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Die Logik vom Glücklichsein

_%Tsunxami_


schleierweiss

Damit ich glücklich bin möchte ich das mich die anderen so akzeptieren wie ich bin. Und das ich im Stande bin die anderen so zu nehmen wie sie sind. Dann ist alles gut.

Du greifst nach den Sternen, was ich grundsätzlich in Ordnung finde.

Doch es gibt Dinge, die man an sich selbst und anderen nicht akzeptieren oder annehmen kann. Da gibt es dann nur zwei Wege, um glücklich zu sein - entweder Schönreden oder Veränderung. Schönreden wurde uns allen schon in die Wiege gelegt, doch Veränderung ist sehr viel schwieriger, weil es durch Erkenntnis und Bemühen bedingt ist. Wenn es schon schwierig ist, andere zu verändern, so ist es nicht unbedingt einfacher, sich selbst zu verändern.

Sich selbst zu verändern, ist der einzige bedeutsame Hebel, der einem zur Verfügung steht.

_`Tsudnamxi_


Lewian

Ich wuerde gerne daran erinnern, dass die Sprache den Empfindungen der Menschen nicht gewachsen ist. "Glueck" ist ein Wort, welches wir irgendwann lernen. In welchen Belangen sich das, was sich unterschiedliche Menschen darunter vorstellen, gleich, aehnlich oder ganz unterschiedlich ist, laesst sich letztlich nicht herausfinden. Nur so lange, wie es um Sagbares geht, dem man zustimmen oder widersprechen kann - aber auch dann nicht mit Sicherheit, weil ja auch die anderen Worte mit unterschiedlichen Gefuehlen verknuepft sein koennen.

Ich stimme dir grundsätzlich zu, dass die Sprache (in Wort und Schrift) in manchen Belangen insuffizient ist.

Auf der Ebene dieses Forums zum Beispiel erfolgt die Kommunikation ausschließlich durch das Übersenden von Wörtern, doch sie haben eine bestimmte Bedeutung und kommen oft beim Empfänger mit der Bedeutung an, mit der sie der Sender auch verschickt hat. Mit einem gewissen "Informationsverlust" ist natürlich immer zu rechnen.

Die Wahrscheinlichkeit des "Informationsverlustes" ist bei einem persönlichen Gespräch natürlich bedeutend geringer, da in diesem Falle alle Kanäle der Kommunikation offen sind, also auch die non-verbalen.

Was nun Glück oder Glücklichsein betrifft, kann man sich darüber meines Erachtens sehr gut verständigen, insbesondere mit Menschen, mit denen man vertraut ist (Familie, Partner, Arbeitskollegen, beste Freunde). Da bedarf es oft keiner umfangreichen Kommunikation, warum jemand glücklich ist und was die Gründe dafür sind.

Natürlich schadet es auch nicht, hin und wieder zu sagen "Ich bin glücklich, weil...". So mißverständlich kann das gar nicht sein.

Und obwohl Menschen sehr verschieden sind, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten und sich ständig wiederholende Muster. Wenn man also genügend viele vertraute Menschen mit ihrem jeweiligen Glücksverständnis und -verhalten kennt, dann fällt es auch nicht schwer, einen wildfremden Menschen schon recht bald "einordnen" zu können. Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, zumal es nicht so extrem viele Formen von Glücklichsein gibt und die meisten Menschen sich mit ihrem Glücklichsein und ihrem Bestreben danach auch gar nicht verstecken wollen.

Hinzu kommt, dass Menschen die Tendenz haben, ihr Glücklichsein in die Welt "hinaus zu posaunen" und es mit anderen zu teilen, anstatt es still und heimlich in ihrem Kämmerlein zu horten.

Das macht es meines Erachtens recht übersichtlich.

_WT#sunxami_


Lewian

Aus meiner Sicht waere es nicht angemessen, Glueck in operationaler Weise zu definieren,

Das zweifle ich sehr stark an. Ich behaupte, dass das Glücklichsein der einzige [[http://de.wikipedia.org/wiki/Modus_Operandi Modus Operandi]] des Menschen ist. Es geht um nichts anderes.

[[http://www.youtube.com/watch?v=k55NuWQCh78 Mission Impossible?]] Nein. Operation Glücklichsein. ;-)

_>TsunAamix_


Lewian

also sozusagen eine beobachtbare Checkliste aufzustellen, anhand derer feststellbar waere, ob ein Mensch gluecklich waere oder nicht.

Eine allgemeine Checkliste zu erstellen, wo man einzelne Häkchen setzt, um festzustellen, ob jemand glücklich ist oder nicht, ist natürlich Unsinn.

Interessanter ist es, wenn man sich seine ganz eigene Checkliste erstellt und diese durchgeht.

s#chnat[tePrguschxe


Interessanter ist es, wenn man sich seine ganz eigene Checkliste erstellt und diese durchgeht.

Wie "checkt" man ein Gefühl? Ab wievielen Häkchen ist es wahr?

j1uniaper


Danke, schnattergusche, etwas ähnliches dachte ich auch gerade.

_DTs8una_mi_


Lewian

Wenn jemand sagt: "Fuer mich gehoert eine Familie zum Glueck" oder "Gesundheit", dann sind dies Aussagen, die auf nicht beobachtbare Gefuehle verweisen. Das, was dieser Mensch Glueck nennt, stellt sich nur ein, wenn er z.B. gesund ist. Kann gut sein. Bloss ist die Gesundheit an sich nicht das Glueck, und auch nicht Bestandteil desselben, allenfalls Bedingung. Und wenn zwei Menschen sich nicht darueber einigen koennen, ob es Bedingung ist oder nicht, ist es auch nicht klar, ob sie darueber reden, dass es Bedingung fuer dasselbe waere.

Erstmal ist Glück durchaus relativ (hab' ich mir sagen lassen). Und zum anderen scheinst du eine klare Vorstellung von Glück zu haben. Das entnehme ich diesem Satz:

Bloss ist die Gesundheit an sich nicht das Glueck, und auch nicht Bestandteil desselben, allenfalls Bedingung.

Sehr interessant. Kommt da noch mehr?

_&TsNunamix_


Oha! Unerwartete Ereignisse. Jetzt muss ich mich kurz sammeln.

Okay, fertig.

Das Einfachste wäre wohl, meine persönliche Checkliste hier zu posten und sie allgemeiner Kritik auszusetzen. Hmm...

schnattergusche

Wenn Gefühle im "luftleeren Raum" schweben, ohne Ursache, Beeinflussungsmöglichkeit oder Kausalität, ja dann kann man jegliche Checkliste als gegenstandslos betrachten. Wenn aber gewisse Entscheidungen, Handlungen/Taten einen kausalen Effekt auf das Gefühl/Glück haben, dann macht eine Checkliste Sinn.

c eter3umX c9ensexo


ist Glück durchaus relativ

In Relation zu was? Es gibt nur ein Glück: das was man selbst als solches empfindet. Für den empfindenden ist es absolut. Ein Außenstehender dagegen hat gar keinen Bezug dazu. Er kann nur glauben oder nicht glauben, ob jemand glücklich ist. Am Glücksempfinden des Betreffenden ändert das aber nichts.

R_abennm.utxter2000


Ist ja ne Menge geschrieben worden...

Ich kann mich nur dem einen oder anderen anschließen: Glück ist für mich innerer Frieden und Zufriedenheit. Es hat weniger mit Gesundheit zu tun und schon gar nichts mit materiellen Werten.

Ich bin seit einem Unfall vor 1 1/2 Jahren gehbehindert. War vorher Langstreckenläufer und sehr aktiv. Heute führe ich ein anderes Leben, lerne gerade einen neuen Beruf und muss öfter mal kürzer treten.

Aber ich bin glücklich - Dank meiner kleinen heilen Welt die man auch Familie nennt.

_wTsPun@amxi_


ceterum

ist Glück durchaus relativ

In Relation zu was? Es gibt nur ein Glück: das was man selbst als solches empfindet. Für den empfindenden ist es absolut. Ein Außenstehender dagegen hat gar keinen Bezug dazu. Er kann nur glauben oder nicht glauben, ob jemand glücklich ist. Am Glücksempfinden des Betreffenden ändert das aber nichts.

Das ist jetzt ein krasses Beispiel, aber vermutlich empfindet auch ein Mörder oder Serienmörder Glück, ein absolutes Glück, welches kein anderer oder nur wenige andere nachvollziehen können.

Jetzt sag' du mir, wie relativ Glück in deiner Argumentation ist?

c)ete4rum8 cens$eo


Ich würde das Wort "relativ" gar nicht verwenden. Einfach weil kein anderer als ich selbst Zugang zu meinem Glück hat. Mein Glück hat keinen Bezug, keine Relation. Glück ist zwar subjektiv, aber in seiner Subjektivität absolut.

_fTsu*namxi_


ceterum

Ich würde das Wort "relativ" gar nicht verwenden. Einfach weil kein anderer als ich selbst Zugang zu meinem Glück hat. Mein Glück hat keinen Bezug, keine Relation. Glück ist zwar subjektiv, aber in seiner Subjektivität absolut.

Zuletzt sprachst du jedoch auch von Nächstenliebe. Wenn andere keinen Zugang zu deinem Glück haben, und du ergo keinen Zugang zu dem Glück anderer hast, wie soll dann deine Nächstenliebe möglich sein?

sMchdnatteyrgusAche


_Tsunami_

Wenn Gefühle im "luftleeren Raum" schweben, ohne Ursache, Beeinflussungsmöglichkeit oder Kausalität, ja dann kann man jegliche Checkliste als gegenstandslos betrachten. Wenn aber gewisse Entscheidungen, Handlungen/Taten einen kausalen Effekt auf das Gefühl/Glück haben, dann macht eine Checkliste Sinn.

Gefühle schweben nicht ohne Ursache im Raum. Gefühle sind eine individuelle Reaktion auf ein Ereignis. Damit haben sie eine Ursache. Die kann uns bewußt sein oder nicht. Aber sie ist immer vorhanden.

Damit sind Gefühle auch beeinflußbar. Denn sie sind nichts anderes als ein Ausdruck unserer persönlichen Bewertung eines solchen Ereignisses. Eine Neubewertung schafft auch neue Gefühle.

Vielleicht kann ich das mit einem Beispiel illustrieren. Vor einigen Jahren kam ich von einem Wochenend-Seminar mit [[http://www.adlerin.at/kisem.info.php Karl Grunick]]. Ich war extrem knapp bei Kasse und war von Frankfurt/M. nach München über die Mitfahrzentrale gereist. Auf der Rückfahrt hatte ich mit dem Fahrer die AAnalkartekarte gezogen. Kleinwagen (Größe eines Golf) mit 4 Mitfahrern und viel Gepäck besetzt. Ich saß hinter dem Beifahrer. Der Fußraum vor mir war mit einem Koffer ausgefüllt. Mein linkes Bein konnte nur hinter der rechten Kante des Fahrersitzes sein. Die beiden Frauen neben mir teilten sich den Rest des Platzes. Mein rechtes Bein lag quer auf dem Koffer. Der war einige Zentimeter höher als die Oberkante der Rücksitzbank. Seitdem weiß ich, was unbequem ist. In Schwabing tat mir das Hüftgelenk weh. Am Kreuz Neufahrn brannte mein ganzes rechtes Bein wie Feuer. Da fiel mir ein, was ich gerade gelernt hatte. Eine Rast hätte meinen Schmerz nicht beendet, sondern nur unterbrochen und die Fahrt insgesamt verlängert. Ich nahm also den Schmerz als gegeben an und akzeptierte ihn vom Kopf her. Die Ursache war völlig unverändert. Aber durch die neue Bewertung der Situation war ich tatsächlich vollkommen schmerzfrei. So sehr, daß ich mich gelegentlich gehenließ, um die Landschaft zu genießen. So konnte der Schmerz wieder in mein Bewußtsein kommen. Aber da wußte ich bereits aus meiner eigenen Erfahrung, daß ich ihn nur als objektiv vorhandenes aber gerade nicht änderbares Signal meines Körpers akzeptieren mußte. Als ich später in Frankfurt ausstieg, bin ich einige hundert Meter sicher mehr getorkelt als gelaufen. Aber ich hatte eine unbezahlbare Erfahrung gemacht: Meine Bewertung einer Situation ändert meine Wahrnehmung dieser Situation.

Daraus ergibt sich für mich die Frage: Worin liegt der wirklich kausale Effekt auf das Glück? Nach meiner Einschätzung nicht im Bereich einer Checkliste, sondern in der Wechselwirkung meiner (körperlichen und) geistigen Reaktionen auf ein äußeres, als auslösend erscheinendes Ereignis.

L/euwixan


Tsunami

Auf der Ebene dieses Forums zum Beispiel erfolgt die Kommunikation ausschließlich durch das Übersenden von Wörtern, doch sie haben eine bestimmte Bedeutung und kommen oft beim Empfänger mit der Bedeutung an, mit der sie der Sender auch verschickt hat.

Du bist optimistisch... pruefen laesst sich das nicht.

Was nun Glück oder Glücklichsein betrifft, kann man sich darüber meines Erachtens sehr gut verständigen, insbesondere mit Menschen, mit denen man vertraut ist (Familie, Partner, Arbeitskollegen, beste Freunde). Da bedarf es oft keiner umfangreichen Kommunikation, warum jemand glücklich ist und was die Gründe dafür sind.

Sagen wir so: Es ist weise, darueber nicht allzu umfangreich zu kommunizieren, weil man sich dann nicht damit konfrontieren muss, wie tief die Graeben sind.

"Verstaendigung" erscheint moeglich mit einfachen Gesten und einfachen Worten. Nicht weil das, was dahinter ist, einfach waere, sondern weil es einfach ist, den Gesten und Worten ihren vertrauten und daher verstandenen Platz zu geben bzw. diesen zu erkennen. Wir glauben, den anderen zu verstehen, weil er so redet wie wir selber es tun, oder kennen. Je mehr er aber redet, umso grosser die Chance, dass diese Vorstellung verfliegt. Glueck zu teilen ist schoen, und um das zu tun, ist "echte und tiefe Verstaendigung" nicht noetig, was sehr praktisch ist.

Und zum anderen scheinst du eine klare Vorstellung von Glück zu haben. Das entnehme ich diesem Satz:

Bloss ist die Gesundheit an sich nicht das Glueck, und auch nicht Bestandteil desselben, allenfalls Bedingung.

Sehr interessant. Kommt da noch mehr?

Nein, jedenfalls nicht die Richtung, die du vermutlich erfragen willst. Ich habe allenfalls auf nichtsprachlicher (und daher nicht austauschbarer) Ebene eine klare Vorstellung vom Glueck. Meine Aussage war nicht darueber gedacht, was Glueck ist, sondern auf welcher Ebene ich glaube, dass man ihm begegnet (naemlich der nichtsprachlichen Ebene innerhalb).

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