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Ich habe mit meiner Mutter "Schluß" gemacht

Haesse&n/VxWR hat die Diskussion gestartet


Meinen Nick habe ich für diesen Beitrag gewechselt, weil ich mich dadurch etwas anonymer und sicherer fühle und nicht mit anderen Beiträgen verbunden werden kann. Ich hoffe, dass ihr das versteht. Nun bin ich seit 2 Jahren in therapeutischer Behandlung und letzte Woche habe ich innerlich mit meiner Mutter schluß gemacht. Meine Intention dabei:

"Diese Beziehung funktioniert nicht. Weder sie noch ich können in dem Maße Selbstverantwortung übernehmen, wie es einer Beziehung dienlich wäre und verletzen uns und leiden. Wir schaffen es nicht, trotz dieser Probleme uns zu berappeln, also komme ich zu dem Fazit, dass diese Beziehung, weil sie trotz aller Bemühungen nicht funktioniert, von meiner Seite beendet ist."

Meine Mutter ist in ihrer Kindheit misshandelt worden. Sie schafft es nicht, ein stabiles Vertrauen zu ihren Mitmenschen herzustellen. Sie spaltet ihre Emotionen komplett ab, um ihr Leben strukturiert und erfolgreich zu gestalten. Sie ist aufopferungsvoll, destruktiv, genial, depressiv, anhänglich, abweisend, wahnsinnig, rational, aggressiv, kalt, liebesbedürftig, stark, schwach, kindlich, erwachsen... - hochgradig ambivalent.

Bereits im Alter von 2 Jahren machte sie mir klar, dass ich keine Windeln mehr tragen solle, weil es nicht sein dürfe, dass ein Kind so unselbstständig sei. Also probierte ich meine Toilettengänge alleine. Als ich von einem Geschäft etwas unsauber zurückkehrte, verprügelte sie mich und sagte, ich dürfe nicht so widerlich sein. In anderen Momenten, vielleicht war ich 3 oder 4 Jahre alt, erzählte sie mir, während ich auf dem Boden saß und spielte, wie sie von ihrem Vater geschlagen und gefoltert worden ist. Ich tröstete sie, sie tat mir so unendlich leid.

Ich lebte in einem permanenten Zustand der Angst. Ich konnte nicht einordnen, für welche Handlungen ich Prügel bezog und für welche nicht. Und wenn meine Mutter wütend war, dann hatte ich die Wahl zwischen Hand, Gürtel oder Kochlöffel.

Bis zu meinem 9. Lebensjahr gehörte es zum Hygieneritual, dass meine Mutter mir mit feuchtem Toilettenpapier meinen Intimbereich säuberte. Erst, als ich meiner Babysitterin davon erzählte, ließ meine Mutter davon ab. Ich brauchte lange, um zu begreifen, dass ich selbstständig für meine Körperhygiene zuständig bin und regelmäßig duschen und Haarewaschen sollte.

Mein Vater war seit jeher der Typ "ungebundener Junggeselle", der seine kleine süße Tochter lieb hatte, aber auch nicht mehr Interesse investierte. Somit wird er wohl im weiteren Verlauf unerwähnt bleiben, weil ich zu ihm weder einen positiven noch einen negativen Bezug verspüre.

Meine Mutter dagegen versuchte mich bewusst klein zu halten. Ich war "dick, dumm und hässlich", ihrer Aussage nach, und wenn sie nicht so viel Liebe investiert hätte, ich wäre wohl total verkommen. Meine Mutter trug allerdings auch sehr viel dazu bei, um aus mir ein dickes, dummes und hässliches Mädchen zu machen. Diese Ambivalenz meiner Mutter bewirkte, dass ich mich emotional taub stellte. Wer keine Bedürfnisse hat, der kann auch nicht bestraft werden. Ab meinem 10.Lebensjahr suchte ich mir außerhalb meiner Familie Bezugsmenschen. Diese fand ich nur durch Beziehungen. Mit 11 Jahren lebte ich erste Sexualitäten mit meinem damals 16jährigen Freund aus, mit 12 Jahren geriet ich an einen 24jährigen, der mich nach der Trennung etwa 1 1/2 Jahre stalkte. Dann blieb ich länger bei einem Gleichaltrigen, dessen Familie mich halbwegs aufnahm. In dieser Familie lernte ich soetwas wie Haushaltsführung und Struktur und auch liebevolle Konfliktlösung.

Mit 15 Jahren geriet ich in die Mühlen der Pharmaindustrie, die mich mit Überdosierungen ihrer Methylphenidat (Ritalin) Präparate versorgte und mich binnen eines Jahres zu so einem Wrack hinrichtete, dass ich mich selbst für ein paar Tage stationär in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie aufnehmen ließ. Dort eingesperrt zu sein machte mich wahnsinnig und so rebellierte ich so arg, dass meine Eltern auf ihre Verantwortung die Entlassungspapiere unterschrieben. Ich setzte die Medikamente ab und blieb in einer Depression stecken. Die Schule brach ich nach der 12.Klasse ab und zog mit 17 Jahren weit weg, um endlich "frei" sein zu können. Zwar hatte meine Mutter irgendwann aufgehört mich zu schlagen, doch ihre psychischen Machtspielchen und Manipulationsversuche blieben intensiv bestehen. Nach Außen hin wirkt sie wie eine tolerante, antiautoritäre, grandiose Mutter, die ihr Leben unglaublich energetisch und schlau meistert... hintenrum ist sie Opfer ihrer Selbstwertprobleme und Selbstzweifel, sowie ihrer unverarbeiteten Traumata. In einer etwa 3jährigen Phase, bis ich 14 Jahre alt wurde, glaubte ich, meine Mutter würde meinen Vater, meine Geschwister und mich töten wollen, indem sie Gift ins Essen mischt. Ich mied das Essen, das sie mir offerierte und fraß mich heimlich durch. Ich schnorrte bei meinen Mitschülern und investierte mein Taschengeld in Nahrung. Meine Nahrungsaufnahme folgte dem Prinzip "by the way", also immer irgendwo, irgendwas, irgendwie, hauptsache nichts, was zuvor in den Händen meiner Mutter gewesen war. Erst durch einen späteren Lebenspartner erlernte ich den achtsamen Umgang mit Essen, er brachte mir das Kochen bei und ich begriff rational, wie ich mir eine ausgewogene, gesunde Ernährung zusammenstelle. Mit 15 war es mir dann schlußendlich egal, ob das Essen vergiftet war oder nicht - ich wäre gerne gestorben.

Ich habe in meinem Leben bisher nie wirklich gewusst, was "Vertrauen" bedeutet. Ich lebte immer in Misstrauen und Angst und schaffe es auch jetzt noch erst nach langer, langer Zeit, zu einem Menschen annähernd etwas wie Vertrauen aufzubauen. Das Mobbing in der Schule und die krasse Außenseiterrolle, die ich aufgrund meiner "originellen Persönlichkeit" inne hatte, machten mir ebenfalls lange zu schaffen. Meine ganze Kindheit hindurch erlitt ich Stress, psychosomatische Beschwerden, Ängste, Orientierungslosigkeit, Einsamkeit, Selbsthass. Vor allem die Ängste hielten bis inmitten meiner Psychotherapie an und konnten erst nach und nach abgebaut werden.

Nun habe ich in den vergangenen Wochen meinen Persönlichkeitsanteil, der da wimmernd und bettelnd auf dem Küchenboden lag und nicht geschlagen werden wollte, an die Hand genommen und "adoptiert". Im gleichen Zuge habe ich begriffen, was für eine kranke, kaputte Frau meine Mutter ist und ihr jegliche Verantwortung für mich abgesprochen.

Ich bin mein eigener Mensch. Ich sorge für mich alleine und tue das, was mir gut tut. Ich habe Bedürfnisse, die ich erfüllen und befriedigen darf. Ich muss mich niemandem beugen und mein klarer Menschenverstand sagt mir, was moralisch richtig ist und was nicht. Ich weiß, wie ich meine Aggressionen abbaue, wie ich aus depressiven Schüben finde, wie ich in dissoziativen Momenten wieder zu mir finde und ich weiß vor allem, dass mich kein Mensch je wieder so schlecht behandeln wird. Ich habe hart für diese Stärke gekämpft, hatte mich lange Zeit aufgegeben und wusste lange Zeit nicht, wer ich bin.

Vergangene Woche rief mich meine Mutter an. Sie plauderte. Sie sprach davon, dass sie auf den Strich gehen wolle, um das Geld für die Familie zusammenzutragen. Weil das notwendig sei. Sie müsse dieses Kreuz wohl auf sich nehmen, weil ihr niemand helfen würde. Sie sei depressiv und momentan nur noch am Trinken. Danke für das Theater, Mama. Ich bin mein eigener Mensch geworden. Ich passe auf mich selbst auf und erpresse niemanden in meiner Umgebung, damit er sich um mich kümmert, nur weil ich seine Liebe zu mir anzweifle. Ich habe mir Hilfe gesucht. Ich habe für mich gekämpft. - Nun bist du dran, Mama.

Danke fürs Lesen! *:)

P.s.: Ich bin 20 Jahre alt und habe diesen Beitrag verfasst, um all das, was ich gerade spüre und begreife, irgendwem mitteilen zu können. Es hat mir gut getan das zu schreiben und ich hoffe, dass es hier Menschen gibt, die aus diesem Beitrag etwas wie Mut schöpfen oder zumindest nachvollziehen können, was ich für mich gerade Wohltuendes erarbeitet habe.

Antworten
ABmygndalla


Liebe Unbekannte,

ich möchte Dir meine Hochachtung, meinen Respekt und meine Sympathie aussprechen. Ich habe Deine klaren Sätze und Worte sehr gerne gelesen...auch wenn Deine vergangenen Erlebnisse mich traurig stimmen....Deine Stärke, Deine Reflektionsfähigkeit, Deine Wortgewandtheit und der nette Mensch, der zwischen den Zeilen durchscheint, haben mich beeindruckt.

Viel Kraft und "Wohltuendes" für Deinen weiteren Weg! :)*

H"esseCn/VxWR


Danke. Es tut gut, so eine Antwort zu lesen. @:)

A[mexlyx79


ich wünsch dir auch unheimlich viel Kraft und dass du endlich ein glückliches,erfülltes Leben leben darfst :)* :)*

s6ucamCedicxa


Ich habe den Kontakt zu meiner Mutter auch abgebrochen und es geht mir damit ein wenig besser.

zeartbitt6erritxter


So langsam wache ich aus meiner Traumwelt auf. Bis vor kurzem spielte sich mein Leben auf "Friede-Freude-Eierkuchen"-Basis ab. Doch nun weiß ich das es nicht immer so ist!

Ich habe deinen Beitrag aufmerksam durchgelesen und bewundere dich sehr! Ich hoffe wirklich das dein Beitrag mal jemanden nützlich sein kann. Ich denke Leidensgenossen können sicher Mut aus deinem Text schöpfen.

Ich wünsche dir viel Glück und Erfolg in deinem Leben!

b`ervni#e2009


Danke fürs Lesen!

Danke für's Schreiben ;-)

.

"mache ich die Augen zu sehe ich"

Deine Mutter benötigt Halt

Dein Vater konnte ihr diesen Halt nie geben

Dann kamst du auf die Welt

Deine Mutter hat den Halt dann bei dir gesucht

Doch du warst zu klein, um ihr Halt zu geben '(*)

Da war deine Mutter verzweifelt (*)

Und du hast abbekommen,

Was deinem Vater galt

(*) Für all das kannst du nichts

.

Das, worüber du geschrieben hast, ist eine gewaltige Leistung. Daß du es im Alter von 20 Jahren geschrieben hast (bin doppelt so alt, bitte fühl dich nicht bevormundet), macht dich einzigartig :)^ Meine erste Nachricht an dich lautet: Weitermachen - nicht aufgeben! Du wirst sehen, es lohnt. Du bist stark genug, deinen Weg zu bestreiten.

Ich habe leider mit der Beantwortung meines eigenen Threads mehr Zeit investiert, als ich hatte (meine Arbeit wird mich dafür strafen), daher nur soviel: Ich werde mich mit deinem Beitrag in den nächsten Tagen befassen.

a) Weil ich ähnliches erlebt habe

b) Weil es dein Beitrag und deine Person meiner Ansicht nach wert ist

In zwei-drei-Sätzen kann ich das nicht abhandeln und das würde dir auch nicht nützen.

Könntest du dir vorstellen, daß deine Mutter immer das Kind war und DU die Erwachsene? Nur quergedacht - und nur theoretisch?

lg

Bernie2009

PS: ... mein erster Eindruck: Eine Blume, die neben Tchernobyl wächst - Und es immer noch schafft, ihre Blüten nach der Sonne auszurichten.

o\ros-lQan


du hattest/hast sicher deine trifftigen gruend, aber mit einer mutter kann man eigentlich 'nie' richtig schluss machen; wie auch immer!

H#essen)/VWR


Erstmal danke dafür, dass hier so ein liebevolles Feedback auf mich wartet. Nach dem Absenden meines Beitrages hatte ich doch kurzfristig Angst, dieser Faden könnte auf Zweifel und Unverständnis treffen. Nun sehe ich, dass es anders ist und fühle mich gut aufgehoben.

Lieber Bernie2009, ich warte gespannt auf deine nächsten Antworten. Ich könnte dir jetzt schon antworten, aber ich lasse dich gerne erstmal "ausreden".

@ oros-lan

aber mit einer mutter kann man eigentlich 'nie' richtig schluss machen;

Nein, aber man kann sich immer stärker abnabeln. Einigen wir uns doch darauf, dass das "Schluss*machen" hier symbolisch für das Korrigieren oder auch Beenden eines belastenden, weil ungleichen Machtverhältnisses steht.

*(Die damaligen Debatten über die Alte und Neue Rechtschreibung haben kräftig an meinem orthographischen Bewusstsein gerüttelt... ;-) )

Mit sonnigen Grüßen,

He/VWR

-.alGicixa-


Ich bin beeindruckt, dass du das alles schon mit 20 begriffen hast (ich musste dafür ein wenig älter werden).

Zwischen den Zeilen liest man, dass du ein sensibler aber auch realistischer und kluger Mensch mit einer großen Stärke bist. Es stimmt, völlig Schluss machen kann man nicht mit der eigenen Mutter. Sie mischt immer wieder mit, sie manipuliert immer weiter, sie wird sich nicht ändern. Nur man selbst kann sich ändern und versuchen, die Verbindungsdrähte möglichst lang und dünn werden zu lassen, damit dich nicht mehr so viel Mist dadurch erreichen kann (ich finde jetzt keine bessere Beschreibung, entschuldige). Und das geht. Du bist auf dem besten Wege dahin. Irgendwann tun die Gemeinheiten dann zwar immer noch weh, aber nicht mehr so doll. Man sieht sie aber mit größerem Abstand und schafft es (meistens), nur noch den Kopf aus Verwunderung und nicht aus Schmerz zu schütteln.

Alles Gute und ganz viel Kraft !:)* :)* :)* @:)

urpelxa


Hei,

war gut, deinen Beitrag zu lesen. Hab Dinge wiedererkannt und mich bestätigt gefühlt.

Meine Mutter hatte, so scheint es mir jedenfalls, immer schon Ansätze von Jähzorn und Gewaltbereitschaft, das war aber in der Familie und durch meinen Vater gut abgefedert.

Als ich 20 war, ist mein Vater an Krebs gestorben. Es folgten 2 Jahre mütterlichen Alkoholmissbrauchs und von Machtspielchen (Wenn man weiss: sie trauert eigentlich, sie kann nichts dafür!, dann macht man unglaubliche, erniedrigende Dinge mit, ohne sich zu wehren).

Ich habe in dieser Zeit teilweise vollkommen das Gefühl für meine Rechte als Mensch verloren. Hab nur langsam gelernt, Grenzen zu setzen - und erstaunlicherweise hat das auch auf ihrer Seite gewirkt, dazu kommt natürlich, dass sie vom Wein weggekommen ist.

Aber die Erkenntnis: ich muss nicht mitmachen! die hat gedauert. Ist natürlich auch schwer, wenn man noch daheim wohnt wie ich damals, und Auszugswünsche unter kindliche Grausamkeit an der armen einsamen Mutter fallen.

shuRcamFedicxa


Meine Mutter war auch unberechenbar, aggressiv, und herrisch. Ich habe sehr unter ihr gelitten. Sie hat mich beschimpft, beleidigt, geschlagen und gedemütigt. Sogar über meinen Namen ist sie hergezogen, der sei häßlich und ich wurde sehr oft als "elender Saumensch" bezeichnet, da flog Geschirr durch die Wohnung, Türen knallten, sie schrie herum, schlug mir mit meiner Flöte auf den Kopf, als ich ein Stück für die Schule üben musste, so dass sie einen Sprung bekam und da sind noch so viele Sachen passiert. Sie stellte sich nicht hinter mich, als ich in der Schule Probleme hatte, sie zerrte mich nachts aus dem Bett, weil sie bei ihrer Buchhaltung schlampte und ich ihr dabei helfen musste, ich musste sie streicheln und sie beschimpfte mich immer wieder über mein Aussehen, über das, was ich machte, nie war etwas recht. Ich kann mich noch sehr gut erinnnern, wie sie den Film "Meine liebe Rabenmutter" ansah und Mitleid mit dem Mädchen hatte, das unter seiner Mutter litt. Dass sie aber selbst so mit ihrem Kind umging, merkte sie nicht. Ich war so unsagbar einsam als Kind und Jugendliche, denn Freunde in der Schule hatte ich auch keine, im Unterricht machte ich nicht richtig mir, weil es mich langweilte und so mancher Lehrer meinte, ich solle den Mund halten, ich wisse schon zu viel. Dass ich schon als Kind unter Depressionen litt, bemerkte kein Mensch, nicht meine Mutter, keiner meiner Lehrer. Aber so blind kann man doch nicht sein, auch die Ausrede, dass man auf sowas damals noch nicht so achtete, lasse ich nicht gelten, ich war doch eindeutig verhaltensauffällig. Aber alle sahen sie weg und so blieb ich alleine, alleine mit meinen Büchern und alleine mit meiner Suizidalität.

H~es?senA/VWxR


Hi sucamedica, ich empfinde aufrichtiges Mitgefühl für dich. Diese Unterforderung in der Schule, das Kleinhalten durch die eigene Mutter, die Depressionen: All das ist mir unglaublich vertraut. Meine Mutter schaute einmal den Film "Matilda". Als ich an ihr vorbeiging, ich wollte in mein Zimmer gehen, da sagte sie:"Dieses Mädchen ist wie du früher auch warst." - ich verfügte tatsächlich früh über eine derartige Selbstständigkeit, konnte lesen, schreiben und rechnen, ging mit drei Jahren alleine in die Stadt, war viel "einfach so unterwegs" und musste mich mit der Unfähigkeit meiner Familie arrangieren. In dem Moment fühlte ich mich aufgewertet, weil sie mir ein derartiges Potential zuschrieb... später empfand ich dieses Kompliment als trauriges Eingeständnis, weil sie sich unbewusst schon mit der Rolle der "Rabenmutter" identifizierte, sie jedoch nie wirklich annahm und darüber hinaus anfing, an dieser Rolle zu arbeiten.

Hcesse8n/VWxR


Hi upela, auch dich kann ich sehr gut verstehen. Diese emotionalen Erpressungen sind in einem solchen Abhängigkeitsverhältnis ganz, ganz schwierig zu durchschauen und zu bekämpfen. Und ich gebe dir absolut recht, dass ein Auszug und die damit verbundene räumliche Distanz zum Elternhaus, eine nötige Grundlage bildet, um sich auch emotional langsam zu verselbstständigen.

Für alle Leser

Ich finde es erstaunlich und erschütternd zugleich, dass es so viele "Kinder" gibt, die derartig von ihren Eltern misshandelt und missbraucht werden. Persönlich stelle ich mir oft die Frage, ob sich diese inneren Konflikte, trotz des Bewusstseins und der Verarbeitung, in solch einem destruktiven Rahmen bei meinen eigenen Kindern wiederholen könnten. Ich hatte tatsächlich vor längerem mit dem Gedanken gespielt, mich sterilisieren zu lassen, weil ich glaubte, mich und eventuelle Kinder dadurch schützen zu können. Mittlerweile glaube ich, dass ich meine Kinder niemals schlagen könnte. Auch liegen mir emotionale Erpressungen fern, weil ich wesentlich reflektierter und ausgeglichener bin, als meine Mutter es jemals war. Doch dieses Misstrauen besteht weiterhin und ich habe Angst, dass ich meinen Kinder keine dauerhafte Stabilität und Selbstvertrauen geben könnte, weil ich selbst kaum darüber verfüge. Es besteht statistisch eine 80%ige Wahrscheinlichkeit, das unsichere/ambivalente/vermeidende Bindungsverhalten auf seine Kinder zu übertragen. Ich glaube, es würde mir sehr weh tun, wenn meine Kinder im Alter von 20 Jahren nur den Weg des "Schluss machens" wählen könnten, um zu mir einen freien, unbelasteten Zugang zu finden. Ich wünsche mir für jeden Menschen, dass er einmal "sein eigener Mensch" wird und dadurch eine Autonomie und Freiheit erlangt, die ihm ein wunderbares, stabiles und erfüllendes Leben ermöglichen. Denn es nützt ja nichts: Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Geblieben sind neuronale Narben, die sich als erschütterte Psyche zu erkennen geben, doch können wir jederzeit anfangen, neue (synaptische) Wege zu betreten, um wenigstens eine behutsame Gegenwart und eine reiche Zukunft zu erfahren.

i snog-odxc


[...]und ich habe Angst, dass ich meinen Kinder keine dauerhafte Stabilität und Selbstvertrauen geben könnte, weil ich selbst kaum darüber verfüge. Es besteht statistisch eine 80%ige Wahrscheinlichkeit, das unsichere/ambivalente/vermeidende Bindungsverhalten auf seine Kinder zu übertragen.

Diese Angst kann ich gut nachvollziehen. Du machst aber einen sehr intelligenten und selbstreflektierten Eindruck. Ich denke, Du wirst eine gute Mutter sein, denn Du weißt was "richtig und falsch" ist. Und würdest versuchen Dich zu ändern, wenn Du warum auch immer etwas "falsch" machst.

und ich habe Angst, dass ich meinen Kinder keine dauerhafte Stabilität und Selbstvertrauen geben könnte, weil ich selbst kaum darüber verfüge. Es besteht statistisch eine 80%ige Wahrscheinlichkeit, das unsichere/ambivalente/vermeidende Bindungsverhalten auf seine Kinder zu übertragen.

Lass Statistiken mal Statistiken und Zahlen mal Zahlen sein.

Es kommt immer darauf an was man für Ziele hat und was man dafür tut. Man seine Zukunft in den eigenen Händen.

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