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Endlich mit der Vergangenheit abschließen und loslassen - wie?

gplorgiIa2x3 hat die Diskussion gestartet


Es geht darum, dass meine Eltern mich, bis ich mit 18 Jahren (jetzt bin ich 22) bei ihnen ausgezogen bin, geschlagen und laut angeschrien haben. Vor allem gegenüber meiner Mutter habe ich einen richtigen Hass empfunden. Oft hat sie sich auch in meine privaten Angelegenheiten eingemischt und meine Post gelesen, meine Ordnung im Zimmer durcheinander gebracht und so umgeräumt, wie es ihr passt. Bei meinen Freundinnen hat sie mich oft blamiert durch ihre ganze Art, über meine Mutter wurde gelästert usw. Außerdem wurde ich früher in der Schule oft gehänselt - man konnte es mit mir machen, weil ich mich ja nicht gewehrt, sondern nur ignoriert habe.

Wegen dem ganzen war ich schon in einer 3-monatigen psychologischen Behandlung, die mir, während ich regelmäßig meine Sitzungen hatte, auch geholfen hat. Wegen Umzug musste ich diese Beratung aber beenden und hatte danach eigentlich auch das Gefühl, es sei wieder alles ok und ich hätte neues Selbstwertgefühl gewonnen.

Mittlerweile geht es mir aber wieder schlechter, vor allem weil ich im Moment bei meinen Eltern wohne (vorübergehend) und sozusagen alles wieder von vorne mitmache. Meine Mutter schreit wieder, sie hat auch wieder versucht, mich zu schlagen, was ich aber diesmal abgewehrt habe. Sie verletzt und enttäuscht mich wieder wie früher, mischt sich in meine eigenen Angelegenheiten ein und behandelt mich dadurch tw. wie ein Kleinkind, das nichts auf die Reihe bekommen würde.

Dabei habe ich bisher eine Menge alleine auf die Reihe bekommen, alleine mein Auszog mit 18 aus dem Elternhaus, Umzug alleine in die Studienstadt und die ganze Organisation drumherum.

Am liebsten würde ich meiner Mutter voller Wut alle Schuld zuweisen, die sie an meiner geknacksten Psyche und geringem Selbstwertgefühl hat. Immer wieder komme ich doch in Situationen, wo ich zurückhaltend bin, mir etwas nicht zutraue, zu nah am Wasser gebaut bin und mir durch meine vorherige Angst vor etwas schon alles schlecht rede.

Aber dann höre ich wieder die schlauen Stimmen in mir, die sagen, dass ich selbst mein Leben in die Hand nehmen muss, meine Vergangenheit akzeptieren muss und nach vorne schauen muss.

Doch genau das schaffe ich nicht, so mein Gefühl, wenn ich nicht mal richtig meinen Eltern die Meinung für ihr Verhalten gesagt habe. Ich habe schließlich nie eine Entschuldigung dafür gehört, dass ich geschlagen wurde.

Am liebsten würde ich ihnen einen Brief schreiben, in dem ich sozusagen "abrechne" und all das aufschreibe, was mich verletzt hat und was ich in Zukunft von ihnen erwarte. Was meint ihr dazu?

Außerdem frage ich, ob ich nochmal eine Therapie machen soll und wenn ja, welche. Da ich im Moment oft umziehe und nur ein halbes Jahr an einem Ort bin (wegen Praktikum, Studium, Jobs), kann ich halt auch keine Therapie machen, die länger als 6 Monate andauert.

Ich muss sagen, dass meine Beschwerden gerade jetzt vor allem so groß sind, weil ich ja wieder so nah an meinen Eltern dran bin. Wenn ich wieder weg bin (umgezogen in andere Städte), dann habe ich weniger Probleme.

Trotzdem hat mein ganzes jetziges Verhalten ja auch Ursachen von früher. Auch, dass ich ein sehr schwaches Immunsystem habe, liegt sicher auch an meiner schwachen Psyche, dem geringen Selbstwertgefühl, was meine Eltern früher so klein gehalten haben.

Ich würde halt auch gerne mal eine Entschuldigung dafür hören und echte Reue spüren, versteht ihr das?

Antworten
Suansxa


Ich kenne das Problem, Gloria. Auch meine Eltern haben mich als Kind geschlagen, mein Vater sogar regelrecht verprügelt, wenn ich auch nur ein wenig ungehorsam war.

Und mittlerweile bin ich soweit, dass ich all meine jetzigen "Defizite", die ich als Kind irgendwie hingenommen habe, erklären kann, und ich empfinde so viel Trauer.

Aber zu dir: Wenn du dich traust, den Brief zu schreiben, dann tu es. Man mag es kaum meinen, aber so viele Leute haben überhaupt keine Ahnung, was sie mit ihrem Verhalten ausrichten. Wahrscheinlich ebensowenig deine Eltern/deine Mutter, sonst hätten sie dich nicht geschlagen und angeschrien. Erklär es ihnen in dem Brief, schreib alles auf, an das du dich erinnerst und woraus du Ableitungen schaffen kannst. Deine Eltern werden sicherlich Reue spüren.

Ich denke, mein Vater weiß auch überhaupt nicht, was er mit seinen Prügeleien und seinem Autoritätswahn bei mir ausgerichtet hat. Das liegt aber nicht nur an seinem Unwissen und seiner gerigen Sensibilität, sondern auch daran, dass ich nie über meine Gefühle geredet habe. Ergo kennen meine Eltern und auch sonst niemand meine Ängste, von welchen ich so viele habe.

es ist alles irgendwie kompliziert, aber es gibt Hilfe.

Ach ja, wie bist du eigentlich dazu gekommen, zum Therapeuten zu gehen? Ich spiele seit neuestem (bin auch 23) mit dem Gedanken, eine Therapie zu machen oder zumindest zum Unipsychologen zu gehen.

Liebe Grüße

W'atferli


Meine Mutter wurde auch so behandelt. Sie hat sich nun, also schon ca. als sie 30 war, wieder davon erholt und lebt ein schönes Leben, also mache ich dir erstmal Hoffnung. :)* Es kann klappen.

Allerdings, wenn du jetzt bei denen Eltern wohnst, dann ist es ja kein Wunder dass es dir wieder schlecht geht. Was die machen ist schon ganz schön krass, du hast ja praktisch dort gar keine Möglichkeit, eine Persönlichkeit (noch dazu eine gesunde) zu entfalten. So schnell wie möglich solltest du da also wieder raus. Vielleicht solltest du dir grade während du da wohnst schnell wieder eine Therapie suchen, damit du das wenigstens etwas verarbeiten kannst. Deine Eltern scheinen sich auch nicht zu ändern, egal ob du 18 oder 22 bist.

Ehrlich gesagt, würde mich irgendjemand in diesem Alter noch schlagen... gut, als Kind hat man es ignoriert bzw. du warst von den Eltern wirklich abhängig... aber jetzt würde ich sie anzeigen. Die nehmen dir deine Grundrechte, deine Würde und alles... das kann nicht sein. Da musst du dich auch wehren, du bist nicht mehr hilflos. Es gibt eine Menge Leute da draußen, die Null Verständnis für deine Eltern haben und dir helfen werden.

Ja, eigentlich solltest du ihnen die Schuld geben, dass du ein versautes Leben und eine versaute Psyche hast... wer soll den sonst Schuld sein? Doch nicht etwa du? So ein Schwachsinn. Jeder der andere schlägt oder hänselt entscheidet sich dafür... niemand wird gezwungen. Und egal was DU tust, niemand kann sagen du hast ihn dazu gebracht dass er so zu dir ist. Die Leute haben nämlich auch die Möglichkeit dich zu igorieren, so wie du es bei ihnen tust. Also: du hast überhaupt gar keine Schuld.

gClXori=a23


Erstmal danke für eure Antworten.

@ Sansa Bei mir ist es auch so,

dass ich meinen Eltern nie von meinen Ängsten und den Hänseleien erzählt habe. So haben sie immer gedacht, dass ich alles ganz locker weggesteckt habe, auch meine Leistungen in der Schule sind deshalb nicht eingebrochen. Ich sah also aus wie die Starke. Meinen Eltern habe ich aber von meiner Therapie erzählt und so haben sie zum ersten Mal mitbekommen, dass ich doch nicht immer stark bin, sonder Hilfe benötige. Umso mehr ärgert es mich, dass sie jetzt wieder in ihre alten Muster zurückfallen, insbesondere meine Mutter.

Wegen der Therapie: Ich hatte eigentlich schon seit 3 Jahren überlegt, ob ich mal dahingehen soll. Getraut hab ich mich dann erst dieses Jahr, weil bestimmte Störungen, die aus meinen früheren Problemen resultieren, immer wieder akut aufgetaucht sind.

An deiner Stelle würde ich mir auch einmal professionelle Hilfe holen, Schaden kann es nichts.

Wohnst du denn noch in der Nähe deiner Eltern?

@ Waterli

Das ist schön, dass sich deine Mutter von alledem erholt hat. Wie genau hat sie das geschafft? Und wie hat sie es geschafft, ihre erlebten Probleme nicht auch an ihrem Kind (an dir) genau so zu wiederholen (das passiert ja schließlich bei vielen)?

Meine Eltern anzuzeigen finde ich zu krass. Das bringt ja nur neue Konflikte auf. Ich möchte die, die wir jetzt haben, klären und mich von diesen Problemen verabschieden können. Nur ich weiß halt noch nicht so ganz wie. Magst du mal deine Mutter fragen, was/wer ihr alles geholfen hat?

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