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Zu nah am Wasser gebaut, was tun?

S?etz1en6 hat die Diskussion gestartet


Hallo!

Mein Problem ist, dass ich extrem schnell anfange zu heulen. Meist, wenn ich in irgendeiner Art versage und mich nicht zurückziehen kann. Sprich: Wenn etwas peinliches passiert und ich kann fliehen, so passiert nichts. Auch wenn ich alleine bin, muss ich nie weinen.

Lediglich in Situationen, wo ich nicht flüchten kann und sehr angespannt bin, bricht es aus mir heraus. Das möchte ich ändern.

Zwei Beispiele:

Ich war bei der Gesundheitsuntersuchung für die Beamtenlaufbahn. Fazit war natürlich, dass das Ganze nicht einfach wird, da ich schwerbehindert bin. Wahrscheinlich werde ich nicht verbeamtet. Ich wusste das zwar schon vor der Untersuchung, aber als die Ärztin dann noch gezielter nach meiner Erkrankung fragte, konnte ich nicht mehr an mich halten – und heulte los.

Anderes Beispiel:

Ich habe gestern meine Staatsexamensprüfung versemmelt. Es war mir immer wichtig, überall "die Beste" zu sein und schaffte dies auch oft. Nun begegnete mir innerhalb des Studiums ein Bereich, den ich auf Teufel komm raus nicht begreifen konnte. Trotz lernen und allem. Fazit: Gestern mündliche Prüfung und ZACK: 5!

Schon innerhalb der Prüfung begann ich zu weinen :-o :-o :-o Er stellte eine Frage und ich sagte verzweifelt und ehrlich: "Ich weiß es nicht!", woraufhin er schwieg. Dieses Schweigen war so schwer auszuhalten, dass mir die Tränen in die Augen schossen.

Bei der späteren Verkündung der Note platzte es dann richtig raus: Ich habe geschluchzt ohne Ende. Dabei wollte ich dem Prüfer so vieles noch sagen.

Naja, meine Frage jetzt: Gibts ein Heilmittel?

Das Weinen übermannt mich nämlich immer dann am stärksten, wenn ich eigentlich ziemlich viel zu sagen hätte – und es raubt mir jegliche Souveränität.

Antworten
SNeQtzeTn6


Wenn keiner antwortet, fang ich an zu heulen! ;-D

K$l}eio


Setzen6

Wenn keiner antwortet, fang ich an zu heulen! ;-D

;-D

Naja, das, was Du da beschreibst würde ich jatzt nicht als zu nahe am Wasser gebaut. Das sind alles Dinge, die Dir wichtig waren und Dich traurig machten, weil es nicht geklappt hat, oder hörst Du dann nicht mehr auf zu weinen und weinst dann tagelang darüber?

S>etzexn6


Tagelang nicht, aber in dem Moment schon ziemlich heftig. Das Schlimme ist halt, dass dies Situationen sind, in denen ich mir ein Weinen echt nicht leisten kann. Habe Angst, dass mir das auch im Berufsleben passiert...

Vor meinen Schülern habe ich noch nie begonnen zu weinen (da bin ich zu sehr in der Rolle der Lehrerin), aber in abschließenden Gesprächen mit den Tutoren schon. Ich kann einfach nicht souverän mit Niederlagen umgehen. Schon früher beim Kindersport habe ich vor Wut angefangen zu weinen...

Gibt es da wirklich keine Tricks, die Fassung zu wahren?

K]leio


Setzen6

Ich kann einfach nicht souverän mit Niederlagen umgehen.

Was bedeuten denn Niederlagen für Dich? Was ist der Grund, was Dich so traurig macht, dass Du weinen musst?

Schon früher beim Kindersport habe ich vor Wut angefangen zu weinen...

Wut? Worüber?

Vielleicht liest Du Dir mal diesen Faden durch:

[[http://www.med1.de/Forum/Psychologie/191420/3/]]

Zu sensibel für diese Welt, oder "die Reise der Pinguine"

a+.f6ish


Mh, also ich weiß nicht, ob Du das meinst, aber vor Wut/Frust weinen, kenne ich leider auch. Wenn ich das Gefühl habe, selbst etwas verbockt zu haben. Andere Menschen bringen mich eigentlich selten zu weinen, es ist halt dieser kaum auszuhaltende Frust über sich selber, diese dämlich Hilflosigkeit, weil man ja selbst der Grund für das Versagen ist.

Wenn ich alleine bin, passiert es eigentlich nie, zum Glück kann ich mich vor anderen eher fremden Personen auch sehr gut zusammenreißen. Aber wenn ich in meiner "comfort zone" bin, bei Menschen, bei denen ich mich einigermaßen sicher fühle (meine Mutter, mein Freund), da breche ich dann leider häufiger mal in Tränen aus. Und bin dabei aber eigentlich nur frustriert, nicht traurig – bist Du da wirklich traurig? ":/

S|etzexn6


Hallo Kleio, hallo a.fish!

Danke für eure Beiträge.

Hmm, was sind Niederlagen für mich? Darüber habe ich eben nachgedacht und es ist eine gute Frage ":/ ..

Dann fiel mir die Antwort urplötzlich ein: Eine Niederlage ist für mich, wenn ich ein realistisches Ziel nicht erreiche, sei es durch meine Schuld oder die Ungerechtigkeit eines anderen.

Ich weine vor allem, wenn ich hilflos bin, bzw. mich so fühle. Und wenn ich mich schäme.

Wenn mir zum Beispiel jemand ins Auto fährt, und mein Auto ist Totalschaden, dann würde ich nicht weinen. Würde ich allerdings mein Auto selbst schrotten, würde ich weinen ohne Ende, weil ich einfach so sauer auf mich wäre.

Je länger ich jetzt darüber nachdenke, umso klarer wird mir das Ganze: Ich weine, wenn ich mich schäme, unzufrieden mit mir bin, einen Fehler mache usw.....

Wenn ich das Gefühl habe, selbst etwas verbockt zu haben. Andere Menschen bringen mich eigentlich selten zu weinen, es ist halt dieser kaum auszuhaltende Frust über sich selber, diese dämlich Hilflosigkeit, weil man ja selbst der Grund für das Versagen ist.

Genau das ist es!

Aber jetzt wo ich weiß, woher das ganze kommt: Wie kann ich es ändern?

Kole/io


Setzen6

Aber jetzt wo ich weiß, woher das ganze kommt: Wie kann ich es ändern?

Ich dachte, das wäre mit Deiner Antwort klar geworden. Vielleicht einfach weniger von Dir erwarten? Ist das eine Möglichkeit für Dich?

KPleio


Setzen6

Je länger ich jetzt darüber nachdenke, umso klarer wird mir das Ganze: Ich weine, wenn ich mich schäme, unzufrieden mit mir bin, einen Fehler mache usw.....

Du bist also nicht zufrieden mit Dir, wenn Du Fehler machst? Warum?

G#ibN-ichtxAuf


@ setzen6

Kenn ich alles. ;-D

Ich brech schon in Tränen aus, wenn ich mir den Fuß verknicke- nicht wegen den Schmerzen, sondern, weil ich mich soooo sehr ärgere eien so dumme, tollpatschige Pute zu sein. ]:D

Ich bin sehr perfektionistisch veranlagt und habe extrem hihe Anforderungen an mich selber. Ich schätze, dass es daran liegt- ich ertrage eigene Niederlagen überhaupt nicht.

Das war schon in meiner Jugend so und führte soweit, dass in eine Essstörung bekam, weil ich einfach immer und überall die beste und kontrollierteste sein wollte.

Mein Heilmittel dagegen: sich selber -mit all seinen Fehlern- akzeptieren und auch mal über sich selber lachen können.

Hat bei mir zwar noch nicht 100% angeschlagen, aber ich denke, dass ist der einzige weg.

a,.fixsh


Ich weine, wenn ich mich schäme, unzufrieden mit mir bin, einen Fehler mache usw.....

:)z

Das Schämen ist bei mir auch ein großer Faktor. Ich kann Anderen Fehler oder glatte Unhöflichkeiten leicht vergeben, aber mir selber? Da schäme ich mich in Grund und Boden, weil ich mir das nicht zugestehe.

Von sich selber weniger erwarten – ja, ich denke auch, dass das der einzige Weg ist.

Beert>i_x54


Setzen6

Aber jetzt wo ich weiß, woher das ganze kommt: Wie kann ich es ändern?

Arbeite an deinem Selbstvertrauen. Sag dir: "ich kann das. Ich bin gut." Andere machen auch Fehler. Jedem passiert mal ein Missgeschick! ;-)

Und niemand will dir bei einer Prüfung den Kopf abreissen! Wenn du mal etwas nicht weisst, wird dir ein netter Prüfer weiterhelfen.

SZetz)en6


Komischerweise ist das nur in Bereichen, wo ich eigentlich gut bin. Also in der schule habe ich zum Beispiel Chemie nie begriffen und hatte auch mit 5en keine Probleme. Dachte mir einfach immer: Shit happens.

Aber jetzt zum Beispiel in meinem Studium war ich immer und überall die Beste, und dann hab ich plötzlich eine 5 reingehauen. Das war echt herb.

Ich erwarte von mir in gewissen Bereichen sehr viel und wenn ich das dann nicht erreiche, fühle ich mich minderwertig und nicht liebenswert.

Ihr habt Recht, ich müsste meine Ansprüche herunterschrauben, aber das ist nicht einfach....zumal die Leute ja von mir erwarten, dass ich in bestimmten Bereichen super bin. Meine Familie konnte es gar nicht fassen, dass ich jetzt so versagt habe...aber sauer war niemand, im Gegenteil. Sie haben richtig toll reagiert, mich getröstet usw x:)

Aber ich kann nicht mehr in den Spiegel schauen...

Ich wollte mich vor dem Prof regelrecht rechtfertigen, mich entschuldigen, dass er so eine Blamage erleben musste. Und das, obwohl er mich zum Teil ziemlich reingeritten hat. Wenn er sich an meine Gliederung gehalten hätte, hätte ich eine 4 geschafft (was auch nicht super ist, aber doch eher meinen Fähigkeiten entsprach....)..eine 4 hätte ich irgendwie noch ausgehalten und sie wäre angemessen...aber diese Kombination aus "Nichtwissen" und fieser Prüfer hat mir irgendwie den Rest gegeben..

Einerseits wollte ich mich entschuldigen, weil er eine halbe Stunde seines Lebens mit mir verplempert hat, andererseits hätte ich ihm auch gerne gesagt, dass er mir nicht unbedingt geholfen hat, eine 4 zu schaffen...

Aber vor lauter Heulerei ging gar nichts mehr und ich dachte mir: Oh Gott, erst zeigst du nur Nichtwissen und dann heulst du auch noch! ....dieser Gedanke hat mir dann endgültig den Rest gegeben.

Ich befürchte es gibt keine Lösung für mein Problem

BKertii_5z4


:)_ Du schaffst das!!! Sage zu dir selbst:"ich schaffe das!"

Einerseits wollte ich mich entschuldigen, weil er eine halbe Stunde seines Lebens mit mir verplempert hat,

Wieso? Dafür wird er gut bezahlt!

andererseits hätte ich ihm auch gerne gesagt, dass er mir nicht unbedingt geholfen hat, eine 4 zu schaffen...

Solltest du ihm mal sagen, vielleicht etwas diplomatisch.

SmetzVen6


Da sagt der Prüfer zu mir: "Tut mir leid, aber egal was ich gefragt habe, Sie wussten es nicht. Da muss ich Ihnen eine 5 geben!" und ich wollte am liebsten antworten: "Das stimmt vollkommen. Ich wusste nichts, was Sie gefragt haben und das verdient eine 5. Aber Sie hätten nach Feststellen meines Nichtwissens gnädigerweise einen Blick auf meine Gliederung werfen können und dann diese Dinge fragen können, denn dann hätte ich eine 4 geschafft!"

Stattdessen saß ich da und hab geheult, geschluchzt, geschnieft...

Oder bei der Gesundheitsamtuntersuchung bzgl. Verbeamtung:

DIe Ärztin sieht auf dem Bogen, dass ich angegeben habe, Schwerbehindert zu sein aufgrund einer Lungenerkrankung. Sie fragt dann bzgl. meiner Dienstfähigkeit, Krankenhausaufenthalte usw. Bohrt richtig nach. Geduldig, aber langsam schon echt traurig, antworte ich. Sie verzieht das Gesicht und sagt, dass eine Verbeamtung wohl dann nicht in Frage kommt.

Dann sieht sie, dass ich zwischen 2007 und 2008 eine Depression wegen einem Verlusterlebnis hatte (welches ich mittlerweile aber dank guter Trauerarbeit verarbeitet habe...) und fragt gezielt nach. Ich – völlig fertig von der Situation- fange an zu heulen und sage heulend: "Ich habe dieses Verlusterlebnis überwunden und bin drüber weg"....sehr überzeugend, schließlich sitze ich heulend vor ihr. Dass das aber die Wahrheit war, konnte ich ihr nicht sagen. Sie fragt mich dann, warum ich dann heulen würde, woraufhin ich vor lauter Schluchzen nicht antworten kann. Eigentlich wollte ich antworten: "Weil ich hier sitze wie in einem Verhör. Weil der bayerische Staat mich gerade aussortiert, weil meine Lunge nicht funktioniert und ich vor 2 Jahren mal traurig war. Weil ich gerade disqualifiziert werde, obwohl ich im Studium stets gute Leistungen brachte und nie fehlte." Tja, das alles konnte ich ihr leider aufgrund von Schluchzern nicht sagen und die nette DAme dachte, ich sei immer noch wegen des Verlustes depressiv.

Naja, verbeamtet werde ich wohl nicht. Das Pferd wurde auf der Viehschau leider nicht für gut befunden. Okay, ihr könnt mich mal. Ich wusste ja, dass ich sowieso nicht verbeamtet werde, warum also fragt ihr das alles? Wir hätten es doch einfach von vornherein so sagen können: "Frau L. wird nicht verbeamtet, die ganzen quälenden Fragen lassen wir mal weg."

Ich wollte nicht weinen, sondern souverän wirken. Denn ich bin gut in meinem Job. Das bin ich wirklich.

Ständig habe ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Mich beweisen zu müssen. Vor mir selbst. Vor den Professoren. Vor dem bayerischen Staat. Vor allem.

Schwelge gerade ein bisschen in Selbstmitleid, bitte entschuldigt. Aber Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

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