» »

Zwangsmästung von Kindern in Mauretanien

SWhoxjo


Was immer er genau gemeint hat: Ich finde es in diesem Zusammenhang, auch wenn ich jetzt sehr pedantisch bin, wirklich recht wichtig, nicht diesen kleinen Teil des Zitats herauszureißen und zu definieren, wer Mensch ist und wer nicht. ;-)

Man trickst sich damit so leicht aus. "Wer so etwas tut, ist kein Mensch" ... ich empfinde das als sehr problematische Äußerung und denke, ein bisschen gründliche Reflexion tut ganz gut. Besonders deshalb, weil ich den Impuls so gut verstehe, ich bin auch recht schnell mit Monsterdefinitionen zur Hand. Nur ist das eben nicht richtig so, nur weil es für den Moment so erleichternd wirkt.

Ejmma>_Peel


Was für den einen gut ist, wertet der andere schlecht. Somit ist ein Mensch gut und böse. Somit hängt es vom Betrachter ab. Ein Kind, das von seiner Mutter gemästet wird, empfindet nicht die Mutter als nur böse, sondern nur dann, wenn sie ihr etwas tut, was sie nicht will, was gegen ihren Willen ist. Wenn sie sie umarmt, findet sie die Umarmung in der Regel nicht böse.

Hä? Dem kann ich nicht folgen. Bei Folter gibt es für mich keine zwei Betrachtungsweisen. Es gibt einen der es ausführt, einen der es erträgt und in den meisten Fällen einen Beobachter.

Ist es in deiner Welt tatsächlich so einfach?

In vielen Fällen ist ein Täter nämlich auch ein Opfer – Opfer seines eigenen Erlebens, seiner eigenen Erfahrungen und seines Umfelds. Da wären wir auch wieder bei der Frage, inwiefern ein Erwachsener nun im Gegensatz zu einem Kind wirklich einen freien Willen hat. Vielleicht ist er ein wenig unabhängiger und weniger gefangen in bestimmten Strukturen, aber ganz sicher ist er kein unbeschriebenes Blatt. Übertragen auf diese Geschehnisse, die wir als Folter bezeichnen: Die Mütter dort fügen ihren Töchtern doch keinen Schmerz zu, weil es ihnen Lust bereitet, sondern sie denken, dass sie ihnen damit etwas Gutes tun. Und sie denken es, weil sie es nicht anders kennengelernt haben, denn sie sind in einer Welt großgeworden, in der das Mästen den Mädchen die besten Zukunftschance bietet.

Und auch du bist nicht völlig frei in deinem Wertesystem.

Warum verurteilst du denn die Praktiken in Mauretanien? Weil du hier aufgewachsen bist, daher einen anderen Blickwinkel besitzt und es verurteilen kannst.

_hTsuznamxi_


Warum verurteilst du denn die Praktiken in Mauretanien? Weil du hier aufgewachsen bist, daher einen anderen Blickwinkel besitzt und es verurteilen kannst.

Ich denke, die Antwort ist viel einfach einfacher.

Und zwar: weil die Kinder weinen und kotzen während sie der "gavage" unterzogen werden.

Natürlich kann man sagen, der Zweck heiligt die Mittel. Doch was ist der Zweck und was sind die Mittel?

Ich würde grundsätzlich niemals die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind in Frage stellen. Doch ich stelle die Bildung und die Stärke der Mutter in Frage.

Doch woher sollen Bildung und Stärke einer Frau/Mutter in einem Land kommen, wo es wahrscheinlich weder angeboten, gefördert, noch gerne gesehen wird?

Wie bereits angemerkt, ist die "gavage" und deren "Nutzen" nicht mehr Massenverhalten und – denken, sondern ein Refugium ländlicher bzw. abgeschiedener Bevölkerung, die einfach mal nichts anderes kennt, als sie kennt und dieses nach bestem "Wissen und Gewissen" anwendet. Sie haben einfach keine andere Chance, es anders zu tun, als sie es kennen.

Wer soll ihnen diese Chance geben?

Man kann es nicht gutheißen, aber man kann es auch nicht verurteilen, denn man kann zwar etwas, aber nicht jemanden verurteilen, wenn es für den "Täter" keine (selbst) erkennbare Alternative gibt.

So ergibt sich ein logischer Schluß dafür, ob etwas gut oder schlecht ist – und zudem eine Verantwortung (selbst zu erkennen, was gut und schlecht ist, und einzuschreiten, wenn man erkennt, das etwas schlecht ist bzw. jemand schlecht handelt).

s%amplxe


alles richtig, völlig richtig – nur hilft man den kindern, die ja demzufolge widerum mästerinnen werden, wie auch deren töchter, nicht diesen teufelskreis zu durchbrechen, in dem man immer wieder betont, wie normal und kulturell gewachsen diese unmenschlichen praktiken (und das sind sie offentsichlich, wenn man sich den link von tsunami anschaut – keine nachgestellten scenen, sondern verzweifelt weinende und erbärmlicherweise immer wieder auskotzende mädchen) doch sind. trotz allem verständnis für das entstehen einer solchen kultur, ist es meines erachtens viel sinnvoller das ganze offensiv, kritisch anzugehen, mit dem ziel, dass diese frauen in absehbarer zeit nachfühlen was sie ihren kindern in vermeintlich bestem willen antun.

(- mit dem ziel die einstellung ändert sich – wie es glücklicherweise in mauretanien ja auch bereits geschieht. die alten traditionen brechen langsam auf, es gibt frauen, die sport treiben, die ihren kindern so was nicht mehr antun würden.)

s8ampule


grrr verdammt verdammt.

3. versuch

Die Mütter dort fügen ihren Töchtern doch keinen Schmerz zu, weil es ihnen Lust bereitet, sondern sie denken, dass sie ihnen damit etwas Gutes tun. Und sie denken es, weil sie es nicht anders kennengelernt haben, denn sie sind in einer Welt großgeworden, in der das Mästen den Mädchen die besten Zukunftschance bietet.

sWa!mple


zu tsunami möchte ich noch hinzufügen, das diese in ländlichen gebieten (hoffentlich) noch durchgeführte praxis, mit dem ziel die mädchen mit 12 zu verheiraten, sogar gegen die mauretanischen gesetzte verstößt. auch dort ist die ehe erst ab 18 jahren erlaubt.

das heißt unter beachtung der landeseigenen gesetzte könnten diese kinder später dann teenager, ja durchaus aus eigenem willen dick werden. nach der pubertät ist das ja nicht soo schwierig. ;-)

_2Tsu.namix_


nur hilft man den kindern, die ja demzufolge widerum mästerinnen werden, wie auch deren töchter, nicht diesen teufelskreis zu durchbrechen, in dem man immer wieder betont, wie normal und kulturell gewachsen diese unmenschlichen praktiken

Sie haben einfach keine andere Chance, es anders zu tun, als sie es kennen.

Wer soll ihnen diese Chance geben?

s^a;mplxe


Sie haben einfach keine andere Chance, es anders zu tun, als sie es kennen.

Wer soll ihnen diese Chance geben?

sensibilisierte hilfsorganisationen die sich dieses themas annehmen? die aufklärungarbeit leisten, gemeinsam mit fortschrittlich denkenden mauretaniern? leute die gezielt eben diesen organisation spenden?

auf jeden fall hilft es sicherlich gar nichts, immer wieder zu betonen, dass die tradition aus oben genannten gründen halt so ist, wie sie ist und wie sie schon immer war.

_iTsAun5amix_


auf jeden fall hilft es sicherlich gar nichts, immer wieder zu betonen, dass die tradition aus oben genannten gründen halt so ist, wie sie ist und wie sie schon immer war.

Richtig, aber mehr können "wir" auch nicht tun.

_pTsnuna>mi_


beachtung der landeseigenen gesetzte

Ich habe mich schon viel mit Gesetzen beschäftigt und darüber geschrieben: vergiss' sie.

In Deutschland und heute gibt es eine Vielzahl von Gesetzen, welche fragwürdig und ungerecht sind.

Gesetze sind wie Namen – Schall und Rauch.

Gesetze werden von Menschen für Menschen gemacht.

Die erste und letzte Instanz – unabhängig von Zeit und Ort – ist immer der Mensch, – nicht das Gesetz.

Ich linke ja so gerne: [[http://www.youtube.com/watch?v=LX6kVRsdXW4 Law Abiding Citizen]]

sjabm$p5le


Ich habe mich schon viel mit Gesetzen beschäftigt und darüber geschrieben: vergiss' sie.

In Deutschland und heute gibt es eine Vielzahl von Gesetzen, welche fragwürdig und ungerecht sind.

Gesetze sind wie Namen – Schall und Rauch.

klar, brauchst du mir nicht sagen, ich hab ne zeitlang für einen humanitären verein gearbeitet, u.a. mit einem projekt in afrika.

ich wollte damit eigentlich auch sagen, dass der boden, was das beenden dieser praxis angeht, offentsichlich wenigstens schon mal etwas geebnet ist.

_{TsunCaami_


@:) o:)

EXmma_xPeel


Okay, ich habe das Gefühl hier wird immer noch Erklärung mit Rechtfertigung verwechselt.

Auf dieser Basis macht es wenig Sinn weiter über dieses Thema zu diskutieren. *:)

SWho/jo


So ergibt es sich bei emotional besetzten Themen meistens, leider.

Ich frage mich nur, was - außer gerechter Empörung - wird denn vorgeschlagen? Sollen wir in Mauretanien einfallen und dort mit Gewalt die Lebensumstände ändern? Natürlich ist es nicht in Ordnung, was da mit den Mädels passiert. Ebenso natürlich frage ich mich jedoch auch, wie das Ganze dann in echt aussieht und nicht empörungswirksam zusammengeschnitten - dass es weiterhin nicht in Ordnung ist und bleibt, steht außer Frage, aber dennoch ergibt sich mit Sicherheit ein etwas anderes Bild.

Mich erinnern die gequälten Gesichter der Mädels übrigens ein bisschen an sehr dicke Mädchen in Deutschland, die unablässig zum Sport genötigt werden. Ein ketzerischer Gedanke, ich weiß. Aber ich werde ihn nicht los.

s5amplbe


Okay, ich habe das Gefühl hier wird immer noch Erklärung mit Rechtfertigung verwechselt.

:)^

aber ist das hier, gerade in diesem thread, denn nicht zumindest stückweise miteinander verwoben?

Mich erinnern die gequälten Gesichter der Mädels übrigens ein bisschen an sehr dicke Mädchen in Deutschland, die unablässig zum Sport genötigt werden. Ein ketzerischer Gedanke, ich weiß. Aber ich werde ihn nicht los.

naja, meinst du wirklich?

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz | Mobile Ansicht   © med1 Online Service GmbH