» »

Psychose Rückfall und schlimme Gedanken

m4agnconliba5x55 hat die Diskussion gestartet


Hallo,

Jetzt weiss ich gar nicht wo ich anfangen soll, aber ich würde mich über ein paar Meinungen freuen...

Es geht um meinen Bruder (er ist 3 Jahre jünger als ich). Dieser hatte kurz nach dem Abi (das ist jetzt 7 Jahre her) seine erste Psychose. Man muss dazu sagen, dass mein Bruder sich immer sehr unter (Leistungs-)Druck gesetzt hat, er wollte immer nur besser sein, als er eh schon war. Deswegen hatte er auch ein 1.0-Abi, begann dann zu studieren, aber dann brach auf einmal seine Psychose aus. So genau hab ich das damals gar nicht mitbekommen, weil ich fast zeitgleich zwecks Studium ins Ausland gegangen bin. Meine Eltern waren aber immer gute Eltern und halfen meinem Bruder dann so gut sie konnten. Er war damals ziemlich depressiv, redete kaum was und war sehr abwesend. Er kam dann in sehr gute Behandlung, ging in eine Nachsorgeklinik und liess sich behandeln, er hat alles gut gemeistert. Als Medikament nahm er letztendlich Risperdal, das hatte ihm gut geholfen. Jedenfalls konnte er nach ca.1-2 Jahren Pause auch wieder weiterstudieren. Er entdeckte dann den Sport für sich, Joggen wurde zu seiner persönlichen Medizin. Und so nach und nach konnte er auch das Risperdal reduzieren. Da er gerne ohne Medikamente auskommen wollte, setzte er es dann sogar ganz ab (natürlich in Vereinbarung mit seinem Arzt), wobei ich nun weiss, dass dies der erste schwere Fehler war. Er hat es glaub Anfang 2009 abgesetzt.

Soviel zur Vorgeschichte. Mit seinem Studium ging dann alles normal weiter, nur die guten Noten von der Schulzeit hatte er nicht mehr, was aber ja auch bei vielen so ist. Während dem Studium wohnte er übrigens nicht im Elternhaus. MItte 2009 kam ich dann von meinem Auslandsaufenthalt zurück (ja, ich war lange fort gewesen), Anfang 2010 konnte mein Bruder sein Studium abschliessen. Wir haben auch noch eine weitere Schwester, die zufälligerweise auch die erste Etappe in ihrem Studium abschliessen konnte und nun auch wieder zuhause wohnt. So kamen wir alle 3 wieder nachhause (ich für mich wollte vorübergehend wieder nachhause, weil ich so lange weg war). Jedenfalls: letzte Woche bekam mein Bruder nun einen Rückfall. Im Nachhinein muss man sagen, dass sich alles angebahnt hat (nur haben wir das nicht erkannt). Er hat nämlich sämtliche Anzeichen gezeigt, was man so für Psychosen allg. weiss: abwechselnd gut/schlecht gelaunt, Heisshunger, plötzliches Interesse für andere Religionen (er wollte vor paar Wochen Buddhist werden), teilweise verletztende Äusserungen, kaum noch soziale Kontakte. Ja das ist auch noch was, mein Bruder ist ein sehr netter Mensch, nur leider hat er grosse Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen und stellt sich manchmal echt ungeschickt an. In letzter Zeit hat er auch nur noch über Sport und Joggen geredet, das war teilweise echt nervig. Zumal er dann immer abwertend über die geredet hat, die keinen Sport machen.

Diesesmal war die Psychose ganz anders als die erste Psychose. Diesesmal war sie wirklich sehr beängstigend. Es war so, dass meine Mutter erahnte, dass es ihm nicht so gut ging, und sie schickte ihm zu seinem Arzt. Dieser gab ihm ein Medikament, und falls er das nicht verträgt, noch ein anderes (das eine war Risperdal, das andere weiss nicht). Es ist nun aber so, dass mein Bruder schon vorher eine halbe Medikamentensucht entwickelt hat. Er kauft sich dann immer zig homöopathische Mittelchen, einmal haben wir 20 verschiedene Sachen in einer Tasche gefunden. Er hat mal gesagt, dass er die Sachen für den Sport nimmt, und auch, weil es ihm dann leichter fällt, auf Menschen zuzugehen. Jedenfalls, er hat dann - so vermuten wir - sowohl Risperdal als auch das andere Medikamen auf einmal eingenommen, möglicherweise viel zu viel, und somit kam es dann zum Ausbruch seiner Psychose. Es war nun aber total schlimm. Denn er hatte lauter Halluzinationen. Und nur ganz schreckliche Dinge. Z.B. rief er meine Schwester auf dem Handy an, es ging aber die Mailbox ran. Nach seiner Version hörte er Hilferufe und einen Schuss. Daraufhin rief er (in echt) bei der Polizei an, und diese sagte ihm dann, dass unsere Schwester vergewaltigt worden sei. Das war natürlich alles nur Einbildung. Die Polizei dachte sich ihren Teil, und zum Glück kam meine Schwester dann nachhause und konnte alles aufklären. Danach dachte er unser Vater hätte sich erhängt. Ich wäre sofort in eine KLinik mit ihm, aber meine Eltern wollten nicht, dass er "mit irgendwas" zugepumpt wird, deswegen wollten sie nur zu seinem Arzt. Es war aber schon Abend, und somit konnten wir da erst am nächsten Tag hin. Der Abend war jedoch furchtbar. Mein Bruder sagte, dass unser Onkel morgen einen Amoklauf durch unser Haus machen würde. Und unsere Nachbarn würden ausgelöscht. Ich meinte dann, dass er doch mal an schöne Dinge denken soll, an Sonne Strand und Meer, aber natürlich fing er immer wieder von brutalen Dingen an (man kanns ja mal versuchen..).

In der Nacht konnte er einigermassen schlafen, nur am Morgen, als ich aufstand ging es nochmal weiter mit den Halluzinationen (er schrie und sagte z.B. dass es nur ums Überleben gehe, wir wollen alle leben, ihr dürfte leben etc.), aber immerhin leicht abgeschwächt. Er dachte dann mal, wir wollten ihn umbringen (er: wieso steht mein Laptop auf dem Tisch, er war doch auf dem Boden - mein Vater: ich hab ihn doch hochgelegt - er: wolltest Du mich umbringen). Zum gLück ist er dann endlich zum Arzt, aber da war es dann schon besser, er bekam dann Zyprexa. Die agressiven Gedanken gingen dann weg, und er fiel eher in eine depressive Phase. Dann wurde es aber tagtäglich deutlich besser, und man konnte schon wieder ganz normal mit ihm reden. Dummerweise war sein richtiger Arzt aber gar nicht da, sondern nur eine Vertretung, sein richtiger Arzt kam erst wieder gestern zurück. Gestern hat mein Buder das Zyprexa einfach reduziert (er wollte sich selbst mit Sport genesen), aber prompt wurde es wieder schlimmer (leichte Angstzustände), aber er hörte nicht auf uns. Und einen Termin bei seinem Arzt wollte er auch nicht ausmachen. Während dieser ganzen Woche ging es mir persönlich eher schlecht, denn er war mir so fremd geworden. Und ich hatte ausserdem Angst, dass seine agressiven Gedanken quasi seine innersten Gedanken wiederspiegeln, und ich hatte Angst, dass er etwas schlimmes tun könnte. Vielleicht sogar gegen uns? Ich habe mich deswegen eher zurückgezogen und nur das nötigste mit ihm geredet. Sonst habe ich aber einen guten Draht zu meinem Bruder.

Heute nun hat mich aber ein Energieschub gepackt, und ich dachte mir, dass ich mal mit ihm reden könnte. Da ich als recht einfühlsam und gutmütig gelte, wollte ich quasi "Therapeutin" sein. So im Sinne von "wenn der Prophet nicht zum Berg kommt...". Jedenfalls, als ich dann vorhin von der Arbeit nachhause gekommen bin, teilte mir meine Mutter mit, dass er nun immerhin doch einen Termin bei seinem Arzt ausgemacht hat (morgen). Ich redete dann aber trotzdem mit ihm, fragte ihn, wie es ihm gehe, wie er den Tag erlebt hätte etc. Man sah ihm deutlich an, dass das Zyprexa reduziert war, denn er hatte einen glasigen Blick. Aber er freute sich über meine Gesprächsbereitschaft und wurde selbst auch sehr gesprächig. Er erzählte mir von seinen Albträumen (das macht mir nun selbst Angst), und zwar denkt er immer, uns könne was passieren. Z.B. träumte er, dass unsere Schwester vom Hochhaus springen wollte. Und einmal sah er seinen Kumpel als Schornsteinfeger verkleidet in unser Haus kommen, mit einem entstellten Gesicht, und er hat dauernd sein Gesicht verändert und wollte uns (und vor allem auch ihm) Gewalt antun. Übrigens kam am Morgen seiner Attacke tatsächlich der Schornsteinfeger zu uns.

Wenigstens konnte ich ihm gut zureden vorhin, und ausserdem erreichte ich, dass er sein Medikament wieder erhöht hat. Immerhin! Ich hoffe nun echt, dass der Arzt richtig eingreift.

Denn was soll man denn davon denken? Das macht mir wirklich grosse Angst. Ist es denn normal, dass so viele negative Gedanken die Macht über ihn nehmen? Ich hab ja schon von schizophrenen Gedanken gehört, aber das können ganz normale (ireale) Dinge sein, aber jetzt nicht immer so horrorsachen. Und wenn er jetzt nur das Zyprexa erhöht, dann ist die Ursache doch auch nicht geklärt, denn irgendwas scheint ihn doch total zu belasten? Oder gehört das zur Krankheit, diese negative Sicht der Dinge, also alles mit Tod und Horror? Ich würde mich über Antworten freuen.

VLG :°(

Antworten
MKemphqis_lultJraligxht


Hört sich wie schizophrener Paranoia an. Vielleicht wäre ein 2-4wöchiges Klinikaufenthalt sogar das beste.

wollte ich quasi "Therapeutin" sein

Das solltest du sein lassen. Sei mehr ein Freund und bringe Verständnis auf. Damit hilfst du am meisten.

Abgesehen davon dass ein Therapeut in der akuten Ausbruchsphase Psychose kaum was machen kann, behandeln Therapeuten prinzipiell keine Verwandte oder Freunde.

W;ar mUalb der Kautexr


Hallo Magnolia

leider sind diese Gedanken und Inhalte bei deinem Bruder relativ typisch für eine Psychose des schizophrenen Formenkreises und es scheint sich um einen akuten Schub zu handeln. Und es ist natürlich beängstigend zu sehen wie sich jemand in dieser Weise verändert.

In diesem akuten Stadium wäre es wichtig, dass er medikamentös richtig eingestellt wird und diese Medikamente auch entsprechend einnimmt. Wenn das zuhause nicht richtig klappt wäre vielleicht eine kurzfristige stationäre Behandlung besser, aber das sollte der Psychiater entscheiden.

Es gibt Möglichkeiten für Angehörige, oft angegliedert an die Psychiatrie, vielleicht kannst du dich in diese Richtung informieren.

Ich wünsche euch alles Gute

mBagnoiliax555


Ja, ich habe selbst gemerkt, dass ich mich auf sehr dünnem Eis bewegt habe - wobei ich ja schon Zugang zu meinem Bruder fand und er mir von seinen Alpträumen erzählt hat. Nur bin ich halt keine ausgebildete Therapeutin, deswegen sollte er wirklich in die richtige notwendige Behandlung kommen. Und ganz wohl war mir bei der Sache auch nicht.

Heute morgen nun hab ich von meiner Mutter erfahren, dass er doch noch gar keinen Termin bei seinem Arzt ausgemacht hat. Gestern hatte er lediglich mit meiner Mutter vereinbart, dass er sich heute um einen Termin kümmern möchte. Ich hoffe das erreichen sie heute nun.

Wegen einer Behandlung muss ich mich wirklich mal genau informieren, das ist ein guter Hinweis. Vielleicht kann ich ja irgendwie in Kontakt mit seinen alten Behandlungszentren kommen. Bzw. natürlich hoffe ich auch, dass der Arzt nun entsprechend eingreift, sofern er da endlich hingeht...

Heute morgen schlief mein Bruder wenigstens ruhig (sicherlich weil er das Medikament wieder erhöht hatte), deswegen geht es ihm heute bestimmt wieder besser. Wenigstens ein minimaler Teilerfolg. :-/

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH