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Depressionen oder Selbstmitleid

sxchnecLke198r5


Sascha, du tust so, als wäre Selbstmitleid die kausale Ursache für Depression.

Dabei handelt es sich doch aber um eine Hirnstoffwechsel-Störung, gepaart mit anderen Faktoren (z.B. traumatische Erlebnisse oder Dauerbelastung, genetische Vorbelastung ect.)

Sfaschxa_S


du tust so, als wäre Selbstmitleid die kausale Ursache für Depression

Nein, so war das nicht gemeint. Selbstmitleid kann aber ein Baustein sein. Ich hab um 11 Psychotherapie, werd mal die Psychologin fragen, ob Selbstmitleid immer was mit Depression zu tun hat, machmal oder nie.

h#enryx4


Ich habe eine Freundin, die mir immer von ihren Depressionen erzählt, sich immer nur am Telefon ausheult, von Selbstmord redet, sich selbst bejammert. Kaum kommt ein Mann in ihr Leben ist alles wie weggeblasen, die Welt rosig und wunderbar. Ist der wieder verschwunden, ist die Welt nicht mehr zum aushalten und das Heulen geht von vorne los. Bei dieser Symptomatik würde ich von wechselnden Lebensphasen sprechen, die jeder einmal erlebt. Mittlerweile aber ist das Wort Depression so in unseren Wortschatz übergegangen - auch Dank der Medien - daß jeder Mensch, wenn er einmal ein schlechte Phase hat, egal weshalb, von einer Depression spricht. Entscheidend ist, ob man es schafft, von selber wieder da heraus zu kommen.

Ich leide selber seit langen Jahren unter Depressionen. Da gibt es Tage an denen man es nicht fertig bringt sich morgens die zweite Socke anzuziehen. Es geht einfach nicht - es ist zum verrückt werden. Ich sitze nur da und kann noch einmal sagen, daß ich an etwas denke. Ich bemitleide mich da auch nicht, dazu komme ich noch nicht einmal. Es ist so als wäre der Kopf vollkommen leer. Diese Phasen sind extrem schlimm, und wenn ich nicht ein Pferd hätte, um das ich mich jeden Tag kümmern muß (es zwingt mich dazu mich anzuziehen, raus zu gehen!!!), wäre ich bis abends auf der Bettkante sitzen geblieben. Jetzt nehme ich seit längerer Zeit ein Antidepressivum und Angstlöser und es geht besser. Den Weg zum Arzt habe ich immerhin geschafft. :)^

Interessant ist auch, daß von meiner Krankheit niemand gemerkt hat/wußte (außer mein Mann) da ich, wie viele schwer depressive Menschen dennoch sehr gut bin der Lage bin, diese zu überspielen. Immer fröhlich, lustig, gut gelaunt. Doch zuhause, allein, bricht die Welt zusammen.

Ich möchte damit nur sagen: ein wirklich depressiver Mensch KANN meistens nicht aus seiner Situation heraus, er weiß, daß er etwas ändern muß, aber er kann nicht.

Ein Mensch mit depressiven Verstimmungen, wie sie eben jeder mal hat, schafft das meistens von allein. Da wird ein bisschen gejammert, man kauft sich was Schönes, die Sonne scheint, ein Mann kommt ins Leben und bums: alles wieder im grünen Bereich. So wie bei meiner Freundin. Da bahnt sich übringens mal wieder was an - ich bin überzeugt, daß ich von ihr in den nächsten Wochen nichts höre..... ;-)

Gruß

Henry

s9chnecQkxe1985


@ henry

:)^

Da gibt es Tage an denen man es nicht fertig bringt sich morgens die zweite Socke anzuziehen. Es geht einfach nicht - es ist zum verrückt werden. Ich sitze nur da und kann noch einmal sagen, daß ich an etwas denke. Ich bemitleide mich da auch nicht, dazu komme ich noch nicht einmal.

Sehr gut formuliert. Ich war früher in der Lage, tagelang bewegungslos auf der Couch zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren %-| {:( :°(

Interessant ist auch, daß von meiner Krankheit niemand gemerkt hat/wußte (außer mein Mann) da ich, wie viele schwer depressive Menschen dennoch sehr gut bin der Lage bin, diese zu überspielen. Immer fröhlich, lustig, gut gelaunt. Doch zuhause, allein, bricht die Welt zusammen.

Als ich einer Freundin erzählte, dass ich in Therapie wg. Depris bin, hat die mich ganz ungläubig angestarrt: "Aber du bist ja so ein fröhlicher, extrovertierter Mensch!" :-/

oNliv,i&a47


Warum fühlt Ihr Euch so angegriffen? Mit "Betroffene" meinte ich Menschen mit krankhaften Depressionen. Und ich gehe sogar soweit zu sagen, das je intelligenter sie sind, es für die Umwelt umso schwieriger ist.

Weil ich die einzige in der Familie bin, die damit umgehen kann, bin ich ständig bemüht, meinen Angehörigen zu vermitteln, zu akzeptieren und mit der Situation anders umzugehen.

Ihr habt keine Ahnung, wie es ist, der einzige Mensch zu sein, der ihnen noch zur Seite steht.

Meiner Ansicht nach, müsse Betroffene lernen, sich selbst richtig einschätzen zu lernen und auch selbst ihre Probleme zu lösen. Aber nicht, indem sie der Vergangenheit und dem Geschehenen nachtrauern, sondern es hinter sich zu lassen und nach vorn zu blicken. Es als Neuanfang zu sehen.

Meine Mutter ist 75 und erst jetzt hat sie es geschafft, noch einmal ihr Leben zu verändern und positiv zu denken. Es als letzte Chance zu sehen. Das ist für mich wirklich bewundernswert und verdient Hochachtung!!!!! Denn es war ein sehr langer Kampf sie dazu zu bewegen, sich in fachliche Hände zu begeben. Ein typischer Spruch sich selbst nicht einzugestehen, das man ein psychisches Problem hat, ist "ich bin doch nicht verrückt" Es ist heute doch keine Schande, sondern eine anerkannte Krankheit. Man sollte sich ein Vorbild suchen und den Kampf aus der Depression aufnehmen. Das ist für mich, die einzige Lösung. Sonst wenden sich irgendwann alle Menschen von einem ab. Das ist meine Erfahrung. Und ich als Angehörige mute meinen Kindern und Partner eine ganze Menge zu, wenn sich meine Schwester immer wieder in den Mittelpunkt stellt und sich zusätzlich in der Öffentlichkeit peinlich verhält.

Trotzdem stehe ich immer zu ihr und bin für sie da, soweit es in meiner Möglichkeit steht.

ZNwackx44


Wenn ich mich zu diesem Thema mal melden darf: Hier werden mir zu oft Ursache und Wirkung verwechselt. Was mir außerdem auffällt: Zahlreiche Aussagen enthalten negative Wertungen - und zwar Aussagen vor allem von usern, die Depression nur "von außen" gesehen haben - egal, ob es Familienangehörige oder Mitpatienten sind. Warum? Weil sich Menschen wertende Urteile eines Zustandes erlauben, von dem sie persönlich keine Ahnung haben. Nicht jede Depression muß gleich ablaufen, aber es dürfte nachvollziehbar ein, dass man als Patient ins Bodenlose fällt, weil man plötzlich (und zwar Monate lang, jedenfalls bei schweren Depressionen) arbeitsunfähig wird. Wenn dem Ganzen kein traumatisches Erlebnis vorausgegangen ist, weiß der Patient nicht, wie er zu dieser Krankheit gekommen ist, folglich auch nicht, wie er wieder herauskommen könnte. Dazu kommt, dass Ärzte sich, was die Behandlungsdauer angeht, in tiefes Schweigen hüllen. Der Grund ist schon nachvollziehbar: Jeder Patient reagiert anders. Für den Patienten selbst bricht allerdings eine Welt zusammen: Gerade konnte er noch eine Familie ernähren, ein Haus abbezahlen, bei der Kindererziehung mitreden, und plötzlich muß er sich von alledem verabschieden. Dass das das Selbstbewußtsein nicht steigert, liegt auf der Hand. Meine eigene Erfahrung war nicht Selbstmitleid, sondern absolute Verzweiflung darüber, dass ich die eigene Welt nicht mehr gestalten konnte, und Riesensorgen, ich könnte meinen intellektuell fordernden Beruf nie mehr ausüben. Dieses Gefühl hat mit der Entlassung aus stationärer Behandlung fortgedauert, und vielleicht habe ich mich 2 Jahre jeden Morgen gefragt, ob ich den Tag wohl schaffe. Selbstmitleid war mir fremd, aber nach einem so einschneidenden Erlebnis fragt man sich als denkender Mensch schon, warum man krank geworden ist, ob nach einer Heilung die Krankheit wieder zurückkommen kann und ob die derzeitige und vielleicht die zukünftige Krankheit nicht auch die Familie zerstört - im allgemeinen das Wertvollste, was man hat. Der Patient wird also nachvollziehbar in eine tiefe Existenzkrise gestürzt. Ich würde das Krankheitssymptom nicht Schwarzseherei nennen, sondern eine Folge des Wollen-aber-nicht-könnens aufgrund der immer wiederholt gemachten Erfahrung, dass man heute etwas zusagt, was einem am nächsten Tag als unüberwindbares Hindernis erscheinen mag.

Noch etwas: Ein depressiver Patient trägt an seiner Krankheit keine Schuld. Er KANN nicht anders handeln, weil er KRANK ist. Wer selbst einmal die Erfahrung gemacht hat, dass es selbst bei einfachen Verrichtungen des täglichen Lebens (z.B. dem Ausfüllen eines Überweisungsträgers) 2 Stunden vom Entschluß bis zur Tat dauern kann, wird sich über das Krankheitsbild etwas reflektierter äußern.

Warum können sich so wenige Menschen in diese Krankheit einfühlen? Weil ihnen die Erfahrung fehlt und weil unangemessene Verhaltensmuster bei gesunden Menschen Anlaß zur Kritik wären.

Wenn man Angehöriger eines depressiven Menschen ist, sollte man auch wissen, dass unüberlegte Bemerkungen wie "ist doch alles halb so schlimm", "bemitleide Dich doch nicht andauernd selbst", "das Glas ist doch nicht halb leer, sondern halb voll", "so etwas habe ich selbst schon viel schlimmer gehabt, aber mich selbst wieder aus dem Sumpf gezogen" Suizid-Auslöser sein können, weil der Patient erkennt, dass ihn nicht einmal mehr die Personen verstehen, die ihm am nächsten stehen. Immerhin: 15% der depressiven Menschen verüben Selbstmord - nicht aus Selbstmitleid.

h,enr6y4


Bravo!:)^

Danke!

Henry

o2livfia47


Ich denke schon, das ich verstehe, was Du ausdrücken willst. Und es sicher sehr schlimm, wenn man sich von aller Welt unverstanden fühlt und hilflos ist. Du schreibst ja selbst, das Du Dich selbst wieder herausgeholt hast. Und sicher kann es immer wieder Rückfälle geben. Auch bei meiner Schwester sind Kindheitserlebnisse und ständige negative Reaktionen der Umwelt mit schuld. Schlimm finde ich auch, das Ärzte den Patienten auch noch sagen "Schuld ist Deine Familie, usw." Vielleicht um den Patienten erstmal zu beruhigen. Aber das finde ich verantwortungslos.

Es gibt kein Rezept. Und ich habe noch nie Depressive verurteilt, im Gegenteil. Ich bin wohl eher jemand, den man einen guten Zuhörer nennt. Und dessen Hilfe wohl eher schamlos ausgenutzt wird.

Jeder Mensch sieht nunmal die Dinge aus seiner Sicht. Auch Du!

Ich wünsche Dir auf jedenfall alles Gute auf Deinem Weg.

S\chwarfzes xBlut


Mit "Betroffene" meinte ich Menschen mit krankhaften Depressionen.

Ich "leide" selbst unter einer schweren Depression, bin aber medikamentös gut eingestellt.

@ Olivia47

Ich weiss nicht, wie du zu deiner Erkenntnis kommst. Aber du verkennst die Lage. Und das macht mich tief betroffen. Ist dir eigentlich klar, dass ein an Depressionen erkrankter Mensch leidet. Ja, er leidet, aber das hat NICHTS mit Selbstmitleid zu tun. Dir scheint nicht bewusst zu sein, dass die Depression ein unglaublicher Schmerz ist, allerdings nicht sichtbar. Diese Erkrankung wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Sie ist grausam.

@ fischerin,

@schnecke

Danke

oVliviax47


Ich will hier niemanden weh tun. Darum werde ich wohl besser meine Erfahrungen für mich behalten. Wünsche Euch alles Gute und Kopf hoch @:)

ofliv(ixa47


Ich will hier niemanden weh tun. Darum werde ich wohl besser meine Erfahrungen für mich behalten. Wünsche Euch alles Gute und Kopf hoch @:)

h2enrIyx4


@ Olivia47

Du schriebst:

[[.........Es gibt kein Rezept. Und ich habe noch nie Depressive verurteilt, im Gegenteil. Ich bin wohl eher jemand, den man einen guten Zuhörer nennt. Und dessen Hilfe wohl eher schamlos ausgenutzt wird.]]

Ich glaube, ich erkenne Dein Problem! Durch diesen Satz!

Du bist bein guter Zuhörer und fühlst Dich ausgenutzt. Alle jammern Dir die Ohren voll, sprechen von Depressionen und bemittleiden sich dabei doch nur selbst. O.K. Es verhält sich dabei evtl. so ähnlich wie bei mir und meiner Freundin von der ich oben erzählte. Sie jammert, und jammert und ihr geht es so schlecht, keiner versteht sie. Die Welt ist grausam. In diesen Momenten braucht sie einen, doch kaum geht's besser......ist "Ruhe im Karton" ;-). Da kann man sich nur ausgenutzt fühlen. Und wenn dann die Menschen auch noch von diesen schrecklichen Depressionen sprechen, die sie haben...schlimm! Ich höre mir das dann immer an, und höre zu, höre zu, höre zu. Doch wehe, ich habe mal eine Sorge, da merke ich instinktiv, sogar am Telefon, die Gedanken schweifen ab. Die ist schon ganz woanders.

Tja, so kann es gehen. Aber diese Symptome darf man bitte keinesfalls mit tiefsitzenden Depressionen vergleichen. Wie meine Vorschreiber schon sagten: zu Selbstmittleid kommt man gar nicht. Bei einer tiefen Depr. ist man leer, vollkommen leer. Es sind, und anders kann ich es nicht sagen, körperliche Schmerzen die verhindern einkaufen zu gehen, Wäsche zu waschen, zu Bügeln. Wie Zwack44 schrieb: man schafft es nicht den Überweisungsschein auszufüllen.

Man will, aber man kann nicht.

Und es hat nie jemand gemerkt......

Gruß

henry

S>chw9arzHes xBlut


Wie Zwack44 schrieb: man schafft es nicht den Überweisungsschein auszufüllen.

Oder man steht 30min vor dem Kaffeeregal im Supermarkt und kann sich nicht entscheiden, den Kaffee nun zu kaufen oder nicht. So banal und doch unglaublich schwer.

orlivi]a47


Es kann wohl nur jemand richtig nachvollziehen, der es selbst erlebt hat. Solche Situationen beschreibt meine Schwester ja auch immer. Und ich muß zugeben, das ich ihr das immer schwer glauben konnte. Darum hat sie ja auch eine Betreuerin und auch eine Haushaltshilfe. Aber es ist auch ein sich "Gehen lassen". Und gebe ich ihr den kleinen Finger, nimmt sie die ganze Hand.

Mein Partner spürt dann nur, wie sehr sie mich überfordert und auch erpresst.

Sie ist eine Person, die ihre Rechte auf unangenehme Weise einfordert und sich damit sehr unbeliebt macht. Darum wendet sich die ganze Familie ab und läßt mich mit diesem Problem allein.

Aber das würde einen anderen Faden füllen. Das gehört hier nicht her.

Möchte nur nicht, das hier ein falsches Bild von mir entsteht. Ich komme sehr gut mit Psychisch Kranken und Depressiven Menschen aus. Ob Kunden oder Kollegen. Denn ich weiß, wie weit ich gehen kann. Viel Glück!*:)

SJasechax_S


Noch etwas: Ein depressiver Patient trägt an seiner Krankheit keine Schuld. Er KANN nicht anders handeln, weil er KRANK ist.

Richtig. Aber es würde sicher auch niemand hier was anderes behaupten, meine ich.

Warum können sich so wenige Menschen in diese Krankheit einfühlen? Weil ihnen die Erfahrung fehlt und weil unangemessene Verhaltensmuster bei gesunden Menschen Anlaß zur Kritik wären.

Das Problem ist in meinen Augen ein anderes. Die Krankheit wurde bisher doch fast totgeschwiegen, man redete hinter vorgehaltener Hand. Viele Fälle werden nicht bekannt. Und der Laie verwechselt Depressionen mit schlechter Stimmung, so nach dem Motto "ich hab heut mal Depri". Und selbst bei Betroffenen ist der Umgang mit der Krankheit häufig immer noch nicht korrekt, viele gehen nicht zum Arzt, nicht zur Therapie und selbst von den Leuten in Behandlung sind nur 10% bereit, Medikamente zu nehmen. Nach neuesten Erkenntnissen soll es ab 2020 mehr Menschen mit mittleren bis schweren Depressionen geben, als Herz/Kreislauf Kranke. Also ein enormer Anstieg. Allerdings soll sich die Herzinfarktrate bis 2050 auch vervielfachen, im Vergleich zu heute. Rosige Aussichten!

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