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Helfersyndrom

b7polxite hat die Diskussion gestartet


Hallo Leute,

naja wie ihr aus der Überschrift schon herauslesen könnt, leide ich am Helfersyndrom.

Ich habe schon einiges darüber gelesen, aber nichts hilft mir wirklich weiter.

Ich habe eindeutige Symptome und habe es mir auch eingestanden.

Nur ich will ich auf keinen Fall zu einem Psychologen, erstmal wegen meiner Arbeit nicht (bin erst seit 4 Monaten hier) und zweitens weil mein Umfeld unweigerlich davon etwas mitbekommen würde.

Kommt also nicht in Frage.

Hat jemand Erfahrung damit? War jemand mal selber betroffen?

Ich stelle alle meine Bedürfnisse hinten an, ich versuche immer meinem Freunden zu helfen, besonder einem von ihnen.

Ich Arbeite als Elektroniker für Geräte und System, teilweise Hard und Software, teilweise ein bisschen Hausmeister... was eben so anfällt.

Nur bemerke ich in letzter Zeit dass ich immer schlapper werde, ich bin müde, kann nicht schlafen.

Ich gehe nebenbei trainiern, also Krafttraining, baue dort auch seit einiger Zeit nichts mehr auf.

Ich denke die ganze Zeit nur an den Feierabend, dass ich hier raus kann und die anderen Leute wiedersehen.

Es geht mir schon sehr lange so, habe es noch niemandem gesagt. Wurde bei meiner letzten Arbeit 6 Wochen krank geschrieben wegen psychischer Probleme. Aber nicht dieser Art, habe dem Arzt ein wenig was vorgegaukelt.

Habe Trotzdem meine BErufsschule mit 1,5 und Gesellenprüfung mit 2,7 bestanden.

Aber irgendwie ist mir das alles nichts wert, ich sehe keinen großen Erfolg darin.

Ich hätt am liebsten mal ein halbes Jahr Urlaub wo ich einfach an nichts denken muss und mich erholen kann.

Jetzt kommt noch dazu, dass mein Weihnachtsurlaub (2 Wochen) nicht mal sicher ist und ich vielleicht bis zum 24. durcharbeiten muss und danach gleich weiter.

Ich kann langsam einfach nicht mehr und würde am liebsten einfach wegfahren.

Ich hoffe mir kann hier jemand von euch helfen.

Ich kann meine Probleme mit meinen Freunden auch näher ausführen falls es jemand für nötig hält.

Antworten
LPewixan


bpolite

Nur ich will ich auf keinen Fall zu einem Psychologen, erstmal wegen meiner Arbeit nicht (bin erst seit 4 Monaten hier) und zweitens weil mein Umfeld unweigerlich davon etwas mitbekommen würde.

Kommt also nicht in Frage.

1) Mir ist nicht klar, warum das Umfeld "unweigerlich etwas davon mitbekaeme".

2) Es gibt auch so Dinge wie Selbsthilfe- und Selbsterfahrungsgruppen, die dir helfen koennten.

3) Selbst wenn es so waere, dass das Umfeld davon mitbekaeme: Warum heisst das automatisch, dass es "nicht in Frage kaeme"?

Du musst dir klar machen, was das Forum hier leisten kann und was nicht. Hochqualifizierte Buchautoren haben dir nicht weitergeholfen; warum also wir?

Ich kann dir nicht mit Sicherheit sagen, dass du einen Psychologen brauchst, aber es ist schon so, dass man bestimmte Probleme nur mit Hilfe von aussen loesen kann, und auch nur durch gemeinsame Arbeit (also nicht bloss "schreiben und lesen"). Gerade beim "Helfersyndrom" (wobei das natuerlich erst mal nur eine unzuverlaessige Selbstdiagnose von dir ist) geht es darum, herauszufinden, wo die Sucht zu helfen herkommt und was fuer eigene Erfahrungen und Probleme sich dahinter verbergen. Es geht sozusagen darum, einen "blinden Fleck" der eigenen Wahrnehmung zu erkunden, und da es nun mal ein blinder Fleck ist, kommt man normalerweise nur mit Anregung von aussen da heran.

Es koennte sein, dass es ganz wesentlicher Teil deines Problems ist, dass du das alles in dich hereinfrisst und nicht herauslaesst und alles alleine "loesen" willst (die Probleme der anderen, und deine eigenen), in welchem Fall es ein grosser Fehler waere, dich darin zu ermutigen. Mein Rat also (auch wenn das nicht das ist, was du hoeren willst): Hol dir Hilfe!

H5anna-KMarxia


Ich kann dir auch nur dringend raten, Hilfe in Anspruch zu nehmen!!! :°_

Was du da beschreibst ist der Weg in ein burn-out. Kenne ich nur zu gut. Litt jahrelang an Helfersyndrom und Abhängigkeitsstörung...

Das Thema "Psychologische Erkrankungen" ist leider immernoch mit soviel Scham und Tabu's belastet, dabei leidet jeder 4. wenigstens einmal in seinem Leben an einer Depression. In der heutigen Stressgesellschaft werden es leider immer mehr. Viele suchen psychologische Unterstützung, aber sprechen kann kaum jemand darüber. Ich war auch jahrelang gegen diese sog. "Seelenklempner", bis es nicht mehr anders ging... Heute bin ich dankbar für die Hilfe, die ich bekommen habe! Mein Leben hat sich endlich wieder in eine positive Richtung entwickelt!

Ich kann dir nur Mut zusprechen. Auch mein Arbeitgeber, Kollegen und Freunde haben meine Therapie als sehr positiv bewertet und eigentlich sollte ja auch jedem daran gelegen sein, dass du wieder gesund und leistungsfähig wirst. Du mußt dich nicht schämen. Psychische Krankheiten sind genauso ernstzunehmende Krankheiten wie körperliche... und nicht selten steht hinter einer körperlichen Krankheit ein seelischer Defizit! ;-) :)_ :)* :)* :)*

b7polixte


Ich will aus dem Grund nicht dass es jemand mitbekommt, weil ich mir dann sicherlich komische Sachen anhören darf...

Meine Freunde sind da nicht so, einfühlsam oder zurückhaltend, das ein oder andere dumme Kommentar müsste ich da schon einstecken und das brauch ich jetzt wirklich nicht.

Und meine selbstdiagnose... ist würde ich sagen ausreichend, ich könnte ja mal eine kleine geschichte erzählen. Kommt aber fast täglich vor.

Also wir wohnen jetzt noch nicht sehr lange hier, hatte anfangs ein Paar Kumpel, aber eben keine richtigen Freund. Dann nach einer Zeit hab ich jemanden kennen gelernt, ist bei mir auch die Schule gegangen.

Er war echt verdammt nett usw haben uns super verstanden, dazu gehört eben auch mal dem anderen helfen oder mal was ausgeben. Normale Freundschaft eben. Nur das ganze hat sich immer mehr gesteigert, aber nur meinerseits.

Er hat zum Geburtstag von mir 200 Euro zu seinem PC dazu gelegt bekommen, ich habe zu der zeit nur ca 400 verdient... also n Haufen Geld für mich.

Hat sich alles so die Jahre über weiter zugespitzt.

Heute läuft es meistens so ab, wir sehen uns eigentlich jeden Tag, wohnen ja nicht weit auseinander.

Wir gehen zusammen trainieren und abends am PC zocken wir noch ne Runde.

Nur ist es eben so dass ich es dann oft übertreibe, ich versuche ihm immer zu helfen, auch wenn er es nicht will. Ich will ihn sehr oft sehen, wenn er mal keine Zeit hat bin ich gestresst und genervt.

Ich schreibe ihm auch recht viel SMS, rufe ab und zu mal an.

Ich bin direkt eifersüchtig wenn er was mit anderen macht. Meistens nimmt er meine Hilfe auch an, aber es kam schonmal so weit der er mich rausgeworfen hat. Als ich nicht gehen wollte hat er mir nen Schlag mit nem Regenschirm (lag gerade da) verpasst.

Ich merke es selber dass ich übertreibe, aber ich kann es einfach manchmal nicht lassen.

Ich helfe eigentlich immer jedem, mal hier PC reparieren, mal dort hinfahren, abholen, Geld leihen.

Ich stelle mich immer an letzte Stelle ich denke, hauptsache den anderen passt es, dann hab ich auch Spaß.

Ich will abends nicht ins Bett gehen, weil ich denke ich habe so wenig vom Tag. Ich verschlafe meine Zeit nicht gerne, meistens kann ich auch nicht schlafen.

Alles ging dann schon so weit dass er zu mir gesagt hat ich soll mich doch bitte vor nen Zug werfen, ich nerve ihn so.

Dass wir damals bei einem Unfall auf der Autobahn fast alle gestorben wären, hat die Freundschaft nicht wirklich gebessert oder uns zusammengeschweißt.

Ich lasse mich schon ziemlich oft ausnutzen, weil sie wissen dass ich nicht nein sagen kann.

Oder so manche Dinge gehen auch von mir aus, zb Freitags in meiner Mittagspause hole ich meinen Kumpel immer aus der Schule, opfere dafür meine Pause. Er sagt ich muss es nicht machen, aber ich mache es gern und wenn ich ihn nicht holen würde, wüsste ich dass er später nach Hause kommt. Dann hätte ich ein schlechtes Gewissen.

Ich denke die Symptome sind doch eindeutig? Nur eben... hat jemand von euch wirklich Erfahrungen damit?

Psychologe kommt im Moment wirklich nicht in Frage, Arbeits und Umfeldmäßig.

H,annaJ-Marxia


Das Problem beim Helfersyndrom sind ja die unbegründeten Schuldgefühle, die dich überfallen, wenn du dich (richtigerweise) abgrenzt und eigentlich achtsam mir dir selbst bist. Ich bin sie erst durch eine längere Therapie und die Aufarbeitung meiner Vergangenheit (die den Grundstein für falsche Verhaltensmuster legte) losgeworden.

Wenn du also keine Therapie machen möchtest, dann könntest du evtl. etliche Bücher zu dem Thema lesen...

LPewxian


bpolite

Dies ist ein Laienforum hier; wir koennen keine Diagnosen stellen. Nicht mal ein Experte kann dies ueber das Internet machen. Abgesehen davon ist Psychotherapie auch eine recht individuelle Sache, eine Diagnose kann, wenn ueberhaupt, nur ein kleines Puzzlestueck sein.

Die Beispiele, die du nennst, klingen nicht danach, dass du einen Hilfeauftrag hast. Sie klingen eher danach, dass du dir einredest, du wuerdest Leuten "helfen", indem du Dinge tust, die diese Leute gar nicht unbedingt wollen und brauchen. Ich frage mich eher, kannst du mit dir alleine zu wenig anfangen, so dass du anderen Leuten auf der Pelle haengst und es eigentlich nur als Vorwand fuer dein Gewissen benutzt, dass du "hilfst"? (Also unbewusst; ich unterstelle dir keinen boesen Willen dabei.)

Vieles, was du schreibst, klingt auch nach Depression (oder "Burnout", wie Hanna-Maria oben schreibt). Und das ist eine ernste Sache; da wird dich ein bisschen Internetdiskussion schwerlich herausholen.

bNpol0i.te


Ja mit der Sache dass ich nichts mit mir anzufangen weiß, hast du sicherlich recht.

Ich hasse es alleine bzw ohne meine Freunde zu Hause zu sein, ich weiß nicht was ich machen soll.

Denke dann wieder nach, ärgere mich dass niemand da ist oder Zeit hat.

Meistens sitze ich dann sinnlos am PC, oder baste mal am Auto rum wenn irgendwas nicht passt.

Wenn z.B an einem Samstag mein Kumpel mit seinen Eltern weg ist, und sagt er kommt um 4 wieder.

Dann bin ich bis um 4 zu Hause und versuche krampfhaft irgendwie die Zeit rumzubringen.

Ich bin eben am PC auch recht fit, mir macht Bild und Videobearbeitung Spaß.

Ich fahr sehr gern Auto, glaub ich bin dazu geboren... Ich kann mich in jedes Auto setzen und finde es toll, kann sofort damit fahren macht wahnsinnig Spaß.

Aber wenn ich alleine bin, geht eben garnichts und wenn ich abgewiesen werde ist es noch schlimmer.

Weiß manchmal garnicht wie es weitergehen soll.

So sachen wie "schmeiß dich doch endlich vor nen Zug" haben mich manchmal wirklich schon nachdenklich gestimmt, warum ich überhaupt hier bin. Wenn mich doch keiner braucht?

Ich sitze jeden Tag nur noch ab und will endlich meinen Urlaub haben, schlafen, entspannen.

Meine Mutter will bald ausziehen weil sie es hier nicht mehr aushält. Dann stehe ich alleine mit meinem Vater hier... was dann noch schlimmer wird. Wie soll ich dann mit allem alleine klar kommen?

Ich muss sowieso alles selber zahlen, hab fast nie geld. Benzin, Versicherung, Handy,... usw

und dann soll ich das auch noch alles alleine hinbekommen?

Das wird langsam alles zu viel.

c_eter%um censxeo


Ich gehöre zu denen, die bezweifeln, daß es sowas wie ein Helfersyndrom überhaupt gibt. Wikipedia schreibt dazu

Das Helfersyndrom wurde lediglich postuliert, aber nicht empirisch bestätigt.

Gern zu helfen ist eigentlich eine ganz normale und gute Eigenschaft, die den Menschen eigentlich erst zum sozialen Wesen macht. Das Problem liegt zum einen in der Umwelt (Arbeit, Schule, Bürokratie usw.), die rücksichtslos immer höhere Ansprüche stellt, zum anderen in einer Angststörung, die einen behindert, sich gegen diese überhöhten Anforderungen entsprechend abzugrenzen. Letztere führt in der Regel zu Depressionen (und/oder zu Alkohol- oder Medikamentenmißbrauch u. a.). Ziel ist es, die Abgrenzung, die der Körper braucht, wieder aufzurichten. Und zwar so aufzurichten, daß auch keine egoistischen Merkmale überwiegen, die langfristig wieder andere soziale und private Probleme schaffen. Das ist nur mit länger andauernder psychologischer Begleitung möglich, da man oft selbst seine eigentlichen Grenzen schon gar nicht mehr kennt.

c]eterium cte1nxseo


Statt "Angststörung" besser "Persönlichkeitsstörung"; es kommen ja auch andere in Frage.

WRar malf der Kaxter


Ich überlege gerade ob ich jemanden der mir rät mich vor'n Zug zu werfen wirklich als Freund bezeichnen würde. Eher nicht.

Ich habe auch meine Probleme mit dem Begriff Helfersyndom, ich denke da kommen andere Sachen zusammen, etwa die familiäre Situation, das Problem sich nicht abgrenzen zu können, Angst vor dem Alleinesein, Gefühle der Überforderung usw. Ob ein Urlaub alleine das löst weiss ich nicht, das wird ja seine Ursachen haben.

Kannst du eigentlich NEIN sagen ? Kannst du mal um etwas für DICH bitten, mit Nachdruck ? Z.B. darum über Weihnachten Urlaub zu bekommen ?

Ansonsten denke ich siehst du das mit dem Psychologen zu eng, wer soll das denn mitbekommen ? Der hat Schweigepflicht wie ein Arzt auch und wenn du es keinem erzählst wird auch keiner was mitkriegen.

c;eterLum, c@ensexo


wie ihr aus der Überschrift schon herauslesen könnt, leide ich am Helfersyndrom.

Mir kommt der etwas inflationäre Umgang mit dem Wort auch ein bißchen wie eine Ausrede vor. Die weiteren Schilderungen

Nur bemerke ich in letzter Zeit dass ich immer schlapper werde, ich bin müde, kann nicht schlafen.

Ich gehe nebenbei trainiern, also Krafttraining, baue dort auch seit einiger Zeit nichts mehr auf.

Ich denke die ganze Zeit nur an den Feierabend, dass ich hier raus kann und die anderen Leute wiedersehen.

Es geht mir schon sehr lange so,

deuten gar nicht so eindeutig darauf hin. Hier könnte "einfach" eine emotionale Überlastung vorliegen, mangelndes Selbstwertgefühl usw. Mit einer Tendenz zur Depression, wie auch hier zum Ausdruck kommt:

Ich hätt am liebsten mal ein halbes Jahr Urlaub wo ich einfach an nichts denken muss und mich erholen kann.

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