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Wie geht man mit sogenannten "Ritzern" um?

S}onMeja hat die Diskussion gestartet


Hallo erstmal,

also vorweg ich bin absolute Laie auf dem Gebiet und hatte bis jetzt noch nie mit diesem Thema direkt zu tun, kenne auch keine Betroffenen deshalb bin ich etwas ratlos. Heute ist folgendes passiert: Die Tochter meines Lebensgefährten feierte ihren 15. Geburtstag. Sie hatte sich ihre Freundinnen eingeladen. Die Mädchen hatten viel Spaß, haben rumgealbert, Musik gehört, gesungen, gespielt und gelacht. Während des Abends präsentiete eines dieser Mädchen, die

wir auch erst das erste Mal heute kennenlernten ihre geritzten Unterarme. Sie zeigte sie ganz offen (Oberseite war oberflächlich mehrmals eingeritzt) und sagte sie ritze sich weil sie ja Probleme hätte. Dieses Mädchen wird dieses Jahr 18 Jahre alt. Was mich ein bischen an mir selbst wundert ist meine spontane Reaktion auf diesen Vorfall. Denn ich wendete mich ab und ging in keinster Weise auf dieses Ritzen ein. Allerdings versuchte ich von diesem Moment an, dem

Mädchen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken und kümmerte mich ein wenig mehr um sie (aber nicht um das Ritzen). Ich empfinde kein Mitleid, vielmehr Unverständnis über meine eigene Reaktion und auf das was das Mädchen da offensichtlich tut.

Während des Abendessens kam das Ritzen nochmals zur Sprache. Wieder war Sie es die direkt offen darüber sprach sich zu ritzen und sie denkt auch an Selbstmord und solche Sachen Wir bemitleideten sie nicht sondern stiegen nicht tiefer in dieses Thema ein, behandelten sie aber freundlich und verständnisvoll.

Von der Tochter meines Lebensgefährten erfuhren wir dass dieses Mädchen keine Eltern mehr hat und oft geschlagen wurde. Sie lebt in einer Wohngruppe für Jugendliche. Ein Betreuer von dort holte sie auch von der Geburtstagsfeier ab und er war auch sehr nett und verständnisvoll im Umgang. Auch während dieser Abholzeit kamen wieder die Ritzungen ins Gespräch. Wieder von ihr selbst angesprochen. Auch der Betreuer widmete dem Ritzen keine Besondere Aufmerksamkeit. Ging aber mit dem Mädchen sehr vernünftig und freundlich um.

Ich weiß einfach nicht ob meine Reaktion richtig war oder ob ich oder wir uns falsch verhalten haben. Soll man auf derart offensives Hinweisen auf solche Ritzereien reagieren und wenn ja Wie?

Ich bin dankbar über jede ehrliche Antwort.

LG

Antworten
h$yxpe


normalerweise zeigen die "sogenannten ritzer" ihre arme nicht offen rum..find ich aber höchst seltsam das sie das den eltern ihrer freundin zeigt, was erwartet sie sich davon? ich glaub irgendwie das sie damit nach aufmerksamkeit oder sowas sucht. du solltest es eigtl einfach ignorieren und sie ganz normal wie jede andere freundin deiner stieftochter behandeln..

aber da sie das eben selber angesprochen hat wirst du dich jetzt entweder damit beschäftigen müssen oder es einfach vergessen.. es sei denn das mädchen kommt öfter..

vor allem sprich mit deiner stieftochter was sie dazu sagt, wie sie dazu steht etc. setzt euch zusammen und sprecht darüber. dann erfährst du auch mehr über die freundin und ihr sonstiges verhalten.

SFil;bexr


eigentlich wollte ich dem Forum ja fernbleiben, aber jetzt geht es grad nicht anders...

Zitat von hype:

normalerweise zeigen die "sogenannten ritzer" ihre arme nicht offen rum.

Das stimmt so nicht. Es gibt diverse Betroffene, die es satt haben, sich ständig verstecken zu müssen und diesen Trend in unserer Gesellschaft, psychische Probleme generell totzuschweigen, nicht mehr mitmachen wollen. Das sind teilweise auch Leute, die ihre Verletzungen jahrelang versteckt haben. Ich bewundere sowas, kann das nämlich nicht.

Sicherlich gibt es auch Betroffene, bei denen die Verletzungen in erster Linie ein Hilfeschrei ist. Leider werden diese dann noch weniger ernst genommen, so nach dem Motto "die will nur Aufmerksamkeit" - nur dass das dann negativ besetzt ist (also so nach dem Motto "eigentlich geht es ihr gut, sie will nur, dass sich immer alles nur um sie dreht"). Ich persönlich finde ja, wenn jemand zu solchen Mitteln greifen muss, weil er nicht anders um Hilfe bitten kann, dann muss man das unbedingt ernst nehmen. Kein "gesunder" Mensch schneidet sich freiwillig die Arme auf. Wenn man bloss im Mittelpunkt stehen will, gibts dafür sicherlich Varianten, die keine bleibenden Spuren hinterlassen.

Vor allem heutzutage, wo jeder mit Verletzungen direkt in der Schublade "Emo" landet und das ganze Thema von erschreckend vielen Nicht-Betroffenen nur noch müde belächelt wird, weil es ja angeblich ein "Trend" ist. Ja, haha. :|N

@ Soneja:

Ich finde es gut, dass du dir darüber Gedanken machst. Allerdings denke ich auch, wenn das Mädchen in einer Wohngruppe lebt und dort Betreuer hat, ist das in erster Linie deren Aufgabe und Verantwortung, sich darum zu kümmern. Ich weiss ja nicht wie die Betreuer das sonst so machen, aber sollte das Thema einfach grundsätzlich totgeschwiegen werden -vor allem wenn sie es von sich aus anspricht - finde ich das nicht ok. Das bezieht sich auf die Betreuer, nicht auf dich!! Nur damit das jetzt nicht rüberkommt, als würde ich verlangen, du sollst dich um sie kümmern. Das sehe ich nämlich gar nicht so; du bist nicht verantwortlich.

Es hat schon seine Richtigkeit, wenn es nicht dauernd Thema ist. Das wird z.B. auch in spezialisierten Kliniken so gehandhabt - wenn jemand sich selbst verletzt hat, wird das nicht direkt besprochen, sondern die Verletzungen werden versorgt und dann muss die Betroffene auf ihr Zimmer und dort - für sich allein - eine Verhaltensanalyse schreiben (die beinhaltet Themen wie "was war der Auslöser, was hat es mir gebracht, was könnte ich zukünftig in solchen Situationen tun, was sind die Konsequenzen" etc.). Erst danach gibt es ein Gespräch, basierend auf dieser Verhaltensanalyse. Damit soll verhindert werden, dass die Selbstverletzung - ob bewusst oder unbewusst - ein Weg wird, sich beim Pflegepersonal zu melden bzw. mit denen reden zu können - oder anders gesagt, es soll keine Verknüpfung "Selbstverletzung => Gespräch/Zuwendung" entstehen.

Aber ebne- einfach totschweigen ist auch nicht ok.

Ohne das Mädchen zu kennen kann ich da jetzt auch nicht mehr dazu sagen.

Wie du in Zukunft darauf reagieren kannst...hm, wenn sie es nochmal derart konkret anspricht, würde ich vermutlich fragen, wie man denn seitens der Betreuer damit umgeht; ob sie therapeutische Begleitung hat und sowas. Falls ja, dann würde ich ihr vorschlagen, das dort doch zu besprechen, weil du dafür nicht die richtige Ansprechsperson bist. Das stimmt ja auch, du bist weder eine Fachperson noch ist sie deine Tochter. Damit signalisierst du ihr einerseits, dass du sie gehört hast - andererseits aber auch, dass du nicht die richtige Ansprechsperson bist. Im Idealfall fasst sie das dann auch so auf. Falls nicht, vielleicht etwas deutlicher werden, d.h. direkt sagen, du kennst dich damit gar nicht aus und weisst auch nicht, was du dazu jetzt sagen sollst (oder sowas in die Richtung).

Ich würde sie zukünftig aber so behandeln wie jede andere Freundin deiner Tochter auch, damit sie nicht in eine "Sonderrolle" rutscht (unabhängig davon ob die von ihr als positiv oder negativ empfunden wird).

Gründe für Selbstverletzung gibt es viele, nebst dem bereits erwähnten Hilfeschrei (der unbedingt ernst genommen werden sollte) verletzen sich manche z.B. aufgrund von Selbsthass (als Bestrafung, sozusagen), andere wiederum, wenn sie von Gefühlen überwältigt werden, und wieder andere, wenn sie in dissoziativen Zuständen sind, d.h. sich selbst nicht mehr spüren. Etc.

hVylpe


Das stimmt so nicht. Es gibt diverse Betroffene, die es satt haben, sich ständig verstecken zu müssen und diesen Trend in unserer Gesellschaft, psychische Probleme generell totzuschweigen, nicht mehr mitmachen wollen. Das sind teilweise auch Leute, die ihre Verletzungen jahrelang versteckt haben. Ich bewundere sowas, kann das nämlich nicht.

Es ist aber immernoch ein Unterschied ob man dazu steht und die Narben offen zeigt oder ob man ankommt und an einer Geburtstagsfeier! seine Arme herzeigt und sagt "Guckt mal ich ritze"

l)ob:o66x6


Fuer mich ist das auch ein hilfe schrei ,hoffe mal das ihr dieses girl ein bischen in eure welt mit einbezieht,da sie eine freundin eines maedchen dort ist und nicht einfach versucht sie zu vergessen,denke mal das sie auch ein bischen liebe braucht :°(

SUone3ja


Danke an alle für Eure Antworten.

Für mich, die mit diesem Thema noch nie direkt Kontakt hatte ist es wirklich nicht einfach. Als Außenstehender bekommt man nämlich diverse kontroverse und unterschiedliche Informationen wenn man sich auf die Suche macht.

Da schwankt man zwischen Vorurtel- Ja die will sich nur wichtig machen und will im Mittelpunkt stehen- und "Mitleid"-das arme Mädchen, hat keine Eltern mehr, lebt im Heim, geht in eine Förderschule mit Zukunft in einer Behindertenwerkstatt (das steht wohl schon fest) - und daraus entsteht irgendwie eine Art Hilflosigkeit. Das führt zu ambivalenten Gefühlen meinerseits. Auf der einen Seite heißt es ja immer dass man nicht wegschauen soll und jeder schreit auf wenn etwas passiert ist "Warum hat keiner was gemacht". Aber für Menschen wie mich ist es schwer damit umzugehen. Ich bin sozusagen die unwissende Umwelt und sehe diese Dinge und mache mir meine Gedanken. Vielleicht ist das was ich tun möchte ja gerade das Falsche. Sie ganz normal wie die anderen Freundinnen meiner Stieftochter zu behandeln ist schwer weil sie sich ja nicht genauso verhällt wie diese.

Ich möchte an dieser Stelle noch mal ganz ehrlich mich auch an 'Betroffene richten: Wenn ihr denkt dass sich keiner für Euch interessiert oder es allen egal ist, so irrt ihr Euch. Ihr setzt in den Köpfen so mancher Leute (zum Beispiel mir) ganz schön was in Bewegung und glaubt mir egal ist es mitnichten. Aber wir wissen nicht was man am Besten tut. Wenn man selbst nicht in Euerer Haut steckt fällt es schwer zu ahnen was das Richtige ist.

Versucht das mal aus diesem Blickwinkel zu sehen. Ihr werdet gesehen und Eurer Umwelt seid ihr sicher NICHT egal. Die sind nur oft ihrer eigenen Ohnmacht ausgeliefert und das ist auch kein schönes Gefühl.

LG

Bgukephxalos


Hey,

vorweg weg um mich nicht falsch zu verstehen, ich finde du verhälst dich absolut richtig und gut.

Ich kenne diese Mädchen nicht und kann auch keine Gedanken lesen, aber ich möchte folgendes dazu sagen: Ich wünsche mir Freunde mit denen ich in einem normal Gespräch über meine Probleme reden kann. So wie man darüber redet, wenn man Probleme in der Schule hat, sich das Bein gebrochen hat oder über andere Schwierigkeiten. In solchen Gesprächen ist meistens der Gesprächspartner auch kein Experte und es tut den Betroffenen ganz gut wenn man zuhört, ein paar interessierte Fragen stellt...

Für mich klingt das nicht danach, dass sie versucht sich krampfhaft in den Mittlepunkt zu stellen. Das würde sich anders äußern. Vielleicht schaut sie zu euch auf und ihr seid ihr sympatisch, sie fühlt sich bei tollen Menschen geborgen. Sie wollte mal einfach über ihre Probleme sprechen. Weißt du, es ist ganz schön hart wenn man mit netten sympatischen Menschen zusammen ist und genau in dem Moment einem die "inneren Dämonen" es verhindern sich gut zufühlen. So wie man aus ist und Kopfweh hat, einer fragt was ist den los mit dir, was bist denn so still? Du sagts, ja mein Kopf brummt total, ich fühl mich echt beschissen. Wenn man aber auf Grund innere Dämonen down ist, schaut das vermutlich für andere so aus, als ob man einfach "kopf weh" hat (jetzt bitte nicht wortwörtlich verstehen)... aber man würde dann gerne sagen, was in einem vorgeht...

Ich war erst gestern wieder in einer solchen Situation, wir waren fort, in einem Tanzlokal. Die Stimmung war gut, die Atmospäre stimmte, aber ich wurde nicht warm. Meine Freunde und Kollegen haben versucht mich mitzureißen, hätten mich auf Drinks eingeladen, gefragt was denn los sei... Ich hätte gerne gesagt: ich habe gerade ziemlich schlimme depressive Gedanken, aber ich möchte bei euch bleiben. Ich musste sagen, mir ist übel, hatte einen harten Tag, um ernst genommen zu werden, aber das ist ehrlich *** wenn man da immer lügen muss.

Ich möchte da weder Hilfe, noch Aufmerksamkeit: ich würde gerne offen darüber sprechen können.

Nun ich dachte mal, dass ich eine gute Freundin hatte, zu der ich aufsah, die das verstehen würde, die ich nicht belügen muss. Heute bereue ich, dass ich es getan habe. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Mädchen in euch einen solchen Menschen, sah wie ich damals in dieser Freundin. Ich suchte weder Hilfe noch Liebe, sondern einfach Verständnis und ein Gespräch.

Ich hoffe du kannst ein bisschen verstehen was ich dir sagen will, bin leider kein guter Schreiber.

Zu deinem letzten Absatz möchte noch sagen: euch machen aber keine Dämonen das Leben zur Hölle, wenn ihr eurer Ohnmacht ausgeliefert seid. Soll jetzt kein Vorwurf sein, aber das klingt für mich so: wir können euch nicht verstehen und desswegen wollen wir euch auch nicht zuhören, das heißt aber nicht, dass wir euch egal sind... Muss man es denn verstehen, um zuhören zu können?

Selbstmordgedanken sind starke Gefühle, Schmerzen die man hat. Man will sich nicht das Leben per se nehmen, aber man verspührt den starken Drang sich was anzutun. Ein bisschen wie der Drang/Guster auf Schokolade -da kann man auch widerstehen, aber das kann ganz schön schwer sein.

so viel zu meinem Blickwinkel, liebe Grüße

B.

sfu#garl,ove


ich hatte mal ne Freundin die geritzt hat und ja, sie hat versucht es zu verstecken, aber es fällt nun mal auf, wenn jemand immer so dicke Lederbänder um den Armen trägt... naja ich habe versucht mit ihr zu sprechen, das sie das lassen soll, das das weder cool ist, noch ihr wirklich hilft. Dann hab ich ihr gesagt wenn sie Hilfe braucht oders mit mir darüber reden will, sei ich jederzeit für sie da. Das wars daraufhin hab ich es ignoriert (ich persönlich kann ihr ja eh nicht helfen, warum dann mich damit belasten?) Naja dann hat sie auch irgendwann von selbst damit aufgehört...

s|ternrenkxlar


Ich ritze seit ich 12 bin. Heute bin ich über 30 und schäme mich für die Narben. Sie sind erfahrungsgemäss ein grosses Hindernis bei der Jobsuche, in der Ausbildung und generell überall wo man ernstgenommen werden möchte.

DYar`k maNstcerx 1


Einer meiner freunde ritzt sich er sagt der schmerz dabei hilft über den lebens schmerz hinweg.

MCil3ija


Also, auch ich ritze und ich würde sagen dises Mädchen hat krampfhaft verucht irgendwo etwas hilfe zu bekommen. Natürlich ist es nicht deine Aufgabe dich um sie zu kümmern, aber vielleicht solltest du das nicht ignorieren, sondern mal in einer ruhigen Situation das Gespräch mit ihr suchen und heruasfinden, ob sie eine Therapie macht, ob sie in diesem Heim sich gut aufgehoben fühlt, oder warum sie das macht. Vielleicht möchte sie einfach nur eine außenstehende Person zum reden haben, die sie nicht verurteilt, oder einfach mal das Gefühl haben das man sich nur um sie kümmert. Das kann einem manchmal unheimlich viel geben. Die Betreuer in solchen Heimen haben das meistens keine Zeit für sich mit ihren Schützlingen in Ruhe zu unterhalten, denn es kommt immer irgendwer anders dazwischen. Außerdem sind die Betreuer oft überlastest, da es meistens 2 Betreuer für 1 Station gibt, das ist eindeutig zu wenig um auf Personen wirklich eingehen zu können. Und dazu stumpfen die meisten irgendwann ab, denn wenn man täglich damit zu tun hat mus amn lernen das nicht an sich ran zu lassen um nicht selber daran kaputt zu gehen.

Ich finde es großartig von dir das du dir so viele Gedanken um dieses Mädchen machst und ich würde sagen, das wenn du das möchstest und du die Kraft dafür hast, sprich sie darauf an und biete ihr deine Hilfe als Zuhörerin an.

@:) :)^

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