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Was kann man zu Cipralex nehmen

tWeetaxnte hat die Diskussion gestartet


Hallo,

meine Tochter ist 19 und leidet an schweren Depressionen, sie macht eine Verhaltenstherapie und bekommt seit Februar 20 mg Cipralex (wir haben seit Ende Dezember eingeschlichen). Sie ist jetzt stabiler, aber noch immer nicht in der Lage dem Alltag zu folgen, aber das dauert wohl noch sehr lange sagen der Arzt und die Therapeutin. Vor Ausbruch der Depressionen war sie Leistungssportlerin....

Nun hat sie zusätzlich noch folgendes Problem, in der zweiten Zyklushälfte geht es ihr immer wesentlich schlechter (Depression wieder stärker, empfindlicher, teilweise Suizidgedanken) und wenn dann endlich (meist nach fünf Wochen) die Regel einsetzt hat sie noch vier Tage sehr starke Kopfschmerzen. Danach "normalisiert" sich ihr Zustand wieder, die eigentliche Depression bleibt bestehen, aber es geht dann wieder ein wenig voran.

Nun meine Frage, spricht etwas dagegen ihr zusätzlich Magnesium, Eisen-Folsäure Dragees und Vit. B12 zu geben? Oder ist das mit den Cipralex zusammen nicht gut?

Antworten
ZEwack4x4


Hallo teetante, vorab: Ich bin kein Arzt, sondern nur (gut eingestellter) Depressionspatient.

Cipralex besitzt zwar nur geringes Wechselwirkungspotential, aber persönlich halte ich Nahrungsergänzungsmittel nur für sinnvoll, wenn ein Mangel nachgewiesen ist.

Etwas anderes beunruhigt mich aber mehr: die Suizidgedanken ("SG"). Zum einen hoffe ich, dass Deine Tochter bei einem Psychiater (nicht durch den Hausarzt) behandelt wird und sie ihn auch über ihre SG informiert hat. Er muß unbedingt davon wissen, denn davon hängt ja die richtige Medikation ab. Cipralex wirkt nicht sedierend; bei SG beginnt man die Behandlung, soweit ich weiß, in der Regel mit einem sedierenden Antidepressivum. Auch für die Ursachenforschung kann der Hinweis "Regel > stärkere Depression" vielleicht von Belang sein.

Auch der Psychotherapeut sollte von den SG wissen. Ich habe hier schon öfter gelesen, dass Patienten munter zur Therapie marschieren, aber nicht den Mut aufbringen, dort von ihren SG zu sprechen.

Deiner Tochter alles Gute!

t\eeDtawnte


Hallo Zwack44,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort, also ein Mangel an all diesen Dingen ist bei ihr schon vorher festgestellt worden und bevor sie Cipralex bekam haben wir noch gedacht, wir bekommen es eben mit diesen Ergänzungsmitteln in den Griff, die Depression war allerdings schon viel zu weit fortgeschritten. Seit sie Cipralex nimmt haben wir dann alles andere weg gelassen....

Sie ist bei einem Psychiater in Behandlung und sowohl er als auch ihre Therapeutin wissen von den Gedanken. Und sie selbst beschreibt es so, dass sie zwar nicht den Plan hat sich umzubringen, aber es eben Phasen gibt in denen es ihr egal wäre wenn ein Laster sie überrollen würde. Und sie meint, sie vertraut sich selbst nicht, aber konkrete Pläne hat es nach ihren Aussagen nie gegeben, auch wenn sie das alles natürlich als extrem anstrengend empfindet. Auch wird sie von uns sehr engmaschig betreut, da ein längeres allein sein ihr momentan nicht möglich ist.

Ein sedierendes AD hat sie nicht bekommen, da sie eh schon tagsüber viel geschlafen hat und grundsätzlich verträgt sie das Cipralex gut. Auch wenn wir uns vielleicht ein paar schnellere Fortschritte erhofft haben. Unterdessen weiß ich aber, dass der Weg eben sehr lang und steinig ist. Und wenn ich überlege, wie ich schon leide, obwohl ich "nur zusehen" kann, wie muss es dann erst ihr gehen? Aber ich hoffe auch sie wird eines Tages wieder wissen, dass die Sonne auch für sie scheint.

Auch Dir alles Gute!

ZXw$ack944


Klingt ja recht gut - "den Umständen entsprechend". Das Problem mit SG ist nach meiner Erfahrung übrigens nicht, dass man einen Plan hat oder gelassen einem Laster "ins Auge" sehen würde, sondern ein derartiges Entsetzen (z.B. nach Albträumen), dass man sich wie von einem Strudel erfaßt fühlt, dem man gerade noch widerstehen kann, aber doch für denkbar hält, dass man das nicht auf Dauer durchhalten kann.

Ich habe übrigens immer ein "Notfallmedikament" - Tavor (Lorazepam)- greifbar, das innerhalb von 10-15 Minuten eventuell aufkommende Angst und Panik zuverlässig verdrängt. Für eine Dauermedikation ist es (Benzo!) wegen seines Suchtpotentials ungeeignet, aber ich kann mich damit von Zeit zu Zeit relativ gut vor einem drohenden Absturz schützen. Bei Depressionen gibt es ja oft ein Auf und Ab und sie können auch in Cyclen kommen. Da erhöht eine solche Möglichkeit das Sicherheitsgefühl des Patienten beträchtlich. Deine Tochter kann ja beim nächsten Termin einmal fragen, ob ihr Psychiater in ihrem Fall so etwas für sinnvoll hält.

tSeetanxte


Ja so etwas hat sie auch, in ihrem Fall ist es Zopiclon. Er hat ihr auch gesagt, das kann sie mal nehmen zum einschlafen oder eben in ganz schlimmen Situationen, auf jeden Fall soll sie es immer bei sich haben, damit sie sich allein dadurch "sicherer" fühlt.

Genommen hat sie es noch nie und eigentlich möchte sie das auch nicht, weiß aber dass sie könnte wenn sie wollte....

Mit dem Psychologen sind wir auch sehr zufrieden, er nimmt sich jedes Mal viel Zeit für sie und sie fühlt sich auch sehr gut bei ihm aufgehoben. Was die Therapeutin angeht, ist das etwas anders, aber die Entscheidung liegt bei meiner Tochter und die möchte keinen Wechsel, schon allein weil es ihr extrem schwer fällt überhaupt über sich zu reden und dann müsste sie ja neu anfangen. Ich bin da eben etwas skeptisch, weil sie zum Einen so ziemlich bei jedem Termin meiner Tochter erzählt wie schwer doch ihre Depression ist und sie eigentlich besser in eine Klinik gehen sollte weil sie (die Therapeutin) gar nicht so viel Zeit hat wie sie für ihre Behandlung bräuchte. Aber in eine Klinik zu gehen kann sich meine Tochter momentan überhaupt nicht vorstellen, nicht mal tagsüber. Sie fühlt sich woanders noch schlimmer. Zum anderen erzählt sie ihr bei jeder Sitzung, dass es wichtig wäre, dass sie sich von ihren Eltern "abnabelt". Das wissen wir auch alle, aber das alles war ja schon geschehen, sie hat ihre Wäsche selbst gewaschen, sich ihr essen gekocht, sie hat ihr eigenes Auto, wir sind mehrere Wochen ohne sie verreist, sie hat neben ihrer Schule 7 Tage die Woche Leistungssport betrieben, sie war alles andere als ein Mama und Papa Kind. Die Sache mit dem Leistungssport ist der Therap. auch recht suspekt und sie versteht nicht so recht wie einem so etwas so wichtig sein kann/konnte. Auch wenn wir immer versucht haben den Faden zu ihr nicht zu verlieren und sie zu allen Spielen begleitet haben und ihr viel abgenommen haben, so war sie doch bereits sehr erwachsen und selbstständig. Nur momentan ist es ihr eben nicht möglich und sie hält meinen Mann und mich zur Zeit für die wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Soll ich sie da weg schubsen?

Uns ist allen klar, dass wieder eine Trennung erfolgen muss, das ist ja nur natürlich und ehrlich gesagt ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich mich um meine Tochter noch so sehr kümmern muss wenn sie 19 ist und mir wäre auch lieber sie könnte in ihre bereits fertige Wohnung ziehen (im selben Haus), aber daran ist momentan nicht zu denken. Und das letzte was ich mir in meinem Leben vorstellen könnte wäre sie im Stich zu lassen und genau so würde es sich anfühlen. Darum verstehe ich diese Argumentation der Therapeutin nicht, aber wie gesagt, meine Tochter entscheidet und ich halte mich da raus.

Zwwaccxk44


Soll ich sie da weg schubsen?

Nein, natürlich darfst Du das nicht. Jeder Depressive hat ja während seiner akuten Phasen sehr eingeschränkte Möglichkeiten der Kommunikation, erstens, weil man sich sehr zurückzieht, zweitens, weil nicht JEDER wissen muß, wie schlecht es einem geht, und drittens, weil mit dxer Depression oft eine Sozialphobie verbunden ist.

Wenn Du noch mehr wissen möchtest (wie man depressive Patienten behandeln soll, wie sie sich fühlen etc.), kannst Du mir auch gerne eine PN schreiben. Wenn Du hier stöberst, wirst Du auch viele Fäden finden, in denen ich mich zu Depressionen geäußert habe (kenne ich schließlich schon seit beinahe 30 Jahren).

Frohe Feiertage!

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