» »

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Jauley hat die Diskussion gestartet


Hallo ihr Lieben, kennt sich zufällig jemand mit histrionischer Persönlichkeitsstörung aus? Hab diese Diagnose letzte Woche bekommen, als neue Hauptdiagnose, bisher war Borderline meine Hauptdiagnose. Das, was man im Internet darüber lesen kann, schockiert mich irgendwie total, da meiner Meinung nach nur sehr sehr wenig von dem, was da beschrieben wird, auf mich zutrifft. Meine behandelnde Therapeutin in der Klinik hat mir leider nur sehr wenig darüber gesagt, warum sie mir diese Diagnose gibt ("Das hat was mit Ihrer "Maske" zu tun, damit, dass ich nie eindeutig sehen kann wie es Ihnen geht" usw, also nur diffuses Bla bla, nix Konkretes). Ich interpretiere es so, dass die in mir einen theatralischen Märchenerzähler mit dem Hang zum Lügen und ohne Zugang zu den Gefühlen meiner Mitmenschen und zum logischen Denken, also einen dummen Gefühlstrampel, sehen, der immer im Mittelpunkt stehen will und das zur Not auch erzwingt. Was aber definitiv nicht der Fall ist, im Gegenteil, ich habe mich meistens zurückgezogen und den Kontakt zum Personal gescheut (zur Erklärung: die Diagnose erfolgte im Rahmen einer 3monatigen Therapie gegen Borderline). Bin komplett verwirrt und bekomme keine Antworten auf meine Fragen, nun weiß ich nicht was ich tun soll... Klar, ne zweite Meinung einholen von Fachleuten die mich schon länger kennen, aber das kann ich frühestens in 2 Wochen tun. Sorry fürs Vollquatschen... Naja wenn jemand etwas über diese Krankheit weiß, ich würde mich über Infos sehr freuen, vielleicht auch Erfahrungsberichte?? Und vielleicht ist meine Interpretation des Ganzen auch komplett falsch, ich weiß es nicht, ich habe ja keine näheren Infos außer dem, was ich im Internet dazu gefunden habe... Danke euch @:)

Antworten
W;ar mabl dper Kxater


Hi

ja, es ist wenig schmeichelhaft was über die histrionische PS zu lesen ist. Dabei hat man schon die hysterische PS in histrionische PS umbenannt um das ganze weniger abwertend zu bezeichnen.

Eine PS zeichnet sich durch tief sitzende Muster im Verhalten, Denken und Fühlen aus. Bei der HPS steht vor allem starke Emotionalität und Verlangen nach Aufmerksamkeit im Vordergrund. Dem ganzen soll eine innere (unbewusste) Grundhaltung zugrunde liegen, die man mit "ich muss immer von allen geliebt werden" beschreiben könnte. Dies wird dann mit Dramatik und manipulativem Verhalten umgesetzt.

Ich persönlich sehe das sehr kritisch, gerade diese sogenannte Persönlichkeitsstörung. Das drückt einem einen Stempel auf, der das Innerste bestrifft was einen Menschen ausmacht, eben seine Persönlichkeit. Die Erklärung der Therapeutin ist natürlich nicht überzeugend und sogar verletzend.

Ich würde dem ganzen nicht zu viel Bedeutung beimessen ;-) .

J@uslxey


Aber genau das ist ja bei mir nicht der Fall... ich kann keinerlei Nähe zulassen und halte die meisten Leute auf größtmöglichem Abstand. Deshalb isses ja so unverständlich für mich...

Nicht zuviel Bedeutung beimessen ist gut, das ist jetzt meine Hauptdiagnose, d.h. jeder, der mal nen Arztbrief von mir in die Hände bekommt, liest zuallererst das. Das stigmatisiert mich total finde ich. Zudem es ja echt nicht wirklich zutrifft. Aber gaaanz herzlichen Dank für deine Antwort @:) @:) @:)

JYulexy


Ach ja, das mit dem "ich muss immer von allen geliebt werden" (was meiner Meinung nach gut zu meiner Interpretation dieser Krankheit passt) widerspricht sich auch mit dem, was meine Therapeutin sagte. Nämlich, dass ich absichtlich Leute wütend mache, damit sie mich nicht mögen ;-) Also wieder ein kleiner Beweis dafür, dass das nicht wirklich auf mich zutrifft ;-)

SLilverflbame


@ War mal der Kater:

Darf ich fragen, woher du diese Definition hast?

Die trifft nämlich auch gut auf eine Bekannte von mir zu... :-/

cLeter5um cenxseo


Findet man bei [[http://de.wikipedia.org/wiki/Histrionische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung Wikipedia]]. Ausführlich nachzulesen bei Oldham und Morris "Ihr Persönlichkeitsportait".

Ich kenne ebenfalls eine Frau mit dieser PS. Erst als die Beziehung mit ihr schon längere Zeit zurücklag, konnte eine Psychiaterin in meinen eher naiven Erzählungen die histrionische PS klar erkennen. Vorher wußte ich nicht mal, daß es sowas überhaupt gibt. Ich tippte bei so einem Verhalten vorher immer auf eine narzßtische Störung.

W~ar ]mal [de{r Katxer


Silverflame

die Definition habe ich nicht aus Wikipedia (eine von mir eher kritisch gesehene Quelle) sondern ist sehr kurz zusammengefasst aus Literaturquellen.

Eine davon:

Fiedler, P. (2007). Persönlichkeitsstörungen (6., vollst. überarb. Aufl.). Weinheim: Beltz PVU.

s(ch9natterg>usc_he


Eine Psychiaterin, die eine Ferndiagnose [[http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm F60.4]] auf Grund von Beschreibungen ihres Patienten abgibt? Sachen gibts... ":/

cqeteruFm cenxseo


Wer spricht denn von einer Ferndiagnose? Die Ärztin war doch nicht die behandelnde Ärztin der betreffenden Person. Somit erfolgte auch keine Diagnose. Die Richtung der Störung läßt sich aber recht gut durch [[http://de.wikipedia.org/wiki/Diagnostic_and_Statistical_Manual_of_Mental_Disorders diese]] Klassifikation eingrenzen. Für eine Therapie ist natürlich mehr notwendig, aber darum ging es ja nicht.

sichnaftterEg%uscxhe


Die Ärztin war doch nicht die behandelnde Ärztin der betreffenden Person. Somit erfolgte auch keine Diagnose.

Das ist hanebüchener Unsinn. Eine Krankheit oder Störung "klar erkennen" erkennen heißt, sie diagnostiziert zu haben. Dazu meint [[http://de.wikipedia.org/wiki/Diagnose ikipedia]]:

Die Diagnose [...] ist in Berufen der Gesundheit wie Medizin, Pflege, Physiotherapie oder der Psychologie die genaue Zuordnung von Befunden – diagnostischen Zeichen oder Symptomen – zu einem Krankheitsbegriff oder einer Symptomatik im Sinne eines Syndroms.

Natürlich macht eine seriöse Psychiaterin das nicht auf der Grundlage von Erzählungen ihres Patienten, sondern nur nach persönlichem Augenschein. Denn sie würde gerade die Möglichkeit einer psychisch gestörten Wahrnehmung ihres Patienten in Betracht ziehen.

sGchnfecke1~985


@ Juley

Klar ist man am Anfang immer von den Diagnosen geschockt :)_

Grade bei PS sind die Grenzen sehr fließend, bei BL z.B. wird davon ausgegangen, dass fast jeder Bordie eine zweite PS aufweist. Zudem sind viele psychiatrische Diagnosen stark von dem behandelnden Arzt abhängig... grade dann, wenn man sich auch nach längerer Zeit mit einem "diagnostizierten" Störungsbild überhaupt nicht identifizieren kann liegt der Verdacht nahe, dass da was falsch diagnostiziert wurde. Auch psychologische Tests sind in dem Punkt nicht das non-plus-Ultra, weil sie immer nur Momentaufnahmen einer Person dokumentieren können.

Ich würd mir die vorhandenen Infos aus Internet usw. durchlesen und dann mal abwarten, inwiefern du dich selbst im Laufe der nächsten Wochen mit diesem Störungsbild identifizieren kannst. Wenn das nicht der Fall ist, dann wars wohl eine Fehldiagnose, wenn ja, dann ist die Diagnose der erste Schritt in die Richtung, sich kompetente Hilfe für genau dieses Störungsbild zu suchen. Fühl dich lieb gedrückt und lass dich nicht unterkriegen! @:) :)*

Jlulexy


@ schnecke1985

Danke!! @:) @:) @:) :)_

Klar ist man am Anfang immer von den Diagnosen geschockt

Das war ich vor ein paar Jahren auch, als ich die (Verdachts-)Diagnose BL bekommen habe und mich dann darüber informiert habe (konnte mir damals überhaupt nix drunter vorstellen). Als ich dann ungefähr wusste was das ist, hab ich alles getan um diese Diagnose abzuwenden, hab z.B. versucht den Test, der dann gemacht wurde, um die Diagnose zu bestätigen, zu manipulieren. Aber das hat nicht geklappt :=o Mit der Zeit konnte ich mich jedoch mit dieser Diagnose identifizieren, d.h. meine Probleme darin erkennen und endlich konnte mir auch gezielt geholfen werden. (aber es gibt durchaus auch Leute, die u.a. diese Diagnose unbedingt haben wollen, warum auch immer %:| Die sind dann froh wenn sie die gewünschte Diagnose endlich bekommen und sind garantiert nicht geschockt ]:D Leider kenne ich selbst solche Leute... die ahmen dann Symptome nach, die sie irgendwo bei anderen Borderlinern abgeguckt haben usw.)

Das mit den Momentaufnahmen wurde mir auch gesagt... aber das ist doch eine Persönlichkeitsstörung, kann die von einem Moment auf den anderen anders sein?? Ich zweifle immer noch an dieser Diagnose... denn wenn ich die hätte, warum ist das den Leuten nicht aufgefallen, die mich in den letzten Jahren behandelt haben? Und die sind wesentlich erfahrener in diesem Bereich als die Therapeutin, die bei mir diese Diagnose gestellt hat (die ist 26, hat keine Erfahrung und keine eigene Meinung %:| und konnte wohl nicht damit umgehen, dass ich an ihrem nicht vorhandenen Ego gekratzt habe ]:D ) Komisch ist auch die Reaktion meiner Ärzte/Therapeuten die mich schon länger kennen... einige haben sich kaputt gelacht über diese Diagnose und sich nur gewundert, andere wiederum sind damit vollkommen einverstanden. Einig sind sie sich nur in dem Punkt, dass ich nach wie vor die Kriterien von BL voll und ganz erfülle, und nicht davon fast "geheilt" bin, wie es die 26jährige Therapeutin behauptet. An den Entlassungsbrief, den sie geschrieben hat, komme ich leider nicht ran, wäre mal ganz interessant, was die da so von sich gibt ]:D Ich vermeide es übrigens ganz bewusst, etwas über diese Diagnose zu lesen, denn dabei fühle ich mich total abgewertet. Ok, vielleicht habe ich ein paar wenige der Symptome dieser Persönlichkeitsstörung, aber meiner Meinung nach reichen diese nicht, um mir diese Diagnose als Hauptdiagnose zu geben, denn vieles davon trifft auf mich rein gar nicht zu %:|

s?chn,ecke1x985


Hey nochmal... nur ganz kurz mein Senf

Das mit den Momentaufnahmen wurde mir auch gesagt... aber das ist doch eine Persönlichkeitsstörung, kann die von einem Moment auf den anderen anders

Ich bin selbst diagnostizierte BL und zu Beginn, kurz nach Diagnosestellung, hab ich zwei- oder dreimal online einen Borderline-Test gemacht (wollts auch nicht glauben), jedes Mal kamen ganz andere Ergebnisse raus. Einmal wurde mir die Störung voll und ganz bestätigt, beim nächsten Test ein Paar Wochen später hatte ich nix :=o obwohl ich aus meiner Sicht jetzt voll und ganz sagen kann, dass ich BL bin. Da hab ich erstmal gesehen, wie sehr Antworten auf Fragen abweichen können, auch wenn man versucht wahrheitsgemäß zu antworten

JPulxey


Bei mir wurde es im Mai diesen Jahres nochmal diagnostiziert (BL, die Klinik in der ich DBT gemacht habe, macht vor der Therapie nochmal eine ausführliche Diagnostik), laut dieser Diagnostik hatte ich 7 der 9 Kriterien erfüllt. 3 Monate später (nach der DBT) erfülle ich angeblich nur noch 4 der Kriterien. (meine Ex-Thera meinte dazu: "Was, in 3 Monaten? :-o ") Wäre ja schön, wenn es so wäre, glaub mir ich würde feiern ;-D Aber leider ist es nun mal nicht so, ich bin wohl selbst dran schuld, weil ich während der DBT fast niemanden an mich heran gelassen habe, konnte denen irgendwie nicht vertrauen bzw. sie ernst nehmen ":/ Also kommt es wohl zu falschen Diagnosen... %:|

HbalsenPtzFuenxdung


Hallo,

was man so im Internet zu der histrionischen Persönlichkeitsstörung findet, ist tatsächlich nicht sonderlich schmeichelhaft.

Ich selbst studiere Psychologie (bin noch mitten dabei und würde mich daher keineswegs als "Profi" bezeichnen – das nur vorweg! ;-) und interessiere mich besonders für das Gebiet der Persönlichkeitsstörungen. Gerade die histrionische PS hat es mir dabei "angetan", da mir diese nämlich mal selbst bei einem unfassbar seriösen Internettest (Achtung: Ironie!) "diagnostiziert" wurde.

Jedenfalls hat diese "Diagnose" zumindest dafür gesorgt, dass ich mich informiert und einige Bücher gelesen habe. Besonders hat mir die kognitionspsychologische Erklärung gefallen, die nicht mehr ganz so böse klang:

Jeder Mensch hat gewisse "sekundäre Grundbedürfnisse" (wie Anerkennung, Wichtigkeit, Solidarität, etc.). Bei Histrionikern wurden genau die drei aufgezählten in früheren Beziehungen (meist zu den Eltern) frustriert und sind dadurch in der Bedürfnishierarchie nach ganz oben gerutscht. Klar, ein Bedürfnis, das lange nicht befriedigt wurde, wird immer wichtiger und salienter (wie Hunger, der immer stärker wird, wenn man nichts zu essen bekommt, und später nur noch an den Hunger und daran, etwas zu essen, denken kann).

Histrioniker wurde also nicht genug Anerkennung gegeben, sie haben von ihren Eltern nicht (genug) das Gefühl bekommen, dass sie etwas können, und auch nicht, dass sie im Leben anderer Menschen eine wichtige Rolle spiele (Bedürfnis Wichtigkeit). Dadurch haben sich (unbewusste) Selbstschemata entwickelt wie "Ich kann nichts", "Ich habe anderen nichts zu bieten", etc.

Diese (unbewussten) Schemata sollen aber auf keinen Fall bestätigt werden, weshalb die histrionisch persönlichkeitsgestörte Person Kompensationsverhalten zeigt und Strategien entwickelt, wie Aufmerksamkeit, Anerkennung und Wichtigkeit erlangt werden können (die Strategien sind da ganz unterschiedlich: charmant, unterhaltsam, witzig, (sexuell) attraktiv – auf jeden Fall bedeutsam für andere sein!). Das (kognitiv gesetzte) Ziel "Alle Menschen müssen mich lieben" oder "Ich muss immer an erster Stelle stehen" spiegeln das ganz gut wider. Sie sind das totale Gegenteil der unbewussten negativen Selbstschemata und stellen dadurch perfekte Kompensationsziele dar, um die negativen Selbstschemata nicht zu bestätigen.

Das Problem ist: selbst wenn Histrioniker Anerkennung und Aufmerksamkeit dadurch bekommen, kann es ihr frustriertes Gefühl nicht (mehr) befriedigen. Die Anerkennung, die sie erhalten, passt nicht zusammen mit den Schemata, die sie aufgebaut haben ("Ich habe anderen nichts zu bieten"), sodass sie die Aufmerksamkeit auf ihr VERHALTEN, aber nicht auf ihre PERSON attribuieren: "Ich bin wichtig und kriege Aufmerksamkeit, weil ich tue, was ich tue. Aber nicht weil ich bin, wer ich bin – denn ich habe anderen ja nichts zu bieten."

Egal, wieviel Aufmerksamkeit und Anerkennung sie also bekommen, sie streben immer nach mehr und mehr, da es nicht zu ihren Selbstschemata passt und ihr Bedürfnis danach nicht befriedigen kann. In dem Buch beschrieb es eine Betroffene mit dem Umstand bei Hunger etwas Leckeres zu trinken: das Hungergefühl wird dadurch für einen kurzen Zeitraum überbrückt, aber es verschwindet nicht und schon kurz danach hat man wieder Hunger.

Ich finde, so wirken die histrionisch Persönlichkeitsgestörten schon nicht mehr ganz so unsympathisch! ;-)

Wollen Sie selber etwas dazu schreiben?

Dann melden Sie sich an bzw. lassen Sie sich jetzt registrieren, das ist kostenlos und innerhalb weniger Minuten erledigt. Interessant sind sicher auch die übrigen Diskussionen des Forums Psychologie oder aber Sie besuchen eines der anderen Unterforen:

 ·  ·


Nicht angemeldet: Anmelden | Registrieren | Zugangsdaten vergessen? | Hilfe

Startseite | Impressum | Nutzungsbedingungen | Netiquette | Datenschutz   © med1 Online Service GmbH