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Eft Klopftherapie

S7innes6tätxer


Jundalia

Haben Geheilte durch Homöpopathie einen besonderen Glauben, der sich von den Kranken drastisch unterscheidet, die sich bei einer Krebserkrankung durch den Glauben an eine Besserung Ihres Zustandes (gewünschte, verzweifelte Heilung) einer Chemotherapie unterziehen und trotzdem elendig verrecken?

Ich denke, ja.

Glauben ist eine fragiles, ständigen Schwankungen unterworfenes Ding, wird durch alles beeinflußt, was du tust und denkst...und es ist nicht dasselbe wie Hoffen. Der Glaube, der heilen kann, das ist ein Glauben, der wächst bis zu einem Grad, an dem er von dem Betroffenen gar nicht mehr als Glauben wahrgenommen wird, sondern als zweifelsfreies, unumstößliches Wissen, wie der Glauben daran, daß jeden Morgen die Sonne aufgeht.

Du glaubst, daß eine Chemotherapie funktionieren kann. Mehr nicht, denn jeder kennt genug grausige Gegenbeispiele. Alleine mit dem Wort Chemotherapie verbindet man ausgefallene Haare, Schmerzen, Abmagerung, etc.

Von dem Rest an "Kann helfen"-Glauben kannst du sehr schnell abfallen, wenn es dir dabei richtig dreckig geht. Jede negative Eigenwahrnehmung (dir geht es schlechter, immer mehr, und du siehst keinen Heilerfolg) und Fremdwahrnehmung (der Arzt rechnet damit, daß es dir schlecht geht) bombardiert deinen Glauben.

Nimm dazu im Vergleich eine Zuckerpille. Von der geht es dir nicht schlechter, und du bekommst sie verabreicht von jemandem, der glaubt, daß sie dir hilft, und weiß, daß sie dir nicht schadet. Eine Verschlechterung deines Zustands ist ein positives Feedback (ganz klar: Erstverschlimmerung), jede Verbesserung ist positives Feedback. Nur eine längere, erfolglose Einnahme bei ständiger Verschlechterung wird deinen Glauben brechen können, ansonsten wird er immer stärker werden.

Ich will auch mit dieser "Glaubenstheorie" gar nicht alles erklären, was wissenschaftlich unerklärbar ist - aber ich bin mir sicher, der Faktor Glauben wird überall, ob Schulmedizin ("das ist kein Glauben, das sind gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse - Hugh!") oder Alternativmedizin ("das ist kein Glauben, das ist [Mixtur aus Fakt und Fantasie gewürzt mit Technobabble]") gnadenlos unterschätzt.

Für mich z.B. ist EFT, wie ich schon schrieb, genauso wirksam wie einige Techniken aus der Verhaltenstherapie - ich habe damit schon zig Panikattacken auf ein handlebares Level herunterdimmen können. Nun ist mir aber mal aufgefallen, daß ich, in meiner zittrigen Panik, die Punkte gar nicht mehr richtig getroffen habe, oder die Reihenfolge vertauscht habe - und weißt du was? Es hat trotzdem funktioniert. Und das bedeutet für mich: Diese Sache mit den Meridianen ist nicht der Weisheit letzter Schluß.

Und seit ich das weiß, kann ich mir fast beliebig auf Kopf und Körper herumklopfen, und erreiche dadurch trotzdem die gewünschte Wirkung. Ich klopfe "intuitiv", suche eine Stelle, an der es "gut tut", weiß, daß es hilft - und deshalb hilft es. Klasse Sache.

Hätte ich allerdings absichtlich fehlgeklopft, im Wissen "du machst das falsch, das kann so nicht wirken", ich bin mir sicher, genau das wäre auch eingetreten.

W*ar mIal der KKatxer


Sinnestäter

Aber wird nicht der Glaube an eine Wirkung (ich nenne das lieber Erwartungshaltung) längst berücksichtigt ? Beispiel die von dir erwähnten doppelverblindeten Studien: Selbst die Kontrollgruppe, die nur ein Placebo bekommen hat, weist meist einen gewissen Grad an Verbesserung auf. Nur wenn die Gruppe, die das Medikament erhalten hat, einen messbar höheren Grad an Verbesserung erreicht spricht man doch von einem Eigennutzen einer Substanz. Interessanterweise weist auch meist ein bestimmter Teil der Placebo-Gruppe Nebenwirkungen auf, einfach weil sie erwartet werden.

Was ich sagen will: Die Erwartungshaltung ist ein Faktor, aber nicht der alleinige.

Ich finde nur, dass man den Glaubensanteil zwar einbeziehen, aber nicht überbewerten darf. Das beeinhaltet nämlich die Gefahr der Ausrede, der Betroffene habe nur nicht fest genug geglaubt, wenn etwas nicht wirkt.

Ich sage nochmal, der Handlungsteil von EFT kann bei bestimmten Störungen wie Angst oder Panik sicher wirksam sein: Das Beklopfen lenkt bei Angst die Aufmerksamkeit nach aussen und kann so helfen, den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen. Man tut etwas, wird also selbstwirksam. Die Formulierung von "Glaubenssätzen" kann helfen, dysfunktionale Gedanken zu ersetzen. Diese beiden Techniken sind so auch Bestandteil herkömmlicher Psychotherapie. Was in der Psychotherapie fehlt ist das übergeordnete Glaubenssystem. Vielleicht ist das ein Manko, vielleicht urteile ich zu hart über das Glaubenssystem hinter EFT, aber es ist in meinen Augen zu diffus und teilweise bizarr.

Sich ein Buch zu kaufen und auszuprobieren ist sicher nicht verkehrt. Problematisch wird es, wenn man sich in diesem Glaubenssystem verliert, von Workshop zu Workshop rennt, noch ein Buch, noch ein Besuch bei einem Heiler, Selbstzweifel weil man es nicht schafft fest genug zu glauben, usw. Da beginnt für mich die Grenze, an dem die verständliche Verzweiflung mancher Menschen ausgenutzt wird.

S%innePstäwtexr


Kater

Aber wird nicht der Glaube an eine Wirkung (ich nenne das lieber Erwartungshaltung) längst berücksichtigt ? Beispiel die von dir erwähnten doppelverblindeten Studien

Natürlich wird das berücksichtigt, vor allem bei einer Medikamentenzulassung.

Aber danach...frag mal einen Psychiater, ob er bei seinem favorisierten Antidepressivum (jeder hat für bestimmte Symptome ein anderes, mit dem er "noch jeden wieder hingekriegt hat") der Meinung ist, es wirke zu einem beträchtlichen Anteil durch seinen Glauben - er wird dich völlig entgeistert ansehen. Und das trotz der möglichen Faktenlage, daß dieses Antidepressivum in diversen Studien nur eine Überlegenheit gegenüber Placebo im einstelligen Prozentbereich hat, und fiese Nebenwirkungen im zweistelligen Prozentbereicht erzeugt.

Der Mann wird vehement abstreiten, daß Johanniskraut oder Hopfentabletten unter Umständen genauso gut wirken könnten wie "sein" AD, wenn er es genauso gut verkaufen würde. So zumindest meine Erfahrungen mit den Göttern in Weiß - und ich sehe da nur einen marginalen Unterschied zum Verhalten eines Esoterikers. "Was, Placebo-Effekt? Nein, die Wirkung beruht ausschließlich auf (bla bla bla)".

Was ich sagen will: Die Erwartungshaltung ist ein Faktor, aber nicht der alleinige.

Da stimme ich dir auch absolut zu.

Was in der Psychotherapie fehlt ist das übergeordnete Glaubenssystem

Da nicht, zumindest nicht ohne Ergänzung: Auch in der Psychotherapie bekommst du erzählt "Dies oder das löst dies oder jenes aus, also muß man dies unterbinden und jenes fördern und dies dort aufarbeiten", obwohl es höchstens Indizien dafür gibt, daß es tatsächlich so ist.

Da werden nicht selten Theoriegebäude bar jeden Beweises erzeugt.

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