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Ablenken gut oder schlecht?

aW.kfixsh hat die Diskussion gestartet


Ich hatte gestern eine Diskussion mit meinem Freund. Anstoß war, dass er gewisse Pläne hatte, die aber wegen der Doofheit anderer Menschen nicht umsetzen konnte und daher schlecht drauf war. Ich habe ihm dann einige Aktivitäten vorgeschlagen, um ihn von seiner schlechten Laune abzulenken, die er aber alle ausschlug. Daraus wurde eine etwas allgemeinere Diskussion zum Thema "Ablenken vs. Aushalten"

Mein Freund ist der Meinung, man müsse negative Gefühle wie Frustration, Wut, Angst aushalten lernen, um mit ihnen umgehen zu können. Ich bin der Meinung, sich von diesen Gefühlen abzulenken, sodass man sie nicht aushalten muss, ist genau ein sehr adäquater Weg mit ihnen umzugehen.

Mein Freund hält dagegen, dass man sich damit nur eine Fassade aufbaut und diese Gefühle ignoriert, sie aber immer noch irgendwo rumoren und nicht aufgebarbeitet werden. Ich meine, dass die meisten Gefühlsregungen sich ja auch wieder abkühlen und dass man diese Zeit doch besser mit angenehmen Ablenkungen verbringt und somit am Ende insgesamt entspannter aus der Situation rausgeht.

Mein Freund meint, dass würde aber niemals immer und auf Dauer gelingen und dann stünde man da ohne Rüstzeug für Situationen, in denen man sich nicht ablenken kann. Ich behaupte, dass das nur eine Frage der Übung ist und dann klappt die innere Emigration aus stressigen Situationen immer.

Naja, wir kamen zu keiner abschließenden Lösung und ich weiß auch nicht mehr, welcher Seite ich den Vorrang geben soll. Vielleicht habt ihr ja Gedanken oder Ideen dazu?

Antworten
EAmBma268


Ich glaube es kommt immer drauf an, was das für Gefühle sind. Bei Trauer (evtl. nach dem Tod eines geliebten Menschen) oder großer Angst kann es m.M. nach sogar schlecht sein, sich abzulenken, weil die Gefühle, wenn sie nicht richtig verarbeitet wurden später wieder - und dann sogar noch schlimmer - auftreten können. Hab das grad mit ner Freundin, sie hat Angst nach Hause zu gehen (Trennung vom Freund, der aggressiv wurde und nun hat sie Angst, dass er zu ihr nach Hause kommt) und die geht einfach seit 2 Wochen so gut wie nicht mehr heim, lenkt sich ab mit Arbeit und Unternehmnungen, aber das eigentliche Problem, dass sie immernoch Angst vor ihrer eigenen Wohnung hat, ändert das nicht.

Bei Sachen wie Wut, Frustration etc., also da wo man selbst sehr aufgebracht und "aggressiv" ist, finde ich, dass es schon gut ist, sich erstmal abzulenken und ein bißchen runter zu kommen um dann sachlich an das Problem herangehen zu können. Ich neige z.B. dazu, wenn ich richtig sauer bin das auch an unschuldigen auszulassen, ich merk das nicht immer gleich und greif diese Leute auch nicht an oder so, aber ich steigere mich in meine Wut rein, wenn ich drüber erzähle, was passiert ist, werde laut, manchmal auch ungerecht, wenn jemand mir nur helfen will und ich diese Ansicht grad nicht teile. Mein Freund macht das immer sehr diplomatisch, hört mir zu, macht mich drauf aufmerksam, wenn ich zu laut werde und sagt dann, wir machen jetzt erstmal was anderes, wenn du dich beruhigt hast reden wir weiter, das hilft. Ich versuch mich jetzt immer gleich abzulenken, damit nicht immer mein armer Freund die geballte Wut abbekommt, obwohl wir beide wissen, dass er damit nicht gemeint ist. Mir hilft es, mich erstmal abzulenken und wenn ich dann ein bißchen ruhiger bin, nehme ich Vorschläge und kritik auch besser an.

Gefühle aushalten um sich abzuhärten, ich weiß nicht, das endet dann wie bei mir früher wohl damit, dass man die ganze Zeit motzig ist, unausstehlich für andere, nix ist mit einem anzufangen und beim nächsten Mal ist man doch dann wieder genauso sauer.

In eurer Situation halte ich Ablenken auch für besser, gerade wenn er sich über andere geärgert hat, an deren Verhalten kann man nunmal nix ändern. Und wie man sieht (ich weiß ja nicht wie die Diskussion abgelaufen ist, bei mir war sowas dann immer recht emotional und weniger sachlich) wird dann schnell ne Grundsatzdiskussion draus oder man schaukelt sich hoch, von einem Thema ins nächste und die Wut wird nicht weniger, sondern nur verlagert. Wenn dein Freund dabei sachlich bleiben kann, hast du und er Glück, ich hab da weniger Erfolg und lenk mich vorher lieber ab, bis ich ruhiger geworden bin, sonst reg ich mich nur über jede Klienigkeit wieder neu auf.

In den meisten Fällen zieh ich die Ablenkung vor, manchmal ist es aber glaub ich wichtig, sich mit Emotionen gleich auseinander zu setzen, sie nicht zu verdrängen.

Ihr habt also in gewisser Weise beide Recht, aber konkret in dieser Situation würde ich die Ablenkung bevorzugen!

a+.fixsh


Ich neige z.B. dazu, wenn ich richtig sauer bin das auch an unschuldigen auszulassen, ich merk das nicht immer gleich und greif diese Leute auch nicht an oder so, aber ich steigere mich in meine Wut rein, wenn ich drüber erzähle, was passiert ist, werde laut, manchmal auch ungerecht, wenn jemand mir nur helfen will und ich diese Ansicht grad nicht teile.

Kenne ich irgendwoher :=o Und da frage ich mich nun schon, ob das an mangelnder "Übung" liegt. Ob man vielleicht lernen könnte, vonvornherein sachlicher zu bleiben und es überhaupt erst gar nicht so hochkochen zu lassen. Und ob dieses Ergebnis eben durch erstmal Zulassen des Gefühls oder durch geschicktes Ablenken erreicht werden kann...

In eurer Situation halte ich Ablenken auch für besser, gerade wenn er sich über andere geärgert hat, an deren Verhalten kann man nunmal nix ändern.

Eben, das denk ich halt auch. Ob ich da nun wütend werde oder nicht, das ändert die Welt auch nicht.

Und wie man sieht (ich weiß ja nicht wie die Diskussion abgelaufen ist, bei mir war sowas dann immer recht emotional und weniger sachlich) wird dann schnell ne Grundsatzdiskussion draus

Nö, keine Sorge, die Diskussion war ganz friedlich. Haben uns einfach nur zusammen Gedanken gemacht. (Was ihn praktischerweise von seiner schlechten Laune abgelenkt hat. ;-) )

E3mm`a28


Und da frage ich mich nun schon, ob das an mangelnder "Übung" liegt. Ob man vielleicht lernen könnte, vonvornherein sachlicher zu bleiben und es überhaupt erst gar nicht so hochkochen zu lassen

Das weiß ich leider auch nicht, aber wenn, dann brauche ich noch viel Übung. Wenn ich schonmal sauer bin, braucht mir nur einer beim Autofahren die Vorfahrt zu nehmen und ich schimpfe wie ein Rohrspatz vor mich hin. Ich glaube, dass das Üben impliziert, dass man die Gefühle erstmal zu ertragen versucht. Das gibts sicher bestimmte Techniken (autogenes Training?) besser damit umzugehen. Ich für mich will die Gefühle aber gar nicht ertragen müssen, wenns so unvernünftige wie Wut sind. Ich ärgere mich dann zusätzlich über mich selber, dass ich so wütend geworden bin. Mir hilft da nur ablenken. Ich versuch erstmal drüber zu reden, wen ich merke ich bin zu aufgebracht, dann brech ich es ab und lenk mich erstmal ab. Nach kurzen Zeit kann ich dann auch wieder sachlich über das Thema sprechen und die Diskussion führt dann auch meist zu nem Ergebnis. Ich denke man kann schon lernen, sachlich zu bleiben, aber es ist ne Quälerei, weil man es nur macht um den Gesprächspartner nicht anzugehen, dann seine Gefühle erstmal unterdrückt (ist ja nix anderes wie ablenken, nur eben ohne Ablenkung ;-D) aber irgendwann müssen sie halt mal raus, so seh ich das. Und nach dem Ablenken kann ich sie für mich kontrollierter rauslassen, ohne dabei jemand anderen anzumeckern, der nix dafür kann.

Aber bei deinem Freund klingt es echt, als hätte er es drauf, sachlich zu bleiben trotz Wut und ohne Ablenken, Respekt. Wies in ihm drin dabei aussieht und wie lange er dann wütend ist oder es ihn beschäftigt ist eben die andere Frage!

MIme Va9lois


Mein Freund meint, dass würde aber niemals immer und auf Dauer gelingen und dann stünde man da ohne Rüstzeug für Situationen, in denen man sich nicht ablenken kann. Ich behaupte, dass das nur eine Frage der Übung ist und dann klappt die innere Emigration aus stressigen Situationen immer.

ihr habt beide teilweise recht ;-D

in gewissen situationen ist es (für mich) besser, wenn ich mich ablenke (wut über andere leute, frustration, weil zb ein ausflug nicht geklappt hat), bei längerfristigen sachen (trauer, frustration im job/partnerschaft) ist sich stellen & damit klarkommen besser. sonst platzt es irgendwann geballt raus & hinterlässt ne schneise der verwüstung ;-)

Ob man vielleicht lernen könnte, vonvornherein sachlicher zu bleiben und es überhaupt erst gar nicht so hochkochen zu lassen. Und ob dieses Ergebnis eben durch erstmal Zulassen des Gefühls oder durch geschicktes Ablenken erreicht werden kann...

vielleicht, wenn sich die wut anfängt zu regen, schon was sagen & versuchen den konflikt/ die situation irgendwie zu klären? ich weiss es nicht, ich werd auch unglaublich wütend, bin aber für tips dankbar ;-D

ad.fixsh


ihr habt beide teilweise recht

Watt? ;-D Bei mir gibts nur 1 oder 0. ;-D

Es ist schon klar, dass es größere und bedeutendere Niederschläge gibt und ärgerliche Kleinigkeiten. Mein Freund vertritt die These, dass die Kleinigkeiten sozusagen Übungen für die schwerwiegenderen Situationen sind. Und das man, wenn man sich vorher immer geschont und "rausgemogelt" hat, dann in diesen völlig ohne Rüstzeug da steht.

Ich könnte das schon auf mich anwenden - wenn ich mal in einer Situation bin, in der ich nicht ausweichen kann, sondern die ich einfach aushalten muss, bin ich meinen Gefühlen ziemlich hilflos ausgeliefert. Aber vielleicht ist das auch einfach eine Charaktereigenschaft, ich weiß es nicht.

Wenn da jemand Erfahrungswerte mit hat..immer raus damit.

B1lu?traxbe


Hmm, finde das Thema ja interessant, aber ich glaube eine eindeutige Antwort kann man darauf nicht geben...ich weiß für mich persönlich, dass ich mich Ablenken muss, sonst steigere ich mich nur in meine Gefühle rein, hat auch bis jetzt immer gut geklappt...würde ich mich nicht ablenken,würde ich mich vor allem bei schlimmeren Sachen wahrscheinlich irgendwann selbst verlieren...aber andererseits muss man solche Gefühle auch verarbeiten, damit sie nicht irgendwann wieder hochkommen...schwierig, schwierig...

BFlutrxabe


Achso was ich noch vergessen habe, ist, dass ich glaube, dass es auch mit dem Charakter eines Menschen zu tun hat, manche Menchen sind einfach ruhig und können gut mit Gefühlen umgehen, aber jemand der sehr heißblütig ist, wird starke Gefühle auch eher ausleben und weniger kontrollieren...

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