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Die Logik vom Glücklichsein

L_ewiVan


Tsunami

Das ist jetzt ein krasses Beispiel, aber vermutlich empfindet auch ein Mörder oder Serienmörder Glück, ein absolutes Glück, welches kein anderer oder nur wenige andere nachvollziehen können.

Auf welcher Grundlage vermutest du das? Und: Widerspricht es nicht deinem Verstaendigungs-Optimismus?

c2eterumk censxeo


Zuletzt sprachst du jedoch auch von Nächstenliebe. Wenn andere keinen Zugang zu deinem Glück haben, und du ergo keinen Zugang zu dem Glück anderer hast, wie soll dann deine Nächstenliebe möglich sein?

Weiter vorn kritisierte ich aber auch schon mal, daß hier einige ständig Liebe und Glück miteinander verwechseln.

Glück ist ein (kurzzeitiger) Zustand, der das Potential hat, etwas (längerfristig) in mir zu verändern. Diese Veränderung (die man z. B. Liebe nennen kann) ist dann für andere spürbar und wertbar, nicht das Glück. Ich kann durch Nächstenliebe darauf hinarbeiten, daß ein anderer Glück empfindet, aber mehr auch nicht. Die Glückempfindung kann man - zum Glück - mit niemandem teilen. Man müßte sonst damit rechnen, daß jemand das Glück verdirbt oder eben relativiert.

Die "Entscheidung" meiner Glücksempfindung treffe nicht mal ich, sondern die Gesamtheit meiner Empfindungen und Erfahrungen. Die angesprochene Kausalität gibt es also objektiv nicht. Man sagt sich ja durchaus manchmal "Eigentlich müßte ich jetzt glücklich sein, ich habe alles, bin an meinem Lieblingort mit meiner Lieblingsperson - aber warum bin ich nicht glücklich?" Der Grund kann in der (unsicheren) Zukunft liegen, in der prägenden Vergangeheit oder auch in einer falschen Verarbeitung des Umfelds.

Es ist immer auch etwas Glückssache, Glück zu empfinden.

_GTsu"namix_


[[http://static.open.salon.com/files/norman-rockwell--first-love1257387223.jpg Die scheinen glücklich zu sein.]] :-D

c`eteru!m cexnseo


Die gute alte Zeit... ;-D

Ljara7x9


oh wie schön. Ja die guten alten Zeiten als Kind. Ich glaube als Kind ist man mit am glücklichsten. Oft unvoreingenommen und man hat noch nicht so die Probleme. Außer Aufräumen, pünktlich zu Hause zu sein, Hausaufgaben machen. Fast alles ist schön und man lebt so vor sich hin als Kind.

_bTsuOnam%ix_


Ausgehend davon, dass das Kindsein auch eine Form von Glücklichsein ist, frage ich mich gerade, was einen davon abhält, wieder Kind zu sein?

Wenn man es genau nimmt, dann wird man im Alter sowieso wieder zum Kind.

Warum sollte man nicht auch dazwischen Kind sein bzw. bleiben?

LGara7x9


ja das Kind in einem sollte man nicht verlieren, aber man hat doch Sorgen die man als Kind nicht hat....!!!

_XTs6unam!ix_


Mal ganz hypothetisch, um nicht zu sagen, blauäugig gefragt: Angenommen, dass keine oder wenige(r) Sorgen eine (Vor-) Bedingung für das Glücklichsein ist, was sind die Sorgen, die man als Kind nicht hat, aber als "Erwachsener" schon?

L%ew,ian


Soweit ich mich erinnere, war ich als Kind insgesamt nicht sonderlich gluecklich (verglichen mit spaeter), wenn auch momentweise schon.

was sind die Sorgen, die man als Kind nicht hat, aber als "Erwachsener" schon?

Vermutlich, weil Kinder normalerweise keine Verantwortung haben und nicht immer tausend andere Sachen im Kopf ausser was sie eben gerade tun. Das "absolute" Leben im "Hier und Jetzt" ist glaube ich schon ein wichtiger Gluecksfaktor. Andererseits sind Kinder emotional verletzlich (jedenfalls war ich als Kind glaube ich viel verletzlicher als jetzt), und verletzt zu werden fuehlt sich normalerweise nicht gluecklich an. (Auch wenn es Leute gibt, die behaupten, das gehoere zum Glueck dazu bzw. sei Voraussetzung.)

H1ann\a-Mxaria


Das "absolute" Leben im "Hier und Jetzt" ist glaube ich schon ein wichtiger Gluecksfaktor.

:)^

Das denke ich auch. Was macht das besondere am Kindsein denn aus? Es ist meiner Meinung nach das Leben in der Gegenwart. Mit dem Erwachsenwerden beginnen wir, mehr und mehr in der Verrgangenheit oder in der Zukunft zu leben. Je nachdem, wie diese aussah oder wie wir sie uns wünschen, hängen wir einer schöner empfundenen Vergangenheit nach oder flüchten in eine hoffnungsvollere Zukunft... oder aber kehren immer wieder in die Vergangenheit zurück, weil wir dort gern Dinge ändern würden und fürchten uns vor der Zukunft.... und dabei verpassen wir fortwährend den wirklichen augenblicklichen Moment - der allein das ist, was wir besitzen - und schaffen damit die Grundlage für noch mehr Verweilen in Gestern und Morgen... :=o

Seit ich wieder gelernt habe, den Moment bewußt wahrzunehmen und zu genießen, das Gestern zu vergessen (denn es ist unwiderruflich vorbei) und das Morgen dem Morgen zu überlassen ("...jeder Tag hat seine Plage"), bin ich ein zufriedener und glücklicherer Mensch geworden! :-D @:)

Im übrigen hatte ich keine glückliche Kindheit, aber ich war bewußter bei mir und habe die Dinge intensiver wahrgenommen. Das entdecke ich gerade wieder - die kindliche Spiritualität. ;-)

s&chna\tte2rgusxche


_Tsunami__

Angenommen, dass keine oder wenige(r) Sorgen eine (Vor-) Bedingung für das Glücklichsein ist, was sind die Sorgen, die man als Kind nicht hat, aber als "Erwachsener" schon?

Die "gemachten". Als Kind nehmen wir viele Dinge wie sie sich zeigen. Je älter wir werden, um so mehr denken wir darüber nach. Wir sammeln Erfahrungen und vergleichen sie mit der Gegenwart. So kommt es zu Überlegungen der Art "was wäre, wenn..." Wenn ich dieses oder jenes getan oder gelassen hätte... Wenn das so ausgegangen wäre... Wenn ich das gehabt hätte... Je deutlicher wir erkennen, daß wir vieles im Leben beeinflussen können, um so mehr denken wir über die Folgen nach. Je mehr negative Folgen wir uns ausmalen, um so sorgenreicher sind wir, und desto unglücklicher.

Wir sagen vollkommen richtig: "Ich mache mir Sorgen." Und wir wollen doch in allem möglichst gut sein, oder? Wenn wir beim Sorgenmachen erfolgreich sind, schaden wir uns selbst. Und manchmal reißen wir andere mit. Der Grund dafür, daß wir uns Sorgen machen, ist die Angst vor einer unbekannten, aber möglichen Gefahr. Wer den Anspruch auf ein gefahrfreies Leben aufgibt, kann glücklicher werden.

cQe3t=eorumL cwensexo


Anscheinend hat keiner die Ironie in meinen Worten mitgekriegt...

Natürlich gab es nie eine gute alte Zeit. Weder in unserer Kindheit, noch früher oder später.

Als Kind erlebt man andere Sorgen als als Erwachsener, aber sie sind nicht weniger schwer und sogar öfter traumenverursachend. Aber der Verdrängungsmechanismus, der Einnerungsoptimismus, funktioniert nach wie vor. Er gaukelt uns vor, wir wären als Kind glücklicher gewesen, hätten intensiver gelebt oder wären gar spiritueller gesen. Nicht davon stimmt. Wir schleppen den gesamten Müll der Kindheit noch mit uns rum, aber er ist verborgen im Unterbewußtsein. Oder er tritt völlig verändert wieder hervor, indem er unser heutiges Verhalten bestimmt.

Ich bin mit 6 Jahren mal ins Eis eingebrochen. Schon eine Stunde danach war ich wieder glücklich, weil ich nicht ausgeschimpft wurde. Die Verdrängung klappte perfekt!

Wenn wir heute die Kindheit loben, dann auch deswegen, weil dieselben Erlebnisse uns heute viel weniger tangieren würden. Was hat uns damals eine schlechte Zensur runtergerissen!

Für viele negative Dinge ist auch die Wahrscheinlichkeit viel geringer geworden, daß sie einem als Erwachsener passieren. Wann kriegt man schon mal Prügel oder wird angeschrien?

So wie Erwachsene staunen, wenn sie die scheinbare Sorglosigkeit der Kinder sehen, so staunen Kinder, weil Erwachsene alles verkomplizieren und scheinbar nur das schlechte sehen. Es ist ein Problem der Verständigung und des Einfühlungsvermögens. Das läßt sich auch nicht abstellen. Kein Erwachsener kann Kind werden, ohne kindisch zu wirken.

Wenn man nicht mal das Glücksgefühl eines gleichaltrigen befreundeten Erwachsenen nachvollziehen kann, um so vie weniger das eines Kindes.

_7Tbsunnamix_


ceterum

Anscheinend hat keiner die Ironie in meinen Worten mitgekriegt...

Das war nicht ohne Weiteres erkennbar. Um es klarer zu machen, hättest du ein paar mehr Worte dazu schreiben müssen.

Natürlich gab es nie eine gute alte Zeit.

Das ist deine persönliche Sicht der Dinge. Offensichtlich sehen es andere anders.

Natürlich gab es nie eine gute alte Zeit. Weder in unserer Kindheit, noch früher oder später.

Wenn ich deine Worte richtig deute, dann gibt es niemals eine gute Zeit. Mir dünkt, du bist ein ziemlicher Pessimist.

Als Kind erlebt man andere Sorgen als als Erwachsener, aber sie sind nicht weniger schwer und sogar öfter traumenverursachend.

Hast du ein Beispiel dafür? Und was genau meinst du mit "traumenverursachend"? Dass Kinder Träume haben oder dass Kindheit [[http://de.wikipedia.org/wiki/Trauma_%28Psychologie%29 Traumata]] verursacht?

Aber der Verdrängungsmechanismus, der Einnerungsoptimismus, funktioniert nach wie vor.

Unter Verdrängungsmechanismus kann ich mir etwas vorstellen, aber was bedeutet Erinnerungsoptimismus? [[http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=Einnerungsoptimismus&btnG=Google-Suche&meta=&aq=f&oq=&fp=a23c103d2f71320a Google konnte nicht viel dazu finden.]]

Er gaukelt uns vor, wir wären als Kind glücklicher gewesen, hätten intensiver gelebt oder wären gar spiritueller gesen. Nicht davon stimmt.

Wo ist der Gegenbeweis? Oder glaubst du das einfach nur?

Wir schleppen den gesamten Müll der Kindheit noch mit uns rum, aber er ist verborgen im Unterbewußtsein.

Was genau ist der "Müll der Kindheit"?

Ich bin mit 6 Jahren mal ins Eis eingebrochen. Schon eine Stunde danach war ich wieder glücklich, weil ich nicht ausgeschimpft wurde. Die Verdrängung klappte perfekt!

Ich bin als Kind auch mal ins Eis eingebrochen - sogar mehrmals (einmal saß ich mit meinen selbstgestrickten und tropfenden Socken in der Klasse und man hatte mir Einmachgläser unter die Füße gestellt). Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was es da zu verdrängen gäbe.

Wenn wir heute die Kindheit loben, dann auch deswegen, weil dieselben Erlebnisse uns heute viel weniger tangieren würden.

Dann müssten wir doch aber eigentlich das "Erwachsensein" loben? Und nicht die "stark tangierte" Kindheit.

Was hat uns damals eine schlechte Zensur runtergerissen!

Mich nicht. Ich hatte damals meine Nintendo Spielkonsole. Die war mir viel wichtiger.

Für viele negative Dinge ist auch die Wahrscheinlichkeit viel geringer geworden, daß sie einem als Erwachsener passieren. Wann kriegt man schon mal Prügel oder wird angeschrien?

Man hat mich eigentlich nie verprügelt oder angeschrien. Auch heute ist das nicht anders.

So wie Erwachsene staunen, wenn sie die scheinbare Sorglosigkeit der Kinder sehen, so staunen Kinder, weil Erwachsene alles verkomplizieren und scheinbar nur das schlechte sehen.

Das kommt hin.

Es ist ein Problem der Verständigung und des Einfühlungsvermögens. Das läßt sich auch nicht abstellen.

Warum?

Kein Erwachsener kann Kind werden, ohne kindisch zu wirken.

Ich sehe das eher anders herum: Kein "Erwachsener" kommt umher, kindisch zu wirken. ;-)

Wenn man nicht mal das Glücksgefühl eines gleichaltrigen befreundeten Erwachsenen nachvollziehen kann, um so vie weniger das eines Kindes.

Sprich für dich. Ich sehe das anders.

cdetereumA cenxseo


Tsunami

Wenn ich deine Worte richtig deute, dann gibt es niemals eine gute Zeit.

Ich glaub, Du deutest sie falsch ;-) Ich schrieb in der Vergangenheit; mit später meinte ich z. B. die Jugendzeit. Nicht die Gegenwart und nicht die Zukunft.

Hast du ein Beispiel dafür? Und was genau meinst du mit "traumenverursachend"?

Ok, Traumataverursachend ;-) Klingt jetzt sehr nach Freud, aber die meisten unserer Verhaltensweisen sind ein Ergebnis einprägsamer Kindheitserlebnisse. Bei mir fallen mir da Ängste ein, wie z. B. vor Blut, vor Wasserpflanzen, vorm Alleingelassenwerden usw. Das waren Erlebnisse, die als Erwachsener kaum etwas "hinterlassen" hätten.

Dann müssten wir doch aber eigentlich das "Erwachsensein" loben?

Genau. Wir haben es geschafft, zu werten, einzuordnen, zu erklären, zu verzeihen usw. Unser Leben ist dadurch viel leichter.

Ich hatte damals meine Nintendo Spielkonsole. ... Man hat mich eigentlich nie verprügelt oder angeschrien.

Unsere Erlebnisse unterschieden sich eben. Eigentlich normal :-)

Das läßt sich auch nicht abstellen.

Warum?

Weil unser Gehirn voll ist mit Erfahrungen, Erinnerungen, Wissen usw. Um kindlich zu denken, müßten wir das alles bewußt vergessen können. Das geht nicht bzw. wenn, dann ist es krankhaft oder Hypnose. Beides erlaubt keine Anwendung.

_ATsun=amix_


ceterum

Wenn ich deine Worte richtig deute, dann gibt es niemals eine gute Zeit.

Ich glaub, Du deutest sie falsch ;-) Ich schrieb in der Vergangenheit; mit später meinte ich z. B. die Jugendzeit. Nicht die Gegenwart und nicht die Zukunft.

Also können wir jetzt und in Zukunft eine gute Zeit haben. Und das machen wir auch. Perfekte Ausgangssituation. :-D

Bei mir fallen mir da Ängste ein, wie z. B. vor Blut, vor Wasserpflanzen, vorm Alleingelassenwerden usw. Das waren Erlebnisse, die als Erwachsener kaum etwas "hinterlassen" hätten.

Ich glaube, gerade in den von dir genannten Dingen, unterscheiden sich Kind und Erwachsener nicht so sehr.

Dann müssten wir doch aber eigentlich das "Erwachsensein" loben?

Genau. Wir haben es geschafft, zu werten, einzuordnen, zu erklären, zu verzeihen usw. Unser Leben ist dadurch viel leichter.

Ist das so?

Das läßt sich auch nicht abstellen.

Warum?

Weil unser Gehirn voll ist mit Erfahrungen, Erinnerungen, Wissen usw. Um kindlich zu denken, müßten wir das alles bewußt vergessen können. Das geht nicht bzw. wenn, dann ist es krankhaft oder Hypnose. Beides erlaubt keine Anwendung.

Ich sehe das nicht so. Das ist kein "entweder, oder". Man kann auch mit enormer Erfahrung und Kompetenz kindlich sein. Das ist weder peinlich, noch schadhaft.

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