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Kann mich in der Therapie nicht öffnen

uFntold.trxuth hat die Diskussion gestartet


Nach langem Hadern habe ich mich kürzlich für eine Therapie entschieden. Ich wurde vor etwa fünf Jahren sexuell missbraucht, komme inzwischen eigentlich ganz gut klar, aber an manchen Tagen erwischt es mich doch noch, da falle ich in ein Loch, denke ständig daran - daran möchte ich arbeiten.

Durch Zufall bin ich auf meine jetzige Therapeutin gekommen, ich fand sie auf Anhieb sympathisch und die ersten Gespräche verliefen auch ganz gut. Ich konnte mein Problem und das dazugehörige Ziel recht präzise formulieren, aber jetzt stecke ich irgendwie fest. Bei den letzten drei Sitzungen habe ich die meiste Zeit geschwiegen und nur ein wenig belangloses Zeug geredet. Sie leider auch. Wir schweigen uns dann gegenseitig an, was mir allmählich unangenehm wird. Habe sie dann darum gebeten, mir durch Fragen aus diesem Tal zu helfen, aber sie lehnte das ab, was mich ein bisschen verletzte und meinte, wenn ich nicht reden wolle, solle ich eben gehen.

Sicherlich gehört das für sie irgendwie zur Therapie und wahrscheinlich möchte sie etwas damit bezwecken, aber ich glaube, bei mir funktioniert diese Taktik nicht so recht. Im Gegenteil, ich ziehe mich immer weiter zurück und dadurch, dass ich mich immer unwohler bei ihr fühle, sinken m.E. die Chancen, dass ich mich wieder und weiter öffne.

Kennt ihr das aus euren Therapien auch? Soll ich mir eine andere Therapeutin suchen? Oder macht sie es schon richtig und knackt mich irgendwann? Ich kann's mir halt nicht vorstellen :-/

Antworten
u'ntol~dtrqutxh


Ich habe vor dem nächsten Termin schon fast so etwas wie "Angst". Ich will nicht wieder dasitzen, schweigen und mich von ihr anstarren lassen. Aber ich kann auch nicht einfach so drauf los plappern. Weiß nicht, wie ich anfangen soll und sie sitzt einfach nur da, schaut mich an... Das macht mich fertig :°(

W0atZerli


Kannst du dir auch vorstellen, dass es irgendwann so unangenehm wird, dass du doch einfach redest? Vielleicht will sie das ja erreichen.

Du musst schon irgendwie reden. Ich weiß ja nicht, wieviel du schon erzählt hast, aber grade bei Missbrauch kann ich mir vorstellen, dass die Therapeutin auch nicht einfach irgendwas fragen will, weil sie befürchtet du machst dann noch mehr zu oder weil die falsche Frage auch ganz schön viel kaputtmachen kann.

Vielleicht redest du auch einfach erstmal irgendwas drumrum oder erzählst einfach, was dich momentan beschäftigt, damit überhaupt mal ein Gespräch zustande kommt.

Mich nervt dieses Schweigen in der Therapie auch, allerdings schon nach 5 Minuten... ich sag dann mindestens, dass mir nix mehr einfällt. Oder naja, meine sagt dann auch irgendwas... oder ich erzähl halt irgendwas belangloses, nur damit ich überhaupt was erzähle.

uAntqoldtrtutxh


Danke für deinen Beitrag, Waterli @:)

Kannst du dir auch vorstellen, dass es irgendwann so unangenehm wird, dass du doch einfach redest?

Eher nicht. Ich merke jetzt schon, dass ich mich immer mehr zurückziehe und am liebsten gar nicht mehr zu ihr gehen würde. Irgendwie fühle ich mich unverstanden. Sie wirkt desinteressiert, so nach dem Motto "Friss oder stirb". Mir ist schon klar, dass sie zig Patienten hat und schon hundert mal dasselbe hörte, aber ich würde mir etwas mehr Engagement ihrerseits wünschen. Ich sitze da, versuche einen Anfang zu finden, dann komme ich ins Stocken und das war es dann. Momentan habe ich das Gefühl, ich könnte es, wenn, eigentlich auch einer Wand erzählen.

Vielleicht will sie das ja erreichen.

Ja, wahrscheinlich, aber ich habe ihr schon gesagt, dass ich nicht damit klarkomme. In meinem Kopf ist teilweise so vieles durcheinander, es würde mir wirklich helfen, wenn sie mir einfach mal sagen würde "Fangen Sie dort und dort an.. wie war das, als..." oder wie auch immer. Sie sagt, so funktioniert das nicht, es müsste von mir aus kommen.

Ich weiß ja nicht, wieviel du schon erzählt hast, aber grade bei Missbrauch kann ich mir vorstellen, dass die Therapeutin auch nicht einfach irgendwas fragen will, weil sie befürchtet du machst dann noch mehr zu oder weil die falsche Frage auch ganz schön viel kaputtmachen kann.

Na ja, ich habe relativ sachlich und in Stichworten die Umstände geschildert. Also wie alt ich damals war, wer es war, warum ich keine Anzeige erstattet habe und was mich davon heute noch belastet. Nachdem ich das erzählt hatte, sitze ich seitdem da und denke "Mhm und jetzt?". Ich hatte gehofft, dass von ihr irgendwas kommt... aber nichts, nada. Wir sitzen einfach nur da.

S6chwar]zes Blxut


Ich habe einige Anläufe für eine Therapie gemacht in den letzten 15 Jahren. Mir waren die Therapeuten auch recht sympathisch und ich dacht es klappt. Aber immer wenn ich schwieg, schwieg mein Gegenüber auch. Das wurde zusehens unangenehmer. Nach ein paar Monaten habe ich immer das Handtuch geworfen.

Seit 2006 bin ich bei einer Therapeutin, die nicht schweigt, wenn ich mal nichts sage. Die ist voller Ideen und lässt nicht locker. Wir haben mittlerweile schon viel durch. Und wir waren uns auch nicht immer grün, hatten auch unsere Auseinandersetzungen.

Ich habe auch die Emailadresse von ihr, dass ist manchmal sehr hilfreich etwas loszuwerden. Sie hat mich nie aufgegeben und wirklich schon einiges mit mir aushalten müssen.

uuntocldtruQtxh


Hallo Schwarzes Blut! @:)

Seit 2006 bin ich bei einer Therapeutin, die nicht schweigt, wenn ich mal nichts sage. Die ist voller Ideen und lässt nicht locker.

Das würde ich mir auch wünschen :)z Also vielleicht sollte ich doch wechseln :-/

Wir haben mittlerweile schon viel durch. Und wir waren uns auch nicht immer grün, hatten auch unsere Auseinandersetzungen.

Spontan erscheint mir das sinnvoller und produktiver, als dieses ewige Schweigen.

Stchwa6rzes BYluxt


Na ja, ich habe relativ sachlich und in Stichworten die Umstände geschildert. Also wie alt ich damals war, wer es war, warum ich keine Anzeige erstattet habe und was mich davon heute noch belastet. Nachdem ich das erzählt hatte, sitze ich seitdem da und denke "Mhm und jetzt?". Ich hatte gehofft, dass von ihr irgendwas kommt... aber nichts, nada. Wir sitzen einfach nur da.

Das hört sich an, als ob du einfach eine Schilderung abgegeben hast, ohne die dazu gehörigen Gefühle. Um die Gefühle dazu loszuwerden, braucht es etwas an Vorarbeit. Klar, nüchtern schildern kann ich auch. Aber wenn ich die Dinge aufarbeiten will, muss ich mich auch den Gefühlen stellen. Ihr solltet vorher üben, mit Imaginationsübungen (innerer Tresor, etc.), sonst überrollt es dich.

Szchwa4rzes Blxut


Spontan erscheint mir das sinnvoller und produktiver, als dieses ewige Schweigen.

Ist deine Therapeutin auch Traumatherapeutin? Oder kennt sich damit aus?

w&isemyan86


wenn du nicht darüber sprechen kannst, kannst du es denn aufschreiben?? schreib ihr doch eine art brief und gib ihn ihr...

muss ja kein richtiger text sein, sondern vielleicht auch nur ein paar sätze, aber alles ist besser als nichts *:)

u,ntoldqtruxth


Das hört sich an, als ob du einfach eine Schilderung abgegeben hast, ohne die dazu gehörigen Gefühle.

Ja, richtig, das war das, was ich "alleine", also ohne Therapie auf die Reihe kriege. Mit diesem Stand bin ich zu ihr gekommen. Dabei soll es nicht bleiben, aber davon, dass sie mich nur durchbohrt mit ihrem Blick, ändert sich auch nichts. Ich dachte, sie bringt mir das nötige Handwerkszeug bei (wie du schreibst, Imaginationsübungen etc.). Nur so, wie es im Augenblick läuft, kann ich ja nichts dazu "lernen". Wir sitzen einfach nur da und wenn ich nicht einfach drauf los rede, dann bleibt es eben dabei.

uOntoqldtxruth


Ist deine Therapeutin auch Traumatherapeutin? Oder kennt sich damit aus?

Keine Ahnung ":/

wenn du nicht darüber sprechen kannst, kannst du es denn aufschreiben?? schreib ihr doch eine art brief und gib ihn ihr...

Das habe ich schon versucht, als Einstieg in die vorletzte Stunde, aber viel gebracht hat es nicht. Sie las es durch und legte den Brief beiseite. Ich fragte sie, was sie dazu meint. Sie lächelte und sagte "was meinen Sie denn?" :-/ Ich sagte ihr, dass es mir relativ schwer viel, die Sache zu Papier zu bringen und in der Nacht darauf Alpträume hatte. Sie meinte, dann habe ich damit wohl den Kern getroffen. Und wieder Schweigen.

eXlamxar


das kommt mir um ehrlich zu sein auch etwas seltsam vor. meine therapeutin hat mich öfter darauf angesprochen, wie ich mich fühle, wenn ich aus der stunde rausgehe, ob es für mich immer aushaltbar ist, ob ich genug halt habe, daß ich sagen soll, wenns zuviel wird. mir war das erstmal etwas fremd, aber sie hatte da schon recht, daß man darauf achten sollte.

und wenn deine dich dann einfach so da sitzen und hinterher gehen läßt, ohne da mehr auf dich zu achten (alpträume sind in diesem zusammenhang m.e. schon ein warnzeichen. kann man natürlich auch als verarbeitungsschritt sehen, aber mich würde es wundern, wenn sie da so sicher sein könnte.), find ich das nicht ok.

vielleicht wäre ein wechsel wirklich angebracht. was ist denn da noch an gefühlen in bezug auf die therapie, zusätzlich zu der angst, hinzugehen und dem unverstandenfühlen? ist da irgendwas, bei dem du denkst, dranbleiben, genau hier, bei dieser therapeutin?

u:ntol:dtrxuth


ist da irgendwas, bei dem du denkst, dranbleiben, genau hier, bei dieser therapeutin?

Inzwischen eigentlich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich sie anfangs sympathisch und nett fand, aber da ging es ja auch noch nicht ans Eingemachte :-/

P)eezKlxee


Hey untoldtruth,

ich kenne das - dasitzen und sich beobachtet fühlen. Was mir sehr geholfen hat, war einfach darüber zu sprechen. Sagen, dass du dich angestart und durchbohrt fühlst. Du bezeichnest es als "Taktik" - aber vielleicht versucht du mal die Bedeutung des Schweigens bzw dieser Taktik bei der Thera zu befragen? Das ist sicherlich nicht einfach, aber bietet Stoff für Gespräche die dir hilfreich sein können. Im übrigen, ich hoffe dass du es nicht falsch verstehst, merke ich sowas wie eine 'passive' Haltung. Damit meine ich nicht dass Du nichts machst, sondern mehr etwas über deine Erwartungshaltung. Therap soll Dir mit Fragen aus dem Tal helfen, die Fragen oder Reaktionen von Thera sind schnell belanglos, sie ist desinteressiert und nicht engagiert wenn sie nichts sagt. Dem gegenüber höre ich wenig von dem was du schon unternommen hast um dieses Thema zum vorübergehenden Hauptthema zu machen. Auch Theras sind keine Hellseher.

Ich kenne die Situation selber sehr gut, hat auch mehr als ein halbes Jahr gedauert bis ich mich daraus gewurstelt habe, aber ich habe begriffen dass ich dafür verantwortlich bin, anzugeben was ich sinnvoll finde und was nicht.

Welcher Richtung gehört deine Thera denn an?

Viel Erfolg bei deiner Therapie! Bin gespannt wie es für dich weitergeht! @:)

PeeKlee

S'chwa;rzeWs B8lut


Keine Ahnung

Ok, ist auch kein unbedingtes "MUSS". Meine ist auch keine ausgebildete Traumatherapeutin. Kennt aber zumindest die Ansätze einer Traumatherapie

1. Stabilisierungsphase

2. Traumabearbeitungsphase

3. Integrationsphase

Ohne Stabilisierung, z.B. durch Imaginationsübungen, sollte keine Traumaarbeit erfolgen, weil die Gefahr der Retraumatisierung zu hoch ist. Das hat bei mir eine Menge Vertrauen gebraucht und auch viel Zeit, so richtig in der Traumaarbeit sind wir seit ca. 4 Monaten und auch nicht jede Stunde.

Das habe ich schon versucht, als Einstieg in die vorletzte Stunde, aber viel gebracht hat es nicht. Sie las es durch und legte den Brief beiseite. Ich fragte sie, was sie dazu meint. Sie lächelte und sagte "was meinen Sie denn?" :-/ Ich sagte ihr, dass es mir relativ schwer viel, die Sache zu Papier zu bringen und in der Nacht darauf Alpträume hatte. Sie meinte, dann habe ich damit wohl den Kern getroffen. Und wieder Schweigen.

Vielleicht möchte sie, dass du selber Wege findest und dir Gedanken machst. Klingt sehr nach Verhaltenstherapie. Meine jetzige Therapeutin ist die 5., die ich ausprobiert habe, im Laufe der Jahre. Alle 4 anderen zeigten die gleiche Reaktion wie deine. Bei der ersten bin ich auf dem Heimweg auch 2mal zusammengeklappt, weil sie mich getriggert hat. Hat mich im Enddefekt NULL weitergebracht.

Meine jetzige war ein Zufallsfund. Und ich gehe seit fast 4 Jahren zu ihr. und wie gesagt, mit Höhen und Tiefen. Auch Sie hat mich manchmal überfordert, unbewusst, aber ich habe ihr das immer gesagt. Und auch sie hat gelernt durch mich und hat schon Vertrauen auch in mich gesetzt. Hört sich komisch an. Aber sie ist nie verlegen und wirklich voller Ideenreichtum.

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