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Ich habe mit meiner Mutter "Schluß" gemacht

KQestrxa


@ Hessen/VWR

Auch ich kann Deine Angst wegen der Kinder gut nachempfinden :)_

Ich fiel ich kurz nach der Geburt meines ersten Sohnes in ein ziemliches Loch: da erkannte ich nämlich mit einem Schlag, WAS und WIE eine Mutter nämlich eigentlich für ihr Kind empfindet bzw. empfinden sollte und was mir in meiner Kindheit gefehlt hat.

Die gute Nachricht: Ich habe heute trotz allem eine sehr liebevolle und sehr offene Beziehung zu meinen Söhnen (15 und 18 Jahre alt). Selbst mein Ältester kommt noch mit Themen und Problemen (Beziehungsstreß mit seiner Freundin z.B., er spart auch das Thema Sex nicht aus) zu mir, dass ich selbst manchmal verblüfft bin über sein Vertrauen und seine Offenheit ;-) Und an Selbstbewußtsein fehlt es beiden auch nicht :)^

Du wirkst sehr bewußt, sehr reflektiert :)^ Wenn Du das bei behälst (und Dich vielleicht noch ein bißchen mit dem Thema Erziehung beschäftigst) sehe ich keinen Grund, warum Du dieses kranke Verhalten Deiner Mutter bei Deinen Kindern weitergeben solltest.

aVlDit8h@eaa


@ Hessen

Du hast Mut, Kraft und eine unglaubliche Refelektionsfähigkeit -besonders, weil Du noch so jung bist. Neben der körperlichen Gewalt ist die psychische Gewalt von Eltern etwas, das unvorstellbare Zerstörungskraft hat. Nicht umsonst gibt es sog. "Gewalt- und Missbrauchsdynastien", d.h. obwohl Menschen als Kind erfahren, wie furchtbar ein Leben unter diesen Umständen ist und obwohl diese Menschen sich noch mehr als andere danach sehen, vertrauen zu können und geliebt zu werden, führen sie häufig das Erlebte selbst fort. Das ist das, was Deine Mutter getan hat. Du tust das einzig Richtige und durchbrichst diesen Kreislauf. Auch ich habe das getan und es war und ist das Beste, was ich je in meinem Leben tun konnte. Heute spüre ich, dass ich eben kein Stück Dreck und verdorben bin, sondern eine liebenswerte Frau, die stark genug war, einen anderen Weg zu gehen...einen Weg, den vor allem auch meine Kinder sehr bewusst sehen. Sie sind dankbar, dass ich es geschafft habe, mich aus diesen Mustern zu lösen und ihnen Liebe und Urvertrauen geben konnte, obwohl ich selbst gar nicht weiss, wie sich das anfühlt. Urvertrauen kannst Du nicht lernen, aber Du kannst lernen und fühlen, Dich selbst zu lieben und dann anfangen mit dem großen Wagnis, anderen zu vertrauen. Du wirst irgendwann stark genug sein, auch Rückschläge zu verkraften, weil Du in Dir selbst ruhst und Dich selbst liebst und schützt. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen- und ich bin mir sicher, dass Du es schaffst, wenn Du Deinen Weg konsequent weiter gehst :)_

Ich möchte Dir noch etwas mit auf den Weg geben: Jetzt brauchst Du diesen Abschied von Deiner Mutter. Das ist gut so (ich habe ihn damals auch gebraucht), weil Du Dich dann auf Dich selbst und Deinen Weg besinnen und konzentrieren kannst, ohne immer neuen Verletzungen ausgeliefert zu sein. Ich wünsche Dir aber auch, dass Du eines Tages stark genug bist, daran zu denken, dass es immer Deine Mutter sein wird, Sie hat Dir das Leben geschenkt- auch wenn es kein schönes Leben war bisher. Vielleicht bist Du irgendwann in der Lage, die Not Deiner Mutter liebevoll zu begleiten- die Not, das eigene Leid eben nicht durchbrechen zu können- so wie Du es gerade tust. Ich habe meiner Mutter verziehen und kann sie heute in den Arm nehmen und mit ihr auch über ihr eigenes Leben weinen. Heute gibt es Liebe zwischen mir und meiner Mutter und um nichts in der Welt möchte ich auf dieses Gefühl des inneren Friedens verzichten. Ich weiß, dass dies ein Schritt ist, den die wenigsten missbrauchten (körperlich oder seelisch) Kinder schaffen (können) und ich bin sehr dankbar, dass ich es kann.

Und noch etwas als Gedanke für Deinen Weg: Mir fehlt in Deiner wirklich berührenden Lebensgeschichte die Wut auf Deinen Vater. Wut darüber, dass er Dich nicht geschützt und geliebt hat. Nichts tun ist eine Unterlassung, die Du nicht so unbeachtet lassen solltest.

Ich wünsche Dir alles Liebe :)*

Hhesse n/VW*R


Danke, alitheaa, ich kann nachvollziehen, was für einen Prozess du in Bezug auf deine Mutter durchlebt hast und freue mich, dass ihr nach langer Zeit zueinandergefunden habt. Eine Sache, die mir selbst eigentlich auch am Herzen liegt: Egal, was vorgefallen sein mag, man sollte nie im Streit auseinandergehen, denn das ist es nicht wert.

Aber in Bezug auf meine Mutter wird es noch einige Zeit benötigen. Gerade aktuell kommen mir wieder neue Erinnerungen und Eingeständnisse hoch, die ich nur aufgrund dieser gewonnenen Kraft und Stabilität handhaben kann.

Gerne würde ich diese Erinnerungen hier niederschreiben, weil ich sonst keinen habe, der sich das "antun" möchte:

Mir ist klar geworden, dass es keinen "bösen, schwarzen Mann" gibt, vor dem ich mich kinderlicherweise noch bis zu meinem 19.Lebensjahr des Nachts fürchtete und deswegen sehr, sehr leicht und schlecht schlief oder sogar einfach wach blieb oder nur angezogen und bei Licht etwas döste, weil ich mich so fürchtete. Nun begreife ich ja immer mehr, was für ein Mensch meine Mutter eigentlich war und ist und so stellte ich mir die Frage:"Denk einmal logisch nach. Es gibt keine schwarzen, bösen, unbekannten Männer, die fast durchsichtig auftauchen können. Nein, gibt es nicht. Als du klein warst ist jemand nachts in dein Zimmer gekommen. Dieser Mensch hat dir entweder die Luft weggedrückt oder auf dich eingeschlagen, immer solange, bis du wach wurdest, angefangen hast zu schreien oder zu weinen. Welchem realen Menschen aus deinem Elternhaus würdest du so eine Aktion am ehesten zutrauen?" - Tja, da brach die Selbstlüge wie ein Kartenhaus zusammen. Nein, es gibt keinen schwarzen Mann, an den ich so gern glauben wollte. Meine Mutter hat mich nachts aufgesucht und mir etwas angetan, damit ich Angst bekomme und bei ihr Schutz suche. Ich wollte damals immer bei meinen Eltern im Bett schlafen, weil ich mich so sehr vor dem bösen, schwarzen Mann fürchtete. Und meine Mutter hat es manchmal erfreut zugelassen und manchmal mich aus ihrem Bett getreten - ganz, wie sie wollte. Ein perfider Machtmissbrauch.

Eine weitere Prozedur, der ich mich oft ergeben musste, war das Entfernen von "Sandflöhen" aus meinen Füßen. Zumindest wurde es mir damals so erklärt. Wenn man barfuß rumläuft, kann man Sandflöhe kriegen, die dann mit Nadeln und Pinzetten aus dem Fuß geholt werden müssen. Also legte ich mich immer, wenn meine Mutter sagte, es sei wieder an der Zeit, auf den Fußboden und sie werkelte mit entsprechend spitzen Gegenständen an meinem Fuß herum. Es tat tierisch weh und ich beklagte mich, aber sie hielt mich fest und sagte, ich solle mich nicht so anstellen, denn es sei zu meinem besten. Wenn ich heute im Internet gucke, was "Sandflöhe" sein sollen, dann finde ich in der Tat sogenannte Tiere, die sich in die Füße setzen, dort Eier legen und operativ und steril entfernt werden müssen. Aber die gibt es vorwiegend in verschmutzten, armen Strandgebieten, vor allem Afrika oder in der Dominikanischen Republik. Ich war noch nie in Afrika oder in "Domrep".

Ich erinnere mich, dass meine Mutter immer behauptete, ich hätte Herzprobleme. Habe ich nach neusten Untersuchungen auch. Aber ganz minimal und nicht so, dass es behandlungsbedürftig wäre. Ich musste als Kind immer spezielle Säfte und Kräutermedizin trinken und das nicht zu knapp. Teilweise an einem Tag eine Flasche von diesem Doppelherzzeug. Und das im Kindergartenalter. Ich habe mir mal die Packungsbeilage des Doppelherzproduktes durchgelesen und war perplex. Erstmal führen sie keine Produkte für Kinder, zweitens weisen sie darauf hin, dass die Präparate für Kinder und 12 Jahren nicht geeignet seien und drittens liegt der Alkohol in diesen Säften bei 17% - weshalb auch nur eine Kappe von dem Zeug am Tag getrunken werden soll.

Ich erinnere mich an meinen Widerwillen, aber durch das Ess- und Trinkspielchen "Ein Löffel für... noch ein Löffel für... und wieder ein Löffelchen für..." kriegte ich jedesmal gut meine ganze Verwandtschaft beim Aufzählen durch.

Momentan bin ich einfach erschrocken, enttäuscht und verzweifelt, weil es mir schwer fällt anzunehmen, dass eine Mutter zu solchen Dingen fähig ist. Es ist so perfide, subtil, manipulativ, hinterhältig und gemein.

Danke, dass ich mir das nochmal von der Seele schreiben durfte. Diese Erinnerungen werden gerade von mir durchlebt und ich suche noch nach der anmessenden Handhabung, damit ich sie als "verarbeitet" ablegen kann.

Liebe Grüße

AkmygdOallxa


:)*

a/lit[h/eaa


Momentan bin ich einfach erschrocken, enttäuscht und verzweifelt, weil es mir schwer fällt anzunehmen, dass eine Mutter zu solchen Dingen fähig ist. Es ist so perfide, subtil, manipulativ, hinterhältig und gemein.

Ja, das ist es!

Lass Dir die Zeit, die Du brauchst, um Abstand zu bekommen und mit der Vergangenheit Deinen Frieden zu finden. Ich hatte 6 Jahre kaum Kontakt (sporadisch per Tel.) zu meinen Eltern. Erst als ich aus mir selbst heraus Stabilität gefühlt habe, war ich bereit und in der Lage, wieder Kontakt aufzunehmen. Dann folgte eine längere Phase -ca. 2 Jahre- in der wir uns nur auf neutralem Boden (z.B. Restaurant) trafen und ich meine Eltern mit vielen vielen Dingen konfrontiert habe. Es war für sie beide sehr schmerzhaft und auch hochgradig unangenehm, sich damit und mit mir auseinander zu setzen, aber sie haben begriffen, dass es ihre einzige Chance war, Frieden mit ihrer Tochter zu finden. Es sind viele Tränen geflossen und ich habe auch Dinge aus dem Leben meiner Eltern erfahren, die mich besser verstehen ließen, was passiert ist. Diese Phase der Annäherung war nur möglich, weil ich in der Therapie alles "bearbeitet" habe und absolut stark war- stärker als meine Eltern. Irgendwann hatten wir gemeinsam die Kraft, die Vergangenheit ruhen zu lassen und uns im Hier und Jetzt neu zu begegnen. Das heißt nicht, dass unsere heutige Beziehung "störungsfrei" verläuft, aber wir begegnen uns auf Augenhöhe und wir lieben einander...und DAS habe ich in den Jahren ohne Kontakt nie für möglich gehalten. Es macht mich glücklich, dass es so ist, wie es ist- und ich wünsche Dir alles alles Gute :)*

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