., und dadurch habe ich eine Zeit lang sehr an mir selber gezweifelt, ob ich irgendwie "falsch" bin und mehr Kontakt haben "muesste". Es hat lange gedauert bis ich mich davon habe freimachen koennen und meine eigene Balance zwischen alleine sein und Gesellschaft finden konnte.

Ich denke, wenn man "zu sich selber kommt", also mehr ueber sich selber und was fuer einen gut ist, herausfindet, , stellen viele Menschen fest, dass sie in irgendeiner Weise "sonderlich" sind. Und dann geht es meistens eher darum, das zu akzeptieren und sich damit einzurichten und dazu zu stehen, als es bloss deshalb zu aendern, weil viele andere Menschen meinen, es muesse anders sein.

Wenn du so allgemein ueber deine Faehigkeit, etwas Sinnvolles fuer dich alleine zu machen, und dein vorhandenes soziales Umfeld schreibst, klingt das alles eigentlich soweit in Ordnung. Problematischer erscheint mir, dass ich den Eindruck bekomme, dass du nicht bewusst selber entscheidest, was gut fuer dich ist und was du willst, sondern dich von so Vorstellungen leiten laesst, was sein "sollte" und was andere sagen.

Ich will damit nicht sagen, dass man ignorieren soll, was andere sagen; man kann aus den Vorstellungen anderer immer auch etwas fuer sich selber lernen. Aber das geht nicht, indem man fragst, "ist es richtig oder falsch", sondern nur, indem man fuer sich selber prueft, ob man es einleuchtend und zu sich passend findet, oder ob da vielleicht ein Hinweis drin ist, eine Richtung, die neugierig macht und wo man dann mehr "forschen" und eigene Erfahrungen machen will - oder ob man sagt: "du siehst das so, ich sehe das anders, und dabei bleibe ich; ich habe mich damit auseinandergesetzt und finde, es passt nicht fuer mich."

NyirGwanax78


Yoga! Ist eine Verabredung mit sich selbst...

Sohadeee


Jetzt ist genau DAS eingetreten, wovor ich so große Angst hatte. Ich habe fast das ganze Wochenende mit mir allein verbracht und wieder Gefallen daran gefunden. Und genau DAS macht mir so eine Angst, ich weiß aber nicht, warum. Ich war den ganzen Freitag nachmittag und abend hier und habe gelesen und es hat mir gefallen, den ganzen Samstag habe ich dann wieder mit mir verdaddelt mit lesen, Blumen gießen, sticken, DVD schauen, Wäsche machen etc. und war dann abends mit meiner Freundin verabredet. Und ich fuhr hin und vorher machte sich aber wieder dieses Gefühl der Unlust breit, was ich NUR habe, wenn ich vorher eine Weile mit mir alleine beschäftigt war und Gefallen daran hatte. Dann denke ich nämlich "Jetzt wärst Du eigentlich gerne weiter alleine, weil es ja so gut tut". Wenn ich in einer Tretmühle von Arbeit zu Verabredung zu Verabredung bin, habe ich genau das gegenteilige Gefühl. Dann denke ich "Bloß keine Lücke aufkommen lassen, bloß nicht alleine sein". Das ist ganz schwierig zu erklären. Jedenfalls, wenn ich längere Zeit am Stück tatsächlich einmal Dinge für mich allein tue, die ich gerne mache, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Und mir ist schon bewusst, das diese innere Stimme in meinem Kopf nicht die eigene (vermutlich inzwischen schon) sondern die meiner Mutter ist, die zu Teenagerzeiten oftmals meine Trägheit kritisierte, aber obwohl ich das weiß, gelingt es mir irgendwie nicht, dieser inneren Stimme zu sagen "Halt einfach mal die Klappe und lass mich jetzt in Ruhe das tun, wozu ich lustig bin, verdammt noch mal!" Und deswegen hetze ich oftmals von Hinz zu Kunz...beim letzten Wochenende habe ich wirklich ein zweigeteiltes Gefühl...irgendwie tat es wirklich gut und war wirklich schön...trotzdem hinterlässt es ein schlechtes Gewissen, wenn ich es noch irgendwie schaffen würde, dieses schlechte Gewissen abzustellen, dann wäre es eigentlich perfekt, nur hätte ich dann Angst, dass ich dann NUR noch alleine bliebe, weil ich es ja im Grunde genommen so gerne bin und dann würde ich vermutlich wie Tom Hanks in "Cast away" anfangen, mit einem Ball zu sprechen %-|. Ist diese innere Angst von mir denn wirklich SO abwegig? Ich denke halt, ich mache alles so anders wie die anderen. Nicht nur, dass ich in meinem Alter (32) noch Bücher wie Harry Potter lese, nein, ich muss sie natürlich auch noch auf Französisch lesen, weil ich die Sprache halt kann und mag...oder meine auch nicht mehr ganz alters- und zeitgemäßen Serien wie z. B. "Unsere kleine Farm" auch auf Französisch oder Englisch gucken. DAS sind halt Dinge, die mir tatsächlich Spaß machen und es sind Dinge, die sich zwar auf den ersten Blick toll anhören mögen, letztendlich jedoch einen von der Masse trennen und zum Eigenbrötler machen. Und ich WILL eigentlich kein Eigenbrötler sein. Und je mehr ich das aber mache...wenn ich dann wieder in Gemeinschaft von anderen Leuten bin, merke ich so viel Trennendes zwischen ihnen und mir, dass ich sie wiederum wieder noch schwerer ertrage und aushalten kann als vorher. Ich glaube, ich bin eine Prinzessin, die in ihrer ganz eigenen Traumwelt lebt und diese Dinge, ganz ehrlich, die MACHEN mir Angst...ich kann mich so schlecht der Masse anpassen, nirgendwo gehört man so wirklich hin...und genau da sehe ich in der Zeit allein mit mir die Gefahr, sie fördert ja dieses Gefühl, nirgendwo hinzugehören... :-/

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