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Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung

dXiem# perdixdi hat die Diskussion gestartet


Guten Tag zusammen,

"Lebensverunstaltung" – ein furchtbar hässliches Wort mit scheinbar fatalistischer Endgültigkeit. Zumindest nach meinem Empfinden, denn letztlich es beschreibt genau das, was mir in den Sinn kommt, wenn ich zurückblicke.

Der Lebensverunstalter: Ich selbst.

Kurz zu meiner Person: Ich bin männlich, 25 Jahre alt und stehe seit ende meines Studiums vor ca. einem Jahr in prekären Verhältnissen (Praktikas, etc.).

Vor kurzem stellte ich mir selbst die Aufgabe, meine Stärken und Schwächen zu Papier zu bringen. Ich versprach mir hiervon ein wenig Klarheit. Die Schwächen lasen sich in etwa wie folgt:

• Phlegmatischen Grundhaltung gegenüber jeglicher Form von Aktivität und Initiative

• Kontaktscheu

• Introvertiert

• unaufgeschossen gegenüber Neuem und Unbekanntem (Personen, Situation, etc)

• Sehr zurückhaltend

• Vermeidung von Gesellschaft, da ich sie als belastend wahrnehme

• Vermeidung von Situationen, die engere zwischenmenschliche Interaktionen erfordern

Die Gründe für diese Verhaltensmuster verortete ich keineswegs im Rationalen. Mir war schon klar, dass hier irgendwelche diffusen Ängste, die ich nicht näher einzuordnen im Stande war, im Hintergrund wirken. Allerdings kam ich nie auf den Gedanken, dass es sich hierbei um etwas Pathologisches handeln könne. Vielmehr nahm ich diese Schwächen eben als Bestandteil der Persönlichkeit in einem vielleicht ungewöhnlichen, aber noch normalen Rahmen hin.

Dies änderte sich als ich eher zufällig auf folgende Seite eines Prof. Dr. med. Volker Faust stieß:

[[http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/selbstunsicherheit.html]]

Die "selbstunsichere und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung" ist dort folgendermaßen definiert:

"Unsicher und gehemmt, ja ängstlich alle Kontakte meidend, das sind nicht wenige Mitmenschen. Dazu das Gefühl, nicht nur unfähig, sondern unbeholfen, unattraktiv, ja minderwertig zu sein, heimlich von allen abgelehnt oder gar lächerlich gemacht zu werden. Und deshalb Rückzug, Trainingsverlust im zwischenmenschlichen Alltag und damit Isolationsgefahr und zuletzt ein Teufelskreis, aus dem man nicht mehr herauszukommen meint. Das kann eine bedauernswerte Wesensart sein, nicht gerade üblich, aber auch nicht krankhaft, es kann aber auch eine Persönlichkeitsstörung sein, ein tief eingewurzeltes Fehlverhalten mit entsprechenden zwischenmenschlichen, d.h. partnerschaftlichen, nachbarschaftlichen und beruflichen Konsequenzen und zahlreichen gesellschaftlichen Konflikten. Oder konkret: eine selbstunsichere und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung."

Einige weitere Charakteristika:

"

• Ständige und vor allem ausgeprägte Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden.

• Überhaupt andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung, Nervosität und genereller Besorgtheit allem und jedem gegenüber.

• Zurückhaltung vor allem in intimen Beziehungen, aus Furcht, beschämt oder lächerlich gemacht zu werden.

• Hemmungen vor allem in neuen zwischenmenschlichen Situationen aufgrund der angenommenen eigenen Unzulänglichkeit.

• Vermeidung enger Beziehungen, sei es beruflich, nachbarschaftlich, Freundeskreis, vor allem aber partnerschaftlich und intim und zwar aus Angst abgelehnt, zurückgewiesen, ausgegrenzt und damit gedemütigt und gekränkt zu werden."

Einige aus dem Kontext entnommene Passagen:

• "[…].Das (das Vermeiden von Beziehungen) führt natürlich zu einer Einstellung, die nicht nur unzufrieden macht, sondern auch missgestimmt, resigniert, ängstlich und deprimiert macht. Oder noch schlimmer: auf Außenstehende nicht nur wenig lebhaft, erfrischend, geistvoll, sondern auch zäh, stockend, matt, fad, leer, wenn nicht distanziert-unterkühlt bis misstrauisch, gelegentlich sogar feindselig erscheinend.

Und wenn der Betreffende sich zu einer Beziehung aufrafft, dann handelt es sich fast nur um vorsichtige Beziehungs-Versuche mit gleich wieder eingeleiteten Rückzugsmanövern. Das äußert sich dann in ständigen Beziehungsabbrüchen oder treffender: Beziehungs-Zusammenbrüchen und nährt die sich selbst erfüllende Prophezeiung: "Ich hab's ja gewusst".

Oder auf einen Nenner gebracht: ein Teufelskreis mit nachfolgender "Lebensverunstaltung" - und zwar dauerhaft, ohne Lerneffekt und damit letztlich "verheerender Schicksalhaftigkeit" (wenngleich hier nicht das Schicksal, sondern die eigene Wesensart die unselige Regie führt)."

• Andere Wissenschaftlicher deuten den sozialen Rückzug und die Vermeidung von zwischenmenschlichen Kontakten als Selbstschutzreaktion gegenüber einer Angst, die aus unbefriedigenden fundamentalen Bedürfnissen nach Liebe (Bindungsangst) und Selbstintegrität (autonom, selbständig sein dürfen) resultiere. Da die Betreffenden keine entsprechenden Kontakte eingehen ("zwischenmenschlicher Trainingsverlust), lassen sich durch Erfolg oder Misserfolg auch keine sinnvollen Lebens-Konzepte ausbilden. Dadurch kommt es über kurz oder lang zu einer Art Selbstentfremdung, die irgendwann durch eine noch verhängnisvollere Entfremdung gegenüber den anderen verstärkt wird.

Oder kurz: Man hat vermieden und schließlich verlernt, sich zwischenmenschlichen Kontakten auszusetzen, sie durchzustehen und aus ihnen zu lernen. Dadurch gerät man in einen immer stärkeren zwischenmenschlichen Entwicklungsrückstand und kann am Schluss tatsächlich nicht mehr "mithalten"."

Ich muss zugeben, dass ich bei der Lektüre mich mit fast jedem Satz auf der Seite mehr oder weniger identifizieren konnte. Darüber hinaus, war es mir sogar möglich, meine "Symptome" gegenüber der recht ähnlichen Sozialphobie abzugrenzen.

Indizien, die für eine vermeidende Persönlichkeitsstörung sprechen, sind bei mir unter anderem das frühe Auftreten schon während der Jugend. Ich kann mich entsinnen, in Kindheit und früher Jugend zwar immer ein wenig scheu gewesen zu sein, aber dennoch immer sehr beliebt. In vertrautem Umfeld nahm ich gerne die Alpha-Rolle ein. Das änderte sich jedoch schleichend und sukzessive.

Spätestens mit 15, als für die meisten das andere Geschlecht zunehmend interessant wurde, litt ich an zu großen Berührungsängsten, die sich bis heute gehalten haben. Und das obwohl ich es denkbar leicht gehabt hätte. So absurd das auch klingen mag: ich habe trotz Beziehungswunsch beispielsweise niemals versucht, die Initiative zu übernehmen. Im Gegenteil, ich wurde rein äußerlich oft als sehr attraktiv wahrgenommen und kann mich im Rückblick seit ich 14 war an etliche Interessensbekundungen von Frauen erinnern, die ich allesamt zurückwies.

Auch ansonsten geriet ich mehr und mehr ins soziale Abseits. Seit Beendigung des Studiums vor einem Jahr hat sich die Situation noch einmal verschärft. Mittlerweile pflege ich nur noch mit Leuten Umgang, mit denen es sich absolut nicht vermeiden lässt, was sich natürlich auch beruflich niederschlägt."

Ob das alles bei mir nun pathologischen Ursprungs ist oder einfach "eine bedauernswerte Wesensart"?

Ich weis es nicht und werde es wohl nie erfahren, da ich eher von der nächsten Brücke springe, als mich einem Therapeuten anzuvertrauen. (Nein, eine rationale Erklärung gibt’s dafür natürlich nicht!)

Eine Erkrankung wäre wohl noch das kleinere Übel, da unter Umständen reversibel, wenn man mal von den teilweise verlorenen Jahren absieht. Wie auch immer - Tatsache ist, ich habe ein Problem und vielleicht gibt es hier ja jemanden, der hiermit Erfahrung hat.

Kann ich selbst überhaupt etwas ändern, zumal es im Falle einer Erkrankung ja definitiv keine Frage des Willens ist?

Wenn ja, wie soll ich vorgehen?

Wenn nein, wie arrangiere ich mich damit bestmöglich?

Ich bedanke mich im Voraus für alle Antworten und entschuldige mich für die Romanlänge.

Carpe diem,

diem perdidi

Antworten
n;ajanMaguIt


Hallo diem perdidi (interessanter Name... spricht Bände über deine Lebenseinstellung ;-)),

für mein Verständnis sind die Übergänge fließend - von "gesunder, fröhlicher "Normalo"" über "virsichtiger, zurückhaltender Charakter" bis hin zur "echten" Persönlichkeitsstörung. Du schreibst nicht direkt, warum du dich mit der Frage beschäftigst - was bewegt dich dazu? Aus meiner Sicht besteht nämlich genau dann Handlungsbedarf, wenn du 1. darunter leidest und 2. willens bist, an dir zu arbeiten. Wenn du die Situation so leidenschaftslos und resigniert siehst, wie dein Text auf mich wirkt, ist die antwort auf beide Fragen Nein, und damit gäbe es keinen Grund, etwas zu ändern.

Wie siehts aus?

LG

dKiemn pIerdidxi


Hallo najanagut,

du hast schon Recht, ich sehe die Situation leidenschaftslos und resigniert - das ist ja Teil des Problems. Ich beschäftige mich mit damit, weil ich die beruflichen und privaten Konsequenzen fürchte (Stichwort Teufelskreis)

zu1: Ja, es belastet. Die negativen Konsequenzen, die ich zitiert habe, sind denke ich zutreffend.

Zu2: Kommt darauf an, was verlangt ist. Ich halte gerade Willen in meinem Fall für kein geeignetes Mittel. Willen mag Berge versetzen können, bei einer simplen Virusinfektion und vielen anderen Krankheiten versagt er jedoch. Sonst könnte sich doch jeder selbst heilen. (Ausnahmen gibt’s natürlich immer). Außerdem unterliegt Willen stark den biochemischen Prozessen (vor allem Dopamin und Serotonin) auf die ohnehin nur wenig Einfluss genommen werden kann.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich Folgendes unterschreiben:

"Und wenn der Betreffende sich zu einer Beziehung aufrafft, dann handelt es sich fast nur um vorsichtige Beziehungs-Versuche mit gleich wieder eingeleiteten Rückzugsmanövern. Das äußert sich dann in ständigen Beziehungsabbrüchen oder treffender: Beziehungs-Zusammenbrüchen und nährt die sich selbst erfüllende Prophezeiung: "Ich hab's ja gewusst".

W<ar mal\ derk Kanter


Hallo

Ich bin immer sehr kritisch mit solchen Selbstdiagnosen. Gerade der Bereich der Persönlichkeitsstörungen ist sehr schwierig, er berührt das was uns ausmacht, unsere Identität, unsere Persönlichkeit eben. Wie schwierig es selbst Fachleuten zu fallen scheint, mit diesem Thema umzugehen, zeigen die ständigen Veränderungen in den Diagnosemanualen DSM und ICD. Bei jeder Neuauflage finden sich bei diesen Störungen auffallend viele Veränderungen. Aber das nur am Rande.

Zur Definition einer psychischen Störung gehört das Leiden, leidest du selber oder dein Umfeld daran ? Fühlst du dich beeinträchtigt ? Ich denke schon.

Eine Diagnose gehört natürlich in die Hände eines Fachmanns. Und die Behandlung, sofern gewünscht, auch. Wenn es sich tatsächlich um eine PS handeln sollte ist die Behandlung tatsächlich schwieriger als etwa bei einer Phobie. Aber unmöglich ist sie nicht. Es gibt z.B. den Ansatz der kognitiven Verhaltenstherapie, nach dem sich vereinfacht gesagt bestimmte Persönlichkeitsstörungen durch verzerrte Schemata (Denkmuster) darstellen. Diese Schemata werden in einer Therapie identifiziert und wahrnehmbar gemacht und langsam verändert.

Aber der erste Weg wäre eine Diagnose von außen, auch wenn ich glaube dass es dir sehr schwer fällt.

dZiem p?errdidi


Hallo,

Mein Umfeld leidet daran weniger, soweit ich das beurteilen kann – ich hingegen schon. Das eine problematische Beeinträchtigung vorliegt, wenn man in Gesellschaft keinen Spaß sondern nur Anspannung empfindet, wenn Kontakte knüpfen und halten fast nicht möglich ist, etc - das liegt wohl auf der Hand.

Ob das nun eine Persönlichkeitsstörung ist oder sonst was, ist da schon nebensächlich.

Einen Fachmann aufsuchen ist momentan einfach nicht drin – dazu geht’s mir noch zu gut. So etwas schaffe ich, wenn überhaupt, frühestens um 5 nach 12.

Gibt es denn zwischenzeitlich nichts, was ich tun kann?

W&ar m-al derZ Katexr


Was genau ist denn belastend im Umgang mit anderen Menschen ? Hast du Sorge vor negativer Bewertung ? Abgewiesen zu werden ?

Du könntest selber mal beobachten welche Grundannahmen du hast, was passiert wenn du in eine für dich unangenehme Umgebung kommst. Gibt es feste Überzeugung wie z.B.: Wenn andere mir zu nahe kommen durchschauen sie mich. Ich bin nichts wert. Ich muss immer aufpassen damit mich niemand verletzen kann. Usw... Es ist naheliegend, dass solche verinnerlichten und meist gar nicht bewussten Gedanken zu Anspannung und Vermeidung führen und schliesslich einen Teufelskreis in Gang setzen.

Diese Grundannahmen könntest du dann einer Realitätsprüfung unterziehen, stimmen deine Gedanken in dieser Hinsicht ?

Es hilft eigentlich nur sich dosiert unangenehmen Situationen auszusetzen, die auftretenden Gedanken genau wahrzunehmen und bewusst gegenzusteuern um allmählich gegenteilige Erfahrungen machen zu können. Rein intellektuell lässt es sich nicht lösen.

d:iem 2perdixdi


Es ist wie du sagst, es ist mir nicht bewusst und ich kann es auch nicht wirklich beschreiben. Es sind halt irrationale Ängste, die ich nicht genau einordnen kann. Eine feste Überzeugung gibt es eigentlich nicht. Am ehesten noch "Wenn andere mir zu nahe kommen, durchschauen sie mich", was wiederum auf einem mittlerweile ja objektiv vorhanden Erfahrungsrückstand fußt.

Die innere Unruhe und Angespanntheit kann bis zu 24. Stunden vor einer zu erwartenden unangenehmen Situation auftreten und schlafraubend sein und manchmal weiter körperliche Beschwerden auslösen. Das sind nicht gerade die besten Vorrausetzungen, mich solchen Situationen zu stellen und sie dann auch nur halbwegs erfolgreich zu absolvieren. Konfrontationen können schließlich auch nach hinten losgehen ("ich habs ja gewusst")

Immerhin gelang es mir öfters auch schon, ihnen am Ende mit einem "war ja doch nicht so schlimm" zu entkommen, was aber wenig Auswirkungen auf die nächste Problemsituation mit sich brachte.

Ich denke, die "entscheidenden Belastungsfaktoren" ("grundlegende Angst vor negativer Beurteilung"; "Schüchternheit und durchgängiges Unbehagen im alltäglichen gesellschaftlichen Umgang.") sind schon vorhanden.

MmollSiehnchxen


Hallo diem perdidi,

auch wenn Du eher von einer Brücke springen würdest, als Dich einem Therapeuten anzuvertrauen, denke ich doch, dass es kaum eine andere Möglichkeit gibt. Du hast den Vorteil, dass Du schon relativ früh erkannt hast, was mit Dir los ist, und Dich damit beschäftigst. Je länger Du es mit Dir rumschleppst und Dir einredest, Dir ginge es "doch noch viel zu gut", desto schlimmer wird es, das kann ich Dir prophezeien. Ich habe über 10 Jahre lang selbst versucht, damit klar zu kommen, und bin schließlich doch bei einer Therapie gelandet, weil ich nach langem, schlimmer werdendem "Leiden" feststellen musste, dass ich einfach vor einer Wand stehe, durch die ich einfach nicht durchkomme! No way!

Die innere Unruhe und Angespanntheit kann bis zu 24. Stunden vor einer zu erwartenden unangenehmen Situation auftreten und schlafraubend sein und manchmal weiter körperliche Beschwerden auslösen. Das sind nicht gerade die besten Vorrausetzungen, mich solchen Situationen zu stellen und sie dann auch nur halbwegs erfolgreich zu absolvieren. Konfrontationen können schließlich auch nach hinten losgehen ("ich habs ja gewusst")

Konfrontationstherapie geht dann nach hinten los, wenn die Gedanken nicht stimmen. Und die stimmig zu machen lernst Du in einer Therapie.

Die Therapie nimmt Dir nicht wie durch ein Wunder und Handauflegen Deine Angst. Aber du lernst, mit der Angst anders umzugehen, sie zu aktzeptieren, sie nicht zu verteufeln, sie nicht Macht über Dich haben zu lassen. Wenn Du das kannst, kannst Du Dich konfrontieren. Du wirst erstmal immer noch Angst haben, diverse Male, aber je öfter Du es machst (mit positiven Gedanken im Hinterkopf!), desto besser wird es, desto weniger wird die Angst, die "siehste, wusste ich's doch"-Gedanken schrumpfen immer mehr. Und wenn doch mal was nicht ganz klappt, wirst Du es nicht mehr als weiteren Beweis Deiner Unzulänglichkeit sehen, sondern akzeptieren, da schließlich niemand perfekt ist. Es wird Deinen Selbstwert dann nicht mehr mindern, und Dein Selbstwertgefühl wiederum hilft Dir, dass es immer öfter hinhaut.

Ich habe fast ein Jahr Therapie für diese Erkenntnis gebraucht. Das schafft man nicht allein. Also, überleg's Dir...! :)z

PS: Meine "Symptome" sind / waren Deinen (die Du so ausführlich beschrieben hast) übrigens sehr, sehr ähnlich.

MAol!l=ienHchen


Ach, nochwas: Das Geheimnis ist, sich mit allen Schwächen, Stärken, Unzulänglichkeiten etc. anzunehmen. Das ist die Grundlage für alles was dann kommt.

Das klang für ich immer unmöglich. Ich dachte: "Wie kann ich mich - die so sch...e ist - denn so annehmen ??? ?"

Aber ich kann es jetzt. Das habe ich in der Therapie gelernt, und dieses "Klick" im Kopf hätte ich ohne Therapie nie, nie, nie gehabt.

W5ar mal+ der Kxater


Es ist wie du sagst, es ist mir nicht bewusst und ich kann es auch nicht wirklich beschreiben.

So etwas lässt sich auch nicht in wenigen Minuten beantworten. Und der beste Weg dies herauszufinden wäre eben eine Therapie. In einer Therapie würden die Konfrontationen dann auch begleitend und reflektierend durchgeführt. Aber ich weiss, dass es auch ein längerer Prozess ist sich zu einer Therapie durchzuringen. Das macht man nicht mal einfach so locker aus dem Handgelenk.

Das ist eine Kosten-Nutzen-Analyse. Wenn es dir zu gut geht erscheinen die Kosten vielleicht noch zu hoch (Mit Kosten meine ich nicht Geld sondern Dinge wie Anstrengung, an-sich-arbeiten usw.) und den Nutzen kannst du dir wahrscheinlich gar nicht vorstellen.

Ansonsten schließe ich mich Mollienchen an.

dNi0em p6eprdixdi


Hi Mollienchen,

was meinst du mit "sind / waren" die Meinen? Konntest du sie denn letztlich überwinden (die Symptome) bzw. konntest du z.B. deinen Bekanntenkreis danach leichter erweitern? Kannst du nun auf Andere zugehen und mit ihnen auch mal längere Gespräche führen?

Lässt sich der erlittene Rückstand überhaupt jemals völlig ausgleichen?

Das klang für ich immer unmöglich. Ich dachte: "Wie kann ich mich - die so sch...e ist - denn so annehmen ???

Na dann haben wir zumindest einen Unterschied. Ich war aufgrund meiner Unzulänglichkeiten zwar immer unzufrieden mit mir Selbst, habe sie aber schon als Teil meiner Persönlichkeit betrachtet. Das hat mir allerdings nicht als eine rechtfertigende Haltung gegenüber meiner Resignation gebracht ("So bin ich halt").

Trotzdem habe und hatte ich nie wirkliche Minderwertigkeitskomplexe, weil ich das mit Dingen kompensierte, die ich gut konnte. "Minderwertig" oder besser verunsichert fühle ich nur in allen sozialen Situationen weshalb ich sie meide.

Bei der Typisierung der ängstl. vermeidenden PS tendiere ich auch ganz eindeutig in diese Richtung:

"- Die kühl-distanzierte Persönlichkeit: Das sind Menschen, die einerseits kühl-distanziert und andererseits gesellschafts-vermeidend auftreten. Die Probleme erwachsen vor allem im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, warmherzige Gefühle auszudrücken (obgleich sie vorhanden sind) und damit enge intime Beziehungen einzugehen. Auch spielt ein gewisses Misstrauen gegenüber anderen Menschen eine hinderliche Rolle."

Mittlerweile betrachte ich diese Unzulänglichkeiten eher als Krankheit, für die ich nichts kann und die nicht zu mir gehört nach dem Motto "Das bin doch nicht wirklich ich". Dadurch geht’s mir ehrlich gesagt besser.

Wie genau muss ich mir denn so eine Therapie vorstellen. Geht man da wöchentlich hin um von sich zu erzählen?

M\oclcliencxhen


Hallo diem perdidi,

was meinst du mit "sind / waren" die Meinen? Konntest du sie denn letztlich überwinden (die Symptome) bzw. konntest du z.B. deinen Bekanntenkreis danach leichter erweitern? Kannst du nun auf Andere zugehen und mit ihnen auch mal längere Gespräche führen?

Da ich erst ganz am Anfang meiner "Erfolgsstrecke" bin bzw. an dem Punkt wo es sich überhaupt erst zu drehen anfängt, kann ich jetzt noch nicht von großartigen Erfolgen berichten. In der Tat ist es aber so, dass mir zumindest das Gesprächeführen auch mit nicht so vertrauten Personen wesentlich leichter fällt als früher. Mit dem "auf andere zugehen" ist immer noch so eine Sache - ich arbeite daran! - aber ich bin nicht mehr so einsilbig, bin irgendwie mitteilungsfreudiger, denke nicht mehr so viel über meine mögliche Wirkung nach. Das ist schon ziemlich befreiend. Und ungewohnt, mich selbst so zu erleben. :-)

Lässt sich der erlittene Rückstand überhaupt jemals völlig ausgleichen?

Man wird sicherlich nie so sein wie einer, dem solche Probleme ein Leben lang unbekannt waren, aber es kann sich schon erheblich bessern! Es werden immer wieder Situationen kommen (vor allem im Stress), wo man in alte Verhaltensmuster zurückfällt, aber damit lernt man umzugehen. Man kann ja aus einem introvertierten Menschen keinen Unterhaltungskünstler machen, es gehört ja zu einem gewissen Maß auch zum Charakter. Wichtig ist aber, wie man sich dabei fühlt, ob es einem im Weg steht, ob es nervt, Ängste auslöst und so weiter. Wenn das alles nicht der Fall ist, braucht man wohl nichts zu unternehmen. Aber Dich stört es ja anscheinend.

Im Gegensatz zu Dir hatte ich (und habe noch ein bisschen) starke Minderwertigkeitskomplexe. Natürlich gibt's auch bei mir Bereiche, in denen ich ganz gut bin und sie dort nicht hatte. Aber die zählten für mich gegenüber allen anderen Bereichen irgendwann nicht mehr…

Es ist wie du sagst, es ist mir nicht bewusst und ich kann es auch nicht wirklich beschreiben. Es sind halt irrationale Ängste, die ich nicht genau einordnen kann. Eine feste Überzeugung gibt es eigentlich nicht. Am ehesten noch "Wenn andere mir zu nahe kommen, durchschauen sie mich", was wiederum auf einem mittlerweile ja objektiv vorhanden Erfahrungsrückstand fußt.

Genau das ist es. Das ist auch mein Problem. Durch Vermeidungsverhalten und "lieber nicht probieren, könnte ja schief gehen" haben sich tatsächlich Rückstände gebildet, und zwar nicht zu knapp. Je größer die werden, desto größer die Angst, "erwischt" zu werden… Teufelskreis.

Und jedes Mal, wenn man mal wieder vermieden hat, fühlt man sich elend, weil man ja mal wieder feige war und seine Unzulänglichkeit bewiesen hat.

Wie genau muss ich mir denn so eine Therapie vorstellen. Geht man da wöchentlich hin um von sich zu erzählen?

Meine Therapie ist eine Verhaltenstherapie. In den ersten Stunden erzählt man natürlich viel von sich bzw. wird befragt, damit der Therapeut den Ursachen des Problems und den vorhandenen Denkmustern auf die Spur kommt. Später werden die Denkmuster analysiert und dann "umgedreht". Man lernt quasi, die Situationen neuer und angemessener zu beurteilen. Theoretisch schwer zu beschreiben… Sinn der Sache ist jedenfalls, negative Gedanken und Ängste in positive Gedanken umzuwandeln.

Und ja, ich gehe einmal die Woche hin.

Von "War mal der Kater":

Das ist eine Kosten-Nutzen-Analyse. Wenn es dir zu gut geht erscheinen die Kosten vielleicht noch zu hoch (Mit Kosten meine ich nicht Geld sondern Dinge wie Anstrengung, an-sich-arbeiten usw.) und den Nutzen kannst du dir wahrscheinlich gar nicht vorstellen.

Konnte ich nämlich früher auch nicht. Man muss schon selbst bereit sein, an sich zu arbeiten, und Arbeit ist es, soll man nicht glauben, jedenfalls wenn es einem ernst ist.

Mqoll.ieEncxhen


Also, nochmal in kurz und ganz allgemein:

Die Verhaltenstherapie soll Dir Deine Denkmuster (die hat jeder) erstmal bewusst machen und eröffnet Dir damit die Möglichkeit, sie zu ändern. Das kann man nämlich mit einem egal wie starken Willen nicht, wenn man sie nicht kennt. Sie soll Dir möglich machen, dass nicht mehr Deine Verhaltensmuster und Befürchtungen Dich regieren, sondern dass Du Dein Verhalten und Deine Gefühle selbst regieren kannst.

Sie soll Dich sozusagen aus der "bin halt so"-Resignation rausholen und Dir vermitteln, dass Du einen Einfluss hast auf das, was geschieht, und nicht nur das Opfer bist, das den Ängsten und Hemmungen ausgeliefert ist.

Mwolli7encPhexn


Hier wird das ganz gut beschrieben:

[[http://www.palverlag.de/Kognit.-Verhaltenstherapie.html]]

L;et'Ns txalk


Hallo zusammen, hallo diem perdidi,

ich habe jetzt keine Ratschläge, sondern möchte mich zum Thema und meinen Erfahrungen damit ein wenig äussern - ich hoffe das ist ok, ansonsten bitte bescheid geben.

Erstmal danke für diesen Faden. Ohne ihn wäre ich vielleicht weiterhin nicht so recht weitergekommen mit meinen Gedanken, was mit mir los ist. Ich hatte bisher immer an eine leichte Form der sozialen Phobie bei mir gedacht, aber die Beschreibungen dieser Persönlichkeitsstörung passen wesentlich besser. Ich bin eher mittelstark betroffen würde ich sagen, aber es ist mit der Zeit immer kräftezehrender.

Symptome bei mir:

- Angst vor sozialen Bewertungssituationen (Chefgespräch, mit einer fremden für mich attraktiven Frau locker unterhalten, in neuen sozialen Konstellationen (z.B. fremder Freundeskreis) locker bleiben und einfach mich unterhalten zu können

- Vermeidungsverhaten von sozialen unsicheren Situationen(hier aber komischerweise eher in den kleinen Alltagssituationen als in wichtigen Dingen - ich vermeide z.B. ein einfaches Telefongespräch und schreib lieber ne Mail, mit einer mündlichen Prüfung kann ich dagegen sehr gut umgehen)

- Verschiebung meiner Ängste oder Unsicherheiten auf äußere Umstände - ich hab mir als Jugendlicher gesgat, wären die Pickel weg, wäre alles besser, dann hätte ich 10 Kilo mehr auf den Rippen, wäre alles besser, hätte ich andere Klamotten wäre alles besser und das zeiht sich bis heute durch mein Leben (bin 28)

- Konzentration auf Beruf und Karriere (Nach Ausbildung berufsbegleitendes Studium) um mir Selbstbestätigung woanders her zu holen

- Flucht in Beziehungen - ich habe immer mein Heil in Beziehungen zu Frauen gesucht und hatte 3 längere Beziehungen (5, 1, 2,5 Jahre) - meine Probleme waren dann immer ne Zeit lag wie weggeblasen, bis sie wieder durchkamen

- Gesprache ohne sozialen Hintergrund oder Bewertung fallen mir leicht - ich kann problemlos einkaufen gehen oder Behördengänge etc. machen, sobald aber ein Gespräch persönlicher wird, bekomme ich Probleme und bin dann freundlich aber eher passiv - ich gehe deswegen z.B. lieber in einen anonymen Supermarkt als zum Tante Emma Laden

- ich kann mich überwinden all diese Dinge zu tun, wenn ich es für wichtig halte - das ist das seltsamste daran, ich kann sehr wohl auch anders sein und mich den Situationen stellen, jedoch ist es anstregend und geht mir nicht von allein von der Hand wie bei "normalen" Menschen - dadurch fällt es anderen selten auf, dass ich ein "Problem" habe wenn ich es nicht erzähle

- was anderen auffällt ist nur, dass ich oft angespannter bzw. oft auch müde und erschöpft bin - ich denke mittlerweile, dass das auch damit zu tun hat - das soziale Alltagsleben und das Vermeidungsverhalten strengt mich an, ohne dass mir das bewusst ist

- große Menschenmengen, Prüfungssituationen machen mir keine Angst

- ich habe immer wieder Phasen in denen ich mich besser fühle und dann das Gefühl habe alles selbst in den Griff zu bekommen

Es passt also einiges schon da rein. Zusätzlich weiß ich, dass mein Cousin und meine Cousine sehr stark, mein Onkel und mein Vater in leichter Form auch von diesen Dingen betroffen sind. In unserer Familie war es in meiner Kindheit bis Jugend oft ein Thema wie still und unfreundlich meine Cousin und Cousine doch sind (wie gesagt, bei mir hat man das nich so stark gemerkt, da ich es immer kompensieren konnte) - heute weiß ich, dass sie nicht unfreundlich sind sondern mit diesen Dingen deutlich stärker als ich zu kämpfen haben...

Heute weiß ich, dass ich so nicht für immer weiterleben möchte. Ich bin kurz davor mir einen Therapieplatz zu suchen, habe auch ein paar Psychologen angeschrieben, aber bisher nur Absagen mit Hinweisen auf Wartelisten bekommen. Momentan habe ich die Suche unterbrochen, aber durch diesen Faden bin ich noch sicherer, dass ich es nicht allein schaffen werde. Ich habe eine fertige Mail an die Kassenärztliche Vereinigung im Postfach liegen mit der Bitte um Therapieplatzvermittliung - sie aber noch nicht abgeschickt.

Was ich mich frage: Warum willst du, diem perdid, es nicht ändern? Bzw. warum diese generelle Ablehnung einer Therapie? Für mich war der Gedanke wenn sonst alles schiefgeht zumindest noch die Möglichkeit zu haben eine Therapie zu machen bisher immer sehr beruhigend. Ich denke nur ich muss es nun auch angehen. Das ist doch eher etwas das einem Hoffnung geben kann oder nicht?

Einen schönen Sonntag euch allen!

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