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Die erste Leiche - Wie damit umgehen?

kAadejpxro hat die Diskussion gestartet


Guten Tag,

ich arbeite nun schon seit einiger Zeit zwangsläufig als Staatsanwalt (eigentlich wollte ich als Richter für Zivilsachen arbeiten). Bisher musste ich glücklicherweise nur bei einfachen Vermögensdelikten und Körperverletzungen ermitteln. Vor ein paar Tagen allerdings erhielt ich mitten in der Nacht den entscheidenden Anruf, eine Person sollte von einem Zug erfasst und getötet worden sein. Als ich am Ort des Geschehens eintraf, bot sich mir ein grauenvoller Anblick, den ich bis jetzt einfach nicht richtig fassen kann: Eine junge hübsche Frau hat sich offenbar selbst getötet, aus welchen Gründen sei hier dahingestellt, jedenfalls wurde sie durch die Kollision enthauptet und ihr Kopf, die Augen halboffen, lag einige Meter von ihrem Körper entfernt. Mir wurde furchtbar heiß, übel, ich begann zu schwitzen und mein Pulsschlag erhöhte sich stark. Wenn ich jetzt wieder daran denke, wird mir wieder ganz blümerant. Ich habe mit Kollegen und Vorgesetzten über das Erlebte gesprochen, doch niemand konnte mir bisher wirklich weiterhelfen. Die Antwort war stets, dass man irgendwann schon darüber stünde. Ich habe nach dem Abitur direkt mit dem Studium begonnen und hatte daher auch nie das "Glück", schon früh bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Rettungsassistent derartige Erfahrungen zu sammeln und zu lernen entsprechend damit umzugehen. Eigentlich hat mir die Arbeit als Staatsanwalt bisher große Freude bereitet, jedoch neige ich seit diesem Erlebnis wieder stark dazu, eine Stelle als Zivilrichter zu erstreben.

Hat jemand von Ihnen ähnliche Eindrücke wie ich erfahren und gelernt diese zu verarbeiten?

Antworten
t5ime_Zfozr_{me_x82


Hallo kadepro,

ich habe solche Erfahrungen zum Glück noch nie machen müssen.

Ich denke es ist viell. das beste professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Gibts es denn keine Art "Supervision" in der Firma, um solche Fälle zu verarbeiten?

:)* :)* :)*

k=adeXprxo


Ja, so etwas habe ich auch schon in Erwägung gezogen. Von der Staatsanwaltschaft hier ist mir ein solches Beratungsangebot nicht bekannt, ich möchte keine vorschnellen Schlüsse ziehen, aber ich fürchte, dass es sich hierbei leider sogar um eine Art Tabu-Thema handeln könnte und der gewöhnliche Jurist neigt nun einmal dazu, Sachverhalte sehr trocken zu behandeln.

twime_forY_meU_8x2


aber ich fürchte, dass es sich hierbei leider sogar um eine Art Tabu-Thema handeln könnte

So habe ich eben auch Gedacht, als ich deinen Bericht gelesen habe.

Dann tu´ Dir einen Gefallen, denk an Dich und such Dir Hilfe von "aussen". Ich denke, so was muss verarbeitet werden und alleine ist das nicht so leicht...

:)* :)* :)*

LKexie7TwilQigxht


Hallo kadepro,

ich kann time_for_me_82 in der Hinsicht wirklich Recht geben. In meiner kurzen Karriere als Sanitäter habe ich auch schon einige Sachen gesehen, die mich hinterher verfolgt haben, Leichen waren allerdings (zum Glück) noch nicht dabei.

Es ist keine Schande, sich wegen so einem Vorfall professionelle Hilfe von aussen zu holen, du willst ja schließlich keinen Teil deiner Lebensqualität verlieren :-)

Bis es soweit ist und du mit jemandem darüber sprechen kannst, solltest du auf jeden Fall versuchen dich abzulenken. Unternimm etwas, das dir Spaß macht, lies ein gutes Buch, aber versuch diese Bilder aus deinem Kopf zu verdrängen, bis dir jemand zur Seite steht und mit dir über den Vorfall spricht und dir hilft, mit deinen Gedanken zurecht zu kommen.

Alles Gute :)* :)* :)*

sXkyeflpower


Ganz ehrlich, ich finde, das ist ein Unding, dass euch da bei der StA einfach zugemutet wird, ihr "könnt das schon irgendwie ab" :-o mein Mann ist beim THW tätig und diese Einrichtung hat mittlerweile so eine Art "Kriseninterventionsteam", d. h. wenn es schreckliche Einsätze gibt, steht immer jemand bereit, der den Einsatzkräften hilft, das Erlebte zu verarbeiten! Wenn es für dich innerhalb der StA wirklich keine Möglichkeit gibt, kann ich dir auch nur raten, dir Hilfe von außen zu suchen, um diese Bilder zu verarbeiten. Hut ab sowieso, dass du das durchgestanden hast! Aber scheu dich nicht davor, dir Hilfe zu suchen, du musst da nicht allein durch.

Alles Gute für dich :)*

T0asMy8x4


Ich war beim Rettungsdienst. Nach meinem ersten Schienentot hab ich Job geschmissen...

Aber die anderen Verstorbenen (Herzinfakt etc.) konnte ich ohne Hilfe verarbeiten.

Die Antwort war stets, dass man irgendwann schon darüber stünde.

Das stimmt nicht !!!

Ich finde du solltest dir jemand suchen, der dir hilft solche Sachen zu verarbeiten. Am besten wendest du dich an deinen Hausarzt, er kann dich weiterleiten. Dir steht es zu, egal welchen Beruf du hast, so ein Trauma ordnungsgemäß zu verarbeiten. Du bist ein Mensch und keine Maschiene !!!!!

Ich habe nach dem Abitur direkt mit dem Studium begonnen und hatte daher auch nie das "Glück", schon früh bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Rettungsassistent derartige Erfahrungen zu sammeln und zu lernen entsprechend damit umzugehen.

Wir lernen nicht damit umzugehen, sondern haben gelernt hilfe anzunehmen. Wir können uns direkt nach so einem "Unfall" an die Notfallseelsorge wenden, oder auch einen Internen Psychologen nehmen, oder nen Privaten, das steht jedem Frei. Auch dir !!!

P;iPtval}ixd


Hallo,

vom Rettungsdienst weiß ich, das es echt einfach nur viel leichter ist, es mit Leuten zu besprechen die es noch schwerer haben bzw genau das selbe erlebt haben. Es ist schwer so etwas zu sehen. Aber dnek mal etwas hintergründiger.... sie hatte viele Probleme vielleicht dies das... vielleicht war es für sie persönlich am Besten?! Dann hätte man ja mal das psychologische erfasst, wenn man sich das einfach so einbrennt, das es für sie das Beste war und sie jetzt glücklich sein kann. Gut ein halbabgetrennter Kopf ist eines der heftigsten Dinge. Weißt Du... viele Menschen kommen halt mit ihren Leben nicht zurecht. Man wird immer mal unzufrieden sein. Einige suchen sich den Ausweg... genau wie diese junge hübsche Frau. Ist natürlich echt böse und schlimm anzusehen für die, die als nächstes - also du - eintreffen. Ist halt eine enorme psychologische Belastung. Du solltest aber lernen damit umzugehen. Denn als Staatsanwalt oder gar Richter wirst Du nicht nur einmal mit dem Tod konfrontiert sein.

Versuch einfach mal echt mit jemanden darüber zu reden der sich damit auskennt. Ansonsten nimm dir den Rat oben zu Herzen... vielleicht war es für sie persönlich echt besser... der Anblick ansich... naja das ist ein bisschen wie der Tot eines geliebten Menschen... die Zeit heilt die Wunden so ein bisschen.... für die Zukunft rate ich dir, solltest du etwas abgekühlter werden. Lass sowas nicht zu nah an dich heran. Weil wenn doch dann ist Staatsanwalt nicht der richtige Beruf für dich.

P;i+tvaelixd


Wobei ich sagen muss: Dies ist hier keine Berufsurteilung oder sonstiges. Nur gut gemeinter Rat.

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