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Wenn eigene Mutter sich nicht abnabeln kann

S@ilverstter(nchxen36 hat die Diskussion gestartet


Mit meiner Mutter habe ich im Moment große Probleme. Das würde mich nicht mal stören, wenn wir nicht in einem Haus wohnen würden und sie mir "mein Verhalten" nicht immer wieder unter die Nase reibt.

Wir haben eine ziemlich problematische Beziehung/Bindung :°(. Kurze Vorgeschichte. Als ich zur Welt kam, lag ihre Ehe in Trümmern. In diese Beziehung wollte und konnte sie mich nicht raus lassen. Wörtlich gesprochen. Die Ärzte mussten mich, wie sie sagte mit Gewalt holen. Das war für sie ein Trauma. Darauf baute sich unsere Beziehung auf. Nämlich keine Beziehung. Sie tat wirklich viel, um das zu ändern. Sie schickte mich in Verhaltens;- und Spieltherapie. Zeitgleich hatte sie Gespräche bei einem Therapeuten. Wann der endgültige Bruch kam, weiß ich nicht. Es gab so viele davon. Nach zwei weiteren Ehemännern, die auch meine Väter sein sollten, versuchte ich mich zu distanzieren. Sie erpresste mich mit Liebesentzug. " Wenn Du das nicht machst, dann pack Deine Koffer und geh. Aber dann brauchst Du Dich nicht wieder blicken zu lassen." Und vieles mehr. Ich könnte Seitenweise schreiben.

Ich zog aus und dachte es wäre gut, als sie mich mit ihrem schwer kranken Vater erpresste und dabei meine Tante gegen mich aufbrachte. Ich war so fertig, dass ich mich selbst in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen habe. Kurze Zeit später traf ich meinen heutigen Ehemann x:) und ab da änderte sich unsere Beziehung. Wir fingen an über die Vergangenheit zu reden und versuchten sie zu verarbeiten. Es war schön plötzlich eine Mutter zu haben :)_. Ich glaube wir genossen es beide. Bei unserem ersten Kind war auch noch alles ok. Wir zogen zu ihr ins Haus und sie unterstützte uns wo sie konnte. Nach dem ich die zweite Tochter bekam, fingen langsam wieder Veränderungen an sich einzuschleichen. Bis vor knapp einem Jahr konnte ich dagegen angehen, doch ich habe selber mit meiner großen Tochter Probleme und mache deswegen eine Therapie und auf Grund dessen hat sich die Beziehung zwischen meiner Mutter und mir stark verändert. Ich habe mich verändert. Ich brauche sie lang nicht mehr so, wie ich sie vor Jahren gebraucht habe. Ich kann sagen ich komme sehr gut ohne sie klar. Das war vorher auch möglich, aber emotional verbindete uns sehr viel, zu viel. Sie denkt, dass ich sauer, launisch und respektlos bin. Dabei gehe ich ihr nur aus dem Weg, weil sie sich in meine/unsere Angelegenheiten einmischt und permanent die Grenzen überschreitet. Das habe ich ihr auch gesagt, doch sie fühlt sich persönlich verletzt. Ich mache mir deswegen keinen Kopf. Wenn sie das nicht einsehen will, ist das ihr Problem, aber das sie mir Vorwürfe macht, die bis dahin gehen, dass ich ihr ihre Enkelkinder vorenthalte, finde ich schon ein starkes Stück.

Das beste wäre auszuziehen. Da wir aber bald ein Häuschen kaufen wollen, möchte ich den Mädels den Umzug ersparen, der nur für eine Übergangs Wohnung wäre. Ich spreche aus Erfahrung bei 11 Umzügen in 21 Jahren.

Ich habe vor, mit meiner Therapeutin, die gleichzeitig eine Freundin ist, ein Gespräch zu dritt zu führen, um endlich klare Linien zu ziehen. Ich muss Grenzen ziehen für mein Mann unsere Kinder also für meine Familie.

Hat jemand ähnliche Probleme und wie habt ihr sie in den Griff bekommen?

Antworten
CTlexeni


hallo Silversternchen *:)

Ich finde, du hast schon selbst sehr viel geschrieben, die mir selbst durch den Kopf gingen.

Ich hatte zu meiner Mutti sehr lange eine krankhafte symbiotische Beziehung (das merkte ich während der Therapie). Meine Therapeutin machte mir deutlich, dass ich nicht ich selbst sein kann, so lange ich probiere für sie da zu sein (im Sinne von: ich gebe mich auf, nur damit sie einen Lebensgrund hat und kümmere mich nur um sie, ich mache alles was sie will, nur damit sie kein schlechtes Gewissen bekommt, oder glauben könnte, was falsch gemacht zu haben).

Mir hat ein totaler Cut geholfen, alles aufzudröseln und zu sehen, was ich eigentlich will und was ich eigentlich mache. Diesem Cut ging ein heftiger Wortwechsel voraus, bei dem ich dann abhaute und in meine Studienwohnung fuhr (andere Stadt ca. 50km entfernt). Ab da an war Funkstille zwischen mir und ihr und das tat mir einerseits sehr weh, aber andererseits konnte ich so mich angucken, was auch weh tat, aber ich auch merkte, dass es mir selbst gut tut. Es hat sehr lange gedauert, ehe ich die ganzen Schuldgefühle ihr gegenüber "ablegen" konnte.

Es war ca. ein Jahr Funkstille, und in diesem Jahr lernte ich durch die Therapie wie Aschenputtel die ganzen guten und schlechten Körnchen zu sortieren (war auch die Wortlaut meiner Therapeutin :-)). Ich lernte zu trennen und merkte auch sehr deutlich, dass ich nicht für sie da sein kann, wenn ich nicht für mich da bin.

In diesem Jahr veränderte nicht nur ich mich, sondern sie auch und das finde ich sehr stark von ihr. Denn so nach einiger Zeit ging es dann auch in der Therapie da rum, wie ich mit ihr umgehen will. Meine Therapeutin meinte damals, dass sie es für nicht so wahrscheinlich hält, dass sie sich ändert, weil eben sehhhhhhhhhhhr viele Baustellen da stehen, und ich für mich gucken soll, was ich will.

Ich wollte eine Annäherung, aber mir war klar, dass es kein "normales" Mutter-Tochter-Verhältnis ist /werden wird. Ich habe mich gefragt, ob ich dennoch mit ihr in Kontakt treten will und ja das wollte ich. Ich wollte nur nie mehr betteln, deshalb überließ ich ihr den ersten Schritt. Weil ich ja nicht genau wusste, was und wie es ihr geht (in der Zeit hatte ich auch keinen Kontakt zu meinen vier Geschwistern.. die stellten sich natürlich gegen mich). In der Zeit, als für mich mehr und mehr klar wurde, was wir eigentlich für eine Beziehung hatten, merkte ich, dass ich eins nicht will: ich will sie nicht zwingen mir Rechenschaft abzulegen. Ich will auch nicht, dass ich all meinen Schmerz bei ihr ablade und mich so immer weiter in die Opferrolle drücke.

Dieser Schritt hat auch lange gedauert: denn schließlich hatte ich in der Therapie ja erst mal gelernt, war mir eigentlich weh tat und nun? Soll ich alles für mich behalten? Ich wollte ihr zeigen, was mir weh tat. Aber nur weil ich dachte, dass sie mich dadurch besser verstehen könne. Aber da merkte ich, dass es auf die Art drauf ankommt, wie ich das rüber bringe und ja: dies war totales Neuland für mich. Ich merkte aber auch, dass ich nicht ihre Verantwortung übernehmen will und auch, dass ich ihr damit ja auch nicht zutraue, dass sie sich verändern kann, wenn ich alles fernhalte, weil ich glaube, es wäre nicht gut.

Hmm.. und das fühlte sich anfangs wie ein riesengroßer Zwiespalt an, eben weil mir das Vertrauen fehlte: das Vertrauen in sie und in mich.

Ich merkte mit der Zeit aber auch, dass ich die Annäherung will, egal wie sie auf mich reagiert (also dass ich es probieren will, den Kontakt wieder aufzunehmen, egal wie die Konsequenzen dann aussehen). Ich war mit mir da mehr im reinen und das hat mir geholfen, auch den Schritt zu tun.

Wir telefonierten anfangs und da erfuhr ich sehr viel von ihr, was mich erstaunte und was ich ihr nie zugetraut hätte. :-D.. Und ja, da sagte ich mir, dass es für mich richtig war ihr auch Vertrauen zu "schenken".. wenn auch am Anfang sehr vorsichtig. Denn wenn ich dies nicht gemacht hätte, hätte ich nie erfahren, wie sie an sich gearbeitet hätte. Aber ich brauchte eben meine Zeit und sie ihre.

Und als wir uns dann endlich mal wieder trafen nach über einem Jahr, war es emotional irgendwie wie ein "Neuanfang", auch wenn so vieles altes noch da ist. Aber wir waren nicht mehr so krankhaft miteinander verbunden und dadurch aber emotionsmäßiger näher als sonst.. denn sonst war es emotionsmäßig überhaupt nicht frei und offen. Und Umarmungen waren eben ein Muss, weil ich dachte, dass sie sonst denken könnte, dass es mir schlecht geht und ich eigentlich was anderes will. Und an diesem Tag als wir uns trafen und uns umarmten, sagte sie zu mir: jetzt spüre ich endlich deine Umarmungen" :-D :-o.. boah da war ich baff.. denn sie sagte nieeeee etwas und da dachte ich auch, dass sie es nicht merkte. Aber nein, sie merkte es, konnte es aber nicht sagen.

Dann gab es lange Aussprachen und ich bin echt stolz auf sie, wie sie an sich arbeitet und merke eben auch, dass ich nicht die Verantwortung für sie übernehmen muss, wie ich immer dachte, und ihr doch etwas zutrauen kann und auch will.

JYeanneedaxrc


Hallo Ihr,

ja, ich kenne diese krankhafte Beziehungsstruktur nur zu gut...Solange ich denken kann, gab es zwischen meiner Mutter und mir extreme Probleme....meine Mutter kann keinen von uns Kindern loslassen ohne sie "vernichten" zu wollen/müssen. Wir sind vier Kinder, vier Mädchen, alle schon erwachsen und nicht abgenabelt, weiil es nicht ging. Wir gehen damit alle sehr unterschiedlich um, ich bin die einzige, die so bewusst gegen diesen "Missbrauch" ankämpft, meine Schwestern sehen ihre Abhängigkeit glaube ich nicht so sehr...denn meine Mutter beschenkt ja auch diejenigen, die horchen und folgsam bleiben, und die die es nicht tun, werden ausgegrenzt und als "krank" dargestellt. Ich werde damit leben, dass ich nicht mehr "dazugehöre". Und muss aufpassen ,dass ich mich nicht selber zerstöre oder bestrafe, dass es mir gut gehen darf und ich das Beste vom Leben erwarten darf...Konfliktreichen Tochter/Mutterbeziehungen sind für das eigene Leben sehr belastend und zerstörerisch...viele haben Persönlichkeitsstörungen, Bulimie, Magersucht....sind nicht in der Lage eigene Familien aufzubauen...Mütter können alles vernichten, sie schenken Leben und zerstören es wieder...eine Thematik mit sehr viel Dramatik und Leiden...

Aber der Weg daraus geht über das Bewusstmachen und Annehmenen was ist, ohne es baggatellisieren und verleugnen zu müssen. Der heftige Schmerz ist es, welcher einen immer wieder auf ausweichende Pfade führen will, in miese Beziehungen, in Krankheit, in Drogen...oder sonstwas...die Palette ist sehr vielfältig....die Mutterbeziehung ist die Primärbeziehung, da fängt alles an und das sollte Auflösung erfahren. @:)

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