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Unkontrollierbare nächtliche Panikattacken, wer kennt sich aus?

VRatoSLoxco hat die Diskussion gestartet


Hallo zusammen,

Bevor ich euch mit dem eigentlichen Problem vertraut mache, möchte ich kurz etwas über meine "Leidensgeschichte" erzählen.

Ich hatte schon immer Herzstolpern, im Liegen, beim Sitzen, beim Sport etc. Daraus habe ich bald mal eine Angst entwickelt. Ich könnte ja sterben, Kammerflattern und -flittern bekommen etc., obwohl ich nach Untersuchungen beim Kardiologen als organisch gesund befunden wurde. Wie die meisten mit solchen Problemen habe ich also EKGs gemacht, 24h-EKG, bei dem ich logischerweise nie welche Aussetzer hatte. Trotzdem war und ist mein Herz im Grunde sehr gesund und stark, dem Arzt zufolge. Man hört aber trotzdem immer irgendwelche Horrorgeschichten: Gesunder Sportler beim Joggen plötzlicher Herzstillstand etc. Dann erinnerte ich mich an meine Extrasystolen beim Sport und machte mir Angst, obwohl ich diese Anfälle eigentlich immer überstanden habe, irgendwie.

Nun, aufgrund meiner zunächst noch leichten Herzphobie entwickelte sich mehr. Seit Weihnachten, an dem ich ein Herzstolper-Anfall (Viele Stolperer in wenigen Minuten) hatte, gehe ich mit dem Thema Herz und Kreislauf etwas vorsichtig um. Ich machte mir zu dieser Zeit viele Sorgen, hatte Angst um mein Leben etc. Ich liess auch den Alkohol völlig weg, und nahm einen gesünderen Lebensstil an. Seitdem habe ich kaum noch Herzstolpern, ab und zu vereinzelt, aber äusserst selten. Hatte ich früher meist jeden Tag welche. Der Arzt attestierte mir wiederum ein gesundes Herz.

Trotzdem blieb die Angst irgendwie. Nun das eigentliche PROBLEM: Panikattacken. Ich kannte sie nur teilweise, momentan hatte ich schon die eine oder andere: Im Zug einmal, an einer Prüfung, im Tunnel etc. Doch es hält sich in Grenzen und ich arbeite daran. Jedoch habe ich seit dieser Erfahrung an Weihnachten nächtliche Panikattacken. Sie kommen mitten im Schlaf.

Nun, diese Panikattacken in der Nacht machen mir besonders Angst, da ich sie nicht kontrollieren kann. Ich wache immer 30-60 Min. nach dem einschlafen auf mit Herzrasen und manchmal schnappe ich auch nach Luft. Ich habe zudem bemerkt, dass ich beim Aufwachen panisch erwache, nicht gleich weiss wo ich bin, ja ich verlier ein wenig die Orientierung und tappe im Dunkeln, was das Ganze noch schlimmer macht. Dann spüre ich wie mein Herz rast. Schneller und schneller, ich atme jedoch ruhig und langsam, weil ich das gelernt habe in einer solchen Situation zu tun. Trotzdem schiesst das Adrenalin regelrecht in mein Herz, ich schwitze, zittere, werde blass, und das Herz ist bestimmt bei 160-180 Schlägen pro Minute, falls ich das nicht überbewerte aufgrund der Angst. Dann trinke ich kaltes Wasser oder bücke mich nach vorne, was den Puls zunächst ein wenig beruhigt, dieser dann aber trotzdem noch weiterrast. Herstolpern kommt fast nie vor, nur wenn ich mich wieder beruhige, wenn ich mich hinsetze oder auf den Rücken lege, was für mich irgendwie logisch ist. Denn das Herz muss sich zuerst beruhigen, von Tempo 180 auf meinen Ruhepuls von 60, so dass ein Herzstolperer eigentlich normal wäre. Nach 2-5 min ist der Puls normal. Danach fällt es mir schwer einzuschlafen, da ich noch voller Adrenalin bin und zuerst umherlaufen muss. Der Puls pendelt sich ein, kommt aber vor dem einschlafen wegen der Angst ab und zu gegen 100 und durch das ruhige Atmen und Beruhigen wird alles weniger.

Doch, warum diese Anfälle? Sind diese für mein Herz doch gefährlich? Ist dies psychisch bedingt? Oder leide ich an einer Tachykardie, obwohl mein Herz doch organisch gesund ist? Hält mein Herz dieses Rasen aus? Was, wenn noch Herzstolpern bei diesem Herzrasen dazukommt? Das sind Fragen, die mir dann noch mehr Angst machen in diesen Situationen, und ich dann gerate ich in einen Teufelskreis. Was meint ihr dazu? Normal passiert mir das nicht zuhause, nur wenn ich halt nachts aus dem Schlaf erwache. Hatte das auch schon früher, als ich Stress hatte, aber nicht so oft.

Nebenbei: Wenn ich alleine schlafe, kommt das nur vor. Sobald ich zu zweit, also mit Freundin, im Bett bin, habe ich das nie. Es kann passieren, dass ich verängstigt und verwirrt aufwache, doch dann beruhige ich mich gleich und schlafe weiter. Wenn ich allein schlafe,passiert es halt nachts, dass mich die Panik einfach so mitten aus dem Schlaf reist. Das Herz rast dabei bereits. Der Arzt meinte, solange mein Herz gesund ist, und die Anfälle nur so kurz dauern, sollte es nicht schlimm sein. Kann psychisch sein, dann gab er mir Relaxane, pflanzliche Tabletten mit Baldrian etc. Half mir zunächst, vielleicht auch Placebo. Ich weiss es nicht. Inderal 10mg Betablocker habe ich auch bekommen, für die Prüfungen, damit ich nicht aufgeregt bin. Soll keine Nebenwirkungen haben auf kurze Dauer und Einnahme ist unbedenklich. Nun ja, wie bewertet ihr das Ganze, falls ihr alles lesen wollt ;-)

Liebe Grüsse und vielen Dank denen, die sich Zeit für mich nehmen.

Antworten
Wnar maxl )der Katxer


Hallo

Ich bewerte es genau wie du als Panikattacken. Panikattacken kommen paradoxerweise auch im Schlaf oder besonders gerne auch in der Einschlafphase vor.

Dein Herz wurde bereits gecheckt und es wurde nichts gefunden. Und du schilderst eine Vorgeschichte mit Herzangst, Panik im Zug oder bei Prüfungen und die klassische Angst vor der Angst.

Panikattacken sind extrem unangenehm aber nicht gefährlich für das Herz, wenn du eine Treppe hochgehst oder Sport machst ist das für das Herz in etwa die gleiche Belastung...praktisch keine. Der Unterschied ist die Bewertung, ein schneller Herzschlag beim Treppenlaufen wird eben auf die Anstrengung zurückgeführt und macht keine Angst. Aber wenn es so plötzlich und scheinbar ohne Ursache kommt dann schiessen Gedanken von Herzinfarkt, Herzfehler etc. durch den Kopf und das macht richtig Angst. Die Angst (also eigentlich freigesetzte Stresshormone) erzeugt weitere körperliche Symptome, die weiter verunsichern. Die Angst vor der Angst erzeugt ein höheres Stressniveau, ein idealer Nährboden für weitere Angstanfälle.

Ich habe aber den Eindruck, das ist dir schon bekannt. Es käme jetzt darauf an, diese angstverstärkenden Gedanken zu "verlernen". Hast du schon einmal mit einem Psychotherapeuten über diese Dinge gesprochen ? Das halte ich persönlich für sinnvoller als Betablocker oder Baldrian.

V atogLocxo


Hi, ich danke Dir für deine ausführliche Antwort.

Nun, der Hausarzt hatte mal vorgeschlagen ein Langzeit-EKG zu machen, damit man dies aufzeichnet bei Nacht. Aber ich meinte, ich hätte keine Lust auf all dieses Zeug, wenn ich gesund bin sollte ja nichts passieren. Und von Arzt zu Arzt zu rennen hab ich keine Lust. Und ich bin überzeugt, dass es psychisch sein muss, da ich es ja auch schon früher ab und zu hatte und es tritt ja nur auf wenn ich alleine schlafe. Wie das möglich ist, kann ich mir nicht erklären.

Ausserdem stimme ich dir zu, es kommt nur in der Einschlafphase vor. Nicht später. Wenn ich also eine Tachykardie oder sonst was hätte, müsste diese ja auch sonst vorkommen.

Ich übe mich gerade darin, meine Ängste zu verlernen. Ich habe halt momentan vor gewissen Situation Angst, in denen die "Angst", also die panische Reaktion, auftauchen könnte. Ich hab also Angst vor den Symptomen, v.a. Herzrasen. Ich weiss ja, dass nicht passieren kann, aber trotzdem habe ich Angst, dass die Attacke nicht vorbeigeht oder so heftig wird, dass mir trotzdem was passiert.

Was auch immer bei solchen Situation passiert ist, dass ich Angst habe, ein Kammerflimmern zu kriegen oder ähnliches, was medizinisch ja bei einem gesunden Herz und v.a. bei einer Panikattacke nicht passieren kann/soll.

Eine Psychotherapie will ich noch nicht machen, da es sich in Grenzen hält. Ich lese und informiere mich viel darüber, lerne Atemtechniken, positiver zu denken und das ganze nicht so tragisch zu sehen. Kennst du dich damit aus? Vllt. paar Tipps, v.a. eben zu meiner Herzphobie? :)

Danke dir, liebe Grüsse

WQar 8m7al dQer :Kwater


Hallo

Ich habe halt momentan vor gewissen Situation Angst, in denen die "Angst", also die panische Reaktion, auftauchen könnte. Ich hab also Angst vor den Symptomen, v.a. Herzrasen. Ich weiss ja, dass nicht passieren kann, aber trotzdem habe ich Angst, dass die Attacke nicht vorbeigeht oder so heftig wird, dass mir trotzdem was passiert.

Das ist der Ansatzpunkt. Die Gedanken, dass etwas schlimmes passiert, dass es immer schlimmer wird, dass es nie aufhört. Genau das führt dann in die eigentliche Panikattacke.

Wenn du also aufwachst mit Herzrasen wäre es eine gute Strategie sich zu sagen, dass alles nur die Folge vermehrter Stresshormonausschüttung ist. Also gedanklich gegensteuern. Und das immer wieder zu tun um diese Katastrophierung zu unterbrechen. Am Anfang klappt das meist noch nicht so gut, aber je länger man konsequent gegensteuert umso eher werden diese Panik-Gedanken nachlassen.

Auch ganz brauchbar ist Konfrontation, also bewusst Herzrasen herbeizuführen. Daraus kann man lernen, dass Herzrasen harmlos ist und nach einer Weile wieder nachlässt. Statt also Situationen oder Herzrasen generell zu vermeiden, macht man genau das Gegenteil, man führt es absichtlich herbei. Damit gewinnt man wieder Eigenkontrolle zurück und verliert das Gefühl, dieser Situation hilflos ausgeliefert zu sein.

Man kann sich die Angst auch personalisieren und dann mit ihr reden. So etwa: "Was willst du denn jetzt wieder ? Ist das alles was du draufhast ?" Klingt blöd, hilft aber oft ;-) .

Es ist alles eine Sache der Übung, man lernt sehr schnell diese Angst vor der Angst. Das zu verlernen dauert länger. Bei mir hat es aber auch geklappt, genau mit den genannten Methoden.

VBatoLoxco


Danke für deine Antwort. Ich finde, das sind sehr gute Ansätze, die in meinen Augen Sinn machen und an die ich auch anknüpfen werde. Ich lese momentan ein Buch "Ängste verstehen und überwinden", wo auch solche Tipps gegeben werden.

Morgen gehe ich z.B. in die Ferien und muss durch zwei lange Tunnel fahren. Vorher hatte ich noch nie Angst vor Tunnel, geschweige denn vor irgendwelchen normalen Alltagssituationen wie alleine Zugfahren bei Nacht oder solche Sachen. Es ist ja auch nicht die Situation, die Angst macht, sondern die eigenen Gedanken, die mir sagen:"Was wenn du in dieser Situation Angst kriegst? Im Tunnel könntest du eine Panikattacke kriegen und kannst nirgends ausweichen."

Obwohl ich ja weiss, dass ich eine Panikattacke genausogut zu Hause haben kann oder im Tunnel, es kommt auf dasselbe hinaus. Es sind bloss meine Gedanken, die einer Situation mehr oder weniger Bedeutung geben.

Ich bin mir bewusst, dass ich morgen da durch muss. Und ich stelle mich auch dieser Situation. Falls die Panik eintritt, wird sie auch irgendwann wieder verschwinden. Ewig kann es ja nicht andauern ;=)

LG

WVar m#al d er yKater


Was wenn du in dieser Situation Angst kriegst? Im Tunnel könntest du eine Panikattacke kriegen und kannst nirgends ausweichen.

Ja, typischer Gedankengang bei Agoraphobie mit Panikattacken. Und die Tunnel sind eine super Übung. Provoziere die Attacken doch noch, erwarte sie. Sieh es als Prüfung wer stärker ist, du oder die lächerliche Panik.

Es ist ganz wichtig, kein Vermeidungsverhalten zu entwickeln. Immer genau dahin wo die Angst ist. Alleine nachts Zug fahren macht Angst ? Dann erst recht.

Falls die Panik eintritt, wird sie auch irgendwann wieder verschwinden. Ewig kann es ja nicht andauern ;=)

Wenn du das verinnerlicht hast bist du schon einen grossen Schritt vorwärts gekommen.

Einen trotz allem schönen Urlaub wünsch ich

VEatoLfoco


Na, ich sehe dies als Phase in meinem Leben. Ich hatte schon oft verschiedene Phasen, und werde bestimmt nicht daran hängen bleiben. Ich denke, die Menschen, die mehr zu Problemen neigen, sollten auch was Positives daraus ziehen. Es macht den Menschen stärker, wenn man es überwunden hat. Es werden einem die Grenzen des Möglichen und Unmöglichen im Leben gezeigt.

Sobald ich diese Phasen durch habe, fühle ich mich einfach besser und stärker. Man soll nach solchen Erfahrungen positiv zurückschauen und sagen können, das hat mich gestärkt. Ich sollte froh sein, dass es mir jetzt so gut geht und den neuen Moment schätzen. So schnell werde ich nicht wieder in ein Loch sinken. Ich denke, jeder sollte das Ganze, obwohl es schlimm zu sein scheint, ein wenig mit Humor und positivem Denken betrachten.

Lieber Gruss

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