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Beziehung mit einem schizophrenen Menschen

e!ineFCraxu hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Ich bin auf der Suche nach Austausch mit Personen, die in einer Beziehung mit einer schizophrenen Person leben.

Ich selbst habe mich in einen schizophrenen Mann verliebt, und habe nun natürlich Angst... wovor genau weiß ich eigentlich nicht. Vielleicht einfach davor, ihm wirklich näher zu kommen, weil ich nicht weiß was mich erwartet, weil ich nicht weiß wie ich damit umgehen kann, vielleicht auch Angst davor zu merken, dass ich NICHT damit klar komme.

Er hat mir schon sehr viel über sich erzählt und einige Dinge haben mich zwar anfangs ein wenig erschreckt, aber inzwischen tun sie das eigentlich nicht mehr. Ich weiß schon ungefähr wie er tickt. Sollte es aber doch zu mehr kommen und sich eine Beziehung zwischen uns entwickeln, gehe ich davon aus, dass ich ihn wirklich erleben, und nicht mehr nur die Erzählungen kennen werde. Und das wird einen riesigen Unterschied machen (glaube ich).

Grundsätzlich glaube ich, dass eine Beziehung mit ihm sehr schön sein könnte, sehr intensiv, sehr viel intensiver als ich das bisher kenne, aber im Moment trage ich noch den Mantel des Selbstschutzes.

Ich habe das Gefühl mich mit jemandem, der in einer ähnlichen Situation steckt, austauschen zu müssen, wollen, sollen...

Freue mich über Antworten

*:)

Antworten
U$ltUioangxeli


Hallo Frau. Ich selbst hatte zwar noch keine "Liebesbeziehung" mit einem schiztophrenen Mann, aber ein guter Kumpel und meine Cousine sind schitzophren. DAS Leben ist nicht einfach und beide entwickeln sich so verschieden. Ich zähl mal beide Leben auf.

Er: Es kam raus weil er sich immer verfolgt fühlte und es nicht mehr aushielt. Er wollte sich die Pulsadern aufschneiden weil Stimmen es ihm sagten. So kam er in Behandlung. Er hatte 1 mal einen Rückfall weil die Tabletten nicht richtig halfen. Seitdem geht es ihm gut. So gut wie es einem eben gehen kann wenn man täglich Tabletten nehmen muss. Er ist "klar" im Kopf und führt ein normales Leben.

Sie: Es kam auch raus weil sie sich umbringen wollte. Auch sie hörte Stimmen. Sie dachte alle wollen sie umbringen, vergiften und verfolgen sie. Sie weigerte sich ihre Tabletten zu nehmen, spuckte die Ärzte an, zeigte ihre Eltern an weil diese wohl Drogen konsumieren und im Haus verstecken. Sie wollte sogar Burger King anzeigen weil die Stimmer ihr sagten das man sie mit einem Burger vergiften wolle. Das alles erzählte sie mir in ihren klaren Momenten wo sie Tabletten nahm. Sie hatte bisher, in 10 Jahren ca. 30 mal einen Rückfall, sie liegt fast nur auf der geschlossenen Abteilung einer Psychatrie. Wenn sie draußen ist hat sie eine süße kleine Wohnung und volle Unterstützung ihrer Eltern. Aber durch die Tabletten nimmt sie zu, also lässt sie sie weg und sie hat den nächsten Rückfall. Es kommt vor das sie total verwahrlost durch die Stadt zieht und mit niemandem spricht außer mit ihren Stimmen.

Hier hast du 2 Fälle die so verschieden sind. Mein Kumpel ist auch so ein lieber. Ich wünsche ihm auch eine Beziehung, aber die meisten Frauen kommen mit der Krankheit nicht klar. Sie wissen nichts darüber und haben angst. ABER: Wenn dein Freund immer seine Tabletten nimmt, immer zu seinen Untersuchungen geht, dann versuch es. Er hat es doch auch verdient glücklich zu sein, vieleicht sogar mit dir. Frag doch mal seine Freunde und Familie ob und wie häufig er Rückfälle hatte und wie diese sich geäußert haben. Auch die können so unterschiedlich sein.

Ich kann dir nur eines sagen. Wenn du ihn liebst und es gern möchtest dann versuch es. Öffne dich ihm und hab keine Angst.

eaineFYraxu


Danke für deine schnelle Antwort.

Ja die Beispiele sind unterschiedlich und ich denke die Geschichte von meinem Bekannten ist wieder anders, er hat mir einiges erzählt, aber natürlich nicht alles bis ins Detail. Vielleicht verschweigt er mir auch bewusst einiges (auch um mich zu schützen) aber grundsätzlich begegnen wir uns sehr offen und ehrlich.

Von einem Selbstmordversuch weiß ich nichts. Aber ich weiß dass er schon öfter in der Psychiatrie war. Auch hat er mir gesagt dass er nicht wirklich "da" ist, im Grunde möchte er zurück in den "Zustand der Lebendigkeit", weil es ihm unglaublich gut geht dann, aber er weiß auch dass er es nicht kann, weil dann wieder die Leute kommen und meinen ihm helfen zu müssen und ihn wieder einsperren. Das ist seiner Meinung nach das schlimmste was passieren kann. Auch sagt er dass die Leute irgendwann aufhören würden ihm zu helfen und dass er dann wohl in der "Gosse" landen würden, was er auch nicht will.

Ich weiß auch dass er Beziehungen hatte - jahrelang. Woran sie gescheitert sind weiß ich nicht genau.

Das mit dem keine Angst haben und mich öffnen schaffe ich schon ganz gut. Nur hab ich Angst davor blauäugig zu sein und mir selbst nichts Gutes zu tun (obwohl ich weiß, dass mir vieles an ihm sehr gut tun würde). Ich bin mir oft nicht sicher ob ich geerdet genug für sowas bin.

Ulltio&aUngexli


Ich weiß das es das Schlimmste ist wenn du ihm zeigst: Bei dir stimmt was nicht, man muss nachsichtig sein u.s.w. Wie du schon schreibst, er will zurück ins normale Leben und will auch so behandelt werden. Geh mit ihm um wie mit einem Freund ohne diese Krankheit. Das mit den Stimmen die helfen wollen ist bei meiner C und dem Kumpel auch so. Durch die Tablette werden diiese ruhig gehalten und sie haben die Nebenwirkung das man benebelt ist. Wenn du angst hast blauäugig zu sein dann mach dich schlau. Es gibt viele psychologische Foren und viele Infos zu dieser Krankheit im Netz. Lis und informieren dich. Informiere dich was du tun kannst falls er einen Rückfall hat oder falls er davor steht einfach die Tabletten abzusetzen weil er das Leben unter diesen Medikamenten nicht mehr aushällt. Ich finde, um so mehr man über diese Krankheit weiß, umso besser kann man damit und mit den Erkrankten umgehen und um so stärker bist du. Ich wusste anfangs auch nicht wie ich damit umgehen soll. Aber man wächste da rein. Wenn man es will kann man damit umgehen. Und so hart wie es klingt, wenn du es nicht schaffst dann kannst du die Beziehung immer noch beenden. ABER: Wenn du es nicht versuchst wirst du dich immer fragen ob du es nicht geschafft hättest. Und vieleicht entsteht ja daraus wirklich eine wundervolle Partnerschaft. ;-)

eXiAneFAraxu


Wie du schon schreibst, er will zurück ins normale Leben und will auch so behandelt werden. Geh mit ihm um wie mit einem Freund ohne diese Krankheit. Das mit den Stimmen die helfen wollen ist bei meiner C und dem Kumpel auch so.

nein nein , das hast du glaube ich falsch verstanden: er fühlt sich nicht lebendig wenn er seine tabletten nimmt, er fühlt sich gut wenn er sie nicht nimmt und "rückfällig" wird, in seine welt eintaucht, die pure liebe ist. aber er weiß dass er das nicht kann und deshalb ist er unglücklich. die, die ihm helfen wollen, sind wir! die "normalen" menschen! nur ist das für ihn das gegenteil von hilfe...

SSc~hwaRrzesK Blxut


Meine ältere Schwester hat paranoide Schizophrenie und dass seit 32 Jahren. Diagnostiziert mit 16. An einen akuten Schub kann ich mich bei ihr nicht erinnern. Wenn sie ihre Medikamente regelmässig nimmt, ist es soweit gut. Es ist so, dass bei dieser Erkrankung immer mal wieder die Krankheitseinsicht fehlen kann. So definiert sie sich nur über die Medikamente. D.h. sie sagt:" Ich nehme Medikamente und deswegen bin ich krank!" Eigentlich ist es ja umgekehrt, sie nimmt Medikamente, weil sie krank ist. Und dann setzt sie die Medikamente ab und landet wieder in der Psychiatrie. Durch die Medikamente kann sie mehr oder weniger am normalen Leben teilnehmen. So arbeitet sie in einer Teilzeitbeschäftigung und wohnt zwar alleine, hat aber eine vom Gericht festgelegte Betreuung.

Was mir sehr auffällt, wenn ich sie sehe (sie wohnt 600 km entfernt), dann ist es diese Lethargie. Desweiteren ist bei ihr fast keine Gesichtsmimik zu sehen.

exin@eFrSau


Geh mit ihm um wie mit einem Freund ohne diese Krankheit

das tue ich. manchmal hab ich dabei sogar fast das gefühl zu übersehen, dass er eben nicht wie die meisten anderen menschen ist.

U(ltio0angMeli


Desweiteren ist bei ihr fast keine Gesichtsmimik zu sehen.

Ich denke das ist auch sehr unterschiedlich. Bei meiner Cousine z.B. fällt es nicht auf das sie überhaupt irgedetwas hat wenn sie ihre Tabletten nimmt. (WENN) Bei meinem Kumpel ist es so das er duch die Tabletten einen Tremor bekommen hat und ständig mit dem Kopf zittert. Man sieht ihm also an das er eine Krankheit hat, aber nicht welche. Unter den Tabletten sind beide "normal", nur wie du schon sagst, sie sind krank weil sie die Dinger nehmen und das ist das Problem. Ein Psychater erklärte es mir man so.

In jedem Kopf ist ein Sieb. Dieses filtert unsere Infos von außen in wichtig und unwichtig. Das heißt, alles was unwichtig ist wird von uns nicht bewusst wahrgenommen. (Ich unterhalte mich konzentriert und bekomme den Vogel nicht mit der neben mir auf dem Baum zwitschert) Bei einem Schitzophrenen ist dieses Sieb kaputt. Alle Infos werden ungefiltert weiter geleitet. Das Gehirn ist überfordert. Um das abzuschalten bildet man sich diese Stimmen ein. Alles was von Außen kommt ist dadurch geblockt und kann das Gehirn nicht mehr überfordern. Durch diese Stimmen fühlt man sich dann besser, auch wenn sie nur Blödsinn erzählen. Durch die Tabletten wird das Sieb dann geflickt, aber es ist dann nicht so ganz wie im original. Es gibt Nebenwirkungen.

Ich kann dir den Film "Das weiße Rauschen" empfehlen. Da geht es darum das ein Jugendlicher Schizophrenie bekommt (nach dem Konsum von Pilzen). Dort wird das Leben eines an Schizophrenie Erkrankten ziemlich gut beschrieben.

Sjchwardze#s 'Bluxt


Ich denke das ist auch sehr unterschiedlich.

Diese Aussage bezog sich auf meine Schwester. Es sollte nicht so klingen, dass dies der Allgemeinheit entspricht. Es sollte aufzeigen, dass die Auswirkungen doch von Mensch zu Mensch auch unterschiedlich sein können.

UwltiBoanxgeli


Das war jetzt auch nicht böse gemeint. :)_ Ich habe gelesen das du von deiner Schwester geschrieben hast, wollte eben nur noch einmal damit sagen das bei jedem schizophrenen Menschen die Krankheit anders verläuft und andere Auswirkungen hat. *:)

e5inJeFrxau


bevor ich ihn näher kennengelernt habe, hätte ich nichts bemerkt, dass er vielleicht "krank" (sorry, ich mag das wort in dem zusammenhang nicht) sein könnte. aber eine freundin von mir hat dann mal gemeint, sie glaubt dass er medikamente nimmt, sie würde es an seiner atmung erkennen.

aber hin oder her... vielleicht meldet sich noch jemand der in einer partnerschaft mit einem schizophrenen menschen lebt. natürlich sind auch andere beiträge hilfreich.

S!chwfarz*es B#lxut


Das war jetzt auch nicht böse gemeint. :)_ Ich habe gelesen das du von deiner Schwester geschrieben hast, wollte eben nur noch einmal damit sagen das bei jedem schizophrenen Menschen die Krankheit anders verläuft und andere Auswirkungen hat. *:)

Genau das habe ich gemeint. Ich hab das auch nicht böse aufgefasst, wahrscheinlich habe ich meinen Gedankengang etwas unverständlich ausgedrückt.

UBlti<oangZeli


@ schwarzes Blut:

ist schon ok. Du hast nichts unverständlich ausgerückt sonder dann wohl eher ich. Aber das kann jetzt auch egal sein denn das ist ja nicht das Thema. Ich ffinde nur, es sollte bei so wichtigen Themen kein Streit aufkommen und das ist auch nicht passiert. Wir wollten beide dasselbe, eineFrau helfen und ihr schildern was wir für Erfahrungen gemacht haben.

@ eineFrau:

Ich hoffe das du noch mehr Erfahrungen geschrieben bekommst. Und ich denke du wirst die richtige Entscheidung für dich (euch) treffen :)*

e&ineF[rau


danke euch beiden inzwischen :)*

Z7wacBk44


Aber ich weiß dass er schon öfter in der Psychiatrie war.

Daraus, eineFrau, läßt sich ableiten, dass er entweder nicht in guten ärztlichen Händen war oder eben seine Medikamente nicht regelmäßig genommen hat. Warum sollte sich das in Zukunft ändern?

Die Anfälligkeit für Schizophrenie wird teilweise weitervererbt.

Die Chance, dass eine Ehe glücklich wird, sind eh schon nicht überragend hoch; bis zum Beweis des Gegenteils gehe ich davon aus, dass Ehen (oder Beziehungen) mit einem schizophrenen Partner noch weitaus stärker gefährdet sind.

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