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ich fühle mich ständig schuldig

cGre?denzxa hat die Diskussion gestartet


hallo!

ich weiß einfach nicht mehr weiter bzw. weiß ich dass jetzt endgültig der moment gekommen ist, etwas zu tun. deshalb wende ich mich mal an euch, vielleicht weiß jemand rat oder es geht jemandem ähnlich wie mir. eure antworten würden mir sehr helfen!

ich fühle mich mein ganzes leben jedem mir nahe stehendem menschen gegenüber schuldig.

ich bin 25 jahre alt, fühle mich meinen eltern (vor allem meinem vater gegenüber) schuldig, dass ich erwachsen geworden bin und nicht mehr oft zuhause bin, da ich fast jede nacht bei meinem freund übernachte (also inoffiziell bei ihm schon eingezogen bin).

ich fühle mich meiner besten freundin gegenüber schuldig, dass ich nicht mehr die zeit für sie habe, wie ich sie früher hatte, als ich noch keinen freund hatte.

ich fühle mich meiner oma gegenüber schuldig, dass ich sie nicht öfters besuche. ich fühle mich meinem freund gegenüber schuldig, wenn wir etwas geplant haben und ich ihm absage. manchmal fühle ich mich einfach nur schuldig und weiss nicht mal wem gegenüber und warum. wenn ich eine freundin oder einen freund anrufe, und die person ruft nicht zurück oder meldet sich nicht gleich bei mir, glaube ich immer gleich, jemand könnte böse auf mich sein. schlechtes gewissen begleitet mich überall hin und ist fast immer präsent. ich versuche immer für jeden da zu sein, aber irgendwer bleibt dann eben auf der strecke und dann fühle ich mich wieder schuldig und habe ein schlechtes gewissen.

man könnte meinen, dass spielt sich alles nur in meinem kopf ab, doch es ist schon so, dass leute auf mich öfters böse sind, als auf andere. andere leute sagen ständig ohne schlechtem gewissen verabredungen ab, doch immer wenn ich es tue, oder nicht für jemandem da sein kann, weil ich eine andere verpflichtung habe, ist man mir böse.

ich kann so nicht mehr weiter leben. mein leben könnte so schön sein und ich könnte so glücklich sein mit allem was ich habe. doch das schuldgefühl meinen mitmenschen gegenüber lässt mich komplett auf der strecke bleiben.

gibt es tipps, wie ich mein verhalten oder mein auftreten ändern kann?

wäre so dankbar!! liebste grüße!

Antworten
uInlifkxe


hey *:)

kann es sein dass du ziemliche angst davor hast verlassen zu werden?

wenn ich eine freundin oder einen freund anrufe, und die person ruft nicht zurück oder meldet sich nicht gleich bei mir, glaube ich immer gleich, jemand könnte böse auf mich sein.

das kenne ich auch sehr gut. aber ich habe halt angst dass man mich nicht mehr mag, ohne schuldgefühle.

was denkst du denn über dich selber? hast du eher ein positives oder negatives selbstbild?

c3redexnza


hallo unlike!

danke für deine antwort!

du hast recht, mir ist das zwar nicht wirklich bewusst, aber ich war schon mal bei einem psychologen und der meinte auch, ich hätte verlustängste.

eigentlich sollte ich ein positives selbstbild von mir haben. ich denke, ich komme bei den meisten leuten gut an, ich mag auch mein aussehen, beende demnächst mein studium. doch immer wieder habe ich panik zu versagen, denke, dass die anderen klüger, lustiger, hübscher, beliebter etc. sind.

ich bin auch eine totale tiefstaplerin, ich betone immer zuerst meine schwächen und wenn ich einen erfolg habe, dann tue ich es als zufall und anfängerglück ab. ich bleibe auch immer gerne im hintergrund. präsentation auf der uni waren immer die schlimmste qual für mich, da musste ich oft beruhigungsmittel nehmen und mich eine woche vorher schon darauf vorbereiten. der gedanke an bewerbungsgespräche und erfolgsdruck im job, was ja in kürze auf mich zukommen wird, machen mich auch schon total fertig.

eigentlich war ich früher eine sehr gesellige person, doch je älter ich werde, umso anstrengender werden mir small talk und neue leute kennen zu lernen.

ich bleibe in den letzten jahren deshalb auch fast nur noch unter den wenigen personen, die mir nahe sind, also meine familie, mein freund und meine beste freundin, ja und noch 2-3 weitere freunde, mit denen ich alle paar wochen telefoniere. und genau diesen wenigen leuten fühle ich mich immer verpflichtet und schuldig gegenüber. am schlimmsten ist es mit meiner besten freundin. seit ich einen freund habe ist dieses schlechte gewissen ihr gegenüber ganz stark geworden.

obwohl sie nie länger als ein paar wochen ohne freund war, und die beziehung mit meinem freund meine erste ist, hat sie mir stark zu spüren gegeben, dass es ihr nicht recht ist, dass ich nun auch vergeben bin.

dieses schuldgefühl führt dazu, dass ich mich zB nicht traue, ihr abzusagen, weil ich keine lust habe etwas zu unternehmen, oder was mit meinem freund mache, und erfinde jedes mal eine ausrede (wie ein pflichttermin beim arzt oder auf der uni), anstatt die wahrheit zu sagen.

doch ich hasse es zu lügen und habe danach nur noch schlimmere gewissensbisse und schuldgefühle und schäme mich so sehr, dass ich gelogen habe.

ich freue mich wirklich über jede antwort! denn ich kann irgendwie mit niemandem darüber reden, da alle mir nahestehenden personen ja auch involviert sind.

vielen dank fürs lesen!!

u;nlixke


hey

erstmal :°_

ich versteh dich total!!!! kann dir nur leider keine wirklichen ratschläge geben. kämpfe ja selber mit dem problem... hast du denn mal einen geliebten menschen verloren? oder wurdest du mal verlassen? irgendetwas was dich so denken lässt??

ganz liebe grüße und viel kraft @:) :)* :)*

unlike

cUrendenzxa


die einzigen beiden menschen, die ich in meinem leben wirklich verloren habe, waren meine oma und mein opa (die eltern meiner mutter) die innerhalb eines halben jahres beide starben. ich war zwar damals erst 10 jahre alt und habe das noch nicht so richtig mitbekommen, doch danach ist es mit meiner familie nur bergab gegangen...

meine mutter stürzte sich in die arbeit, um ihren schmerz zu verdrängen, wodurch sich meine eltern über die jahre total entfremdeten, weil meine mutter kaum noch zuhause war. mein vater hat dadurch begonnen zu trinken und ich finde ständig irgendwo flaschen, die er versteckt hat. ich habe solche angst um ihn und fühle mich so schuldig, weil ich nicht weiß wie ich ihm helfen soll...

dadurch, dass meine mutter während den jahren meine kindheit so viel arbeitete und mein vater eben auch, musste ich mich auch sehr viel um meine jüngere schwester kümmern (also von der schule abholen, hausübung mit ihr machen, etc) - vielleicht deshalb mein beschützerinstinkt jedem gegenüber..ich weiss es nicht

ich weiß nicht ob der verlust meiner großeltern und die daraus enstandenen folgen ein grund für mein verhalten sind. der psychologe, bei dem ich war meinte, dass ich mein leben soll und nicht für die anderen verantwortlich bin.

doch ich bin so ein harmoniesüchtiger mensch und mir geht es nur gut, wenn es meinen liebsten gut geht...

ich weiß nur, dass ich so nicht mehr leben kann, weil ich jeden tag traurig bin und (vor allem am abend, wenn ich alleine zuhause bin) depressiv bin.

ich wünschte, ich könnte mich von den gefühlen anderer etwas mehr lösen und würde es nicht immer jedem recht machen wollen...

S3anEsza


Hallo Credenza,

ich hab erst kürzlich ein Buch gelesen, in dem genau deine Art von Problem beschrieben wurde. Das Buch handelt von Lebensfallen, deine Lebensfalle ist: Unterwerfung – ein Elternteil hat sie unterdrückt, sodass sie als Erwachsender zu Beziehungen zu dominierenden Personen hingezogen fühlen und sich ihnen unterwerfen.

Das hört sich gerade nach gewalttätiger Unterdrückung an, muss es aber nicht sein. Zu Unterdrückung gehört ebenso, so die Autoren, das Aufbürden von Verpflichtungen, mit welchen Kinder mental noch nicht fertig werden. Dass du dich um diene jüngeren Geschwister und dienen alkoholkranken Vater kümmern musstest, ist eine Last gewesen, welcher du als Kind noch nicht gewachsen warst und welche sich bei dir jetzt ganz besonders bemerkbar machen.

In dem Buch gab es ein Beispiel. Der Patient Karl und auch er hat versucht, es immer allen recht zu machen. Dies ging so weit, dass er nicht einmal mehr seine eigene Meinung hatte, weil er es immer allen rechtmachen wollte. Sein Problem waren seine Lasten aus der Kindheit, wie bei dir, alkoholkranke Eltern und jüngere Gecshwister, um die er sich kümmern musste.

Ich denke, die Therapie wird dir helfen! Falls du das Buch auch lesen willst, es heißt: Lebensfallen – Muster, die Beziehungen zerstören.

Alles Gute!

l-ivBe_siLm;ple


Hallo Credenza.

Ist ja unglaublich. Was die Schuldgefühle angeht, sprichst du mir direkt aus der Seele.

Ich bin da total an einem Austausch interessiert, weil ich mit Hochdruck daran arbeite, das zu verbessern.

Und ich bin auch schon weitergekommen, weshalb ich Konstruktives beitragen kann.

Ich bin 26 und kurz vor dem Abschluss des Studiums (der hat sich schon rausgezögert, weil alle anderen wichtiger waren als mein Studium....).

Ich fühle mich auch schuldig,

weil meine Mutter immer noch Geld an mich zahlt, und ich nicht auf eigenen Beinen stehe

weil ich noch nicht viel erreicht habe, und meine Eltern nicht stolz auf mich sein können (aus meiner Sicht bin ich sehr gut in dem was ich tue, aber ich denke immer dass andere das vielleicht nicht so sehen....)

weil ich noch keine Kinder habe, meine Oma sich aber so sehr Urenkel wünschen würde (hier wird es richtig absurd....)

weil ich meine Exfreundin enttäuscht habe

weil ich aus meiner Sicht meinem Chef nicht genügend biete (im Nebenjob) ... dabei krieg ich immer nur gutes Feedback

und so weiter... ich fühle mich sogar menschen verpflichtet, die ich seit 2 minuten kenne.

Aber am schlimmsten ist es bei personen, die mir wichtig sind, da kann ich verabredungen kaum absagen, nahezu nicht nein sagen, etc.

Und ich habe auch ständig Angst, dass mich jemand nicht mag... muss es ALLEN recht machen. Muss immer Harmonie haben. Das ist absoluter Mist.

Und auch in meinem Umfeld, sagen Leute munter Veränderungen ab....

Ich hab ein paar Strategien, die mir geholfen haben:

1. Wenn ich etwas absage, dann drücke ich der Person ehrlich und offen aus, warum ich das tun muss. Da ich eh nur dringende Sachen absage, sollte die Person auch verständnisvoll sein, oder ich überdenke mal die Freundschaft.

2. Ich versuche, nichts mehr im Affekt zuzusagen, sondern sage erst zu, wenn ich mir reichlich überlegt hab, dass ich das auch wirklich erfüllen kann. So komme ich gar nicht erst in eine "schuld-situation".

3. Ich führe mir immer wieder die Situationen vor Augen, in denen Personen, die ich gut kenne eine Verabredung abgesagt haben. Die tun es auch. jeder tut es, weil es manchmal sein muss.

4. "Wenn Du jemanden nicht enttäuschen willst, halte dich von ihm fern". Dieser Satz von einer Psychologin hat mir sehr geholfen. Enttäuschungen passieren, in den besten Beziehungen. Und die hat auch gesagt: "Sie tun was Sie können". Mehr geht nicht.

Meine größte Baustelle ist noch die Schuldigkeit, die eigentlich keine ist, so wie bei Dir auch.

Also wie bei meiner Oma. Es ist einfach völlig absurd, dass ich mich schuldig fühle, weil ich mit 26 keine Kinder habe.... ich weiss das auch, trotzdem fühle ich das irgendwie.

Und was ich auch noch nicht kann: Streit akzeptieren, und annehmen, dass mich Menschen nicht mögen, oder etwas an mir auszusetzen haben.

Liebe Grüße.

l(iv0e_simfple


ach und nochwas:

Dass die Leute auf uns böse sind, wenn wir etwas absagen oder so, liegt daran, weil wir das zulassen.

Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Andere meinen das nichtmal böse, aber durch unsere Schwäche (ich sage zum beispiel schon oft nur so halbherzig ab: "ich glaube ich kann da nicht" "ich hab viel zu tun, geht es bei dir auch irgendwie anders?") lassen wir sowas zu.

Jemand der rigoros absagt, ohne einen Zweifel zu hegen und dann auch keinen Zweifel aufkommen lässt, dass absagen auch mal völlig ok ist, dem sind wahrscheinlich weniger Menschen böse.

s,a9mpqle


lerne "nein" zu sagen, nimm dir dieses recht, denn du hast ein recht darauf, so wie jeder andere auch.

dann wird sich auch die erwartungshaltung deines umfeldes dieser (vielleicht für sie zunächst überraschenden) realität anpassen.

tgex4x2


Hallo credenza,

du hast dich sehr stark mit zwei von deinen Persönlichkeitsanteilen identifiziert, die man als den [[http://www.bewusster-lieben.de/html/der_innere_kritiker.html "inneren Kritiker"]] und den "Publikumsliebling" bezeichnen kann. Diese zwei (und noch einige andere) sind Teil jeder Persönlichkeit und haben durchaus nützliche Funktionen. Jetzt kann es aber aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass diese zwei Anteile viel zu aktiv sind. Was dann passiert hast du sehr schön beschrieben...

Zum "Publikumsliebling" hab ich im Netz leider nix gescheites gefunden. Ich kann dir aber wenn du willst ne kurze Beschreibung schicken.

e1l9litpse


Hi,

habe eben diesen Faden gefunden und kann mich einreihen in die psychotischen Schuldigfühler :-( Ich fühle mich auch ständig schlecht.. Gleichzeitig bin ich gar nicht besonders harmoniesüchtig, kann gut nein sagen, bin sehr direkt, fühle mich danach aber wieder schlecht und bin unzufrieden, kann die Situation nicht abhaken und zu meiner Meinung stehen :-/ .. Ich glaube bei mir hat das sehr viel mit krankhaftem Perfektionismus zu tun.. Ich muss immer alles richtig machen, immer jedem Anspruch genügen.. Setze mich selbst unter Druck bei Dingen, die ich nicht gerne mache, die ich dann aber umso besser machen muss, weil ich ein schlechtes Gewissen habe, dass ich es nicht machen wollte.. Irgendwie eben ganz oder gar nicht.. Ich weiß nicht mal, ob das verständlich ist.. Manchmal fühl ich mich auch einfach so schlecht, liege dann abends im Bett und frage mich, ob ich auch alles richtig gemacht habe den Tag über.. total bescheuert.. vielleicht ist das auch einfach ein globaler Kontrollzwang..

Hoffe ihr seid noch da und habt vielleicht ja Mittel und Wege gefunden, die das Leben leichter machen? @:)

wRillJgesu1ndsieixn


Hallo zusammen *:)

Bei mir ist es im Grunde gleich, nur im Detail ein bisschen anders:

Ich habe sehf oft ein schelchtes Gewissen, wenn ich auch nur etwas denke, dass einen mir Nahestehenden menschen verletzen könnte.

Ich bin mehr oder weniger Harmoniesüchtig (außer, wenn ich jemanden wirklich ganz direkt nicht mag) und kann es schwer ertragen, wenn ich jemanden durch meine Art (ohne dies zu wollen) einschränke.

Ich glaube, dass Ganze kommt von meiner Mutter, die damals alleinerziehend mit mir und meiner jüngeren Schwester total überfordert war, oft wie ein Baby geweint hat und wir beiden kleinen total Hilflos waren und die Fehler bei uns gesucht haben.

ich lerne immer besser mit Spannung in meinem Umfeld umzugehen indem ich mir bewusst mache, was gerade der Anlass für den Konflikt war, genau schaue, welchen Anteil ich habe und erst dann bewerte, wer denn nun wirklich gerade der Arsch war. Was ich es, entschuldige ich mich und versuche, die Sache wieder ins Reine zu bringen. War der andere es, kann ich inzwischen ganz gut mit seiner (aus seiner Sicht natürlich gerechtfertigten) Ablehnung mir gegenüber umgehen. Ich sage mir dann: "Dann ist das einfach so und fertig".

Man muss lernen, dass man nicht mehr Kind ist und auch nicht mehr abhängig von (der Liebes seiner) Eltern, Freunden usw.

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