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Therapeut sagt mir Diagnose nicht

sqensu-alditiy hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen!

Da ich schon sehr oft hilfreiche tips bekommen habe - hier mal wieder eine Frage; vielleicht kann mir jemand was dazu schreiben. Würde mich sehr darüber freuen. Mein Therapeut ist grade die zweite von vier wochen im Urlaub, und folgendes spukt mir ständig im kopf rum:

Er will mir seine Diagnose nicht sagen!

Seine Begründung zu Beginn: er will keine vorschnelle Beurteilung abgeben - die Diagnose von der Neurologin (neurotische Depression) sei eine standarddiagnose.

Ein paar Wochen später: er will erstens aus prinzip menschen nicht in eine "Diagnosen-Schublade" stecken, weil eine "einfache" Diagnose selten der Realität entspricht. Darüber hinaus bestünde die Gefahr, dass man sich als Patient in eine Diagnose hineinsteigert - wenn ihr versteht was ich meine.

Gut - mit letzterem hat er nicht ganz unrecht. Vor einem Guten Jahr dachte ich, dass ich alkoholabhängig sei.

war voll und ganz davon überzeugt. %-| nun weiß ich, dass es - zumindest körperlich (!) - nicht so war.

Und er weiß von dieser Phase auch. Daher kann ich diese Befürchtung schon nachvollziehen.

Aber ich weiß inzwischen auch, warum ich damals zu diesem Schluss gekommen bin. Natürlich kann ich nicht 100 % ausschließen, dass ich mich NICHT hineinsteigern werde, falls ich eine Diagnose bekommen würde... Aber ich wage zu behaupten, dass ich heute schon wesentlich reflektierter mit solchen Angelegenheiten umgehen könnte...

Dachte lange zeit auch, dass es nicht so schlimm wäre, wenn man nicht genau weiß, was man jetzt nun genau eigentlich hat. Aber inzwischen macht mir das dann doch zu schaffen ehrlich gesagt. {:(

Meine Frage wäre nun, ob es das öfters gibt, dass einem der Therapeut die Diagnose nicht sagen kann oder will.

Und ob die Gefahr wirklich sooo groß ist, das man sich hineinsteigert.

oder ob ihr noch andere gründe kennt, warum man einem patienten die diagnose nicht mitteilt.

Weil im Moment recherchiere ich permanent was es denn nun sein könnte. Welche meiner Eigenschaften/Verhaltensweisen/Symptome "normal" sind - und welche "krank"(im sinne von behandlungs/veränderungsbedürftig).

Manchmal bin ich so weit, die Vorurteile anderer wieder zu übernehmen, dass ich nur faul bin, und nicht erwachsen werden will...

also mach mich die tatsache keine Diagnose zu bekommen ganz schön nachdenklich und niedergeschlagen - die frage ist, ob das nicht sogar schlimmer ist, als sich in eine einzige Diagnose reinzusteigern, falls ich das tun würde, sofern ich denn eine bekäme...

ich hoffe ihr versteht was ich meine...

wäre um ansichten dankbar :)_

Antworten
Sqanpdra20x06


Hmm also ich sehe das wahrscheinlich anders als du aber ich kann nicht verstehen warum es so wichtig ist, dem Kind einen Namen zu geben. Fest steht doch, es gibt ein Problem oer Probleme, und daran wird gearbeitet. Was ändert sich, wenn du weißt, wie es in Fachkreisen genannt wird? Du würdest doch nur in Foren wie diesen stöbern und alle tatsächlichen oder auch eingebildeten Symptome dann darauf schieben.. du würdest dich einem Monster namens "(Name der Diagnose hier einsetzen)" gegenübersehen. Wichtig ist aber nur, dass es dir besser geht, oder nicht? Das fände ich wichtiger, du darfst nicht denken dass dein Therapeut dann etwas weiß was du nicht weißt und dir somit irgendwie "überlegen" ist, sondern er will dir ja helfen und behält es daher für sich. Helfen wird er dir so oder so, ob du die Diagnose kennst oder nicht. Oft ist es doch auch, dass man erfährt: Ich habe xyz, oder ich bin abc.. und man reduziert sich dann nur noch darauf. Ist also nicht mehr einfach ein Mensch, sondern nur noch ein xyz-Kranker. Das wäre doch einer Heilung sicher nicht förderlich. Solange behandelt wird, und der Therapeut auch weiß, was er behandelt und mit dir erarbeitet, finde ich die Diagnose nicht soo wichtig. Wichtig ist nur, dass der Thera weiß, was er tut. Mit dieser allgemeinen Diagnose von der Depression weißt du ja sicher schon in welche Richtung es geht (ich verstehe von den feinen Unterschieden nicht so viel) und du kennst ja auch deine Symptome und Stimmungen am besten. Daher weiß ich nicht warum du es gaaaanz genau brauchst.. ich sehe tatsächlich die Gefahr, dass man es überbewertet und sich hineinsteigert, höher als den Nutzen, genau zu wissen was los ist.. gerade auch weil man sich heutzutage im Internet ziemlich viel Panik anlesen kann..und dann muss der Therapeut mit dir zusammen nicht nur gegen die Krankheit selbst, sondern auch noch gegen durch die Diagnos ausgelöste Ängste kämpfen..

s<chnUeckex1985


Ich kann die TE schon verstehen...

Ich wollte meine Diagnose schon deshalb wissen, weil ich dem "Feind" einen Namen geben wollte... wenn man psychische Probleme hat, dann ist die Krankheit oft so diffus in einem vorhanden, dass einem die Diagnose helfen kann, die krankhaften Anteile besser zu erkennen.

Und das führt mich zum zweiten Punkt meiner Ausführung: Man kann sich sicherlich auch übertrieben in die Diagnose hineinsteigern... aber durch die Diagnose konnte ich mich z.B. besser in mein Krankheitsbild einfinden. Ich konnte diese und jene Verhaltensweise objektiver, sozusagen "von außen" als Teil der Krankheit betrachten und mich von diesen Verhaltensweisen distanzieren. ZB in Angstsituationen: ich wusste, dass die Krankheit meine Ängste produziert und mich dadurch auch selbst wieder besser beruhigen ("Diese Verhaltensweise / Angst geht bald vorbei.")

@ TE

Wie schon gesagt, ich verstehe dein Anliegen und könnte auch nicht in Ungewissheit bleiben. Aber ich habe schon von mehreren Therapeuten gehört, welche die Ansicht deines Theras teilen und prinzipiell keine Diagnosen preisgeben. :-/

(PS: das ist doch so, als würde ich mit gebrochenem Bein im KH liegen und die Ärzte würden mir nicht sagen, was mir fehlt :-/ )

SxandrTa2006


Naja wenn du weißt, dein Bein tut weh und die Ärzte machen etwas, dass du wieder schmerzfrei gehen kannst, dann reicht das doch oder muss man erst wissen dass man zB eine pertrochantäre Femurfraktur erlitten hat ;-)

Akzuce6na1


Mir war es am Anfang der Therapie so ziemlich egal, was für eine Diagnose ich hatte, erst als ich schon länger in Therapie war wollte ich es wissen, hatte mich aber nicht getraut zu fragen.

Was mir aber hier beim Lesen in den Fäden so auffällt ist, dass wohl sehr viele Therapeuten nicht von alleine den Patienten die Diagnose nennen.

Wenn du es wissen möchtest, solltest du auch ein Recht darauf haben es zu erfahren.

Es ist irgendwie auch gut zu wissen, was mit einem los ist.

Man kann sich dann besser darüber informieren.

Meine Psychologin ist z.B. überhaupt nicht davon überzeugt, sich in Foren oder im Internet Informationen zu besorgen.

er will keine vorschnelle Beurteilung abgeben

und wenn das wirklich stimmt?

Wie lange bist du denn schon in Therapie?

s#eMnsual~itxy


also ich bin mir ziemlich sicher, dass JEDER mensch mit durchschnittlichem verstand sich nicht einer operation unterziehen würde, solange er nur diffuse schmerzen im bein hat...

und eine therapie ist ja wohl fast noch ein krasserer eingriff (den ich allerdings sehr begrüße :)) als eine "einfache" op.

ich erwarte ja keine explizite detaillierte Diagnose.

andererseits, kann ich die begründung, dass man sich reinsteigern würde schon auch nachvollziehen.

aber um das klarzustellen, ich habe vor absolut keiner diagnose angst!

hatte ich mal. aber die habe abgelegt, sonst hätte ich mich gar nicht erst in therapie begeben.

aber es lässt mir halt keine ruhe - ich würde mich gerne grob einreihen können.

z.B. diesbezüglich wie tiefsitzend die Ursachen sind. oder woran ich genau arbeiten kann.

bisher erscheint mir meistens alles ziemlich diffus.

es würde mir echt helfen zu wissen, wo ich ungefähr stehe.

was ich z.B. meinen Eltern oder engen freunden sagen kann, was ich ungefahr habe...

übrigends studiere ich unter anderem psychologie... und raffs trotzdem nicht.

würde man denn einem Orthopäden seine rönthgenbilder nicht zeigen, nur weil er dann wüsste wie lang die op dauern würde oder wie riskant sie sein wird?

Scunf&lowYer_73


Der Therapeut muss sich nach Abschluss der probatorischen Sitzungen auf eine oder mehrere Diagnosen festlegen, wenn er den Antrag bei der Krankenkasse stellt. Der auch beinhalten muss, wie die Therapieplanung aussieht.

Klar steckt man Menschen in Schubladen - aber die sog. Störungsmodelle wo man versucht, Einflussfaktoren, Symptomatik, Einschränkungen,... in ein großes Ganzes einzufügen) lassen trotz best. vorgegebener Schemata genug Platz für Individualität.

Außerdem kann man nach der neuen Diagnosenverschlüsselung auch unterscheiden zwischen gesicherten und Verdachtsdiagnosen.

Und ein Patient sollte immer mündig und gleichberechtigt behandelt werden; dazu gehört auch die Vermittlung des Störungsmodells und Informationen über die Erkrankung. Oft ist es entlastend, wenn ein Pt. hört, dass nicht er nur "merkwürdig tickt", sondern best. Symptome typisch bei einer best. Diagnose sind, man sich nicht schämen muss - und alles gut behandelbar ist.

Finde dieses "Guru-Gehabe" ziemlich unseriös... Psychotherapie ist keine Magie, sondern setzt die Mitarbeit des Patienten voraus - und die gelingt umso besser, je besser der Pt. informiert ist.

Außerdem ahnen Patienten selber doch oft, was sie haben. Wenn man sich ein bisschen mit Symptomen beschäftigt, findet man schnell heraus, ob man nun eine Angststörung, Depression oder Abhängigkeit hat.

srensuNalit6y


@ azukena

seit ende september, seitdem wöchentlich, meist nur eine sitzung

die ersten 3 äußerst oberflächlich --> nur grobe abschätzung möglich

dann ca. 5 sitzung in denen er das gespräch stark gesteuert hat

die folgenden sitzungen sehr frei, das heißt nur einzelne Nachfragen, meist zu einzelne ausdrucks- bzw. verhaltensweisen meinerseits.

mir ist schon klar, dass in dieser zeit keine "endgültige" bzw. absolut "eindeutige" diagnose möglich ist - das wäre nahezu verantwortungslos.

aber solange er garnichts dazu sagen will, fühle ich mich überhaupt nicht ernstgenommen.

ich brauche irgendwelche "fakten" - obwohl mir durchaus bewusst ist, dass diese nicht entgültig bzw. dauerhaft sein müssen. wir sind ja nicht in der autowerkstatt...

aber nach drei monate muss er doch zumindest eine grobe vermutung haben, bzw. alternativen aussließen können...

ansonsten könnte ich IHN über kurz oder lang nicht mehr ernst nehmen...

Scu{n`flwowerZ_7Z3


Warum soll man sich in eine Diagnose reinsteigern? Die Symptome sind doch schon da... Ansonsten siehe oben.

Es gibt eine Ausnahme - aber auch das sollte ein Therapeut thematisieren:

Wenn der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung besteht. Das ist schon eine eher weitreichende Diagnose mit eher schlechterer Prognose.

Solche Diagnosen sollten nicht vorschnell gestellt werden, d.h. wenn der Verdacht besteht, muss man den Patienten länger genauer kennenlernen, um die Diagnose endgültig zu stellen. Aber da Persönlichkeitsstörungen i.d.R. die Interaktion des Betroffenen mit den Mitmenschen beeinträchtigen, sollte man den Verdacht mit dem Patienten ebenfalls besprechen. Erklären, was dafür spricht, was dagegen.

Oft helfen diese Erklärungen unendlich viel... oder Patienten verstehen es plötzlich besser... oder sind erleichtert, weil ihre "komischen Symptome" einen Namen haben.

t?eardxrop77


Bei einem guten Therapeuten kann es dauern bis er die Diagnose sagt. War bei mir auch der Fall. Wenn ein Therapeut dir nach einer Sitzung sagt was du hast ist das eher verdächtig.

sxensuaxlity


@ sunflower

danke für deine antwort...

inzwischen kann ich die kennzeichen einzelner störungen schon fast auswendig.

ich habe eine vermutung.

aber die sache ist die, dass ich mich - was meine EIGENE psyche betrifft - darauf nicht verlassen kann.

leider.

bei anderen bin ich darin sehr gut.

aber bei sich selbst... naja, der klassiker...

aber danke für dein verständnis... tut gut das mal zu hören, bzw. zu lesen...

s ensukalit&y


@ sunflower

bingo - der kandidat hat 100 punkte ;-)

Aber da Persönlichkeitsstörungen i.d.R. die Interaktion des Betroffenen mit den Mitmenschen beeinträchtigen, sollte man den Verdacht mit dem Patienten ebenfalls besprechen. Erklären, was dafür spricht, was dagegen.

Oft helfen diese Erklärungen unendlich viel... oder Patienten verstehen es plötzlich besser... oder sind erleichtert, weil ihre "komischen Symptome" einen Namen haben.

genau das hab ich ihm auch schon gesagt, vielleicht zu wenig deutlich.

s<ens1u_alitxy


außerdem sehe ich meine "krankheit" oder störung oder was auch immer nicht als meinen feind.

das bin ich.

ich so wie ich jetzt bin.

die zeit, in der ich mich dafür schämte ist vorbei. ich weiß ich bin nicht in jeder hinsicht "normal". habe damit aber kaum mehr ein problem.

ich will nur meinem ich - bzw. teilen davon - einen namen geben.

nur um das klarzustellen, falls hier nochjemand vermuten sollte, dass ich angst vor der diagnose hätte.

;)

sHc\hnecBke1985


@ sunflower

Grade bei einer Persönlichkeitsstörung finde ich es für den Arzt heikler, die Diagnose zu übermitteln. Immerhin stellt eine Persönlichkeitsstörung ein viel schwerer zu behandelndes Krankheitsbild als z.B. eine mittelschwere Depression dar. Das kann u.U. beim Patienten auch noch zu zusätzlicher Belastung führen

sfensuadlxity


hm

naja, bei patienten die keine ahnung davon haben bzw. nicht damit rechnen, kann ich das ja noch nachvollziehen.

meine mutter hat ihre therpie aufgrund der diagnose abbrechen wollen.

aber die gefahr besteht bei mir nicht.

aber ich rechne ja schon damit.

schocken kann mich da nichts mehr...

das die diagnose "heikel" ist... naja, sorry, aber das ist sein job - oder nicht...?

selbst mit einem schwer zu behandelnden krankheitsbild - krankheitsbild ist krankheitsbild.

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