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Meine Mutter und warum ich ihr nicht verzeihen kann.

W\eirdxo87 hat die Diskussion gestartet


Hallo ...

In meinem Leben gibt es zurzeit viele Dinge, die ich klären müsste. Eines dieser Themen ist das Verhältnis zu meiner Mutter, welches wohl nicht gerade das Beste ist. Ich bin sehr unsicher, was dieses Thema betrifft.

Aus diesem Grund möchte ich einfach gerne einmal alles aufschreiben ... und ich würde mich freuen, wenn ihr mir daraufhin sagen könntet, was ihr davon haltet.

Meine Mutter hat es mit mir von Anfang an nicht wirklich leicht gehabt. Ich bin das Ergebnis einer Beziehung (oder vielleicht auch eher Affäre), die sie als Achtzehnjährige geführt hat. Mein so genannter "Vater" hat sich (obwohl er schon Anfang 30 war und vielleicht ein klein wenig mehr Verantwortung hätte zeigen können) ziemlich schnell aus dem Staub gemacht. Sie hat wegen mir ihre Ausbildung abbrechen müssen und stand dann mit ihren knapp 19 Jahren als alleinerziehende Mutter da. Als zusätzliche Belastung kam der Zustand hinzu, dass ich einige Wochen zu früh zur Welt kam und die ersten Wochen meines Lebens im Krankenhaus verbringen musste, was wohl gerade für eine so junge Mutter nicht so leicht wegzustecken ist.

Alles in allem kann man aber sagen, dass sie die damalige Situation sehr gut gemeistert hat. Sie ist eine sehr liebevolle Mutter gewesen und ich kann nicht behaupten, keine schöne Kindheit gehabt zu haben.

Als ich etwa fünf war, zogen wir aufgrund ihrer damaligen Beziehung in die Nähe von Bielefeld, wo sie auch eine Ausbildung anfing. Das war insofern eine schwierige Situation, als dass sie dort niemanden kannte und auch größtenteils auf die bisherige familiäre Unterstützung verzichten musste (wir hatten vorher in Köln gelebt und in dieser Gegend wohnten auch ihre Eltern). Ich kam dort in die Grundschule und im Grunde war für mich die Welt damals noch in Ordnung, wobei ich heute weiß, dass meine Mutter damals schon unter Depressionen litt, was sie aber vor mir so gut es ging zu verbergen versuchte. Die Beziehung zu ihrem damaligen Partner ging auseinander als ich vermutlich in der dritten Klasse war, woraufhin meine Mutter wieder alleine war.

In meinem letzten Schuljahr in der Grundschule wurde ich krank und musste mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen. Meine Mutter verlor ihren Job (oder kündigte, das weiß ich nicht genau), weil sie sich um mich kümmern musste. Für mich war das damals sehr belastend, unter anderem, weil ich unbedingt aufs Gymnasium wollte (ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch nur sehr gute Noten gehabt), was meine Mutter mir aber verwehrte, da sie fürchtere, die Belastung würde zu groß für mich sein. Ich war schon immer ein eher ruhiges und zurückhaltendes Kind gewesen, aber damals hat sich irgendetwas in mir verändert. Vielleicht habe ich unbewusst gespürt, dass es meiner Mutter nicht gut ging, vielleicht lag es auch an meinen Ängsten aufgrund des langen Krankseins. Ich habe mich damals sehr zurückgezogen, war sehr traurig, ohne den Grund erklären zu können, konnte nachts nicht mehr schlafen.

Wir sind dann wieder zurück nach Köln gezogen und ich wechselte nach der vierten Klasse auf die Gesamtschule. Für mich war das sehr schwierig, da ich mich auf dieser Schule nicht wohl fühlte und aufgrund meiner Schüchternheit schnell als Außenseiter galt. Meine Freunde wohnten alle so weit weg und es fiel mir schwer, in der Schule Anschluss zu finden. Ich habe nicht viele Erinnerungen an diese Zeit.

Ich weiß nicht, ob es schon vorher war, aber irgendwann fing meine Mutter an zu trinken. Wirklich mitbekommen habe ich das glaube ich erst mit elf oder zwölf. Sie hat sich immer um mich gekümmert, aber ich weiß, dass sie unglücklich war.

Als ich 13 war, ist die Situation eskaliert. Ich war vollkommen hilflos angesichts des Alkoholproblems meiner Mutter, welches immer schlimmer wurde. Tagsüber versuchte sie, mir eine heile Welt vorzuspielen, aber jeden Abend betrank sie sich. Sie schlich sich oft nachts aus der Wohnung, wenn sie dachte, ich würde schlafen. Sie traf sich mit irgendwelchen Männern, vermutlich um ihrer Einsamkeit zu entfliehen. Und redete sich selbst ein, dass ich von all dem nichts mitbekommen würde.

Es wurde einfach alles totgeschwiegen. Sie spielte mir die glückliche Mutter vor, die alles im Griff hatte, während ich das lebensfrohe und zufriedene Kind mimte, brav war und gute Noten mit nach Hause brachte.

Das ging wie gesagt gut bis ich 13 war. Ich war so verzweifelt angesichts der Situation und meiner Hilflosigkeit, kam mit dieser Verantwortung nicht zurecht, fühlte mich völlig auf mich alleine gestellt. Ich habe in der Schule komplett dicht gemacht, habe gar nichts mehr gesagt. Ich war einfach wie versteinert. Wenn ein Lehrer mich drannahm, bekam ich keinen Ton heraus. Ich hatte plötzlich vor allem Angst. Vor dem Sprechen, vor anderen Menschen, vor Verantwortung, vor der Zukunft, davor, dass meine Mutter sich etwas antun könnte. Davor, allein zu sein. Ich wollte dieses Spiel nicht mehr mitspielen, wollte nicht mehr so tun, als würde ich nichts mitbekommen. Ich tat alles, um die Aufmerksamkeit meiner Mutter zu erregen. Ich machte in der Schule nicht mehr mit, blieb nachmittags stundenlang weg, fing an mich zu ritzen und versuchte nicht einmal, es vor ihr zu verstecken. Ich stahl ihr Zigaretten, obwohl ich das Rauchen widerlich fand, klaute auch ein paar Mal in Geschäften, in der Hoffnung, erwischt zu werden. Irgendwann nahm ich eine Flasche Rotwein von meiner Mutter und betrank mich damit. Ich wollte einfach nur, dass sie endlich aufwachte. Das Resultat war nur, dass ich nach dieser Aktion die ganze Nacht gekotzt habe und meine Mutter sämtliche Flaschen wegschüttete und mir unter Tränen versprach, dass sie aufhören würde. Das war alles, was zu diesem Thema gesagt wurde. Ein oder zwei Wochen später fing sie wieder damit an.

Im Januar 2001 ging ich abends zu ihr ins Wohnzimmer, wo sie wie jeden Abend mit ihrer Flasche Wein saß. Ich sagte dir, wenn sie das Zeug nicht endlich wegkippen würde, würde ich gehen. Und sie starrte einfach nur durch mit hindurch und nahm noch einen Schluck aus ihrem Glas. Daraufhin ging ich in mein Zimmer, packte meine Sachen und lief den ganzen Weg bis zum Bahnhof (ca. vier Kilometer) und fuhr zu meiner Tante, die ca. 70 km entfernt wohnte. Und dort bin ich geblieben. Bei ihr und meinen Cousinen. Weil ich nie wieder zurückwollte.

Das Verhältnis zu meiner Mutter hat sich mit der Zeit auch wieder gebessert und war auch eigentlich gut. Sie hat mir ja auch eigentlich nie etwas getan. Ich konnte ihr das alles aber einfach trotzdem nie wirklich verzeihen.

Vor einem Jahr haben meine Exfreundin und ich unsere gemeinsame Tochter verloren (sie war viel zu früh geboren worden) und meine Mutter sagte mir, es sei doch besser so, ich wäre dieser Verantwortung eh nicht gewachsen gewesen. Und seitdem kann ich nicht mehr mit ihr reden. Zum einen, weil niemand mir sagen kann, dass es besser ist, dass meine Tochter nicht mehr am Leben ist und ich ihr diese Aussage einfach nicht verzeihen kann, und zum anderen, weil das für mich gleichbedeutend ist mit "Es wäre auch für mich besser gewesen, wenn es dich nicht geben würde, du hast mein Leben zerstört und mir meine Zukunft genommen, und im Grunde hast du kein Recht, überhaupt hier zu sein."

Und ich weiß nicht, was ich eigentlich mit all dem sagen will, aber als ich heute Morgen aufgewacht bin, ist das einfach plötzlich alles da gewesen und ich muss es einfach irgendwie loswerden.

Antworten
svunshZiney


es belastet dich........du solltest eine therapie machen und deiner mutter verzeihen, sie ist auch nur ein mensch und menschen machen fehler und haben schwächen........das deine mutter immer denkt du schaffst etwas nicht oder es könnte dir zuviel werden liegt vielleicht an ihrer eigenen schwäche ........mir fällt auch auf das du dir die schuld dafür gibst das deine mutter immer unglücklich war......

RpedApPplxe


Zum einen, weil niemand mir sagen kann, dass es besser ist, dass meine Tochter nicht mehr am Leben ist und ich ihr diese Aussage einfach nicht verzeihen kann, und zum anderen, weil das für mich gleichbedeutend ist mit "Es wäre auch für mich besser gewesen, wenn es dich nicht geben würde, du hast mein Leben zerstört und mir meine Zukunft genommen, und im Grunde hast du kein Recht, überhaupt hier zu sein."

Du hast viel durchgemacht in Deinem Leben und es ist sehr traurig, dass Du Deine Tochter so früh verloren hast :°_

Eine Frage: kannst Du Deine Mutter als einen Menschen sehen, der Zeit seines Lebens kaum glücklich war? Der nie einen geraden Weg gegangen ist/gehen konnte (Ausbildung, stabile glücklicke Beziehung/Familie) und deshalb aufgrund von Depressionen in die Alkoholsucht abgerutscht ist? Der dadurch verbittert ist? Der Dir Dinge ersparen will, die ihm wiederfahren sind (kein guter Elternteil sein für das eigene Kind)? Auch wenn es sich krass anhört, vielleicht meinte sie ja auch nicht Dich mit ihrer Aussage, sondern sich selbst: dass sie weder Dir eine gute Mutter noch der Kleinen eine gute Großmutter sein konnte/könnte.

Du hast keine Schuld, dass ihr Leben "zerstört" wurde. Du hast keinen Anteil daran, dass es damals bei ihr mit der Verhütung nicht klappte und Du bist auch nicht verantwortlich für ihr Privatleben. Sicher, sie mag es mit Dir nicht einfach gehabt haben, aber das auch nur aus guten Grund. Denn besonders glücklich scheinst Du lange Jahre auch nicht gewesen zu sein.

Ich wünsche Dir die Kraft, dass Du einen Weg dar raus findest, evtl. auch mit therapeutischer Hilfe, wer weiß. Der Vergangenheit ins Auge sehen und die eigenen Dämonen zu bekämpfen, das tut sehr weh und fordert viel Kraft und Energie. Hut ab und Respekt vor jedem, der seine Probleme in Angriff nimmt @:)

Wfeirdxo87


Danke, dass ihr euch das alles durchgelesen habt. :-) Ich hatte ursprünglich gar nicht vor, so viel zu schreiben ...

Ich denke, im Grunde bin ich nicht einmal wirklich wütend auf meine Mutter. Ich möchte ihr nicht die Schuld daran geben, dass sie unglücklich war, denn dafür kann sie nichts. Sie hat sich immer bemüht, mir eine gute Mutter zu sein. Ich habe durch sie mehr Liebe erfahren als so manches andere Kind.

Es ist mehr ... eine allgemeine Wut darauf, dass alles so laufen musste. Darauf, dass sie nicht mehr für mich da sein und mir keine Sicherheit geben konnte.

Ich bin jahrelang damit zurecht gekommen, habe ein glückliches Leben geführt. Bis zum Verlust meiner Tochter. Da ist einfach etwas in mir kaputt gegangen. Und plötzlich komme ich mit gar nichts mehr zurecht.

Ich fange an, Parallelen zwischen meiner Mutter und mir zu sehen, was mich zusätzlich trifft. Ich füge Menschen Leid zu, bin zu schwach um mein Leben auf die Reihe zu bekommen, schaffe es nicht einmal, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen.

So wollte ich niemals sein.

L,ove'Frexak


ich kann mir vorstellen wie du dich fühlst, aber ich glaube es ist noch viel schlimmer als ich denke. was ich damit sagen will ist, dass bisher alles in deinem leben nicht gut gelaufen ist. wenn es mir schlecht geht, sag ich mir immer, dass es anderen noch viel schlimmer geht. kein scherz, ich hab mitleid mit dir. man könnte diese geschichte (oder eher erzählung, da es ja wahr ist) zu einem film machen.

ich denke, das was du brauchst ist, eine therapie, gute abschlüsse (schule, ausbildung..), eine sehr nette und gefühlsvolle freundin und später eine große glückliche familie. es klingt einfach ich weiß, aber wenn du das schaffst, kannst du dir sicher sein, dass du sehr sehr viel im leben erreicht hast ;-)

ich würde mir ein hobby suchen (es sei denn du hast schon eins) und darin gut werden, ich kenne echt viele denen es ähnlich geht, aber nur sehr wenge schreiben sowas hier zB rein odermachen sich darüber gedanken. ich glaub du denkst trotzdem was alles passiert ist richtig, du machst dir sorgen um dein weiteres leben, du kannst es 100% schaffen und dich glücklich machen und nie mehr allein sein. im ernst du kannst das !

ich wünsche dir sehr viel glück auf deinem weg ;-)

mir gehts manchmal ähnlich wie dir (nur längst nich so schlimm)

ich hoffe, dass bei dir alles gut wird, viel glück ;-)

ich schicke dir noch eine private nachhricht mit meiner email adresse, wenn du irgendwann mal mit jemanden sprechen willst oder einfach mal die sorgen losschreiben möchtest, ich werde für dich da sein ;-)

ich bin zwar erst 16 aber ich kenne diese sorgen und hoffe, dass ich dir helfen kann

bis dann (wenn du möchtest)

Liebe Grüße und Viel Glück !

s{chnatt@erguschxe


Du hast vollkommen recht. Auch Deine Mutter ist nicht schuld. Es gibt immer mindestens zwei Möglichkeiten, sich zu entscheiden. Aber manchmal sehen wir nicht einmal eine.

Ich habe durch sie mehr Liebe erfahren als so manches andere Kind.

Die anderen Kinder sind da kein Maßstab. Du hast aber vor allem eine Erfahrung gemacht. Vielleicht ist sie Dir gar nicht bewußt. Liebe ist nicht an äußere Umstände gebunden. Sie ist ein Gefühl, das wir in uns erzeugen durch die Gedanken, die wir denken. Wir Menschen haben da eine großartige Fähigkeit. Wir können bewußt und gezielt denken. Genau so bewußt und gezielt können wir in uns Liebe erzeugen. Zu jeder Zeit und so viel wir wollen. Am deutlichsten wird das bei einem sich liebenden Paar. Weil beide voll von liebevollen Gedanken an den anderen sind, strahlen sie das auf ihre ganze Umgebung aus. Mit 70 wie mit 17. Keinen kostet es etwas, und so viele Menschen haben einen Nutzen.

Du kannst bewußt liebevoll an Deine Mutter denken. Wenn die düsteren Bilder auftauchen, kannst Du die fröhlichen betonen. Damit wirst Du ihr sehr schnell verzeihen können. Achte mal dabei auf Dich selbst. Deiner Mutter zu verzeihen wird vor allem Dir sehr gut tun! Denn jeder nicht liebevolle Gedanke tut ja nicht Deiner Mutter weh, sondern Dir.

Du hast eine allgemeine Wut darauf, daß alles so laufen mußte? Das mußte es doch gar nicht. Alles was da passiert ist, ist die Folge einer Kette von Entscheidungen. Manche waren von Dir; die meisten von anderen Leuten. Aber keiner verbietet Dir, etwas zu korrigieren. Auch das ist wieder eine Entscheidung.

Wenn Du plötzlich mit gar nichts mehr zurechtkommst zeigt das, daß Du in Deinen Entscheidungen blockiert bist. Und trotzdem hast Du eine getroffen, die etwas in Gang gesetzt hat. Du hast es geschafft, zu verschiedenen Problemkreisen hier im Forum etwas zu schreiben. Das ist Dir sicher nicht leicht gefallen. Daß Du es trotzdem getan hast zeigt, welche enorme Kraft in Dir steckt. Du hast angefangen, wildfremde Menschen um Rat zu bitten. Du hast Deine Schwächen offenbart. Das zeigt große Stärke.

Jetzt ist die nächste Entscheidung fällig. Du hast viele Tipps bekommen. Aber nur Du kannst entscheiden, ob Du sie umsetzt. Und auch da gibt es wieder mindestens zwei Möglichkeiten. Falls Du nur eine siehst, such die andere(n). ;-)

g*raum


Ich habe nicht wirklich den Eindruck dass du dein Leben nicht auf die Reihe bekommst oder keine Verantwortung für dich übernimmst. Ich habe ehr den Eindruck dass du sehr gut zurecht kommst.

Du hast einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften , deine Tochter ist gestorben und das wirft jeden fühlenden Menschen aus der Bahn. Gib dir die Zeit die du brauchst . :°_ Du musst nicht sofort wieder perfekt funktionieren.

Das mit dem Verzeihen sehe ich etwas anders. Warum immer sofort den Mantel des Schweigens über alles unangenehme breiten das Eltern oder andere einen antun? Deine Mutter mag dich durchaus lieben, aber sie kann dir wohl in keiner Situation helfen. Genau genommen lässt sie dich alleine. Das tut weh.

RsedA>ppxle


Ich fange an, Parallelen zwischen meiner Mutter und mir zu sehen, was mich zusätzlich trifft. Ich füge Menschen Leid zu, bin zu schwach um mein Leben auf die Reihe zu bekommen, schaffe es nicht einmal, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen.

Du magst Parallelen zwischen Dir und Deiner Mutter sehen.... aber: wenn Du lange genug suchst, findest Du zu jedem Menschen und zu jedem Leben eine Parallele. Du schreibst, dass Du Deiner Mutter nicht böse bist, aber andererseits belasten Dich ihre negativen Eigenschaften (Leid zufügen, schwach sein, keine Verantwortung übernehmen) doch. Vielleicht solltest Du hier genau ansetzen: mache Dir bitte bewusst, dass DU NICHT DEINE MUTTER BIST. Du bist ein eigenständiger Mensch und kein Mensch ist exakt wie der andere. Du magst vielleicht einige Verhaltungsmuster aufgeschnappt haben, aber es ist an Dir, aus ihnen auszubrechen. Ich finde, dadurch dass Du Dir über diese Muster Gedanken machst und Du sie bewusst hinterfragst, bist Du weiter, als Deine Mutter jemals war. Bitte gestehe Dir zu, dass es Dir aufgrund des Verlustes Deiner Tochter nicht gut geht und Dir viele Dinge momentan schwer fallen, aber Du tust Dein Möglichstes, um einen Weg da rauszufinden. @:) :)*

swome^one bto xtrust


Es ist mehr ... eine allgemeine Wut darauf, dass alles so laufen musste. Darauf, dass sie nicht mehr für mich da sein und mir keine Sicherheit geben konnte.

Kann ich zu gut nachvollziehen. Meine Mutter hat Borderline, paranoide Schizophrenie und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Sie war mit meiner Erziehung beschäftigt, mein ebenfalls depressiver Vater war den ganzen Tag auf der Arbeit und kam abends spät, so dass ich zu ihm quasi kaum Verhältnis hatte und alles an meiner Mutter hängen blieb.

Meine Mutter impfte mich mit Komplexen, ließ ihre eigenen an mir aus, wertete mich regelmäßig ab und verwehrte mir genau wie bei dir auch den Bildungsweg, obwohl es – ebenso wie bei dir – mein Traum war, aufs Gymnasium zu gehen. Auch bei mir wurde das Argument der "Überbelastung" angeführt, in Wahrheit meinte meine Mutter allerdings, dass sie selbst Schiss hatte, überbelastet zu sein. Stattdessen wurde ich auf die asozialste Schule im Umkreis gesteckt. Über die Zeit will ich lieber gar nicht reden.

Ich habe dann meine Abschlüsse nachgeholt, aber es hat sehr lange gedauert, bis ich studieren konnte und in all diesen Jahren war ich immer zwischen Liebe und Hass hergerissen, was meine Mutter angeht. HAbe auch eine Therapie absolviert, um Verzeihen zu lernen. Ich weiß, dass sie nichts dafür kann, wie sie ist und dass sie sicher stark gewesen und mich beschützt hätte, wenn sie "gesund" gewesen wäre. Sie hatte eine miese Kindheit, wurde auch misshandelt, sie kann nichts dafür. Einerseits denke ich auch, dass sie alles getan hat, was sie konnte, und dass man das honorieren muss. Aber ich habe leider viele der "Impf-Komplexe" meiner Mutter mitgenommen ins Erwachsenenleben, ihre enorme Angst vor Behörden und Autoriäten (Ärzte, Anwälte, Lehrer usw.), Autofahren, mich selbst zu behaupten....mittlerweile ist dast alles davon behoben, aber es war nicht leicht, die Vergangenheit abzustreifen.

Ich denke häufig in dem Schema, dass ich mich hätte besser entwickeln können, wenn ich nur etwas Rückhalt gehabt hätte und motiviert worden wäre, anstatt die überwiegend negativ besetzte Welt meiner Mutter aufgedrückt zu bekommen.

Ich versuche immer wieder, ihr für diese Schwäche zu verzeihen. Das klappt mal gut, mal schlechter. Es hält sich die Waage. Anders geht es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass meine Mutter mich heute noch abwertet, was krankheitsbedingt ist. Sie interessiert sich nicht für mich (hat sie auch noch nie), labert mich am Telefon höchstens mit ihren ganzen Krankheiten voll und jammert und heult. Will also Liebe und Aufmerksamkeit von mir. Das sind so Momente, wo mir der Kragen platzen könnte und ich froh bin, dass ich einigermaßen Selbstbehrrschung habe.

Eine andere Möglichkeit, warum sich die Gefühle Hass-Liebe immer wieder abwechseln bei mir, wenn es um Mama geht, könnte sein, weil ich nie dazu komme, über die ganze Kacke zu reden. Ich würde ihr gerne mal sagen, wie ich mich eigentlich gefühlt habe, und dass die ganze Welt sich eben nicht nur um sie kreist. Oftmals habe ich das auch versucht, aber es geht nicht, verständlicherweise, wegen ihrer Krankheiten. Sie rennt heulend weg und schließt sich ein und ich darf wieder darauf hocken bleiben.

Man trägt auf ewig sein Kreuz allein in so einer Situation, vielleicht ist es auch gut, manchmal Wut zu spüren. Man will sich die Sache ja nicht schön reden. Ich z.B. nutze die Wut als Quelle für kreative Auseinandersetzung mit dem Thema. Hilfe von außen gibt's ja kaum. Der einzige, der Verständnis für mich hat, ist mein Mann, alle anderen können sich da nicht reindenken. Ich höre häufig, man könne doch nicht so eine Einstellung zu seiner Mutter haben, müsse sie doch "noch mehr liebhaben", wenn sie solche Probleme hat usw.

Ich gehe den Mittelweg und akzeptiere, dass Gedanken an meine Mutter eben immer auch mit Wut und Verletzung verbunden sind. Ich äußere diese Wut bei ihr aber nicht und versuche – bestmöglichst – die guten Seiten zu sehen, so dass die Waage wenigstens annäherungsweise (aber keineswegs gänzlich!) im Einklang ist.

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