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Minderwertigkeitskomplexe

cRhal6omoxt hat die Diskussion gestartet


Hallöchen Leute!

Ich habe mich hier mal durch die Foren gelesen, weil es hier sehr viele Themen gibt, die mich brennend interessieren und eine Hochachtung an den Betreiber der Seite und an die Leute, die (täglich) hier Unterstützung und Rat geben. :)^

Ich weiß, dass Ihr mich nicht kennt und ich Euch nicht, aber ich hoffe, dass es dort draußen Seelen gibt, denen es genauso geht wie mir. Ich muss es einfach aufschreiben, damit ich meine Seele damit entlasten kann und natürlich brauche ich auch Meinungen von Euch. Kommentare tun es aber auch.

Ich versuche so umfangreich wie möglich zu schreiben, damit man manche Dinge nachvollziehen kann. Natürlich ist mir bewusst, dass ich damit sehr viel von mir preisgebe, aber das macht nichts. Es ist ja Sinn und Zweck dieses Themas und ich hoffe nicht auf so viele desinteressierte Leute hier zu treffen, sondern auf solche, denen es genauso geht bzw. die mir Hilfen anbieten können.

Es geht um Minderwertigkeitskomplexe. Ich leide darunter. Das ist zumindest meine Selbstdiagnose, noch nicht medizinisch festgestellt. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Am 9. Juli 1986 kam ich in Rostock zur Welt. Ich wuchs in einem kleinen Dorf etwa 12 km entfernt von Rostock auf. Meine Kindheit war entsprecht glücklich. Ich habe mich für Fußball und Schule interessiert. Ich habe vier Geschwister, die alle größer und älter sind als ich und ich scheine der einzige in meiner Familie zu sein, der ein bisschen was im Köpfchen hat. Die Kindheit war leider auch von Gewalt geprägt-. Mein Vater hat meinen großer Bruder öfter geschlagen und ich habe es mit angesehen. Ich habe mich aber nicht vernachlässigt gefühlt. Schon in jungen Jahren sammelte ich sexuelle Erfahrungen, was viele von Euch sicherlich als frühreif bezeichnen würden – sehr frühreif. Als ich 11 Jahre alt war, zogen wir weg, weil es nur Zank und Streit zwischen meinen Eltern gab. An dem Abend, an dem es am Heftigsten war, habe ich das gespürt, dass es zu Ende geht. Ich habe meine Mama bis dahin noch nie weinen sehen. An diesem Abend schon.

Wir zogen dann nach Rostock. Heute wurde mir bewusst, dass ich von diesem Zeitpunkt an mich immer mehr von meiner Mutter abgewendet habe, aber nicht absichtlich. Bis einschließlich der 10. Klasse besuchte ich eine Gesamtschule. Dort mache ich auch meinen Schulabschluss. In der 11. Klasse besuchte ich dann ein Gymnasium, auf dem ich mich überhaupt nicht wohl fühlte. Ich fühlte mich abgestoßen, brach damals die Schule ab, da ich damals schon unter Depressionen litt, die sich aber legten. Mir fehlte irgendwie damals jegliche Motivation etwas zu tun. Das einzige, was mir Kraft und Sinn gab, war eine Theatergruppe, in der ich drin war. Ich suchte nach einem Sinn in meinem Leben und war eigentlich damals von der Idee begeistert zur Bundeswehr zu gehen. Meine damalige Freundin war aber davon nicht sehr angetan. Ich weiß nicht mehr, wann es war, aber schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass ich dort falsch bin.

Ich fühlte mich so allein und sonntags loszufahren fiel mir immer sehr schwer. Nach drei Monaten ließ ich mich ausmustern und nutze die Fahrkarte noch eine Weile um ein bisschen in der Gegen herumzureisen. Da entdeckte ich viel schöne Städte und wollte unbedingt weg von der Ostsee. 2005 entschloss ich mich dann nochmal die Schule zu besuchen und versuchte auf diesen Weg endlich das lang ersehnte Abitur zu machen, aber auch dieses Mal schaffte ich es nicht. Die Noten waren nicht gut genug. Im gleichen Jahr bekam ich aber einen Ausbildungsplatz. In der Zeit ging es mir richtig gut, seelisch.

Ich zog auch nach Berlin, wo ich fortan als Schauspieler arbeitete und auch erfolgreich war. Aber auch dort war ich allein, was mich aber nicht so sehr gestört hat, da ich sehr beschäftigt war. Da mir bewusst war, dass ich als Schauspieler mit meinem Namen keine Chance hatte, zumindest bildete ich es mir ein, erfand ich einen Künstlernamen und entwickelte für diesen auch eine Biografie. Jedoch wurde der Name selbstständiger und es entwickelte sich eine Person daraus. Eine Person, die ich vorher aber nicht kannte und ganz und gar meine eigenes Ich zeigte. Mir gefiel diese Person aber sehr gut und ich nahm sie dankend an, wendete sie auch im alltäglichen Leben an. Diese Person kam bei neuen Freunden an. Und es steigerte mein Ego deutlich. Auch außerhalb meiner schauspielerischen Tätigkeiten nutze ich diese Identität. Parallel machte ich aber meine Ausbildung in Rostock. Also war ich wochenweise in Rostock und Berlin beschäftigt. In Berlin entdeckte ich auch die Schönheit von Religionen, die da sehr ausgeprägt war. Ich konvertierte zum Judentum, erlernte Hebräisch. Da es in meiner Firma viele rechte Meinungen gab, hielt ich es im Verdeck und erfand eine Geschichte. Schon damals erfand eine Freundin, die nie existierte, während wir unter Kollegen uns über unsere Frauen unterhalten haben. Ich entwickelte die Geschichte immer besser, mit Höhepunkt und Trennung. Dann kam eine neue Freundin, der ich auch eine Geschichte gab, aber zu dieser Zeit hatte ich wirklich eine Freundin, deren Biografie ich aber auf Arbeit änderte.

Sie war/ ist Jüdin und auch der Religion halber hat sie mich sehr angezogen. Ich bin mir nicht sicher, ob es das

Einzige war, was mich anzog. Juni 2009 trennte ich mich von dieser Freundin. Es tat sehr weh, nachdem ich vergeblich versuchte diese Beziehung zu erhalten, aber von ihrer Seite war keine Liebe mehr da.

Juli 2009 schloss ich meine Ausbildung erfolgreich ab. In der Zeit zwischen 2001 und 2006 hatte ich mit meiner Theatergruppe etwa 250 Auftritte, mit meiner Band, die 2005 zerbrach etwa 50 Auftritte und circa 30 Filmdrehs in Deutschland.

Seit Juli 2009 arbeite ich für einen Kurierdienst, da es sehr schwierig ist, in meinem Beruf in Rostock Fuß zu fassen, wenn man abends noch zur Abendschule geht und da das Abitur nachholt. Genau, nun der dritte und hoffentlich letzte Versuch. Seit August 2009 bin ich an dieser Schule und die Klasse ist einfach super. Man fühlt sich dort aufgenommen und in der Gemeinschaft aufgehoben. Ich wurde u.a. als Klassensprecher meiner Klasse und Schulsprecher der 11. Klassen gewählt. Das wertete mein Ego auf, weil es mir das Gefühl gab, wichtig für die Gemeinschaft zu sein bzw. ein Ansehen in der Schule zu haben.

In der Klasse habe ich meine jetzige Verlobte kennengelernt. Ein tolle und hübsche Frau. Wir wohnen mittlerweile zusammen. Da ich in der Öffentlichkeit mich mit Kippa (Käppchen, welches die Männer im Judentum tragen) fast immer bewege, ziehe ich automatisch Blicke auf mich, weil es so etwas in meiner judenarmen Stadt nicht gibt. Ich genoss es einfach und genieße es immer noch. Ich nutze jede Gelegenheit um Blicke und Aufmerksamkeit auf zu mich lenken, auch wenn ich dafür Dinge machen muss, die eigentlich gar keinem Sinn entsprechen bzw. entgegen meiner Vorstellungen sind.

Ich bin weder dem Drogen- oder Alkoholkonsum verfallen. Gestern war ich das erste Mal bei einer Psychotherapeutin und im Inneren spüre ich, dass ich einer Frau nur von meinen psychischen Problemen erzählen kann. Bei einem Mann geht das nicht. Als die Psychotherapeutin mich das gefragt hat, war sie auch verwundert. Es scheint, dass es wohl häufig vorkommt, dass Menschen mit psychischen Störungen einem Drogenkonsum verfallen.

Jetzt arbeite ich auch weiterhin beim Kurierdienst und habe vormittags oft frei. Wenn ich dann mit dem Bus nach Hause fahre und Musik höre, kommen mir schon bei jeder Kleinigkeit die Tränen. Es fällt mir schwer die Tränen zurückzuhalten, obwohl rundum im Bus viel Menschen sich aufhalten. Zu Hause lasse ich diesen denn freien Lauf und ich weine oft, manchmal auch im Unterricht. Dann gehe ich vor die Tür und versuche mich zusammen zu reißen.

Aber nochmal zurück zu meiner jetzigen Verlobten: ich dachte, dass eine Verlobung mir das Gefühl, dass ich bei ihr sehr sicher sein kann. Obwohl sie nicht die Frau, die weder a) fremd geht, b) mich anlügt oder desgleichen und c) unterstützt sie mich sehr in solchen Phasen, in denen es mir schlecht geht. Auch anfangs unser Beziehung habe ich sie auch angelogen, weil ich ihr eine andere Figur zeigen wollte, die in meinen Augen ihr besser gefällt als meine persönliches Ich.

Inzwischen hat sie mir verziehen. Aber manchmal muss ich ihr Handy kontrollieren, ob sie auch keinem anderen Mann schreibt, der an ihr interessiert sein könnte. Natürlich weiß ich im Inneren, dass sie nicht fremdgehen würde und das Einzige, was sie sich wünscht, ist eine Zukunft mit mir zu haben. Schlimm ist es auch, wenn sie mit ihren Freundinnen ausgeht und ich nicht dabei bin. Allein der Gedanke, dass ein anderer Kerl sie anquatscht macht mich rasend. Und dann die Vorstellung, dass ein anderer Mann mit ihr Sex hat, würde mich so tief verletzen. Ich bin nicht misstrauisch ihr gegenüber, aber ich möchte einfach nicht, dass ein anderer Mann sie belästigt.

Aber ich kann gegen dieses Gefühl des Kontrollierens nichts machen. Ich muss es einfach tun, damit ich mir auch sicher sein kann, dass Sie die Frau ist, mit der ich mein Leben verbringen möchte. Sie ist für mich auch das Wichtigste in meinem Leben. Ich würde alles für sie aufgeben.

Wenn ich manchmal denn allein bin – naja, ich bin eben ein Mann – und habe Bedürfnisse habe, dann schaue ich mir hin und wieder einen Porno an. Anfangs haben mich "normale" Filmchen angemacht, aber mittlerweile erregen diese mich nicht mehr. Mittlerweile machen mich nur noch Filme an, in dem eine Frau gegen ihren Willen etwas zugefügt wird, z.B. Schwangerschaft, HIV-Infizierung oder Vergewaltigung, wobei die ersten beiden mich intensiv erregen. Und manchmal stelle ich mir vor, wie ich diese Opferrolle einnehme und dies erregt mich noch mehr.

Womit kann das zusammenhängen?

So, das ist erstmal alles. Ich stelle absichtlich keine Fragen – ausgenommen die eine –, sondern möchte von Euch einfach ein paar Worte hören.

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