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Verändern Antidepressiva den Charakter?

Mgicalxea


Ich kann mich Zwack44 und schnecke1985 nur anschließen.

Mir haben Ads immer sehr geholfen und noch nie meinen Charakter verändert. Ich bin zur Zeit auch sehr depressiv und überlege auch wieder ein Ad ein zu nehmen.

MQayfxlo&wer


Ich wage – als Nicht-Betroffene, aber Angehörige – zu behaupten, dass psychische Erkrankungen einen Menschen verändern. Selbst wenn die akute Krankheit überwunden ist, gibt es ein Vorher und ein Nachher. Gerade wenn Menschen Therapien machen, in denen sie sich intensiv mit ihrer Vergangenheit, Gefühlen, Motiven und Handlungsmustern auseinandersetzen müssen, können sie sehr grosse persönliche Entwicklungsschritte machen.

Das kann dazu führen, dass Angehörige und Freunde das als ein Wegbewegen und Distanzieren empfinden. Man sagt dann "er/sie ist nicht mehr so wie früher".

Ich habe das persönlich miterlebt und ich weiss bis heute nicht, wie ich das Ganze für mich gefühlsmässig einordnen soll. Für die betroffene Person war die Veränderung ohne jeden Zweifel positiv. Sie hat viel gelernt und achtet heute viel mehr auf ihre eigenen Signale und Bedürfnisse. Aber ich als "Zuschauerin" habe manchmal das Gefühl, dass ich die Person, die ich mal kannte (oder zu kennen glaubte), nicht mehr ganz erfasse. Ist schwierig zu erklären...

MJic alea


Ich habe mich auch in den letzten 4 Wochen durch die Depression sehr verändert. Meiner Meinung nach habe ich mich sehr negativ verändert. Ich denke, ich bin heute nicht mehr die, die ich vor 4 Wochen noch war. Bewusst ist mir das erst vor ein paar Tagen geworden. Freunde haben mir das auch bestätigt. Ich möchte wieder die werden, die ich war. Wenn ich das so nicht hin bekomme, dann mit einem Ad.

S2unflpower_x73


AD's verändern den Charakter nicht. Ja, sie machen wieder lebensfroher etc., d.h. sie machen die Folgen der Erkrankung rückgängig. Aber sie machen aus jemand Ruhigem keinen Draufgänger, etc.

Mirtazapin macht müde – aber die Alternative zu einem sedierenden AD wäre ein antriebssteigerndes. Und DAS ist viel zu riskant bei jemandem, der gestern aus dem Fesnter springen wollte. Antriebssteigerung = Wegfall der Antriebshemmung, die gleichzeitig wenigstens einen Suizid verhindern kann. Frage mich ernsthaft, warum man dich nicht in der Klinik behalten hat vor DEM Hintergrund!

Letztlich ist das Problem, dass die antidepressive Wirkung von AD's erst nach 2-6 Wochen einsetzt und in der Phase v.a. die Nebenwirkungen überwiegen (bspw. Müdigkeit bei Mirtazapin). Da muss man halt durch – und man sollte die Nebenwirkungen auch in Kauf nehmen. Denn: Du schreibst zwar, dass Du es nicht gebrauchen kannst – aber hältst Du Dich in dem Zustand "ich springe aus dem Fenster" ernsthaft noch für leistungsfähig? Dann doch lieber vorübergehend Müdigkeit. Manchmal geht die schon nach 2-3 Tagen weg.

MHica{lea


[...] (weil ich woanders auf die schnelle nichts fand, nicht weil ich aus dem Fenster springen wollte) [...]

So weit ich das verstehe, war er nicht suizidgefährdet. Die Aufnahme in die Klinik ist daher nicht unbedingt nötig. Er soll ja wieder zurück in sein Leben und da ist ein Klinikaufenthalt meiner Meinung nach nicht immer hilfreich. Mich würde das eher behindern als mir helfen.

a=nthoxm


:)D PASST auf euch auf :)_

MDicalxea


@ Leviathan82

Ich würde Dir raten das Ad jetzt erst einmal ein zu nehmen. Wenn es nicht für Dich geeignet ist, kann man es auch gegen ein anderes aus tauschen. Ich finde, Du solltest unbedingt zu einem Psychiater gehen. Er kennt sich da am Besten aus und kann Dir auch mit der Medikation helfen. Wenn Du jetzt kurzfristig kein Termin bekommen solltest, sage, dass es dringend ist und gehe notfalls auch ohne Termin zu dem Psychiater.

Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute. :)* @:)

M8icaxlea


@ anthom

Danke. @:) Du aber auch auf Dich. :)* Jeder sollte immer gut für sich selbst sorgen.

D`adeNSwar:n


Depression ist ein Kreislauf, der früher oder später direkte, messbare, körperliche Folgen hat (geistig natürlich sowieso). Es ist eine Störung, die unterschiedlichste Auslöser haben, sie kann sowohl durch eigene Verhaltensmuster wie auch rein körperliche Ursachen oder schlichtweg mehr Stress als jemand aushalten kann induziert.

Egal wo der Impuls herkommt: Es manifestiert sich eine schwere Störung des "Stresskreislaufs" im Körper. Ist der Einfluß zu stark, geht das gesunde Gleichgewicht völlig verloren und eine sich selbst verstärkende Schleife fängt an. Depressionen verändern, je nach Tiefe, massiv die Persönlichkeit. In welcher Form und wie extrem das werden kann, kann wohl nur verstehen, wer es erlebt hat.

Insofern führt eine Abschwächung der Symptome natürlich auch zu einer Veränderung der Persönlichkeit: Das ist der Sinn dieser Medikamente.

Fakt ist weiterhin: Ab einer gewissen Schwere, gibt es für Betroffene keinen anderen Weg aus der Krise als AD. Das Problem an Depressionen ist ja, dass man die Kraft um "etwas dagegen zu tun", irgendetwas anzufangen (z.B. eine ohne Frage sehr anstrengende Therapie) und durchzuziehen fehlt. Es kann so schlimm werden, dass man keinen geraden Gedanken fassen kann, auch gar keinen Sinn mehr in irgendeiner Anstrengung sehen kann(!).

AD versuchen gerade, von außen eine regulierende Kraft in diesen Kreislauf zu schieben, um ihn zu normalisieren. Da das ein sehr heftiger Eingriff in die Körperchemie ist, gibt es natürlich auch recht starke Nebenwirkungen (relativ zu anderen Medikamenten). Wie schon erwähnt, reagiert auch jeder sehr unterschiedlich auf die vielen Möglichkeiten von Kombinationen, so dass man oft etwas "rum probieren" muss, bis eine möglichst nebenwirkungsfreie und effektive Mischung gefunden wurde.

Die Nebenwirkungen sind aber temporär und kein Zeichen von Abhängigkeit. Viele Leute haben eine durch akute Stresssituationen induzierte Depression, die sich mit einer Medikamentetherapie oft "schnell" wieder erledigt. Andere haben aber körperliche oder psychische Auslöser, die dazu führen, dass die nächste Depression schon wieder heranrollt, während die erste überstanden ist, weil die eigentliche Ursache nicht behoben wurde. Das kann wirken wie Abhängigkeit, ist es aber nicht wirklich.

M?oll(ienchexn


Ich bin durch AD sehr gleichgültig geworden, war zwar nicht mehr bedrückt aber auch nicht fröhlich, man konnte mich beschimpfen und es war mir egal. Mehr Antrieb hatte ich dadurch nicht.

Aber ich denke es hängt auch damit zusammen wie man sowieso ist. Ich war schon immer eher der Typ den man mitschleifen muss und der keine Initiative ergreift, und wenn einen dieser Zustand vorher gestört hat und durch AD plötzlich egal ist, sind das ja keine tollen Voraussetzungen, um was zu ändern.

Wenn's einem RICHTIG dreckig geht, ist es sicherlich sinnvoll, damit zu überbrücken (denn das Nachlassen negativer Gefühle kann auch schon eine Entlastung sein), aber wenn es nicht nur eine durch bestimmte Sachen ausgelöste Depression ist (z.B. Stress), sondern man generell depressiv ist, ist's keine Dauerlösung.

Meinen Charakter hat's zumindest nicht verändert, als ich sie abgesetzt habe war ich wieder wie vorher. Insofern braucht man davor keine Angst zu haben. Einen Versuch ist's allemal wert.

B'arc,eSloxneta


Da das ein sehr heftiger Eingriff in die Körperchemie ist, gibt es natürlich auch recht starke Nebenwirkungen (relativ zu anderen Medikamenten)

:)z Schließlich soll es ja im Gerhin wirken – und wenn einem jemand eine Wirkung im Gehirn verspricht und sagt, dass ist nebenwirkungsfrei, dann lügt er, denn das geht nicht. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung, grade in der Steuerzentrale. Aber: Man muss bei jedem Medikament Wirkung gegen Nebenwirkung abwägen. Wenn die Symptome der Krankheit schlimm genug sind, lässt sich viel an NW tolerieren, weil es immer noch besser ist – und vor allem im Gegensatz zur Krankheit irgendwann aufhört, da man ja behandelt wird!

Und ich hatte übrigens kaum bis keine Nebenwirkungen. Und das, obwohl ich fast den ganzen Beipackzettel akzeptiert hätte, denn Depressionen zu haben ist so scheiße, ich habe dann immer das Gefühl, dass man Leben zu Ende ist!

M_icaxlea


Die meisten Nebenwirkungen vergehen nach meiner Erfahrung auch nach einiger Zeit. Wenn die Nebenwirkungen zu schlimm und/ oder absolut inakzeptabel sind, kann man ja auch auf ein anderes Ad wechseln. Dazu sollte aber ein guter Psychiater zu Rate gezogen werden.

SLi!nneKs täter


Zwack44

sondern vielmehr in der unreflektierten Weise, in der hier persönliche Vorstellungen als Fakten verkauft werden

Ich weiß nicht wie es dir geht, aber wenn ich in einem Laienforum lese, dann erwarte ich persönliche Vorstellungen, Meinungen, Erfahrungen, aber keine Doktorarbeiten mit Quellenangaben.

Wenn da also einmal eine unreflektierte und wenig differenzierte Kontra-Meinung unter vielen Pro-Meinungen auftaucht, dann ist das -in meinen Augen- eine Bereicherung, denn sie trägt zur umfassenden Meinungsbildung des Fragestellers bei. Es gibt nunmal Menschen, denen haben Antidepressiva mehr geschadet als genutzt, das kann man nicht wegdiskutieren, und selbst wenn es nur einer von hundert ist, finde ich diese Information immer noch wichtig, und sei es nur zum Zweck des Wissens an sich.

Die Entscheidungsfindung des Fragestellers wird basieren auf seinem persönlichen Gefühl, der Überzeugungskunst seiner Ärzte, und eventuell der Anzahl und Überzeugungskraft der Pro/Contra-Meinungen aus diesem Forum. Und nebenbei existiert in Meinungsforen eine Selbstregulierung durch die Benutzer – Ich, Du, schnecke1985 und firefighter80 sind sofort darauf angesprungen, und haben den Beitrag wieder relativiert.

Insofern finde ich es schade, daß er entfernt wurde, auch wenn er mir selbst zu undifferenziert war – was aber auch auf die Pauschalaussage "ADs verändern den Charakter nicht" zutrifft.

In diesem Zusammenhang möchte ich leise daran erinnern, dass sich 15% depressiver Menschen das Leben nehmen.

Lies mal [[http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0505_c.php3 hier]].

aBntxhom


Das ist doch wahnsinn :°( :-( ":/

H"asexrl


Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen das es solche und solche gibt. Und jeder reagiert darauf individuell.

zB wirkte Quetiapin bei mir nicht charakterverändernd. Paroxetin dagegen schon.

mMn sollte es nicht Sinn und Zweck der Therapie sein Mitteln zu nehmen die den Charakter komplett verändern. Ich sehe es als unerwünschte Nebenwirkung.

Siguté *:)

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