Die Logik vom Glücklichsein

_ITsuna.mi_


Interessant finde ich auch, dass bei Fragen bzgl. einer angehenden oder bestehenden Beziehung (z.B. hier im Beziehungsforum) die Antwort sehr häufig "Hör' auf dein Gefühl!" lautet. Klingt jetzt nicht wirklich nach einer Antwort, aber anscheinend ist es noch die beste.

_ TsuYnami_


Erwartungen und Gefühle

Wir sprachen hier vor Kurzem mal über Erwartungen und wie unangenehm sie sein können. Das liegt daran, dass hinter Erwartungen auch immer Gefühle stecken. Wenn es nicht so wäre, dann würde man sich als erwachsener Mensch ganz nüchtern sagen: "Manchmal werden Erwartungen erfüllt, und manchmal nicht, was soll's?" Nun sind da aber Gefühle mit im Spiel und diese machen das Ganze schwieriger, bis hin zu dem Punkt, dass es unangenehm sein kann. Je nachdem, wie stark die Erwartungen bzw. die Gefühle sind, kann das Ganze sogar extrem hässlich und sehr unangenehm werden.

Wenn ich also tue, wonach ich mich fühle – so weit, so gut -, und dabei aber gleichzeitig die Erwartungen einer mir nahestenden oder gemochten Person nicht erfülle, dann bin ich in einer Zwickmühle – dann schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

Der Konflikt (der Gefühle) ist vorprogrammiert. Kein Gefühl wird gerne unterdrückt und wird sich daher früher oder später zu Wort melden.
Das eine Gefühl sagt dann: "Gehe deinen ganz eigenen Erwartungen und Gefühlen nach. Das ist gut so."
Das andere Gefühl sagt dann: "Richte dich nach den Erwartungen und Gefühlen des anderen. Das ist gut so."

Jetzt ist das Gefühl verwirrt, denn es weiß, dass beides gut ist, aber auch, dass es sich nicht zerreißen kann.

Jetzt setzt sich entweder das stärkere Gefühl durch oder der Verstand wird zu Rate gezogen. Jetzt ist es aber so, dass das Gefühl und der Verstand nicht immer einer Meinung sind. Dann wird's schwierig. ":/

_yTsu2namxi_


Glücklichsein und Gefühle

Ich stelle fest, dass jegliches Glücklichsein ein Gefühl ist – ob nun kurz, lang, spontan, erahnbar, unterschwellig oder intensiv. Glücklichsein kann man also mit drei simplen Wörtern ausdrücken: sich gut fühlen.

Es ist meines Erachtens offensichtlich, dass Gefühle stark durch äußere Umstände (z.B. die Erwartungen anderer) beeinflusst werden, was letzten Endes nichts anderes heißt, als dass man einen erheblichen Einfluß auf die eigenen Gefühle und die anderer hat.

Obwohl Gefühle beeinflussbar sind, und man daher eine gewisse Verantwortung für die eigenen Gefühle und die anderer trägt, haben sie meines Erachtens auch einen unantastbaren Kern, welcher gewissermaßen fest ins Leben einprogrammiert ist. Das ist das, was ich als Logik, Gesetzmäßigkeit oder Prinzip bezeichnen würde. Es ist ein Gefühl, dass es so ist. Mit anderen Worten, mehr schlecht als recht ausgedrückt, ist es die Gemeinsamkeit aller Gefühle – die Mentorfunktion.

Ich schätze, wenn man seinen verschiedenen Gefühlen mehrmals mit offenem Auge begegnet ist, sie mehrmals durchlebt habt, ihnen zuhört, dann lernt bzw. versteht man allmählich, was die Gefühle brauchen – was man selber braucht.

Ich denke, es ist wie eine persönliche Landkarte der Gefühle, welche man nutzen kann, damit die Gefühle keinen oder möglichst geringen Schaden nehmen.

Da ist kein Ziel, nur ein Weg.

Auf diesem Weg kann man Vieles denken, verstehen und tun.

Der Rest ist und bleibt Gefühl.

_BTsunxami_


Vermessenheit und Gefühle

Hmm... hatte einen Gedanken, der mir aber wieder entschwirrt ist. Denke nicht, dass er so schnell wiederkommen wird. Na ja.

Im Endeffekt läuft es wohl auf dieses eine Zitat hinaus:

Die eigene Freiheit endet da, wo die Freiheit des Anderen beginnt.

Bei Gefühlen heißt das, dass das Ausleben der eigenen Gefühle auf Kosten der Gefühle anderer vermessen ist.

Teilweise – und teilweise sehr offensichtlich –, wenn man so um sich schaut, scheint es weder in dem einen Fall, noch in dem anderen so einfach zu sein, die Grenze zu ziehen.

Ein verständiges Herz bzw. ein Gefühl, welches nicht nur instinktiv ist, sondern hin und wieder mit dem Verstand zusammenarbeitet, sollte damit jedoch keine all zu großen Probleme haben.


Joa, das hatte ich gerade im Kopf oder auf dem Herzen. ":/ Ein paar Wörter und Gedanken, welche schon bald verblassen werden – Gedächtnisspeicher, welcher neu belegt wird.
Was bleibt, ist das Gefühl. :)z

_YTsu!n ami_


Mal ein kurzer Rückblick in den Faden, die Geschichte, und zudem leichte Kost:

übrigens: wenn man "glücklich sein" mit "sich gut fühlen" ersetzt, bzw. "Glück" mit "gutes Gefühl", dann funktionieren die Zitate immer noch :)


Alle Menschen wollen glücklich sein.

-- Aristoteles (384 – 322 v. Chr.), Philosoph, Zitat aus: Nikomachische Ethik


Bedenke, dass die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst Du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein.

-- Sokrates (469 – 399 v. Chr.), Philosoph


Glück ist nicht in einem ewig lachenden Himmel zu suchen, sondern in ganz feinen Kleinigkeiten, aus denen wir unser Leben zurechtzimmern.

-- Carmen Sylva (1843 – 1916), Schriftstellerin und Königin


Was wir brauchen, um glücklich zu sein, ist wenig. Aber wir steigern Bedingungen für Glück ins Endlose und beklagen unser Unglück.

-- Kristiane Allert-Wybranietz (1955 – ), deutsche Schriftstellerin


Glück ist nicht eine Station, wo man ankommt, sondern eine Art zu reisen.

-- Margaret Lee Rumbeck (1905 – 1956), amerikanische Schriftstellerin


Leider erkennen viele Menschen erst im Unglück, dass sie vorher glücklich waren.

-- Bertrand Russell (1872 – 1970), Philosoph, Zitat aus: Eroberung des Glücks


Wenn ich mit intellektuellen Freunden spreche, festigt sich in mir die Überzeugung, vollkommenes Glück sei ein unerreichbarer Wunschtraum. Spreche ich jedoch mit meinem Gärtner, bin ich vom Gegenteil überzeugt.

-- Bertrand Russell (1872 – 1970), Philosoph, Zitat aus: "Schriften"

j^uniupexr


Glück ist nicht eine Station, wo man ankommt, sondern eine Art zu reisen.

oh, das mag ich. :)z

Y1angYixn


@ _Tsunami_

Die zitate haben mir sehr gut gefallen da sie alle so wahr sind und man zu jedem dieser zitate bestimmt ein beispiel aus seinem leben finden kann...

Vor allem dein letztes zitat von bertrand russell gefällt mir besonders...je "kopflastiger" man sein leben angeht umso mehr verstellt man sich seinen weg zum glück...so ist jedenfalls meine persönliche erfahrung :)z

_cTsunUaAmi_


Gute Reise. :-)

_iT:sunaPmxi_


Apropos Kost und Zitate:

There is no sincerer love than the love of food.

-- George Bernard Shaw

[[http://www.youtube.com/watch?v=mARkUax2jg0 Lemon Chicken]]. Yummie. :-q

For the time being, I wish you all lots of good food as well as good feelings. *:)

_TTsuVnamxi_


Let's kick it! :)z

[[http://www.youtube.com/watch?v=d6wRkzCW5qI Will you fight?]]

_LTsunaamix_


YangYin

Der Kopf, was kann er schon? Oft ist er nicht mehr als ein Dummkopf.

L`ewDian


[[http://www.boag-online.de/pdf/26004_Kopf_Bauch.pdf Kopf vs. Bauch]]

Y7angYxin


@ _Tsunami_

Deshalb schmerzt er auch des öfteren von seinen verwirrenden gedanken beschwert ;-)

_lTJsuSnami_


Bauch, Kopf und Eigentum

Ich denke, mein Bauch hilft mir mittels des Kopfes die Welt zu verstehen – mich zu verstehen, Mitmenschen zu verstehen. Und dieser Verstand hilft mir weiterhin mittels Gedanken, meinen Gefühlen gerecht zu werden. Ebenso helfen mir Gefühle selbst, meinen Gefühlen gerecht zu werden.

Ich sehe es mittlerweile, nach langen Kopfzeiten, nicht mehr so, dass der Bauch meinem Kopf dienlich ist, sondern anders herum, dass der Kopf meinem Bauch dienlich ist.

Mein Kopf kann analysieren, Dinge auseinandernehmen, sie verdrehen und wieder zusammenfügen, Cluster bilden, Mengen und Schnittmengen, logisch und effizient sein – ein unendlicher Prozess – eine elegante Schleife – ein gutes Mittel -, um... Bedeutung zu erlangen. Mein Kopf bietet mir Mittel, aber keine Bedeutung.

Mein Bauch, also meine Gefühle, geben mir Bedeutung, eine Orientierung, eine Maßgabe für die Verwendung meines Kopfes.

Es ist wohl diese Frage: "Wer ist Koch und wer ist Kellner?"

Mein Verstand sagt mir, dass meine Gefühle der Koch sind und meine Gedanken der Kellner. Eine symbiotische Beziehung zwischen Gefühlen und Gedanken, getragen durch den Körper und kalibriert durch den Verstand.

In dieser Konstellation kommt meinen Gefühlen die besondere Position zu, Impuls- und Bedeutungsgeber zu sein. Der Grund dafür ist, dass mich Gedanken und Verstand alleine in keinster Weise befriedigen, ohne das Gefühl, regelrecht nutzlos erscheinen. Vielleicht vergleichbar mit einem Hightech-Raumschiff, welches ohne Pilot und ziellos durch die Galaxie irrt.

Da ich nun meine Gefühle als sehr wichtig erachte, sie nicht nur uralt und gegeben sind, sondern zu Teilen auch dem Wandel, der Beeinflussung und der Prägung unterliegen, muss ihnen meines Erachtens eine besondere Pflege zukommen. Nicht zuletzt, weil meine Gefühle bemerkenswert dazu beitragen, wie ich die Welt und mich sehe, wie ich das Leben und den Menschen sehe.

Hier mal ein kurzes [[http://www.youtube.com/watch?v=McARZVdODmY Video]] zur kulturellen Prägung des Gefühls Liebe.

Nicht allen Aussagen kann ich uneingeschränkt zustimmen. Andere Aussagen sind meines Erachtens wiederum sehr treffend.
Dass Gefühle – also auch das Gefühl Liebe – nicht universell gleich sind, sondern teils durch verschiedene kulturelle Prägungen abweichend empfunden bzw. gelebt werden, kann ich bestätigen.


Macht und Gefühle

Was Macht genau ist, wäre vielleicht noch zu definieren, aber ich denke, jeder kann sich etwas darunter vorstellen.
Man kennt es im Großen und im Kleinen: Machterhalt und Machtbestrebungen.
Manche Leute können richtig biestig werden, wenn man ihre Macht in Frage stellt oder sie angreift. Simpler Mechanismus.
Was ist besser daran, Macht zu haben, anstatt ohn-mächtig zu sein?
Der Grund ist Angst – Verlustangst – Urinstinkt – ein instinktives Gefühl.
Das hat heutzutage viel mit Geld und Reichtum zu tun.
Die, die unten stehen verlieren oder haben schon verloren, die, die oben stehen nicht.
Je mehr ich habe, desto weniger kann ich verlieren. Richtig?
Darüber kann man streiten. ;-)

Eigentum und Gefühl

Auch Eigentum ist weniger eine Sache, als ein Gefühl. Es ist in großem Maße das Gefühl der Sicherheit und das Gefühl, der Verlustangst entgegengewirkt zu haben. Darüber hinaus kann es aber auch das Gefühl sein, Kaisergranaten im Hilton zu essen.

Kapitalismus und Gefühl

Die Anhäufung von Dingen und die Verdinglichung von Menschen zu Produktionsfaktoren entsprechen dem instinktiven Gefühl der Verlustangst/Machtbestrebungen, mit allen negativen Wirkkräften auf Gesellschaft und Individuum. Jedoch steht das Ganze diametral entgegen den in ihrer Vielfalt sich entwickelnden Gefühlen des Menschen. Paradox.

Verlustangst und Gefühl

Wenn man sich umschaut, dann sieht man, dass viele Gefühle und die daraus resultierenden Verhaltensweisen auf Verlustangst basieren – guter, alter und allgegenwärtiger Verlustangst.

Zum Beispiel Kontrollzwang. Wenn ich eine Person nicht mehr kontrollieren kann, sondern Freiheit an die Stelle von Kontrolle tritt, so mag mich das unangenehme Gefühl beschleichen, dass ich nicht nur einen Teil meiner Macht verloren habe, sondern auch eine Person. Dieses Prinzip ließe sich zum Beispiel auf Diktaturen oder Sekten übertragen, wahrscheinlich auch auf die eine oder andere Paarbeziehung. Wenn man genau hinschaut, also [[http://www.youtube.com/watch?v=LGEwBJzDTBA hinter die Kulissen]], kann man tagtäglich im Beruflichen wie auch im Privaten erkennen, wann bzw. wie sehr die Verhaltensweisen anderer auf Verlustangst zurückführbar sind. Wenn man gut genug hinschaut, kann man das natürlich auch bei sich selbst erkennen.

Zum anderen erklärt sich durch Verlustangst auch der Trend des Raffens, anstatt des Gebens. Ist natürlich klar, denn rein sachlich gesehen, ist es so, dass ich durch jedes Geben etwas verliere. Verlustangst ist gleichermaßen der Treibstoff Nr. 1 für Wettbewerb und Wettbewerberverdrängung – das kann gleichermaßen für Marktanteile, Globalisierung, aber auch den Partnerschaftsmarkt gelten. Das bessere Produkt gewinnt. Verdrängung findet statt. Gewinner und Verlierer sind in diesem System vorprogrammiert. Die Verlierer, um nur ein paar zu nennen: Insolvenzen, arme Menschen, kranke Menschen, hungernde Menschen, gebrochene Herzen.

...

Hmm... der Gedanke ist noch nicht ganz ausgereift, aber meinem Gefühl nach vollkommen zutreffend.

_{Tsounamix_


Ich denke, ich habe jetzt verstanden, was uns alle verbindet, uns alle gleich macht. Es ist nicht Geld oder Reichtum, noch nicht mal das Streben nach Glück, sondern Angst. Die ungeheure Angst vor Verlust ist unser aller Gemeinsamkeit.

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